Hebräer 1,3
„Er [der Sohn] ist der Abglanz seiner Herrlichkeit und das Ebenbild seines Wesens...“
Der Titel „Abglanz seiner Herrlichkeit“ stammt aus Hebräer 1 und beschreibt Jesus als die sichtbare Ausstrahlung der göttlichen Herrlichkeit. Dieser Ausdruck macht deutlich, dass Christus nicht nur Gottes Wesen widerspiegelt, sondern seine Herrlichkeit aktiv offenbart. Während Gott im Alten Testament oft als verborgen und in Licht gehüllt erscheint, wird diese Herrlichkeit in Jesus sichtbar und erfahrbar (Joh 1,14; 14,9).
Das griechische Wort „apaugasma“ bedeutet „Ausstrahlung“, „Abglanz“ oder „strahlendes Licht“ und beschreibt ein Licht, das direkt von seiner Quelle ausgeht. Es wird im Neuen Testament ausschließlich für Jesus verwendet und betont seine Wesensgleichheit mit Gott. Der Begriff „doxa“ bezeichnet die Herrlichkeit Gottes, seine Majestät und sichtbare Gegenwart. Zusammen zeigen beide Begriffe: Jesus ist nicht nur Träger der Herrlichkeit Gottes, sondern deren lebendige Offenbarung (Hebr 1,3; Kol 1,15).
Im Alten Testament wird Gottes Herrlichkeit durch Begriffe wie „kabod“ (Herrlichkeit) und „or“ (Licht) beschrieben. Sie zeigt sich als leuchtende Gegenwart Gottes, etwa bei Mose (2Mo 34,29-35), in der Vision Jesajas (Jes 6,1-3), bei Hesekiel (Hes 1,26-28) oder in der Offenbarung seiner Macht (Ps 104,1-2; Hab 3,3-4). Diese Herrlichkeit blieb jedoch für den Menschen nur begrenzt sichtbar. In Jesus Christus wird sie vollständig offenbart: „Wir sahen seine Herrlichkeit“ (Joh 1,14).
Dabei unterscheidet sich „apaugasma“ von „charakter“ im selben Vers. Während „charakter“ die exakte Darstellung des Wesens Gottes beschreibt, betont „apaugasma“ die strahlende Offenbarung seiner Herrlichkeit. Jesus ist sowohl der Ausdruck des göttlichen Wesens als auch die Ausstrahlung seiner Herrlichkeit.
In der jüdischen Vorstellung war die Herrlichkeit Gottes die sichtbare Manifestation seiner Gegenwart, etwa in der Wolken- und Feuersäule oder im Tempel. In der griechischen Welt wurde Licht als Ausdruck des Göttlichen verstanden. Der Hebräerbrief verbindet beide Gedanken und zeigt: Jesus ist das wahre Licht, in dem Gottes Herrlichkeit sichtbar wird (Joh 8,12; Offb 21,23).
Diese Herrlichkeit zeigte sich im Leben Jesu nicht nur in übernatürlicher Macht, sondern auch in seinem Handeln. In seinen Worten, seinen Wundern und seinem vollkommenen Leben offenbarte er Gottes Wesen – Liebe, Gnade, Heiligkeit und Wahrheit. Der Schöpfer aller Dinge trat den Menschen nahe und machte die Herrlichkeit Gottes zugänglich.
Der Titel „Abglanz seiner Herrlichkeit“ weist zugleich auf die Berufung der Gläubigen hin. In 2. Korinther 3,18 wird beschrieben, dass wir durch das Anschauen der Herrlichkeit des Herrn in dasselbe Bild verwandelt werden. Wer Christus folgt, beginnt, diese Herrlichkeit widerzuspiegeln – im Charakter, im Glauben und im Leben.
Gott hat sich im Laufe der Geschichte auf verschiedene Weise offenbart – durch die Schöpfung, durch das Gesetz und durch die Propheten. Doch die vollkommene Offenbarung geschieht in Jesus Christus. Während Mose Gott nur teilweise sehen durfte (2Mo 33,20), können wir in Jesus das Wesen und die Herrlichkeit Gottes erkennen: „Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen“ (Joh 14,9). In ihm wird der unsichtbare Gott sichtbar und der ferne Gott nahbar.
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Gottes Segen Euch allen!
1. Thessalonicher 5,23
„Er selbst aber, der Gott des Friedens, heilige euch völlig; und vollständig möge euer Geist und Seele und Leib untadelig bewahrt werden bei der Ankunft unseres Herrn Jesus Christus!“
Amen und Amen
