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Der Zweck des Gesetzes

 

Galater 3,24

So ist also das Gesetz unser Lehrmeister geworden auf Christus hin, damit wir aus Glauben gerechtfertigt würden.


Inhalt

■ Um Sünde aufzudecken

■ Zum Beweis der Unfähigkeit des Menschen, sich selbst zu retten

■ Um Christus anzukündigen und vorzuschatten

■ Um Israel zu bewahren

■ Vollkommen erfüllt durch Christus

■ Christus erfüllte das Gesetz durch Seinen Sühnetod

■ Christus ist das Ende des Gesetzes


In diesem Beitrag werden wir untersuchen, zu welchem Zweck Gott das Gesetz gegeben hat.

 

Um Sünde aufzudecken

Der erste Hauptzweck des Gesetzes ist es, dem Menschen seinen sündigen Zustand zu offenbaren.

 

Wir wissen aber, dass das Gesetz alles, was es spricht, zu denen sagt, die unter dem Gesetz sind, damit jeder Mund verstopft werde und alle Welt vor Gott schuldig sei, weil aus Werken des Gesetzes kein Fleisch vor ihm gerechtfertigt werden kann; denn durch das Gesetz kommt Erkenntnis der Sünde.“ (Röm 3,19-20).

 

Beachte zunächst die sehr nachdrückliche Aussage „aus Werken des Gesetzes [kann] kein Fleisch vor ihm gerechtfertigt werden“ (Röm 3,20).

 

Mit anderen Worten, kein Mensch wird jemals durch die Einhaltung des Gesetzes Gerechtigkeit vor Gott erlangen.

 

Parallel dazu nennt Paulus zweimal, in zwei verschiedenen Sätzen, den Hauptzweck, zu dem das Gesetz gegeben wurde:

 

Erstens sagt er, dass „alle Welt vor Gott schuldig sei“. Eine alternative Übersetzung lautet: „damit die ganze Welt dem Gericht Gottes unterworfen wird.

 

Zweitens sagt er, „durch das Gesetz kommt Erkenntnis der Sünde.“ Wir sehen also, dass das Gesetz nicht gegeben wurde, um die Menschen gerecht zu machen, sondern im Gegenteil, um den Menschen bewusst zu machen, dass sie Sünder sind und als solche dem Urteil Gottes über ihre Sünde unterliegen.

 

Was wollen wir nun sagen? Ist das Gesetz Sünde? Das sei ferne! Aber ich hätte die Sünde nicht erkannt, außer durch das Gesetz; denn von der Begierde hätte ich nichts gewusst, wenn das Gesetz nicht gesagt hätte: Du sollst nicht begehren!“ (Röm7,7).

 

So ist nun das Gesetz heilig, und das Gebot ist heilig, gerecht und gut. Hat nun das Gute mir den Tod gebracht? Das sei ferne! Sondern die Sünde hat, damit sie als Sünde offenbar werde, durch das Gute meinen Tod bewirkt, damit die Sünde überaus sündig würde durch das Gebot.“ (Röm 7,12-13)

 

Paulus verwendet drei verschiedene Ausdrücke, die alle dieselbe Tatsache zum Ausdruck bringen:

 

1. „Ich hätte die Sünde nicht erkannt, außer durch das Gesetz“ (Röm 7,7);

 

2. „Die Sünde hat, damit sie als Sünde offenbar werde...“ (Röm 7,13);

 

3. „... damit die Sünde überaus sündig würde durch das Gebot“ (Röm 7,13).

 

Anders ausgedrückt: Der Zweck des Gesetzes war, die Sünde ans Licht der Öffentlichkeit zu bringen, ihre wahre Natur aufzudecken und sie als die subtile, zerstörerische und tödliche Macht zu zeigen, die sie wirklich ist. Die Menschen hatten dadurch keinen Entschuldigungsgrund mehr, keine Möglichkeit, sich über ihren überaus sündigen Zustand hinwegzutäuschen.

 

Im medizinischen Bereich geht man bei der Behandlung körperlicher Krankheiten stets nach einer ganz bestimmten Reihenfolge vor: Zuerst wird die Diagnose gestellt, dann wird behandelt. Der Arzt untersucht zunächst den Patienten, um Art und Ursache seiner Krankheit festzustellen; Erst nachdem das geschehen ist, verschreibt er die geeignete Medizin. Es ist ganz logisch, dass Gott nach derselben Reihenfolge vorgeht, wenn er sich mit der geistlichen Not eines Menschen befasst. Bevor er die Arznei verschreibt, stellt er zunächst die Diagnose. Die grundsätzliche Ursache aller menschlichen Not und Schmerzen ist eine Krankheit, an der ausnahmslos jeder Mensch leidet: die Krankheit der Sünde. Es kann ihm gar keine wirksame Medizin für seine Not angeboten werden, wenn nicht zuvor dieser Krankheitszustand festgestellt worden ist.

 

Die Bibel ist das einzige Buch auf der ganzen Welt, das klar und korrekt die Ursache für die Not und das Leid der Menschen diagnostiziert. Schon allein aus diesem Grund ist sie ein solch unschätzbar wertvolles, absolut unersetzliches Buch, obwohl sie natürlich noch viel mehr beinhaltet.

 

Zum Beweis der Unfähigkeit des Menschen, sich selbst zu retten

Der zweite Hauptzweck, zu dem das Gesetz gegeben wurde, war, den Menschen zu zeigen, dass sie als Sünder nicht in der Lage sind, sich durch eigene Anstrengungen selbst gerecht zu machen. Es gibt eine natürliche Tendenz in jedem Menschen, unabhängig von Gottes Gnade und Barmherzigkeit sein zu wollen. Dieses Verlangen, unabhängig von Gott zu sein, ist an sich sowohl ein Ergebnis als auch ein Beweis für den sündigen Zustand des Menschen, obwohl die meisten Menschen es nicht als solches erkennen.

 

Wenn ein Mensch also von seinem sündigen Zustand überzeugt wird, ist seine erste Reaktion, nach einem Mittel zu suchen, mit dem er sich selbst von diesem Zustand heilen und durch seine eigenen Anstrengungen rechtschaffen machen kann, ohne auf die Gnade und Barmherzigkeit Gottes angewiesen zu sein. Aus diesem Grund haben religiöse Gesetze und Vorschriften durch alle Zeitalter hindurch immer eine starke Anziehungskraft auf die Menschheit ausgeübt, unabhängig von Unterschieden in der Nationalität oder Herkunft. Indem sie solche Gesetze und Vorschriften befolgten, versuchten die Menschen, die innere Stimme ihres eigenen Gewissens zum Schweigen zu bringen und sich durch eigene Anstrengungen gerecht zu machen.

 

Genau das war die Reaktion vieler religiöser Israeliten auf das Gesetz des Mose. Paulus beschreibt im Folgenden diesen Versuch Israels, ihre eigene Gerechtigkeit herzustellen.

 

Denn weil sie die Gerechtigkeit Gottes nicht erkennen und ihre eigene Gerechtigkeit aufzurichten trachten, haben sie sich der Gerechtigkeit Gottes nicht unterworfen.“ (Röm 10,3).

 

Als Ergebnis des Versuchs, ihre eigene Gerechtigkeit zu etablieren, versagte Israel darin, sich Gott und Gottes Weg der Gerechtigkeit zu unterwerfen. Die Hauptursache ihres Fehlers war also geistlicher Stolz – die Verweigerung, sich Gott zu unterwerfen, der Wunsch, unabhängig von Gottes Gnade und Barmherzigkeit zu sein.

 

Wenn Menschen jedoch wirklich bereit sind, ehrlich zu sich selbst zu sein, müssen sie immer wieder zugeben, dass es ihnen niemals gelingen kann, sich durch die Einhaltung religiöser oder moralischer Gesetze selbst gerecht zu machen. Paulus schildert diese Erfahrung in der Ich-Form; er selbst hatte sich einst bemüht, durch die Einhaltung des Gesetzes gerecht zu werden. In Römer 7,18-23 sagt er Folgendes:

 

Denn ich weiß, dass in mir, das heißt in meinem Fleisch, nichts Gutes wohnt; das Wollen ist zwar bei mir vorhanden, aber das Vollbringen des Guten gelingt mir nicht. Denn ich tue nicht das Gute, das ich will, sondern das Böse, das ich nicht will, das verübe ich. Wenn ich aber das tue, was ich nicht will, so vollbringe nicht mehr ich es, sondern die Sünde, die in mir wohnt. Ich finde also das Gesetz vor, wonach mir, der ich das Gute tun will, das Böse anhängt. Denn ich habe Lust an dem Gesetz Gottes nach dem inneren Menschen; ich sehe aber ein anderes Gesetz in meinen Gliedern, das gegen das Gesetz meiner Gesinnung streitet und mich gefangen nimmt unter das Gesetz der Sünde, das in meinen Gliedern ist.

 

Hier spricht Paulus als jemand, der aufrichtig die Gerechtigkeit und die Attraktivität eines Lebens nach dem Gesetz anerkennt. Je mehr er jedoch darum kämpft, das zu tun, was das Gesetz verlangt, desto mehr wird er sich eines anderen Gesetzes, einer anderen Macht in seiner eigenen fleischlichen Natur bewusst, die ständig gegen das Gesetz kämpft und seine stärksten Bemühungen zunichtemacht, sich durch das Befolgen des Gesetzes gerecht zu machen.

 

Der zentrale Punkt dieses innerlichen Konflikts wird in Vers 21 ausgedrückt.

 

Ich finde also das Gesetz vor, wonach mir, der ich das Gute tun will, das Böse anhängt.

 

Dies ist ein scheinbarer Widerspruch und wird doch durch alle menschlichen Erfahrungen bestätigt. Ein Mensch weiß nie, wie schlecht er ist, bis er wirklich versucht, gut zu sein. Danach bringt jeder Versuch, gut zu sein, nur noch deutlicher die hoffnungslose, unheilbare Sündhaftigkeit seiner eigenen fleischlichen Natur zum Vorschein, angesichts derer alle seine Bemühungen und guten Absichten völlig vergeblich sind.

 

Um Christus anzukündigen und vorzuschatten

Wir haben gesehen, dass der zweite Hauptzweck des Gesetzes darin bestand, den Menschen zu zeigen, dass sie nicht nur sündig sind, sondern dass sie völlig unfähig sind, sich selbst von der Sünde zu erlösen und durch ihre eigenen Anstrengungen gerecht zu werden.

 

Der dritte Hauptzweck, zu dem das Gesetz gegeben wurde, war der, dass es den kommenden Erlöser ankündigen und vorschatten sollte, der allein die Menschen retten und zur wahren Gerechtigkeit führen würde. Diesen Zweck erfüllte das Gesetz auf zweierlei Weise: Der Erlöser wurde darin durch direkte Prophetie vorhergesagt und auch durch die Vorbilder und Zeremonien der Gesetzesvorschriften vorgeschattet.

 

Ein Beispiel für direkte Prophetie im Rahmen des Gesetzes finden wir in 5. Mose 18,18-19, wo der Herr durch Mose zu Israel spricht:

 

Ich will ihnen einen Propheten, wie du es bist, aus der Mitte ihrer Brüder erwecken und meine Worte in seinen Mund legen; der soll alles zu ihnen reden, was ich ihm gebieten werde. Und es wird geschehen, wer auf meine Worte nicht hören will, die er in meinem Namen reden wird, von dem will ich es fordern!

 

Petrus zitiert später diese Worte des Mose und wendet sie direkt auf Jesus Christus an (vgl Apg 3,22-26). So wird der von Mose im Gesetz vorhergesagte Prophet in der Person Christi im Neuen Testament erfüllt.

 

In den Opferhandlungen und den Vorschriften des Gesetzes gibt es viele Bilder, die den Herrn Jesus Christus als den kommenden Erlöser prophetisch vorschatten.

 

In 2. Mose 12 zum Beispiel deutet die Anordnung des Passahlamms auf die Erlösung durch den Glauben an das Sühneblut Jesu Christi hin, das in der Passahzeit am Kreuz auf Golgatha vergossen wurde. In ähnlicher Weise deuten die verschiedenen Opfer, die mit der Vergebung der Sünde und der Annäherung an Gott verbunden sind und die in den ersten sieben Kapiteln des 3. Buches Mose beschrieben werden, auf alle verschiedenen Aspekte des Opfertodes und der Sühne Jesu Christi am Kreuz hin.

 

Aus diesem Grund stellte Johannes der Täufer Christus in Israel mit diesen Worten vor:

Siehe, das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinwegnimmt!“ (Joh 1,29).

 

Durch den Vergleich von Christus mit einem Opferlamm wurde das Volk Israel darauf hingewiesen, in Christus denjenigen zu sehen, der durch alle Opferbestimmungen des Gesetzes vorhergesagt worden war.

 

Dieser Zweck des Gesetzes wird in den Worten von Paulus im Galaterbrief zusammengefasst:

 

Galater 3,22-24

Aber die Schrift hat alles unter die Sünde zusammengeschlossen, damit die Verheißung aufgrund des Glaubens an Jesus Christus denen gegeben würde, die glauben. Bevor aber der Glaube kam, wurden wir unter dem Gesetz verwahrt und verschlossen auf den Glauben hin, der geoffenbart werden sollte. So ist also das Gesetz unser Lehrmeister geworden auf Christus hin, damit wir aus Glauben gerechtfertigt würden.

 

Das griechische Wort „tutor“, das hier mit „Lehrer“ übersetzt wird, bezeichnet einen älteren Sklaven im Haushalt eines wohlhabenden Mannes, dessen besondere Aufgabe es war, den Kindern des reichen Mannes die ersten elementaren Wissenslektionen zu vermitteln und sie danach jeden Tag zur Schule zu begleiten, wo sie fortgeschritteneren Unterricht erhielten.

 

In ähnlicher Weise gab das Gesetz Israel die erste elementare Unterweisung in den grundlegenden Anforderungen Gottes bezüglich der Gerechtigkeit und war danach ein Mittel, um sie dazu anzuleiten, ihren Glauben auf Jesus Christus zu setzen und von Christus die Lektion der wahren Gerechtigkeit zu lernen, die durch den Glauben, ohne die Werke des Gesetzes, ist.

 

So wie die erzieherische Aufgabe dieses Sklaven vollendet war, sobald er die Kinder seines Herrn in die Obhut des voll ausgebildeten Lehrers in der Schule übergab, so war die Aufgabe des Gesetzes vollendet, sobald es Israel zu ihrem Messias, Jesus Christus, gebracht und sie veranlasst hatte, ihre Notwendigkeit der Erlösung durch den Glauben an Ihn zu erkennen.

 

Um Israel zu bewahren

In diesen Worten des Paulus aus Galater 3,22-24 findet sich ein Satz, der eine weitere wichtige Funktion des Gesetzes im Zusammenhang mit Israel offenbart. Indem er als Israelit spricht, sagt Paulus:

 

Bevor aber der Glaube kam, wurden wir unter dem Gesetz verwahrt und verschlossen auf den Glauben hin, der geoffenbart werden sollte.“ (Gal 3,23).

 

Das Gesetz hielt Israel als eine besondere Nation, abgesondert von allen anderen, abgesondert durch seine besonderen Riten und Vorschriften, bewahrt für die besonderen Zwecke, für die Gott sie berufen hatte. Der Prophet Bileam legt in seiner von Gott gegebenen Vision von Israels Schicksal den Plan Gottes für sie dar.

 

Siehe, das Volk [Israel] wird abgesondert wohnen und sich nicht zu den Völkern rechnen.“ (4Mo 23,9).

 

Gottes vollkommener Wille für Israel war, dass sie allein, als eine einzigartige und separate Nation, in ihrem eigenen Land wohnen sollten. Aber selbst als Israels Ungehorsam diesen ersten Plan Gottes für sie vereitelte und sie als Verbannte und Wanderer unter alle Nationen der Welt zerstreut wurden, ordnete Gott immer noch an, dass sie nicht zu den Nationen gerechnet werden sollten.

 

In den vergangenen neunzehn Jahrhunderten der jüdischen Zerstreuung unter die heidnischen Nationen hat sich dieser Erlass Gottes auf wunderbare Weise erfüllt. In allen Ländern und Nationen, in die sie gekommen sind, sind die Juden immer ein eigenständiges und separates Element geblieben, das niemals gleichgestellt wurde oder seine besondere Identität verloren hat. Das wichtigste Instrument, um Israel als eigenständige Nation zu erhalten, war das fortgesetzte Festhalten an dem Gesetz des Mose.

 

Vollkommen erfüllt durch Christus

Zum Abschluss dessen, was wir bisher gelernt haben, können wir die vier Hauptziele zusammenfassen, für die das Gesetz des Mose gegeben wurde:

 

1. Das Gesetz wurde gegeben, um den Menschen ihre sündige Natur zu zeigen;

 

2. Das Gesetz zeigte den Menschen auch, dass sie als Sünder nicht in der Lage sind, sich selbst durch eigene Anstrengung gerecht zu machen;

 

3. Das Gesetz diente dazu, durch Prophezeiung und durch Andeutungen den Erlöser vorauszusagen, der kommen sollte und durch den allein es dem Menschen möglich sein würde, wahre Erlösung und Gerechtigkeit zu erlangen;

 

4. Das Gesetz hat dazu gedient, Israel während der vielen Jahrhunderte seiner Zerstreuung als eigenständige Nation zu erhalten, so dass es auch jetzt noch für die besonderen Zwecke bewahrt wird, die Gott für es vorbereitet hat.

 

Unsere Untersuchung der Beziehung zwischen dem Gesetz und dem Evangelium könnte nicht vollständig sein, ohne die Worte zu berücksichtigen, in denen Christus selbst Seine Haltung und Seine Beziehung zum Gesetz zusammenfasst:

 

Matthäus 5,17-18

Ihr sollt nicht meinen, dass ich gekommen sei, um das Gesetz oder die Propheten aufzulösen. Ich bin nicht gekommen, um aufzulösen, sondern um zu erfüllen! Denn wahrlich, ich sage euch: Bis Himmel und Erde vergangen sind, wird nicht ein Buchstabe noch ein einziges Strichlein vom Gesetz vergehen, bis alles geschehen ist.

 

In welchem Sinne hat Christus das Gesetz erfüllt? Erstens erfüllte Er es persönlich durch Seine eigene makellose Gerechtigkeit und durch die fehlerfreie, konsequente Einhaltung jeder Vorschrift.

 

Gott [sandte] seinen Sohn, geboren von einer Frau und unter das Gesetz getan, damit er die, welche unter dem Gesetz waren, loskaufte, damit wir die Sohnschaft empfingen.“ (Gal 4,4-5)

 

Beachte die Worte „geboren von einer Frau und unter das Gesetz getan...“ Durch Seine Geburt als Mensch war Jesus Christus ein Jude, der allen Verordnungen und Verpflichtungen des Gesetzes unterworfen war. Diese erfüllte Er während Seines gesamten Lebens auf der Erde vollkommen, ohne auch nur um ein Haar von dem abzuweichen, was von jedem Juden unter dem Gesetz verlangt wurde. In diesem Sinne hat Jesus Christus allein von allen, die jemals unter das Gesetz kamen, dieses perfekt erfüllt.

 

Christus erfüllte das Gesetz durch Seinen Sühnetod

Jesus erfüllte das Gesetz, indem Er das Gesetz vollständig und perfekt einhielt. Er erfüllte das Gesetz auch in einem anderen Hinblick, durch Seinen Sühnetod am Kreuz.

 

Er hat keine Sünde getan, es ist auch kein Betrug in seinem Mund gefunden worden... Er hat unsere Sünden selbst an seinem Leib getragen auf dem Holz, damit wir, den Sünden gestorben, der Gerechtigkeit leben mögen“ (1Petr 2,22,24).

 

Selbst ohne Sünde, nahm Christus die Sünden all derer auf sich, die unter dem Gesetz waren, und bezahlte dann stellvertretend für sie die endgültige Strafe des Gesetzes, durch den Tod, in vollem Umfang. Mit der vollen Strafe, die so von Christus bezahlt wurde, wurde es für Gott möglich, volle und freie Vergebung für alle anzubieten, die durch den Glauben den Sühnetod Christi für sich annehmen, ohne Seine göttliche Gerechtigkeit zu kompromittieren.

 

So erfüllte Christus das Gesetz erstens durch Sein Leben in vollkommener Gerechtigkeit und zweitens durch Seinen Sühnetod, durch den Er die gerechte Anforderung des Gesetzes an alle erfüllte, die es nicht vollkommen befolgt hatten.

 

Drittens erfüllte Christus das Gesetz, indem Er in sich selbst jedes Merkmal vereinte, das im Gesetz über den Retter und Messias, den Gott zu senden verheißen hatte, prophetisch dargelegt wurde. Schon zu Beginn des weltlichen Wirkens Christi lesen wir, wie Philippus zu Nathanael sagte:

Wir haben den gefunden, von welchem Mose im Gesetz und die Propheten geschrieben haben, Jesus, den Sohn Josephs, von Nazareth.“ (Joh 1,45).

 

Wiederum, nach Seinem Tod und Seiner Auferstehung, sagte Christus zu Seinen Jüngern:

 

Das sind die Worte, die ich zu euch geredet habe, als ich noch bei euch war, dass alles erfüllt werden muss, was im Gesetz Moses und in den Propheten und den Psalmen von mir geschrieben steht.“ (Lk 24,44).

 

Wir sehen also, dass Christus das Gesetz auf dreifache Weise erfüllt hat:

 

1. durch Sein vollkommenes Leben;

2. durch Seinen erlösenden Tod und Seine Auferstehung;

3. durch die Erfüllung all dessen, was das Gesetz in Bezug auf den kommenden Erlöser und Messias vorausgesagt und angedeutet hat.

 

Christus ist das Ende des Gesetzes

Wir befinden uns somit also in vollkommener Übereinstimmung mit den Worten Paulus:

 

Heben wir nun das Gesetz auf durch den Glauben? Das sei ferne! Vielmehr bestätigen wir das Gesetz.“ (Röm 3,31).

 

Der Gläubige, der den Sühnetod Jesu Christi als Erfüllung des Gesetzes in seinem Namen annimmt, wird dadurch befähigt, ohne Kompromisse oder Einschränkungen jedes Detail des Gesetzes als vollständig und unveränderlich wahr anzunehmen. Der Glaube an Christus zur Errettung hebt die Offenbarung des Gesetzes nicht auf; im Gegenteil, er erfüllt sie.

 

Denn Christus ist das Ende des Gesetzes zur Gerechtigkeit für jeden, der glaubt.“ (Röm 10,4).

 

Das griechische Wort, das hier mit „Ende“ übersetzt wird, hat zwei verwandte Bedeutungen: 

 

1. der Zweck, zu dem etwas getan wird (sprich, etwas wird vollendet);

2. das, was etwas zu einem Ende bringt.

 

In beiden Hinsichten endete das Gesetz mit Christus.

 

Im ersten Fall wird das Gesetz, nachdem es uns erfolgreich zu Christus gebracht hat, in dieser Funktion nicht mehr gebraucht.

 

Im zweiten Fall hat Christus durch Seinen Tod dem Gesetz als Mittel zur Erreichung der Gerechtigkeit bei Gott ein Ende gesetzt. Der Glaube an Ihn ist nun die einzige, völlig ausreichende Anforderung für Gerechtigkeit.

 

In jeder anderen Hinsicht jedoch steht das Gesetz immer noch, vollständig und ganz, als ein Teil von Gottes Wort, das „ewig währt“. Seine Geschichte, seine Prophetie und seine allgemeine Offenbarung der Gedanken und des Ratschlusses Gottes – all das bleibt auf ewig und unveränderlich wahr.


Quellen und weiterführendes Material

  • Derek Prince - Fundamente des christlichen Glaubens
  • IBL - geistlich-fit Programm
  • eigene Anmerkungen

Dieser Lehrartikel basiert auf einer Lehrbotschaft von Derek Prince und beinhaltet einige Ergänzungen und Anmerkungen von uns.

 

Gottes Segen Euch allen!

 

1. Thessalonicher 5,23

"Er selbst aber, der Gott des Friedens, heilige euch völlig; und vollständig möge euer Geist und Seele und Leib untadelig bewahrt werden bei der Ankunft unseres Herrn Jesus Christus!"

 

Amen