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Verschwörungstheorien – Klarheit für das Volk Gottes

Jesaja 8,12

"Nennt nicht alles Verschwörung, was das Volk dafür hält und habt keine Angst vor dem, was ihm Angst macht. Lasst euch von dem, was es fürchtet, nicht beeindrucken"


INHALT

■ Einleitung

■ Was ist eine Verschwörungstheorie?

  • Sind Verschwörungstheorien das Gleiche wie Fake News?

■ Warum glauben Menschen an Verschwörungstheorien?

■ Was ist typisch für Verschwörungsdenken?

■ Wie entstehen Verschwörungstheorien und wie funktionieren sie?

  • Wie haben sich Verschwörungstheorien historisch entwickelt?

  • Soziale Medien verstärken Verschwörungstheorien

■ Sind Verschwörungstheorien gefährlich?

  • Verschwörungstheorien als Angst- und Panikmacher

  • Antisemitismus und Verschwörungstheorien

■ Sind Verschwörungstheorien immer Fiktion? Unterschiede zwischen echten Intrigen und Verschwörungstheorien

■ Verschwörungstheorien als „Ersatz-Religionen“

■ Verschwörungsglaube in der Bibel

■ Christliche Besonnenheit statt Verschwörungsglauben

 

Einleitung

Warum sind Verschwörungstheorien so populär? Wie kann man die Merkmale konspirativen Denkens erkennen? Was sind effektive Strategien, um solche Theorien zu entlarven?

 

Verschwörungstheorien – die Überzeugung, dass Ereignisse heimlich und hinter den Kulissen von mächtigen Akteuren gelenkt werden – existieren in allen modernen Gesellschaften. In den letzten zwanzig Jahren hat die Bedeutung und die Popularität von Verschwörungstheorien, insbesondere im Internet, stetig zugenommen. Verschwörungstheorien können harmlose Unterhaltung oder gar ein Zeichen begründeter Skepsis sein. Aber zuweilen können sie auch gefährlich werden. So können sie zu einem Vertrauensverlust in medizinisches und wissenschaftliches Fachwissen, zu Politikverdrossenheit und sogar zu Gewalt führen.

 

Heutzutage kommt man, bedingt durch Medien, immer öfter mit sogenannten Verschwörungstheorien in Kontakt. Nachdem der Gesprächspartner einem eine Reihe spannender Argumente aufgetischt hat, klingen seine Erklärungen im gleichen Augenblick nachvollziehbar. Man fängt an, auf eigene Faust zu recherchieren, man schaut sich entsprechende YouTube-Videos an und findet plötzlich eine Fülle erstaunlicher Hinweise.

 

Tatsächlich gibt es unter den Menschen, die an Verschwörungstheorien glauben, eine bedeutende Anzahl bekennender Christen. Sagt nicht die Bibel selbst, dass die Welt ein böses, vom Satan regiertes System ist (1Joh 5,19)? Da ist es doch einleuchtend, dass Regierungen die Wahrheit verschweigen, die Wissenschaft unzuverlässige Informationen liefert und die Medien Lügen verbreiten.

 

Glaube an Verschwörungen kann uns in vielen Bereichen begegnen. Unter den politischen Themen stehen 9/11-Verschwörungstheorien hoch im Kurs, andere Theorien wollen belegen, dass Freimaurer oder Zionisten die Weltherrschaft anstreben, dass die Mondlandung nur ein Fake der NASA sei, dass die Bilderberg-Konferenz eine kapitalistische Weltdiktatur forciere, oder dass eine geheime islamistische Unterwanderungspolitik die Flüchtlingsbewegung in Europa verursacht habe.

 

Auch im wissenschaftlichen Bereich stößt man auf sehr abstruse Theorien. So feiert beispielsweise die Flache-Erde-Theorie seit einigen Jahren ihr Comeback, manche Christen halten sie sogar für biblisch. Speziell in Deutschland ist auch „Neuschwabenland“, „Reichsbürgerbewegung“ und die „BRD-GmbH“ ein hoch brisantes Thema. Beim Thema Umwelt fallen häufig Stichworte wie Chemtrails, HAARP und Klimaverschwörung. Auch das Gebiet Ernährung und Gesundheit ist stark betroffen: Hier ranken sich zahlreiche Legenden um die „böse“ Pharmaindustrie; RFID-Chips, Impfgegner warnen vor „hochgefährlichen“ Impfungen; „ultragesunde“ Ernährungskonzepte sollen uns vor den „giftigen“ Inhaltsstoffen herkömmlicher Nahrungsmittel bewahren; immer wieder werden „Wundermittel“ und revolutionäre (All-)Heilmethoden gehypt.

 

Man könnte die Liste noch lange fortsetzen. Diesen Theorien begegnet man nicht nur auf dubiosen Internetseiten, sie werden auch von Christen geglaubt und verbreitet. Viele sind seit langem als Fälschung entlarvt, werden aber immer noch geglaubt oder auch als wahr dargestellt. Die angeblichen Beweise entpuppen sich bei genauerem Hinsehen als sehr dünn und oft subjektiv. Zudem braucht es für die meisten Verschwörungstheorien eine solch hohe Zahl an Mitwissern, dass eine Geheimhaltung gar nicht möglich und der Schwindel längst aufgeflogen wäre.

 

Was ist eine Verschwörungstheorie?

Unter einer Verschwörung versteht man zunächst ein geheimes Unternehmen, das sich gegen eine spezifische Personengruppe oder Institutionen richtet. Die Verschwörungstheorie ist dem Wortsinn nach die Vermutung einer Verschwörung.

 

Verschwörungstheorien gehen davon aus, dass nichts zufällig geschieht, dass nichts so ist, wie es scheint, und dass alles miteinander verknüpft ist. Sie behaupten, dass eine Gruppe böser Akteure, die Verschwörer, alles, was vor sich geht, im Geheimen kontrolliert. Sie stellen die vermeintlichen Verschwörer dabei in der Regel als Feinde des Volkes dar. 

 

Verschwörungstheorien gehen oft mit einer dualistischen Weltsicht einher, sie laden dazu ein, die Welt in Gut und Böse, in „wir“ und (gegen) „sie“ einzuteilen, wobei sie keinerlei Raum für Zweifel oder Vielschichtigkeit lassen. Man müsse hinter die Fassade der Dinge blicken, um die Handlungen und Absichten der Verschwörer, die mit großer Sorgfalt ihre bösen Vorhaben verbergen, aufzudecken.

 

Bei den Verschwörern kann es sich um beliebige Personen handeln. Im Regelfall ist es aber immer eine mächtige Gruppe, die verdeckt in bösen Absichten handelt. Ein Beispiel sind etwa Geheimdienste, da deren Arbeit kaum durchsichtig ist oder Regierungen.

Eine Verschwörungstheorie ist monokausal. Das bedeutet, dass bestimmte soziale Phänomene oder historische Ereignisse auf Verschwörungen zurückgeführt werden. Erklärungen werden dadurch vereinfacht. Hinter allen Entwicklungen der Welt stecke ein geheimer Plan: Nichts geschieht zufällig und alles scheint irgendwie miteinander verbunden zu sein.

 

• Sind Verschwörungstheorien das Gleiche wie Fake News?

Nein, aber sie werden in öffentlichen Diskussionen über Fake News oftmals als solche behandelt.

 

Streng genommen gibt es jedoch Unterschiede. Erstens behaupten nicht alle Fake News, dass eine finstere Verschwörung im Gange ist. Zweitens wissen die Verfasser von Falschinformationen, dass sie Lügen verbreiten, da sie dies absichtlich tun, um Verwirrung zu stiften, Zuhörer zu mobilisieren oder um ihre Gegner zu verleumden. Im Gegensatz dazu glaubt die überwiegende Mehrheit derjenigen, die Verschwörungstheorien artikulieren, tatsächlich an das, was sie sagen. Sie sind davon überzeugt, dass sie dazu beitragen, die Wahrheit aufzudecken. Es gibt allerdings auch diejenigen, die Verschwörungstheorien zwar verbreiten, um Geld zu verdienen und/oder um bestimmte politische Ziele zu erreichen, und selbst nicht unbedingt an das glauben, was sie sagen.

 

Besonders im Zeitalter des Internets haben einige Menschen von der Verbreitung von Verschwörungstheorien, an die sie selbst höchstwahrscheinlich nicht ganz glauben, profitiert.

 

Auch setzen populistische Politiker Verschwörungstheorien oftmals strategisch ein, um ihre Anhänger zu mobilisieren. In diesen Fällen sind Verschwörungstheorien und Fake News in der Tat identisch.

 

Warum glauben Menschen an Verschwörungstheorien?

Verschwörungstheorien machen die Welt in Krisenzeiten überschaubar und bieten ihren Anhängerinnen und Anhängern Halt. Sie liefern eine in sich schlüssige und ausgiebige Deutung der Welt und Rollen für die „Guten“ und die „Bösen“. Sie wirken aufklärerisch und revolutionär, setzen sich aber oft bloß aus Halbwahrheiten zusammen und halten keiner wissenschaftlichen Prüfung stand.

 

Verschwörungstheorien sind deshalb so reizvoll, weil sie wichtige Funktionen für die persönliche, soziale und politische Identität derer erfüllen, die an sie glauben. Sie sind eine Strategie, um mit Unsicherheit umzugehen und Unklarheiten zu beseitigen.

 

Verschwörungstheorien versuchen besondere Ereignisse in der Welt mit Verschwörungen zu erklären. Sie bieten eindeutige Antworten, die im Gegensatz zu einer offiziellen Version der „Wahrheit“ steht. Dabei liegt Verschwörungstheorien meist eine Einteilung der Welt in „gut“ und „böse“ oder auch „oben“ und „unten“ zugrunde. Verschwörungstheorien sind dabei meist nicht in sich schlüssig und stehen im Widerspruch zu belegten Daten oder sogar Naturgesetzen.

 

Verschwörungstheorien erlauben ihren Anhängern somit, Sündenböcke zu suchen und anschließend eine klare Linie zwischen uns – den Opfern der Verschwörung – und ihnen – den Verschwörern zu ziehen. Dies hat zur Konsequenz, dass Verschwörungstheorien mitunter starke Gemeinschaftsgefühle hervorrufen. Aus dem gleichen Grund erlauben sie denjenigen, die an sie glauben, ihre Gruppenzugehörigkeit zu signalisieren.

 

Verschwörungstheorien entlasten diejenigen, die an sie glauben, von ihrer Verantwortung. Da mächtige Verschwörer für alles, was geschieht, zur Rechenschaft gezogen werden müssen, können die Anhänger selbst keinerlei Einfluss auf irgendwelche Ereignisse und Entwicklungen gehabt haben.

 

Grundsätzlich weisen Menschen, die an Verschwörungstheorien glauben, ein starkes Misstrauen in die Regierung auf. Als die höchste Institution eines Staates, leitet, lenkt und beaufsichtigt die Regierung die Politik nach innen und außen. 

 

Hinzu kommt ein großer Vertrauensverlust in die etablierten Medien. Hierbei ist weniger die Logik einer Theorie für die zugrunde liegende Weltsicht verantwortlich, sondern ein „Glaube an die grundlegende vorhandene Bösartigkeit“. Das grundsätzliche Gefühl, dass „etwas nicht stimmt“, prägt somit die Wahrnehmung und Argumentation des Verschwörungstheoretikers.

 

Viele Menschen tun sich schwer damit, bestimmte Zusammenhänge und Entwicklungen zu verstehen und fühlen sich überfordert. Vor allem in Krisenzeiten genießen Verschwörungstheorien Hochkonjunktur. Je undurchschaubarer das Weltgeschehen und stärker die gefühlte Bedrohung von außen ist, desto stärker sind Verschwörungstheorien in der Gesellschaft verbreitet.

 

Soziale Unsicherheit kann für viele Menschen, unabhängig der ethnischen Zugehörigkeit, ein Grund für Verschwörungsglauben darstellen. Wer sich in seiner sozialen Position bedroht sieht oder allgemein mit einem ungewissen Blick in die Zukunft schaut, ist tendenziell anfälliger für Verschwörungstheorien. Verschwörungsgläubige empfinden oft mangelnden Erfolg oder fehlende Anerkennung, leben in materieller Armut oder mussten persönliche Schicksalsschläge erleiden.

 

Durch den Glauben an Verschwörungstheorien können Minderwertigkeitskomplexe kompensiert werden und ein klar benennbares Feindbild für die schlechte Lage verantwortlich gemacht werden.

 

Was ist typisch für Verschwörungsdenken?

Kennzeichnend für eine Verschwörungsmentalität ist ein grundlegendes Misstrauen gegen Machtstrukturen und Autoritäten. Dazu gehören Behörden oder Personen mit hohem gesellschaftlichem Status. So hegt man Vorurteile gegen Politiker, Banker, die Pharmaindustrie oder alle „da oben“, denen es ausschließlich um die Ausbeutung der einfachen Leute gehe.

 

Es ist nicht leicht Verschwörungstheorien argumentativ beizukommen. Versuche drehen sich oft im Kreis. Denn Verschwörungstheoretiker zeigen sich resistent gegen jegliche Form von Argumentation. Den Darstellungen der Medien wird grundsätzlich misstraut. Die öffentliche Meinung wird von im Dunkeln operierenden Mächten manipuliert. Es werden oft „Tatsachen“ aus unseriösen Texten unhinterfragt übernommen, während wissenschaftliche Fakten als Lügen angetan werden. So wird jede begonnene Diskussion im Keim erstickt. Widerspruch wird meistens nicht geduldet. Verschwörungstheorien sind schwer widerlegbar, da jegliches Argument unter Verdacht steht, manipuliert zu sein.

 

Forscher haben sieben Merkmale des konspirativen Denkens ausgemacht und sie mit dem englischen Akronym CONSPIR (vom englischen Wort "conspiracy" für "Verschwörung") zusammengefasst:

 

C = Contradictory = Widersprüchlichkeit

Verschwörungsgläubige können an Ideen glauben, die sich gegenseitig widersprechen. Laut einer Umfrage der Universität Erfurt glauben 10% der Befragten sowohl, dass das Corona-Virus nicht existiert als auch, dass es eine Biowaffe aus dem Labor ist.

 

O = Overriding Suspicion = Generalverdacht

Der Verschwörungsglaube geht über gesunde Skepsis hinaus. So entsteht durch extremes Misstrauen eine prinzipielle Ablehnung gegenüber offiziellen Erklärungen.

 

N = Nefarious intent = Üble Absichten

Anhänger von Verschwörungstheorien gehen immer davon aus, dass der Gesellschaft geschadet werden soll. Es gibt keine Verschwörungserzählung, die positive Beweggründe unterstellt.

 

S = Something must be wrong = Etwas stimmt nicht

Verschwörungstheoretiker sind sich sicher, dass die gängige Erklärung auf jeden Fall falsch ist – selbst wenn sie Einzelheiten ihrer eigenen Erzählung mal fallen lassen, ändern oder neu bewerten, bleiben sie dabei, dass „die da oben“ etwas im Schilde führen.

 

P = Persecuted Victim = Opferrolle

Verschwörungsgläubige nehmen sich gleichzeitig als Opfer der Gesellschaft und als mutige Helden im Kampf gegen den Mainstream wahr.

 

I = Immune to Evidence = Immun gegen Beweise

Gegenbeweise oder Widerlegungen prallen in der Regel an Verschwörungserzählungen ab. Kritik kann sogar dazu führen, dass Anhänger noch stärker an ihre Theorie glauben.

 

R = Re-interpreting Randomness = Zufälligkeiten uminterpretieren

Zufällige, eigentlich unwichtige und nebensächliche Ereignisse (etwa wie oft ein bestimmter Buchstabe in einem Text vorkommt) werden stets so interpretiert, dass sie zur Verschwörungserzählung und einem vermeintlich zusammenhängendem Muster passen.

 

Wie entstehen Verschwörungstheorien und wie funktionieren sie?

Meist entstehen sie aus dem Versuch, eine simple Erklärung für komplexe und unübersichtliche Vorgänge zu finden. Folgende Muster lassen sich häufig erkennen:

 

• Es gibt eine bestimmte Elite an Menschen, die sich „verschworen“ hat

• Diese Elite verfolgt einen bestimmten Plan

• Die Ausführung dieses Plans erfolgt im Geheimen

• Die Absichten der Elite sollen anderen schaden

• Offizielle Erklärungen sind falsch

 

Die ideologische Grundstruktur bleibt immer gleich: Ein paar im Dunkeln operierende Machthaber haben die Kontrolle über die wichtigsten Entscheidungen der Weltpolitik! So wird die Welt in Gut und Böse unterteilt. Als Verschwörungstheoretiker sieht man sich selbst auf der Seite des Guten und als Opfer der Verhältnisse und versucht, die Wirklichkeit gemäß seiner Wahnweltbilder zu verändern.

 

• Wie funktionieren Verschwörungstheorien?

Weil sie davon ausgehen, dass nichts zufällig und unbeabsichtigt geschieht, stellen sich Verschwörungstheoretiker üblicherweise die Frage, wer von einem speziellen Ereignis wie 9/11 oder einer Entwicklung wie der Flüchtlingskrise profitiert. Eine Verschwörungstheorie springt oftmals unmittelbar von der Idee, eine bestimmte Gruppe könne von einem Ereignis profitiert haben, zu der Behauptung, dass diese Gruppe das Ereignis heimlich geplant habe.

Verschwörungstheoretiker bedienen sich dabei einer oder beider der folgenden rhetorischen Strategien. Manche von ihnen entwickeln ihre Theorie, indem sie gezielt versuchen, nur Beweise zu liefern, die ihre Position bestärken, während sie alle existierenden Gegenbeweise ignorieren.

Andere gehen in ihrer Theorienentwicklung etwas indirekter vor, indem sie versuchen, die offizielle Version der Ereignisse zu zerpflücken und so Zweifel zu säen. Letzteres ist insbesondere in der westlichen Welt in den letzten Jahrzehnten weit verbreitet, da Verschwörungstheorien hier vor allem darauf abzielen, gemeinhin akzeptierte und offizielle Positionen anzuzweifeln (die Situation ist inzwischen jedoch komplexer, da sich z.B. der Präsident der Vereinigten Staaten unverhohlen öffentlich auf Verschwörungsspekulationen einlässt). Die Rhetorik des sogenannten „Nur-Fragen-Stellens“ ermöglicht es Verschwörungstheoretikern abzustreiten, dass sie tatsächlich Verschwörungstheorien verbreiten. Ihre Fragen sind jedoch meist so konzipiert, dass sie unweigerlich zu der Schlussfolgerung führen, es müsse eine Verschwörung gegeben haben.

 

• Wie haben sich Verschwörungstheorien historisch entwickelt?

Verschwörungstheorien wie oben beschrieben tauchen erstmalig im Europa der späten Frühen Neuzeit auf und haben wichtige Vorläufer im antiken Griechenland und Rom. Anschließend wurden sie in den Rest der Welt „exportiert“. Vom späten sechzehnten bis weit ins zwanzigste Jahrhundert hinein waren Verschwörungstheorien eine akzeptierte Wissensform und wurden gleichermaßen von Eliten und gewöhnlichen Menschen geglaubt und artikuliert. In der westlichen Welt haben Verschwörungstheorien dann in der zweiten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts einen Prozess der Stigmatisierung durchlaufen, durch den sie von offiziell akzeptiertem zum illegitimen Wissen wurden. Außerhalb der westlichen Welt hat diese Stigmatisierung jedoch nie stattgefunden. Demzufolge gelten Verschwörungstheorien z.B. in der arabischen Welt oder in Russland noch immer als legitime Wissensform, weshalb sie dort von Experten, Mandatsträgern, den Medien und von Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen artikuliert und vertreten werden.

 

• Soziale Medien verstärken Verschwörungstheorien

Soziale Medien haben eine Welt geschaffen, in der jeder Einzelne potenziell genauso viele Menschen erreichen kann, wie die Massenmedien. Der Mangel an herkömmlichen Prüfinstanzen ist ein Grund dafür, dass sich Falschinformationen online weiter und schneller verbreiten als wahrheitsgemäße Informationen. Das wird häufig noch durch Fake-Accounts oder Bots angeheizt. Soziale Medien haben Verschwörungstheorien präsenter und wesentlich leichter zugänglich gemacht, was ihre Weiterverbreitung wiederrum stark beschleunigt hat.

 

Sind Verschwörungstheorien gefährlich?

Das wohl größte Problem bei Verschwörungstheorien ist das festgefahrene Weltbild, das nur schwer zu durchbrechen ist. Wer sich einmal in der Welt der Verschwörungstheorien verloren hat, ist kaum noch mit rationalen Argumenten zu überzeugen. Wer durch Fakten gegen diese Weltsicht argumentiert oder aufklären will, wird ignoriert oder selbst zum Teil der Verschwörung erklärt. Da Personen mit einer Verschwörungsmentalität allen Machtstrukturen grundlegend misstrauend gegenüberstehen, werden auch Expertenmeinungen als „Propaganda der Elite“ wahrgenommen. Für sie ist alles Offizielle, was aus der Wissenschaft, den Medien oder den Behörden kommt, automatisch gelogen.

 

Verschwörungstheorien schaden der Gesellschaft in mehrfacher Hinsicht. Schon die bloße Konfrontation mit einer Verschwörungstheorie kann negative Folgen haben, selbst bei Menschen, die Verschwörungstheorien gar nicht akzeptieren.

 

Solche Theorien erzeugen einerseits ein gewisses Gefühl von Sicherheit, weil man meint, mit der vereinfachten Erklärung die Welt zu verstehen und gleichzeitig bieten sie eine Möglichkeit, die Welt verschwörungsideologisch zu erklären.

 

Verschwörungstheorien als Angst- und Panikmacher

Gleichzeitig können sie als Angst- und Panikmacher fungieren. Durch ihren negativen Grundcharakter erzeugen Verschwörungstheorien Angst bei den Betroffenen, die sich verheerend auswirken kann. Ein Punkt, der oft unterschätzt wird, ist die Eigen- und Fremdgefährdung, die von Verschwörungstheorien ausgehen kann. Da man ständig im Glauben ist, von allen und jedem angelogen zu werden, glaubt man irgendwann auch nicht mehr Meldungen aus den Nachrichten, Warnhinweise der Polizei oder Empfehlungen von Ärzten. Oft führt es in einen Zustand der Verwirrung.

 

Verschwörungstheorien können sehr gefährlich werden, insbesondere wenn ein bedrohliches Feindbild erschaffen wird. Verschwörungsdenken kann radikalisieren, zu Gewalt, Rassismus und Antisemitismus führen. Verschwörungstheorien können dazu führen, dass Menschen sich weniger politisch engagieren oder weniger dazu bereit sind, klimaschädliches Verhalten zu reduzieren. Manche Verschwörungsgläubige stellen medizinisches Wissen wie eine Krebstherapie oder Schutzimpfungen in Frage und schaden damit nicht nur sich, sondern auch anderen.

 

Antisemitismus und Verschwörungstheorien

Ein Extrembeispiel aus der Geschichte ist der antisemitische Verschwörungsglaube. Wenn es um die bösen Mächte im Hintergrund geht, die nach den Verschwörungstheorien die Fäden der Welt ziehen, dann wird häufig wieder ein uraltes Feindbild ausgepackt. Teilweise direkt unmissverständlich, teilweise aber auch nur indirekt und nicht sofort erkenntlich ist immer wieder von „den Juden“ oder „den Zionisten“ die Rede, die global an den Schaltzentren der Macht sitzen sollen. Die Geschichte hat gezeigt, wie fatal und tödlich derartige Verschwörungstheorien sein können.

 

Warum sind auch heute ausgerechnet Juden in den meisten Verschwörungstheorien immer noch das Feindbild Nummer Eins?

 

Alle unverstandenen Ereignisse und beunruhigende Entwicklungen werden auf die Juden, die Zionisten oder Israel projiziert. Der Mythos von der jüdischen Weltverschwörung ist stark verbreitet, auch wenn dafür oft andere Begriffe und Feindbilder verwendet werden. Der moderne Antisemit versichert gerne, auf jeden Fall nichts gegen Juden zu haben, bevor er gegen die zionistische Lobby hetzt.

 

Schon seit dem Mittelalter mussten Juden als Ursache für unerklärliche Zusammenhänge herhalten. Hierzu zählt z. B. die im Mittelalter beliebte Theorie der Brunnenvergiftung durch Juden, die dadurch angeblich die Christenheit vernichten wollten. Dies gipfelte in dem Feindbild „Jude“, das im 3. Reich von den Nationalsozialisten propagiert wurde – und zum Tod von 6 Millionen Juden führte.

 

Wenn man jetzt meint, dass es bei Gläubigen doch nie zu so einem Extrem kommen kann – die Haltung mancher Christen im 3. Reich zeigt das Gegenteil. Wir alle sind beeinflussbar.

 

Sind Verschwörungstheorien immer Fiktion? Unterschiede zwischen echten Intrigen und Verschwörungstheorien

Wer versucht, gegen Verschwörungstheorien aufzuklären, wird auch häufig von der Gegenseite mit dem berechtigten Einwand konfrontiert, dass einige Verschwörungstheorien sich in der Vergangenheit als wahr erwiesen haben. 

 

Es hat schon immer echte Intrigen gegeben, und es wird sie auch in Zukunft immer geben. Dennoch unterscheiden sich „echte Verschwörungen“ – Komplotte und Intrigen, deren Existenz zweifelsfrei nachgewiesen werden kann – üblicherweise in mehrerlei Hinsicht von den durch Verschwörungstheoretiker imaginierten Verschwörungen:

 

Gelungene „echte Verschwörungen“ sind in der Regel Ereignisverschwörungen. Verglichen mit den typischen Szenarien von Verschwörungstheorien haben sie ein klares und eher moderates Ziel wie einen Staatsstreich oder ein Attentat. Zwar basieren manche Verschwörungstheorien ebenfalls auf bestimmten Ereignissen, doch bei vielen anderen handelt es sich um „System-“ oder „Superverschwörungstheorien“. Diese behaupten, dass bestimmte Gruppen wie die Freimaurer oder die Illuminaten heimlich den Lauf der Geschichte bestimmen, oder sie beschuldigen verschiedene Gruppen wie Juden und Kommunisten gemeinsam heimlich an einem Masterplan zu arbeiten, um die absolute Kontrolle über die Welt zu erlangen.

 

An einer echten Verschwörung ist in den meisten Fällen eine begrenzte Anzahl von Akteuren wissentlich oder unwissentlich beteiligt. Im Gegensatz dazu behaupten Verschwörungstheorien oftmals (wenngleich zuweilen nur auf implizite Art und Weise), dass Hunderte oder gar Tausende Menschen an der vermeintlichen Verschwörung und ihrer Vertuschung beteiligt waren. Dies ist selbst bei Einzelereignissen der Fall, ganz zu schweigen von übermäßig komplexen, vermeintlich Jahrhunderte überdauernden Superverschwörungen. Das Vortäuschen der Mondlandung oder die Durchführung der 9/11-Anschläge durch die amerikanische Regierung hätte die perfekte Zusammenarbeit und das bis heute andauernde Stillschweigen tausender Helfer erfordert. Solche Szenarien sind höchst unwahrscheinlich, wenn nicht sogar unmöglich.

 

Letztendlich haben echte Verschwörungen in den meisten Fällen unbeabsichtigte Folgen.

Sie führen zu Resultaten, die von den Verschwörern nicht vorhergesehen wurden. Im Gegensatz dazu behaupten Verschwörungstheorien meist, dass alles nach dem Plan der Verschwörer abläuft. Höchst selten lassen sie Raum für die Möglichkeit unbeabsichtigter Konsequenzen. Die Ermordung Julius Cäsars im Jahre 44 v.Chr. ist ein Beispiel für eine typische Verschwörung. Cäsar wurde von einer Gruppe von etwa 60 Senatoren getötet. Was echte Verschwörungen betrifft, ist dies bereits eine ziemlich große Gruppe. Im Vergleich zu dem, was jedoch die meisten Verschwörungstheorien üblicherweise behaupten, ist die Zahl verschwindend gering. Die Verschwörung erreichte ihr kurzfristiges Ziel: Cäsar wurde getötet. Sie erwies sich jedoch als kontraproduktiv in Hinblick auf ihr langfristiges Ziel: die Erhaltung der Römischen Republik. Stattdessen entfachte die Verschwörung einen Bürgerkrieg, der schließlich zur Gründung des Römischen Reiches führte.

 

Ja, es gibt sie also wirklich; echte Intrigen. Volkswagen hat konspiriert, um die Abgastests für seine Dieselmotoren zu manipulieren. Die Nationale Sicherheitsbehörde der USA spionierte heimlich zivile Internetnutzer aus. Die Tabakindustrie hat die Öffentlichkeit über die gesundheitsschädlichen Auswirkungen des Rauchens getäuscht. Auch die Ausspähung der Bevölkerung durch westliche Geheimdienste galt lange Zeit als etwas, was sich nur Verschwörungstheoretiker ausdenken könnten.

 

Wir wissen von diesen Intrigen durch interne Dokumente der Industrie, durch Untersuchungen der Regierung oder durch Hinweisgeber, Enthüller oder Aufdecker.

 

Beispiele wie diese haben dazu geführt, dass manche Menschen eine gewisse Grundskepsis in sich tragen. Einige Verschwörungstheorien weisen auch tatsächlich einen wahren Kern auf, da sie sich auf eine Mindestzahl an nachprüfbaren Fakten stützen. Zweifel an offiziellen Versionen von Ereignissen sind oft durchaus angebracht und zum Beispiel auch die Aufgabe von Journalisten. Verschwörungstheoretiker hinterfragen aber im Unterschied zu Journalisten ihre eigenen Annahmen selten und setzen ihre Theorie als wahr voraus. Einzelne Fakten werden nicht objektiv geprüft, sondern so ausgewählt und zusammengestellt, dass sie zur Verschwörungshypothese passen. Hinzu kommen mögliche Falschinformationen, welche die These stützen sollen. Fakten, welche der Theorie widersprechen, werden dann bewusst ausgeblendet.

 

Im Gegensatz dazu halten sich Verschwörungstheorien in der Regel lange, auch wenn es keine stichhaltigen Beweise für sie gibt. Diese Verschwörungsmythen basieren auf einer Vielzahl verschiedener Denkmuster, die nachweislich untauglich sind, um die Wirklichkeit abzubilden. In der Regel werden Verschwörungstheorien nicht durch Beweise gestützt, die einer Überprüfung standhalten. 

 

Das verhindert aber nicht, dass sie sich ausbreiten. Zum Beispiel hat der weit verbreitete Glaube, dass die Terroranschläge vom 11. September 2001 ein "Inside-Job" waren, noch viele Jahre nach dem Ereignis Bestand.

 

Verschwörungstheorien als „Ersatz-Religionen“

Verschwörungstheorien erfüllen ähnliche Funktionen wie Religion, da sie sowohl eine Erklärung dafür liefern wie die Welt funktioniert als auch ein Gefühl von persönlicher Identität und Sinn vermitteln. Verschwörungstheorien werden deshalb auch oftmals mit Esoterik oder „magischem Denken“ assoziiert.

 

Verschwörungstheorien haben den Vorteil, dass sie die Welt in ihrer Komplexität verständlich machen. Durch einfache Erklärungsmodelle können unklare Situationen aufgelöst und auf bekannte Phänomene zurückgeführt werden. So mag eine bestimmte Situation zwar immer noch bedrohlich sein, aber dank der Verschwörungstheorie ist sie zumindest nicht mehr unerklärlich. Eine ähnliche Funktion haben in der Menschheitsgeschichte auch Religionen eingenommen. Deshalb werden Verschwörungstheorien auch oft als „Ersatz-Religionen“ bezeichnet, die Menschen Halt geben. Anstatt durch einen Gott werden die Geschehnisse des Alltags durch eine Superverschwörung bestimmt.

 

Eine andere Funktion von Verschwörungstheorien liegt in der persönlichen Identitätsstiftung. Verschwörungstheorien werden von Menschen nicht nur vertreten, um Ereignissen einen Sinn zu geben.

 

Der Glaube an Verschwörungstheorien hängt auch mit einem menschlichen Bedürfnis nach Individualismus zusammen. Wer an Verschwörungstheorien glaubt, grenzt sich automatisch von der überwiegenden Mehrheit der Bevölkerung ab. Der Verschwörungsgläubige ist derjenige, der „erwacht“ ist und sich nun dazu berufen fühlt, die Masse an noch unwissenden „Schlafschafen“ aufzuwecken und von der Wahrheit zu überzeugen. Indem man an Verschwörungstheorien glaubt, hat man das Gefühl, anderen gegenüber durch scheinbar exklusives Wissen einen Vorsprung zu haben und zu verstehen, wie die Welt tatsächlich funktioniert.

 

Verschwörungsglaube in der Bibel

Ist Verschwörungsglaube eigentlich nur ein Phänomen unserer heutigen Zeit? Nein – wie in vielen anderen Dingen ist man manchmal überrascht, dass die Bibel diese Sache bereits benennt:

 

Schon dem Propheten Amos wurde zu Unrecht eine Verschwörung angehängt, um ihn beim König in Misskredit zu bringen: Nachdem er dem Volk Israel eine (Gerichts-)Botschaft gebracht hatte, „…sandte Amazja, der Priester von Bethel, zu Jerobeam, dem König von Israel, und ließ ihm sagen: Amos hat eine Verschwörung gegen dich angestiftet inmitten des Hauses Israel“ (Am 7,10). Amos hatte zwar gegen den König geweissagt, aber eine Verschwörung hatte er nicht geplant. Dieses Beispiel zeigt, dass wir anderen Menschen(gruppen) Unrecht tun, wenn wir die Fakten verdrehen und leichtfertig böse Absichten unterstellen.  

Die menschliche Neigung, alles Bedrohende als „Verschwörung“ zu bezeichnen, ist nicht neu. Als sich einmal das Nordreich Israel mit dem Syrer Rezin verbündete (scheinbar, um sich mit ihm gegen das Südreich Juda zu „verschwören“), löste das in Juda natürlich große Besorgnis aus. Aber Gott ließ ihnen sagen: „Ihr sollt nicht alles Verschwörung nennen, was dieses Volk Verschwörung nennt; und fürchtet nicht ihre Furcht und erschreckt nicht davor“ (Jes 8,12). Hier existierte im Unterschied zu vielen heutigen Verschwörungstheorien sogar eine konkrete Gefahr. Gott sagt durch Jesaja den Treuen in Juda dennoch, dass sie nicht alles gleich „Verschwörung“ nennen und vor allem dadurch nicht in Angst geraten sollten, denn der Herr stand auf ihrer Seite.

 

Gott ist auf unserer Seite! Wir brauchen uns deswegen nicht vor der Zukunft zu fürchten, wie unklar sie auch vor uns liegen mag. Psalm 31,21 zeigt uns, wo wir mit unserer Angst hingehen sollen: „Du verbirgst sie im Schirm deiner Gegenwart vor den Verschwörungen der Menschen“. Selbst wenn eine Verschwörungstheorie tatsächlich einmal wahr sein sollte – warum Angst haben? In der Gegenwart Gottes brauchen wir uns nicht zu fürchten!

 

Besonnenheit statt Verschwörungsglauben

Als Nachfolger Jesu sollen wir „alles, was wahr“ ist, erwägen (Phil 4,8). Beschäftigen wir uns oft und intensiv mit Gottes Wort, wird seine Wahrheit uns prägen. Das Gegenteil passiert, wenn wir Unwahrheit konsumieren. Beliebte Plattformen wie YouTube oder Facebook, wo jeder ungefiltert Wahres und Falsches, bis hin zu „Nonsens“ veröffentlichen kann, sind besonders tückisch. Oft merken wir nicht sofort, wie wir von den falschen Informationen beeinflusst und manipuliert werden – mit negativen Auswirkungen auf unser Leben als Jünger. Daher sollten wir solche Inhalte nicht unreflektiert aufnehmen, sondern das, was wir als Gedanken und Überzeugungen übernehmen wollen, anhand von Gottes Wort prüfen.

 

Wir sehen vielleicht in der Regierung ein Feindbild, obwohl Gott uns sagt, dass er sie einsetzt (Röm 13,1 ff.). Natürlich hat jeder Regierende seine eigene Verantwortung vor Gott und macht auch nicht alles richtig. Dennoch werden wir in der Bibel nicht aufgefordert, darüber zu urteilen. Im Gegenteil, wir sollen der Regierung gehorsam sein (Röm 13,2), sie nicht lästern (Tit 3,2), Autoritätspersonen die Ehre geben, die ihnen zusteht (Röm 13,7) und für sie beten (1Tim 2,1-4). 

 

Bestimmte Menschen oder ethnische Gruppen werden als Bedrohung gesehen, mit dem Ergebnis, dass wir ihnen gegenüber eine ablehnende statt gewinnende Haltung einnehmen. Dabei zeigt die Bibel bereits im Alten Testament, dass der Fremde geliebt werden soll (5Mo 10,19) und es vor Gott keinen Unterschied in der Wertigkeit zwischen unterschiedlichen Menschen gibt (Röm 10,12). Wenn wir Unterschiede machen, verurteilt das die Schrift (Jak 2,4).

 

Wir gehen vielleicht rücksichtslos mit der Schöpfung um, weil wir denken, das ganze Gerede um den Klimawandel sei völlig aus der Luft gegriffen. Das ändert aber nichts daran, dass Gott den Menschen beauftragt hat, die Schöpfung in seinem Sinne zu verwalten (vgl. 1Mo 1,26; 2,15). Weil Ihm Tiere und Pflanzen wichtig sind (5Mo 20,19), sollten auch wir respektvoll mit der Natur umgehen.

 

Wir haben vielleicht Sorge um unsere Gesundheit und flüchten uns – weil die Pharmaindustrie uns ja gar nicht wirklich heilen möchte – zu dubiosen Therapien oder Produkten, die als das Wundermittel vermarktet werden. Natürlich sollten wir uns hüten zu denken, Heilpraktiker seien per Definition Scharlatane und jede unkonventionelle Heilmethode Quacksalberei. Grundsätzlich gilt jedoch, dass wir unser Vertrauen nicht auf Menschen oder vielversprechende Heilmittel (und übrigens auch nicht auf die Schulmedizin), sondern auf Gott setzen sollen (Ps 146,3, negatives Beispiel: Asa in 2Chr 16,12).

 

Wir stellen unsere komplette Ernährung nach einem angeblich sicheren Konzept um, weil uns herkömmliche Nahrung ja nur „vergiftet“. Denk daran, dass Gott alle Speisen zur dankbaren Annahme geschaffen hat und es verurteilt, wenn jemand bestimmte Speisen für tabu erklärt (1Tim 4,3). Natürlich darf man auf eine gesunde Ernährung achten und auch mal etwas Ausgefallenes ausprobieren. Gefährlich wird es, wenn die Ernährung meine Gedanken so einnimmt, dass sich mein Leben fast nur noch darum dreht. Mein Körper, meine Gesundheit, ich selbst stehe im Fokus. Das soll aber eben nicht so sein (Phil 2,4).

 

Nicht zuletzt bekommen wir durch Verschwörungsglauben Furcht vor der Zukunft, weil wir permanent überall „den Feind“ lauern sehen. Natürlich sollen wir nicht blauäugig sein, aber der Verschwörungsglaube kann uns auch extrem werden lassen. Die Bibel sagt, dass wir uns nicht fürchten sollen (Jes 8,12).

 

Eine wichtige Frage, die man sich zu stellen hat ist: Nützen die Informationen meinen Glauben und meinen Glaubensgeschwistern wirklich oder dient man am Ende nur der Verbreitung von Zweifel, Angst und Unwahrheit?

 

Fokussieren wir uns auf Jesus Christus und Gottes Reich.

 

Matthäus 6,33

"Trachtet aber zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit! Und dies alles wird euch hinzugefügt werden"

 

2. Petrus 1,19

"Und so besitzen wir das prophetische Wort umso fester, und ihr tut gut, darauf zu achten als auf eine Lampe, die an einem dunklen Ort leuchtet, bis der Tag anbricht und der Morgenstern in euren Herzen aufgeht"


Quellen:

  • quarks.de/gesellschaft/psychologie/was-du-ueber-verschwoerungstheorien-wissen-solltest/
  • livenet.ch/themen/glaube/theologie_philosophie_religion/theologie_und_weltanschauung/187778-verschwoerungstheorien_breiten_sich_aus
  • folgemirnach.de/2020-05-der-glaeubige-und-verschwoerungstheorien-a3485
  • de.m.wikipedia.org/wiki/Verschw%C3%B6rungstheorie#Verschw%C3%B6rungsideologien_und_Verschw%C3%B6rungsmythen
  • COMPACT: Verschwörungstheorien: Leitfaden und Empfehlungen
  • Stephan Lewandowsky - Das Handbuch über Verschwörungsmythen
  • Jerusalemer Bibellexikon
  • Lexikon zur Bibel
  • eigene Anmerkungen

 

Hinweis:  Dieser Lehrbeitrag erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern soll (und kann) lediglich dazu dienen, einen Anhaltspunkt zu geben, um tiefer im Wort Gottes zu forschen.

 

Gottes Segen Euch allen!

 

1. Thessalonicher 5,23

"Er selbst aber, der Gott des Friedens, heilige euch völlig; und  vollständig möge euer Geist und Seele und Leib untadelig bewahrt werden bei der Ankunft unseres Herrn Jesus Christus!"

 

Amen