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Wie man den Heiligen Geist empfängt

 

Apostelgeschichte 2,38

Tut Buße, und jeder von euch lasse sich taufen auf den Namen Jesu Christi zur Vergebung eurer Sünden, und ihr werdet die Gabe des Heiligen Geistes empfangen.


Welche Bedingungen müssen im Leben eines Menschen erfüllt sein, der die Gabe des Heiligen Geistes empfangen möchte?

 

• Durch Gnade, mittels des Glaubens

Wenn wir uns damit befassen, was die Bibel über dieses Thema lehrt, werden wir feststellen, dass es einen Grundsatz gibt, der bei allem, was Gott in seiner Gnade den Menschen zugedacht hat, in gleicher Weise zum Tragen kommt. Wir finden ihn in Römer 11,6:

 

Wenn aber durch Gnade, so nicht mehr aus Werken; sonst ist die Gnade nicht mehr Gnade.

 

In diesem Vers – wie auch an anderen Stellen in seinen Briefen – stellt Paulus die beiden Begriffe „Gnade“ und „Werke“ einander gegenüber.

 

  • Mit „Gnade“ meint er immer die kostenlose, unverdiente Gunst und den Segen Gottes, die dem Unwürdigen, der sie wirklich nicht verdient hat, zuteil werden.
  • Mit „Werken“ meint Paulus alles, was ein Mensch aus seiner eigenen Fähigkeit heraus tut, um sich dadurch den Segen und die Gunst Gottes zu verdienen.

 

Paulus stellt fest, dass diese beiden Methoden, etwas von Gott zu empfangen, sich gegenseitig ausschließen; sie sind absolut unvereinbar. Alles, was ein Mensch durch die Gnade von Gott empfängt, ist nicht aus Werken; und was ein Mensch durch seine Werke von Gott empfängt, ist nicht aus Gnade. Wo die Gnade wirksam ist, sind Werke nutzlos; und wo Werke vorgewiesen werden, ist die Gnade nutzlos.

 

Damit kommen wir zu einem weiteren Gegensatz, nämlich dem zwischen „Gnade“ und „Gesetz“, wie es in Johannes 1,17 heißt: 

 

Denn das Gesetz wurde durch Mose gegeben; die Gnade und die Wahrheit ist durch Jesus Christus geworden.

 

Unter dem Gesetz Moses versuchten die Menschen, Gottes Segen durch das zu verdienen, was sie selber taten. Durch Jesus Christus wird der Segen Gottes und seine Gunst jetzt kostenlos und unverdient allen Menschen angeboten – auf der Grundlage dessen, was Christus für sie getan hat. Das ist „Gnade“.

 

Alles, was wir auf diese Art und Weise durch Jesus Christus von Gott empfangen, geschieht durch Gnade; und das Mittel, um diese Gnade in Empfang zu nehmen, sind nicht die Werke, sondern der Glaube.

 

Paulus unterstreicht diese Tatsache in Epheser 2,8-9: „Denn aus Gnade seid ihr errettet durch Glauben, und das nicht aus euch, Gottes Gabe ist es; nicht aus Werken, damit niemand sich rühme.

 

Der biblische Grundsatz, den Paulus in diesen Versen aufstellt, lässt sich in drei aufeinanderfolgenden Schritten zusammenfassen: aus Gnadedurch Glaubennicht aus Werken. Dieser Grundsatz trifft auf alles zu, was Gott in seiner Gnade dem Menschen zuteil werden lässt.

 

Paulus wendet diesen Grundsatz in Galater 3,13-14 ganz speziell auf den Empfang der Gabe des Heiligen Geistes an, wenn er sagt:

 

Christus hat uns losgekauft von dem Fluch des Gesetzes... damit wir die Verheißung des Geistes durch den Glauben empfingen.

 

Zwei wichtige und miteinander verknüpfte Tatsachen stellt der Apostel hier heraus:

 

  • 1. Die Gabe des Heiligen Geistes wird dem Menschen durch die Erlösungstat Jesu Christi am Kreuz zuteil; d.h. sie ist Teil des gesamten Angebotes, das dem Menschen durch die Gnade Gottes in Jesus Christus geschenkt wird.

  • 2. Diese Gabe wird, wie jedes andere Gnadengeschenk auch, nur durch Glauben empfangen, nicht aus Werken.

 

Die Frage, wie man die Gabe des Heiligen Geistes empfangen kann, war, wie es scheint, in den christlichen Gemeinden Galatiens aufgetaucht, denn Paulus bezieht sich an verschiedenen Stellen im 3. Kapitel seines Briefes an die Galater darauf.

 

Er schreibt in Galater 3,2: „Nur dies will ich von euch wissen: Habt ihr den Geist aus Gesetzeswerken empfangen oder AUS DER KUNDE DES GLAUBENS?

 

In Vers 5 desselben Kapitels lesen wir: „Der euch nun den Geist darreicht... tut er es aus Gesetzeswerken oder AUS DER KUNDE DES GLAUBENS?

 

Und wiederum in Vers 14 die bereits erwähnte Stelle: „... damit wir die Verheißung des Geistes DURCH DEN GLAUBEN empfingen.

 

Dreimal betont Paulus in diesen wenigen Versen, dass der Heilige Geist durch Glauben empfangen wird.

 

Mit anderen Worten, die wichtigste Vorbereitung für gläubige Menschen, die den Heiligen Geist empfangen möchten, ist die, dass sie aus der Heiligen Schrift über das Wesen dieser Gabe Gottes belehrt werden und erfahren, wie sie sie durch den Glauben an das Erlösungswerk Christi am Kreuz bekommen können. Nach dieser Art biblischer Unterweisung, die im Glauben aufgenommen wird, sollte es möglich sein, dass jeder, der sich nach der Gabe des Heiligen Geistes ausstreckt, sie ohne große Anstrengung oder langes Warten auch empfängt.

 

Aus dem Brief an die Galater scheint hervorzugehen, dass die Christen dort dem Apostel Paulus zu Anfang in schlichtem Glauben die Botschaft des Evangeliums von Jesus und seine Belehrung über die Gabe des Heiligen Geistes abgenommen und alle diese Dinge auch in ihrer Fülle erlebt hatten. Danach hatten sie sich jedoch durch andere Lehrer in irgendein formales, gesetzliches System hineinziehen lassen, das über die Grundlehre des Evangeliums hinausging, und waren jetzt dabei, ihre anfängliche Schau zu verlieren, d.h. sie rechneten nicht mehr damit, diese göttliche Gabe einfach durch Gnade mittels des Glaubens zu empfangen.

 

Ein Hauptgrund, warum Paulus ihnen seinen Brief schrieb, war der, sie vor der Gefahr, in der sie sich befanden, zu warnen und zur kindlichen Einfalt ihres ursprünglichen Glaubens zurückzurufen.

 

Es scheint auch heute an verschiedenen Orten christliche Gruppierungen und Gemeinschaften zu geben, die in den gleichen Irrtum zu verfallen drohen, vor dem Paulus damals die Galater warnen musste. Vielerorts lässt sich die Tendenz feststellen, den Menschen, die die Gabe des Heiligen Geistes empfangen möchten, irgendeine bestimmte Form oder Methode aufbürden zu wollen.

 

Die Art dieser Auflagen differiert von Gruppe zu Gruppe. An manchen Orten liegt die Betonung auf irgendeiner bestimmten Körperhaltung oder Stellung, anderswo wiederum wird großer Nachdruck auf eine bestimmte Form von Worten oder die Wiederholung gewisser besonderer Formulierungen und Sätze gelegt.

 

Es muss nicht unbedingt unbiblisch sein, über diese Dinge zu sprechen, aber die Gefahr besteht, dass sie, anstatt eine Hilfe zum Glauben zu sein, zum Ersatz für den Glauben werden, ja ihn verdrängen. Dadurch wird das Ziel, das man ursprünglich verfolgt hat, gerade durch den Einsatz dieser Hilfsmittel verfehlt. Anstatt dass der suchende Mensch den Heiligen Geist empfängt, wird er am empfangen gehindert.

 

Häufig treffen wir als Folge solcher Methoden auf die „chronischen Sucher“, die uns sagen: „Ich habe alles versucht! Ich habe den Herrn gelobt und gepriesen, habe Halleluja gesagt, meine Hände hochgehoben, laut gerufen – kurz, ich habe alles gemacht, was man mir gesagt hat, aber es hat alles nicht geholfen!“ Ohne es zu merken, machen Menschen, die so sprechen, genau den gleichen Fehler wie die Galater: Sie wollen den Glauben durch Werke ersetzen und die einfache Botschaft des Wortes Gottes durch eine bestimmte Methode.

 

Wie lässt sich hier Abhilfe schaffen? Paulus hat es damals schon den Galatern gesagt: Indem man einfach wieder die Kunde des Glaubens hört. Chronische „Sucher“ brauchen nicht noch mehr zu loben und zu preisen, noch lauter zu rufen oder ihre Hände noch höher zu heben. Was sie brauchen, ist eine neue Unterweisung aus Gottes Wort über die kostenlosen Zuwendungen der Gnade Gottes.

 

Ganz allgemein gilt der Grundsatz, dass Menschen, die die Gabe des Heiligen Geistes empfangen möchten, zunächst eine gewisse Zeit der Belehrung aus dem Wort Gottes haben sollten, bevor mit ihnen gebetet wird. Ich persönlich würde Folgendes sagen: Wenn ich eine halbe Stunde Zeit hätte, um Menschen zu helfen, den Heiligen Geist zu empfangen, so würde ich wenigstens die Hälfte dieser Zeit – d.h. also wenigstens 15 Minuten – darauf verwenden, diesen Menschen biblische Unterweisung zu geben. Wenn dann die nächsten 15 Minuten Zeit zum Gebet wäre, würden die Resultate ganz gewiss weitaus positiver ausfallen, als wenn 30 Minuten lang nur gebetet worden wäre, ohne vorhergehende Belehrung.

 

Die Grundvoraussetzung zum Empfang des Heiligen Geistes ist, wie Paulus im Galaterbrief schreibt, die Kunde des Glaubens.

 

Jedoch müssen wir uns, wenn wir diesen Grundsatz betrachten, sorgfältig davor hüten, den Begriff „Glauben“ falsch zu interpretieren. Glaube ist kein Ersatz für Gehorsam. Im Gegenteil, wahrer Glaube zeigt sich immer im Gehorsam. Somit wird der Gehorsam zum Prüfstein wie auch zum Zeichen des Glaubens.

 

Das bezieht sich genauso auf den Empfang des Heiligen Geistes wie auf irgendeinen anderen Bereich der göttlichen Gnade.

 

In seiner Verteidigungsrede vor dem Hohen Rat konzentriert sich Petrus in Apostelgeschichte 5,32 auf den Gehorsam als den richtigen Ausdruck des Glaubens:

 

Und wir sind Zeugen von diesen Dingen, und der Heilige Geist, DEN GOTT DENEN GEGEBEN HAT, DIE IHM GEHORCHEN.

 

Wenn von der Gabe des Heiligen Geistes die Rede ist, betont Paulus den Glauben, Petrus dagegen den Gehorsam. Diese beiden Dinge stehen jedoch nicht im Widerspruch zueinander. Wahrer Glaube ist immer mit Gehorsam verknüpft. Vollkommener Glaube resultiert in vollkommenem Gehorsam. Petrus sagt hier, wenn unser Gehorsam vollkommen ist, dann ist die Gabe des Heiligen Geistes unser.

 

● Sechs Glaubensschritte

Wie sollte nun, wenn sich jemand nach der Gabe des Heiligen Geistes ausstreckt, ein solcher vollkommener Gehorsam aussehen? Sechs Schritte werden uns in der Bibel aufgezeigt, Meilensteine auf dem Gehorsamsweg, der zum Empfang der Gabe des Heiligen Geistes führt.

 

Buße und Taufe

Die ersten beiden Schritte nennt Petrus in Apostelgeschichte 2,38:

 

Tut Buße, und jeder von euch lasse sich taufen auf den Namen Jesu Christi zur Vergebung eurer Sünden, und ihr werdet die Gabe des Heiligen Geistes empfangen.

 

Die beiden Schritte, die hier genannt werden, sind: 1. Tut Buße; 2. Lasst euch taufen.

 

Buße ist eine innere Verwandlung der Herzenseinstellung Gott gegenüber und öffnet den Weg zur Versöhnung des Sünders mit Gott. Die sich anschließende Taufe ist ein äußerer Akt, durch den der Gläubige bezeugt, dass die Gnade Gottes in seinem Innern eine Veränderung bewirkt hat.

 

Dürsten

Der dritte Schritt auf dem Weg zur Erfüllung mit dem Heiligen Geist wird von Jesus in Johannes 7,37-38 angeführt:

 

Wenn jemand dürstet, so komme er zu mir und trinke. Wer an mich glaubt, wie die Schrift gesagt hat, aus dessen Leibe werden Ströme lebendigen Wassers fließen.

 

Im darauffolgenden Vers fügt der Schreiber des Evangeliums die Erklärung hinzu, dass diese Verheißung Jesu sich auf die Gabe des Heiligen Geistes bezieht.

 

Das stimmt auch mit dem überein, was Jesus in Matthäus 5,6 sagt: „Glückselig, die nach der Gerechtigkeit hungern und dürsten, denn sie werden gesättigt werden.

 

Eine ganz wichtige Voraussetzung für den Empfang des Heiligen Geistes ist, hungrig und durstig zu sein. Gott verschwendet seine Segnungen nicht an diejenigen, die sie nicht nötig zu haben meinen. Viele gläubige Christen, die einen durchaus guten, ehrbaren Lebenswandel führen, erleben nur deshalb nicht die Erfüllung mit dem Heiligen Geist, weil sie die Notwendigkeit gar nicht verspüren. Sie sind auch ohne diesen Segen zufrieden, und Gott lässt sie dabei.

 

Oft kommt es vor, dass, menschlich gesprochen, gerade solche Leute die Gabe des Heiligen Geistes empfangen, die sie am wenigsten zu verdienen scheinen, während andere, bei denen man vom Gegenteil überzeugt ist, leer ausgehen. Eine Erklärung dafür finden wir in Lukas 1,53:

 

Hungrige hat er (Gott) mit Gütern erfüllt und Reiche leer fortgeschickt.

 

Gott antwortet immer auf das aufrichtige Verlangen unseres Herzens, aber er ist nicht beeindruckt durch ein religiöses Lippenbekenntnis.

 

Bitten

In Lukas 11,13 stellt uns Jesus den vierten Schritt zum Empfang des Heiligen Geistes vor Augen:

 

Wenn nun ihr, die ihr böse seid, euren Kindern gute Gaben zu geben wisst, wieviel mehr wird der Vater im Himmel den Heiligen Geist geben denen, die ihn bitten!

 

Jesus verpflichtet die Gotteskinder hier ausdrücklich dazu, ihren Vater im Himmel um die Gabe des Heiligen Geistes zu bitten. Manchmal hört man von Christen Bemerkungen wie diese: „Wenn Gott möchte, dass ich den Heiligen Geist haben soll, wird er ihn mir schon geben. Ich brauche nicht extra darum zu bitten.“ Diese Einstellung ist jedoch nicht biblisch. Jesus lehrt deutlich, dass Gotteskinder ihren Vater im Himmel um diese spezielle Gabe des Heiligen Geistes bitten sollen.

 

Trinken

Nach dem Bitten folgt als nächster Schritt das Empfangen. In Johannes 7,37 nennt Jesus es Trinken, denn er sagt:

 

Wenn jemand dürstet, so komme er zu mir und trinke.

 

„Trinken“ stellt einen aktiven Prozess des Empfangens dar. Die Erfüllung mit dem Heiligen Geist lässt sich nicht durch eine rein passive, negative Haltung empfangen. Kein Mensch kann trinken, wenn er das nicht wirklich will; und niemand kann mit geschlossenem Mund trinken. So wie es im natürlichen Bereich ist, ist es ebenfalls im geistlichen.

 

In Psalm 81,11 sagt der Herr: „Tue deinen Mund weit auf und ich will ihn füllen.

 

Einen geschlossenen Mund kann Gott nicht füllen. So merkwürdig das auch klingen mag: Es gibt Menschen, die die Fülle des Heiligen Geistes nur deshalb nicht empfangen, weil sie einfach ihren Mund nicht öffnen.

 

Hingabe

Der sechste und letzte Schritt zum Empfang der Fülle des Heiligen Geistes ist die Hingabe.

 

In Römer 6,13 spricht Paulus von einer zweifachen Hingabe des Christen an Gott: „... sondern stellt EUCH SELBST Gott zur Verfügung als Lebende aus den Toten und EURE GLIEDER Gott zu Werkzeugen der Gerechtigkeit.

 

Zwei aufeinanderfolgende Stufen werden uns hier vor Augen gestellt. Die erste Hingabe betrifft uns selbst, ist also eine Auslieferung unseres Willens und unserer Persönlichkeit. Das ist jedoch nicht alles. Es gibt noch einen weiteren Grad der Hingabe, der nicht nur unseren Willen betrifft, sondern auch unsere Glieder einschließt.

 

Diese zweite Stufe der Hingabe erfordert ein weit höheres Maß an Vertrauen Gott gegenüber. Indem wir uns selbst – unseren Willen – ihm ausliefern, ordnen wir uns im Gehorsam dem geoffenbarten Gotteswillen unter, behalten dabei aber immer noch den Gebrauch unseres eigenen Verstandes. Wir sind bereit, das zu tun, was Gott von uns verlangt – vorausgesetzt wir verstehen es.

 

Wenn wir ihm jedoch unsere Glieder ausliefern, gehen wir einen Schritt weiter. Wir versuchen nicht mehr, mit unserem logischen Verstand zu begreifen, was Gott von uns verlangt. Wir übergeben ihm einfach die uneingeschränkte Kontrolle über alle Glieder unseres Körpers und gestatten ihm, sie nach seinem Willen und Plan zu gebrauchen, ohne dass wir unbedingt verstehen müssen, was er tut und warum er es tut.

 

Nur wenn wir diese zweite Hingabe vollziehen, sind wir Gott wirklich total ausgeliefert. Und genau an diesem Punkt kommt der Heilige Geist in seiner ganzen Fülle zu uns und übernimmt die Kontrolle über unsere Glieder.

 

Das Glied, das er insbesondere unter seine Herrschaft bringt, ist das „unstete Übel“, das kein Mensch zähmen kann – die Zunge. Wenn wir also unsere Zunge dem Geist Gottes überlassen, dass er nach seinem Willen darüber verfügt, auch ohne, dass wir es logisch verstehen, dann ist damit der Höhepunkt der Auslieferung erreicht – eine totale Hingabe, ein vollkommener Gehorsam. So werden wir die Gabe des Heiligen Geistes empfangen.

 

Hier noch einmal in Stichworten die sechs aufeinanderfolgenden Schritte zum Empfang des Heiligen Geistes:

 

  • 1. Buße;
  • 2. Getauft werden;
  • 3. Durst haben;
  • 4. Bitten;
  • 5. Trinken – d.h. aktives empfangen;
  • 6. Hingabe – d.h. bewusst die Kontrolle über unsere Glieder aufgeben und auf den Gebrauch unseres logischen Denkens verzichten.

Aus diesen Stichpunkten ergibt sich natürlich die Frage: Ist es unbedingt immer der Fall, dass ein Mensch, der die Gabe des Heiligen Geistes empfängt, alle sechs obengenannten Schritte durchlaufen haben muss?

 

Die Antwort auf diese Frage lautet – nein. Gottes Gnade ist unumschränkt und souverän. Wenn immer er es für richtig hält, hat er die Freiheit, sich in seiner Gnade einer Seele zuzuwenden, selbst über die Bedingungen hinaus, die er in seinem Wort aufgestellt hat. Seine Gnade ist nicht zwangsläufig an diese Bedingungen gebunden, auch wenn er sie selber festgelegt hat. Auf der anderen Seite wird Gott in seiner Treue aber nie da, wo die von ihm aufgestellten Bedingungen erfüllt werden, den Segen zurückhalten, den er verheißen hat.

 

Es hat den Anschein, dass einige der oben erwähnten Schritte manchmal von Menschen ausgelassen werden, die dann trotzdem die Gabe des Heiligen Geistes empfangen. Insbesondere ist das zuweilen bei solchen der Fall, die noch nicht getauft sind oder Gott nicht speziell um diese Gabe gebeten haben.

 

Derek Prince berichtet:

Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass das so sein kann. Ich persönlich habe die Gabe des Heiligen Geistes empfangen, ehe ich mich hatte taufen lassen und ohne, dass ich Gott besonders darum gebeten hätte. In diesen zwei Punkten hat Gott in meinem Fall seine Gnade walten lassen, auch wenn nicht alle Bedingungen, die in seinem Wort enthalten sind, erfüllt waren. Mir ist jedoch klar, dass ich für meinen Teil deshalb nur umso mehr der Gnade Gottes verpflichtet bin. Ich habe keinen Grund, nun stolz, gleichgültig oder ungehorsam zu sein.

 

Es scheint mir allerdings, dass Gott niemals da die Gabe des Heiligen Geistes gibt, wo die anderen vier in seinem Wort genannten Bedingungen nicht erfüllt sind. Der Heilige Geist kommt nicht, ohne dass zuallererst Buße stattgefunden hat und außerdem ein echter geistlicher Durst und die Bereitschaft sowohl zum Empfangen als auch zur Hingabe vorhanden ist.

 

Zum Abschluss ist es gut, nochmals den engen Zusammenhang zwischen der Erfüllung mit dem Heiligen Geist und dem Gehorsam nachdrücklich zu betonen. Wie Petrus sagt, ist die Gabe des Heiligen Geistes für solche, die Gott gehorchen. Selbst da, wo Gott in seiner Gnade diese Gabe Menschen schenkt, die noch nicht alle Bedingungen seines Wortes erfüllt haben, ist das kein Grund zur Gleichgültigkeit oder zum Ungehorsam.

 

In Apostelgeschichte 10 lesen wir, wie Petrus im Haus von Kornelius predigte und der Heilige Geist auf alle fiel, die ihm zuhörten. Aus dem biblischen Bericht geht jedoch klar hervor, dass diese Demonstration der Gnade Gottes in keiner Weise als Ersatz für den Gehorsam gegenüber seinem Wort zu verstehen war, denn in Vers 48 heißt es: „... er (Petrus) befahl, dass sie getauft würden...

 

Auch für diejenigen, die die Gabe des Heiligen Geistes empfangen haben, bleibt die Verordnung der Wassertaufe ein Befehl des Wortes Gottes, der nicht missachtet werden darf.

 

Vor allem müssen wir, wenn es um geistliche Gaben geht, unbedingt und jederzeit auf der Hut sein vor geistlichem Hochmut. Je reicher wir mit den göttlichen Gnadengaben beschenkt werden, desto größer ist unsere Verpflichtung, in Gehorsam und Treue mit diesen Gaben umzugehen.

 

Jesus hat in Lukas 12,48 einen Grundsatz im Hinblick auf die Verantwortung für empfangene Gnade aufgestellt, wenn er sagt: „... Jedem aber, dem viel gegeben ist – viel wird von ihm verlangt werden; und wem man viel anvertraut hat, von dem wird man desto mehr fordern.

 

Je reichlicher wir mit Gottes Gaben und Gnadenerweisungen durch Jesus Christus beschenkt werden, umso größer wird unsere Verpflichtung zur Demut, zur Hingabe und zum bedingungslosen Gehorsam.


Quellen und weiterführendes Material:

  • Derek Prince - Fundamente des christlichen Glaubens
  • Derek Prince - Ihr werdet Kraft empfangen
  • Derek Prince - Eintauchen in den Heiligen Geist
  • Derek Prince - Empfange den Heiligen Geist
  • Derek Prince - Die Lehre von den Taufen
  • eigene Anmerkungen

 

Dieser Lehrartikel basiert auf einer Lehrbotschaft von Derek Prince und beinhaltet einige Ergänzungen und Anmerkungen von uns.

 

Gottes Segen Euch allen!

 

1. Thessalonicher 5,23

"Er selbst aber, der Gott des Friedens, heilige euch völlig; und vollständig möge euer Geist und Seele und Leib untadelig bewahrt werden bei der Ankunft unseres Herrn Jesus Christus!"

 

Amen