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Der biblische Unterschied zwischen Geist und Seele

1. Korinther 15,45

"So steht auch geschrieben: „Der erste Mensch, Adam, wurde zu einer lebendigen Seele (1Mo 2,7)“, der letzte Adam zu einem lebendig machenden Geist"

 

1. Thessalonicher 5,23

"Er selbst aber, der Gott des Friedens, heilige euch völlig; und vollständig möge euer Geist und Seele und Leib untadelig bewahrt werden bei der Ankunft unseres Herrn Jesus Christus!"

 

Hebräer 4,12

"Denn das Wort Gottes ist lebendig und wirksam und schärfer als jedes zweischneidige Schwert und durchdringend bis zur Scheidung von Seele und Geist, sowohl der Gelenke als auch des Markes, und ein Richter der Gedanken und Gesinnungen des Herzens"


Im ersten Thessalonicherbrief finden wir das biblische Bild bzw. die biblische Offenbarung der gesamten menschlichen Persönlichkeit:

 

1. Thessalonicher 5,23

"Er selbst aber, der Gott des Friedens, heilige euch völlig; und vollständig möge euer Geist und Seele und Leib untadelig bewahrt werden bei der Ankunft unseres Herrn Jesus Christus!"

 

Zu beachten sind die Worte "völlig" und "vollständig". Paulus spricht hier über die vollständige menschliche Persönlichkeit und er zeigt auf, dass sie aus drei Elementen besteht, wenn er sagt: "... vollständig möge euer Geist und Seele und Leib untadelig bewahrt werden...". Das ist also die Offenbarung der Bibel über die vollständige Persönlichkeit des Menschen. 

 

Diese Persönlichkeit besteht aus drei Elementen: aus dem Geist und aus der Seele (das ist das innere Wesen des Menschen) und aus dem Leib (das ist sein nach außen hin sichtbares Wesen).

 

Um diese drei Elemente, aus denen die menschliche Persönlichkeit besteht, voll und ganz verstehen zu können, müssen wir zum Schöpfungsbericht zurückgehen, der in 1. Mose aufgezeichnet ist. Dort wird die ursprüngliche Absicht Gottes bei der Schöpfung des Menschen formuliert:

 

1. Mose 1,26

"Und Gott sprach: Lasst uns Menschen machen in unserm Bild, uns ähnlich! Sie sollen herrschen über die Fische des Meeres und über die Vögel des Himmels und über das Vieh und über die ganze Erde und über alle kriechenden Tiere, die auf der Erde kriechen!"

 

Zu beachten ist, dass es Gottes Absicht war, als er den Menschen schuf, dass dieser herrschen solle. Er sollte über die ganze Erde herrschen. Genau dieselbe Wahrheit wird auch von David in Psalm 8 formuliert.

 

Wiederum ist zu beachten, dass Gott in der Passage aus 1. Mose 1 in der Mehrzahl spricht. Er sagt: "Lasst uns Menschen machen in unserm Bild, uns ähnlich..." Hier stoßen wir auf ein grundlegendes Paradox der biblischen Offenbarung über Gott, nämlich dass Gott einer und gleichzeitig mehr als einer ist. Dieses Paradox ist bereits im Anfangsvers der Bibel enthalten, der da lautet: "Im Anfang schuf Gott...". Das hebräische Wort für "Gott" lautet "Elohim". Elohim ist eine Pluralform (Singular "Eloha"). Aber das Wort "schuf" im Hebräischen ist Singular. Ganz am Anfang wird also Gott in der Mehrzahl mit dem Verb "schaffen" in der Einzahl zusammengebracht. Hier haben wir also das Paradox, dass Gott in Seinem ureigensten Wesenskern einer und doch mehr als einer ist.

 

Wir wollen nun näher betrachten, was es bedeutet, dass Gott den Menschen in Seinem Bild gemacht hat, mit anderen Worten: Ein dreieiniger Gott schuf einen dreieinigen Menschen. Im weiteren Verlauf der Bibel werden die drei Personen offenbart, die der eine, wahre Gott sind: der Vater, der Sohn und der Heilige Geist. Drei und doch eins, absolut eins. Das Schlüsselwort, das diesen Sachverhalt beschreibt, lautet "dreieinig", also drei in einem. Und hier stoßen wir auch auf die aufregende Offenbarung, dass der Mensch, weil er im Bild Gottes geschaffen wurde, auch ein dreieiniges Wesen ist. Er ist eine Person, die jedoch aus drei Elementen besteht: Geist, Seele und Leib. Somit haben wir also einen dreieinigen Menschen, der im Bild eines dreieinigen Gottes geschaffen wurde, um Gott zu repräsentieren und um Gottes Herrscher auf Erden zu sein.

 

Die einzige exakte Quelle für diese Erkenntnis ist die Bibel. Derek Prince war früher Professor für Philosophie und hat viele, viele menschliche Versuche studiert, das eigentliche Wesen des Menschen zu erkennen und herauszufinden, und er sagt:

 

Nirgendwo findet man eine zufriedenstellende Antwort. Der Mensch bleibt verwirrt. Er ist nicht in der Lage, sich selbst zu verstehen. Aber wenn wir im Glauben in den Spiegel des Wortes Gottes schauen, dann verstehen wir unser eigenes inneres Wesen und dann finden wir auch den Schlüssel für viele unserer Probleme, die wir auf keine andere Art und Weise lösen können.

 

Das Wort Gottes ist wie das Skalpell eines Chirurgen, wie ein Röntgenspiegel (Hebr 4,12-13; Jak 1,22-24), der in unser innerstes Wesen vordringt und die beiden Elemente des inneren Wesens des Menschen offenbart, den Geist und die Seele, die so eng miteinander in Beziehung stehen, dass nur das Skalpell des Wortes Gottes die beiden voneinander scheiden kann. Und ohne die Offenbarung des Wortes Gottes sind sich die meisten Menschen dieser Dualität von Geist und Seele nicht bewusst.

 

Weiterhin hielten wir fest, dass der Mensch unter anderem dadurch Gott ähnlich ist, dass er, wie Gott, ein dreieiniges Wesen ist. Gott ist Vater, Sohn und Geist; der Mensch ist Geist, Seele und Leib.

 

Betrachten wir diesen Prozess der Erschaffung des Menschen nun etwas näher, weil wir dadurch besser verstehen werden, aus welchen Elementen das gesamte Wesen des Menschen besteht. Wir schlagen nun den ersten Vers auf, der die Schöpfung nicht nur erwähnt, sondern auch beschreibt:

 

1. Mose 2,7

"...da bildete Gott, der HERR, den Menschen, aus Staub vom Erdboden und hauchte in seine Nase Atem des Lebens; so wurde der Mensch eine lebende Seele"

 

Ein sehr dramatisches Bild. Wir sehen vor uns, wie der allmächtige Schöpfer eine makellose Form aus Ton bildet und dennoch ist es zunächst nichts anderes als eine Form aus Ton. Und dann neigt Er sich in Seiner Gnade und Güte herab, legt Seine göttlichen Lippen auf die Lippen aus Ton, Seine göttliche Nase auf die Nase aus Ton und haucht dieser Form Seinen Geist ein, den Hauch des Lebens, und dieser eingehauchte Geist verwandelt den Ton in eine vollkommene, lebende menschliche Persönlichkeit.

 

Das hebräische Wort in diesem Vers für "hauchen" lautet "vaipach". Schon allein der Klang dieses Wortes weist darauf hin, dass Atem impulsiv ausgestoßen wird – vai-pach. Gott legte sozusagen Seine gesamte göttliche Energie in diesen Hauch, den Er dem Ton einhauchte. Es war kein matter Seufzer, sondern ein heftiges Einhauchen von Atem. Und dieser Atem Gottes, dieser Geist Gottes, machte aus dem Ton eine lebendige menschliche Persönlichkeit.

 

Wir finden also in diesem Bericht die drei Elemente vor. Als erstes den Atem oder Geist Gottes von oben. Als zweites den Ton von der Erde, aus dem der Körper geformt wurde. Und als drittes die Vereinigung des Geistes von oben mit dem Ton von der Erde, wodurch das hervorgebracht wurde, was die Bibel als "Seele" bezeichnet, also eine Persönlichkeit.

 

Schauen wir uns die beiden hebräischen Worte an, die hier verwendet werden; das Wort für "Geist" und das Wort für "Seele". In der hebräischen Sprache ist es im Prinzip so, dass der Klang eines Wortes häufig Aufschluss über sein Wesen oder seine Bedeutung gibt. Wir haben bereits gesehen, dass das Wort für "hauchen", "vaipach", einen starken, kräftigen Ausstoß von Atem beschreibt. Das hebräische Wort für "Geist", "ruach" / ר֫וּחַ, endet mit dem hebräischen Buchstaben chet (ח), also einem "ch". Das "ch" ist ein kontinuierlich nach außen strömender gutturaler (einen im Kehlbereich gebildeten Laut) Hauch. Er weist auf das Wesen des göttlichen Geistes hin, der kontinuierlich nach außen strömt, aus sich selbst existent ist, von nichts und niemandem abhängig. Eine wunderbare Beschreibung dessen finden wir im Römerbrief:

 

Römer 11,35-36

"35 Oder wer hat ihm vorher gegeben, und es wird ihm vergolten werden? 36 Denn aus ihm und durch ihn und zu ihm hin sind alle Dinge! Ihm sei die Herrlichkeit in Ewigkeit! Amen"

 

Alles kommt von Gott, alles wird von Gott am Leben erhalten, alles kehrt zu Gott zurück. Das ist der göttliche, ewige, sich selbst gebende, aus sich selbst existierende Geist, den das Wort "ruach" beschreibt.

 

Sehen wir uns nun das Wort für "Seele" an. Es heißt "nephesh" / נָ֫פֶשׁ. Das Wort nephesh umschreibt, wenn man es analysiert, zwei verschiedene Prozesse: als erstes den Atem in sich aufnehmen und als zweites den Atem wieder aushauchen. Habt ihr schon einmal jemanden schnarchen gehört? Genau das ist es. Erst einatmen und dann ausatmen. Das ist das Wesen der Seele. Die Seele ist nicht aus sich selbst existent. Die Seele ist abhängig. Die Seele muss vom Geist empfangen – erst einatmen, bevor sie ausatmen kann. Diese Tatsache wird sehr deutlich in einer Formulierung, die Paulus im 1. Korintherbrief verwendet, wo er Adam und Jesus gegenüberstellt. Er sagt:

 

1. Korinther 15,45

"So steht auch geschrieben: „Der erste Mensch, Adam, wurde zu einer lebendigen Seele (1Mo 2,7)“, der letzte Adam zu einem lebendig machenden Geist"

 

Der Unterschied zwischen Geist und Seele

Das ist der Unterschied zwischen Geist und Seele:

 

Der Geist hat Leben in sich selbst. Er gibt Leben. Aber die Seele muss erst vom Geist Leben empfangen, damit sie leben kann.

 

Hier haben wir also den göttlichen Hauch Gottes, den ewigen, aus sich selbst existierenden Atem Gottes, der in diesen Körper aus Ton hineingehaucht wird und das Resultat dessen ist eine lebendige Seele, eine "nephesh", etwas, das in existentieller Weise vom Geist abhängig ist und davon abhängig ist, dass es von Gott Leben empfängt und dieses Leben von Gott aufrechterhalten wird.

 

Das sind also die drei Elemente, die die gesamte Persönlichkeit des Menschen ausmachen: der Geist von oben, der Körper von der Erde und die Seele, die dadurch entsteht, dass Geist und Körper eins werden, eine lebendige menschliche Persönlichkeit.

 

Sehen wir uns zum Abschluss dieses Abschnitts noch kurz die griechischen Worte an, die im Neuen Testament für die drei Elemente verwendet werden, aus denen die gesamte Persönlichkeit des Menschen besteht. "Geist" heißt auf Griechisch pneuma / πνεῦμα, was auch "Wind" oder "Hauch" bedeuten kann. Unser deutsches Wort "pneumatisch" leitet sich beispielsweise davon ab, also etwas, das mit Luft betrieben wird. Das griechische Wort für "Seele" lautet psyche / ψυχή, von dem sich viele, viele deutsche Worte wie "psychisch" oder "Psychologie" ableiten. Das griechische Wort für "Körper" lautet soma / σῶμα und wir haben im Deutschen ja eine Kombination aus den beiden Worten psyche / Seele und soma / Körper, nämlich das Wort "psychosomatisch". Dieses Wort beschreibt ein Problem, das nicht einzig und allein auf den Körper des Menschen zurückgeht und nicht einzig und allein auf die innere Persönlichkeit des Menschen, sondern eine Kombination aus beidem ist.

 

Es ist interessant, dass im Englischen und in zahlreichen anderen ähnlichen Sprachen der nicht wiedergeborene Mensch viele Worte verwendet, die mit "psycho-" beginnen. Mit anderen Worten: Er beschäftigt sich sehr stark mit seiner Seele; er ist sich seiner Seele sehr bewusst. Derek Prince hat jahrelang griechische Philosophie in den griechischen Urtexten studiert und sagt,

 

dass sich die griechische Philosophie in gewisser Weise um die Seele dreht und es interessant ist, dass es im Englischen oder im Deutschen praktisch keine Wörter gibt, die mit "pneuma-" beginnen und man sich in der griechischen Philosophie praktisch überhaupt nie mit diesem Element des Menschen beschäftigt.

 

Was bedeutet das? Das bedeutet folgendes: Ohne den Spiegel der Offenbarung Gottes ist sich der Mensch dessen bewusst, dass er eine Seele hat. Aber seines eigenen Geistes ist er sich nicht bewusst. Es gibt ein Element in ihm, das viel tiefer ist als sein eigenes Verständnis, etwas, das er nicht ausloten kann, etwas, das er nicht ermessen kann und von dem er nur etwas durch göttliche Offenbarung erfährt. Wir sehen also wiederum, dass wir absolut auf den Spiegel des Wortes Gottes angewiesen sind, wenn wir die Wahrheit über uns selbst herausfinden wollen.

 

Lies auch unsere beiden weiterführenden Beiträge:


Quellen und weiterführendes Material

Dieser Lehrartikel basiert auf einer Lehrbotschaft von Derek Prince und beinhaltet einige Ergänzungen und Anmerkungen von uns.

 

Gottes Segen Euch allen!

 

1. Thessalonicher 5,23

"Er selbst aber, der Gott des Friedens, heilige euch völlig; und vollständig möge euer Geist und Seele und Leib untadelig bewahrt werden bei der Ankunft unseres Herrn Jesus Christus!"

 

Amen