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Einmal gerettet, immer gerettet? Kann man als Christ von Glauben abfallen und verloren gehen?

Hebräer 2,1

Deswegen müssen wir umso mehr auf das achten, was wir gehört haben, damit wir nicht etwa am Ziel vorbeigleiten


Oft kommt die Frage auf, ob man als wiedergeborener Christ vom Glauben abfallen, verlorengehen und somit sein Heil, seine Rettung, wieder verlieren kann. Meist gibt es Verunsicherungen, weil man verschiedene Bibelverse miteinander kombiniert. In Hebräer 6,4 heißt es beispielsweise:

 

Denn es ist unmöglich, die, welche einmal erleuchtet worden sind und die himmlische Gabe geschmeckt haben und Heiligen Geistes teilhaftig geworden sind

 

Aber andererseits steht in Johannes 10,28: „und ich gebe ihnen ewiges Leben, und sie werden in Ewigkeit nicht verlorengehen, und niemand wird sie aus meiner Hand reißen.

 

Findet sich hier ein Widerspruch? Nein! Ein wichtiger Grundsatz sollte sein, die Gesamtaussage der Bibel zu suchen und nicht aus Einzelaussagen Lehren zu entwickeln, die im Widerspruch zu anderen Aussagen stehen. Das erfordert ein geduldiges und intensives Lernen aus der ganzen Bibel.

 

Diese Worte führen uns an die grundsätzliche Frage, zu der es unter Christen verschiedene Ansichten gibt: Kann ein wiedergeborener Christ vom Glauben abfallen und verlorengehen und somit sein Heil, seine Rettung, verlieren?

 

Im Hebräerbrief gibt es fünf Passagen mit ernsten zusammenhängenden Warnungen, die ein wichtiges Muster erkennen lassen und uns vor gewaltigen geistlichen Gefahren bewahren möchten. Wir kennen kein anderes Buch im Neuen Testament, ja vielleicht nicht einmal in der ganzen Bibel, das mehr ernste Warnungen an das Volk Gottes enthält als der Hebräerbrief.

 

Bibelstellen, die ernste Warnungen enthalten

1. Hebräer 2,1-4 (Warnung vor Nachlässigkeit)

2. Hebräer 3,7-4,13 (Warnung vor Unglauben)

3. Hebräer 6,4-8 (Warnung vor Apostasie, Abfall vom Glauben)

4. Hebräer 10,26-31 (Warnung vor vorsätzliches Verharren in Sünde)

5. Hebräer 12,14-29 (Warnung nicht an der Gnade Gottes Mangel zu erleiden)

 

Warnungen vor: Nachlässigkeit, Unglauben, Apostasie (Abfall), vorsätzliches Verharren in Sünde und nicht an der Gnade Gottes Mangel zu leiden.

 

Dies ist eine sehr logische Reihenfolge und wir halten diese Reihenfolge für sehr bezeichnend. Wenn wir mit Nachlässigkeit beginnen, enden wir im Unglauben. Der Unglaube führt uns in die Apostasie und die Apostasie wird uns dazu veranlassen, vorsätzlich in Sünde zu verharren. Der Brief sagt, wenn man dort angelangt ist, gibt es kein Opfer mehr für die Sünde. Das ist das Ende. Die Tragödie wird darin bestehen, dass man die Gnade Gottes kennen gelernt hat, aber an ihr Mangel leiden wird.

 

Hebräer 6,4-8 enthält die ernste Warnung vor der Apostasie, dem Abfall vom Glauben. Wir bevorzugen das Wort Apostasie, weil sich „Abfallen“ so anhört, als geschehe es zufällig oder beiläufig. Der Begriff „Apostasie“ weist jedoch darauf hin, dass es auf einer Entscheidung beruht.

 

Hebräer 6,4-8

4 Denn es ist unmöglich, die, welche einmal erleuchtet worden sind und die himmlische Gabe geschmeckt haben und Heiligen Geistes teilhaftig geworden sind 5 und das gute Wort Gottes geschmeckt haben, dazu die Kräfte der zukünftigen Weltzeit, 6 und die dann abgefallen sind, wieder zur Buße zu erneuern, da sie für sich selbst den Sohn Gottes wiederum kreuzigen und zum Gespött machen! 7 Denn ein Erdreich, das den Regen trinkt, der sich öfters darüber ergießt, und nützliches Gewächs hervorbringt denen, für die es bebaut wird, empfängt Segen von Gott; 8 dasjenige aber, das Dornen und Disteln trägt, ist untauglich und dem Fluch nahe; es wird am Ende verbrannt.

 

Hebräer 6,4-5 beschreibt Menschen, die fünf geistliche Erfahrungen gemacht haben:

 

1. Sie sind erleuchtet worden (vgl. Hebr 10,32). 

2. Sie haben die himmlische Gabe geschmeckt (vgl. Röm 6,23; 2Kor 9,15). 

3. Sie sind des Heiligen Geistes teilhaftig geworden (vgl. Apg 2,38).

4. Sie haben das gute Wort Gottes geschmeckt (vgl. 1Thess 2,13).

5. Sie haben die Kräfte des zukünftigen Zeitalters geschmeckt (vgl. 2Kor 1,21-22; Eph 1,13-14)

 

Überlegen wir kurz, was jede dieser Aussagen bedeutet und auf welche Art von Erfahrung sie jeweils hinweisen:

 

1. Erleuchtet werden ist ein Wirken Gottes, ein Wirken des Heiligen Geistes. Er versetzt uns in die Lage, die Wahrheit über Jesus Christus, über die Bibel und über uns selbst zu erkennen. Das ist nichts, das wir jemals durch reines intellektuelles Studieren oder Nachdenken herausfinden können. Es muss eine Erleuchtung geben. Es gibt Wahrheiten in der Bibel, die man nicht allein durch den Verstand begreifen kann. Sobald man einmal erleuchtet worden ist, hat man eine Verantwortung, die man zuvor nicht hatte. Das ist also die erste Erfahrung, von der wir hier sprechen; es ist eine übernatürliche Offenbarung der Wahrheit.

 

2. Sie haben die „himmlische Gabe“ geschmeckt. Das ist die zweite Erfahrung. Welche himmlische Gabe? Wir möchten euch dazu zwei Bibelstellen geben.

 

Römer 6,23

Denn der Lohn der Sünde ist der Tod, die Gnadengabe Gottes aber ewiges Leben in Christus Jesus, unserem Herrn.

 

Das ist also eine Gabe. Das griechische Wort, das hier verwendet wird, lautet „charisma“, von dem sich, nebenbei bemerkt, das Wort „charismatisch“ und dergleichen ableitet. Das Wort „charisma“ wird im Neuen Testament zum ersten Mal in Römer 5 verwendet. Die Gabe, von der dort die Rede ist, ist Gerechtigkeit.

 

Zu beachten ist, dass man erst dann ewiges Leben haben kann, wenn man Gerechtigkeit hat, da Gott einem Sünder kein ewiges Leben schenken kann. Doch das Wort, das hier in Hebräer 6,4 verwendet wird, lautet nicht „charisma“. Auf Griechisch lautet es „dorea“.

 

Das Wort „dorea“ bezeichnet im neutestamentlichen Griechisch in der Regel eine Gabe, die eine göttliche Person ist, also keine Erfahrung, keine Sache, kein Gegenstand, kein „es“. Das Wort „dorea“ wird in 2. Korinther 9,15 genauso verwendet. Paulus sagt zum Abschluss von zwei Kapiteln, in denen es ums Geld geht:

„Gott sei Dank für seine unaussprechliche Gabe!“ Mit anderen Worten: Wenn wir gegeben haben, sollen wir uns daran erinnern, dass Gott mit dem Geben begonnen hat. Er gab Dinge, die wir niemals überbieten können. Hier steht für „Gabe“ das Wort „dorea“. 

 

Was glaubt ihr: Was ist Gottes „unaussprechliche Gabe“? Wir sagen euch unsere Meinung. Es ist der Herr Jesus Christus. Und wir glauben, auch die „himmlische Gabe“ in Hebräer 6,4 ist Jesus. Wenn man Jesus hat, hat man in ihm das „charisma“ des ewigen Lebens. Es geht also hier um Menschen, die Jesus haben und in ihm ewiges Leben.

 

3. Sie sind des Heiligen Geistes teilhaftig geworden. Das Wort bedeutet „Anteil haben“ oder „teilhaben an“. Sie hatten Anteil am Heiligen Geist bzw. hatten teil am Heiligen Geist. Schlagen wir Apostelgeschichte 2,38 auf:

 

Petrus aber sprach zu ihnen: Tut Buße, und jeder von euch lasse sich taufen auf den Namen Jesu Christi zur Vergebung eurer Sünden, und ihr werdet die Gabe des Heiligen Geistes empfangen.

 

Ratet mal, welches griechische Wort hier für „Gabe“ steht? „Dorea“. Es ist hier nicht vom Empfang von Geistesgaben die Rede, sondern von jener Gabe, die eine göttliche Person ist. Wer ist diese Person? Der Heilige Geist.

 

4. Sie haben das gute Wort Gottes geschmeckt. Für „Wort“ steht hier im Griechischen nicht „logos“, sondern „rhema“. Es ist nicht nur Theologie; es bedeutet, dass Gott zu ihnen durch sein Wort gesprochen hat. Wir denken, die meisten von euch kennen das.

Sie haben das gute Wort Gottes geschmeckt. Hierzu gibt es so viele Schriftstellen, dass wir sie uns nicht weiter ansehen werden.

 

5. Sie haben die Kräfte des zukünftigen Zeitalters geschmeckt. In 2. Korinther 1,21-22 spricht Paulus über all seine Versuchungen und Prüfungen und Schwierigkeiten und sagt dann:

 

Der uns aber mit euch befestigt (oder kräftigt) in Christus und uns gesalbt hat, ist Gott, der uns auch versiegelt und das Unterpfand des Geistes in unsere Herzen gegeben hat.

 

Statt „Unterpfand“ könnte man treffender „Anzahlung“ sagen und macht den Sinn deutlicher. Bevor wir darauf zu sprechen kommen, lesen wir noch Epheser 1,13-14:

 

In ihm seid auch ihr, nachdem ihr das Wort der Wahrheit, das Evangelium eures Heils, gehört habt und gläubig geworden seid, versiegelt worden mit dem Heiligen Geist der Verheißung (dem Heiligen Geist). Der ist das Unterpfand (die Anzahlung auf) unseres Erbes, bis zur Erlösung seines Eigentums zum Preise seiner Herrlichkeit.

 

In diesen beiden Stellen, in denen es um eine Erfahrung mit dem Heiligen Geist geht, heißt es jeweils zuerst „ihr seid versiegelt worden“ und dann „ihr habt die Anzahlung bekommen“. Genau das ist der Heilige Geist. Er ist die „Anzahlung Jesu“ in uns. 

 

Wenn es in Hebräer 6,4 also heißt: „Sie haben die Kräfte des zukünftigen Zeitalters geschmeckt“, bezieht sich das unserem Verständnis nach auf die Erfahrung des Heiligen Geistes, die erkennen lässt, wie das Leben im Himmel ist. Die Menschen, von denen der Hebräerbrief hier spricht, hatten diese Anzahlung bekommen.

 

Wenn Menschen all dies erfahren haben und sich dann bewusst von Christus abwenden, verlieren sie die Fähigkeit zur Umkehr (vgl. Hebr 6,6 und Hebräer 12,15-17). Durch ihr Verhalten schlagen sie Jesus praktisch ein zweites Mal ans Kreuz.

 

In Hebräer 6,6 heißt es:

Denn es ist unmöglich, diejenigen ... wieder zur Buße zu erneuern, da sie für sich den Sohn Gottes wieder kreuzigen und dem Spott aussetzen.

 

An diesem Punkt müssen wir sehr sorgfältig sein. Zunächst ist hier nicht von einem schwachen Christen die Rede, einem geistlichen Baby, das sich abmüht und doch immer wieder strauchelt. An so einen Menschen sind diese Worte nicht gerichtet. Dieser Vers spricht von Menschen, die alles haben, die alles erkannt haben und alledem aus bestimmten Gründen heraus den Rücken zugekehrt haben. Es ist jemand gemeint, der Jesus Schande macht und ihn verleugnet, jemand, der sagt: „Ich glaube nicht an Jesus Christus; er ist nicht des Sohn Gottes; er hat mich nie wirklich gerettet.

 

Wir glauben nicht, dass es für so einen Menschen noch einen Weg zurückgibt. Wir möchten niemanden verdammen; das ist nicht unsere Aufgabe, sondern die Aufgabe des Teufels; er macht das gut genug, wir brauchen ihm dabei nicht zu helfen. Aber wir würden euch gerne eines sagen: Wir glauben nicht, dass man in den Himmel kommen wird, wenn man nicht in den Himmel kommen will.

 

In Hebräer 6,7-8 gibt es ein Vergleich mit einem Boden, der Regen empfängt und bebaut wird, dann aber nur Dornen und Disteln hervorbringt — Dornen und Disteln sind immer ein Anzeichen dafür, dass ein Fluch vorliegt (vgl. 1Mo 3,17-18).

 

Hier ist ganz besonders von einem Erdboden die Rede, der sorgsam bebaut wurde und häufig Regen hatte. Wenn er dennoch nichts anderes als Dornen und Disteln hervorbringt, bleibt nur noch eine letzte Lösung übrig, nämlich die Verbrennung.

Das wird auf das Leben eines Christen angewandt: Wenn wir bebaut und kultiviert worden sind, wenn wir den Regen des Heiligen Geistes empfangen haben, wenn wir jede Gelegenheit gehabt haben und Gott nach alledem in uns nichts anderes vorfindet als Dornen und Disteln, sind wir ganz nahe dran, verworfen zu werden.

 

In Hebräer 6,9-10 sagt der Autor, dass Dank der Gnade Gottes uns ein solches Schicksal erspart bleiben kann — besonders dann, wenn wir unseren Glauben durch Dienste der Nächstenliebe gegenüber unseren Glaubensgeschwistern unter Beweis stellen (vgl. Ps 1 12, 1; 3-6; 9; Pred 1 1, 1-2).

 

Zu meinen, dass JEDE WARNUNG hinsichtlich eines Abfallens nicht für Christen, sondern nur für Ungläubige oder sogenannte Namenschristen gilt, ist falsch und eine totale Fehlinterpretation der Bibel. Allein der Hebräerbrief stellt klar, dass eine echte Gefahr für diejenigen besteht, die willentlich das Heil und den Weg des Glaubens aufgeben. Im Hebräerbrief Kapitel 10 ist es eindeutig, dass hier nicht nur von "Namenschristen" die Rede ist, welche gar nicht errettet sind, sondern wiedergeborene, errettete Christen:

 

Hebräer 10,29

"wie viel schlimmerer Strafe, meint ihr, wird derjenige schuldig erachtet werden, der den Sohn Gottes mit Füßen getreten und das Blut des Bundes, durch das er GEHEILIGT WURDE (Vergangenheitsform), für gemein geachtet und den Geist der Gnade geschmäht hat?"

 

Ungläubige sind nicht durch Christi Blut geheiligt worden, das ist unmöglich, sondern müssen erst durch diese "Waschung" durch, um in Heiligung und Rechtfertigung vor Gott leben zu können. 

 

Man könnte viele weiter Beispiele nennen, aber jeder der Gottes Wort höher erachtet als was menschliche "Theologie und Tradition" einem weismachen will, wird diese Warnungen als solche wahrnehmen und in seinem Herzen als Anker verschließen. Nichts kann uns aus Gottes Hand reißen (externe Ursachen), aber der Mensch, so wie er freien Willens in die lebendige Beziehung zu Gott hineinkam, durch Buße und Glauben, hat immer den freien Willen, durch ein unbußfertiges Herz, diese rettende Beziehung zu verlassen (interne Ursache). Daher gibt es viele Warnungen nicht vergeblich zu glauben, die Gnade umsonst zu empfangen, dass Rennen zu vollenden...

 

Hebräer 2,1

"Deswegen müssen wir umso mehr auf das achten, was wir gehört haben, damit wir nicht etwa am Ziel vorbeigleiten"

 

Wer an Jesus Christus glaubt, sich bekehrt und Jesus in sein Leben einlädt, der wird in das Buch des Lebens eingetragen. Und so steht in Offenbarung Kapitel 3 Verse 5: 

 

"Wer überwindet, der wird mit weißen Kleidern bekleidet werden; und ich will seinen Namen NICHT auslöschen aus dem Buch des Lebens, und ich werde seinen Namen bekennen vor meinem Vater und vor seinen Engeln."

 

Jesus kann nur einem Namen aus dem Buch des Lebens auslöschen, wenn dieser bereits eingetragen war. Und nur ein echter Christ wird in das Buch des Lebens eingetragen.

 

Wir denken, dass der Hebräerbrief vielleicht mehr als jede andere Passage des Neuen Testaments dazu beiträgt, die sehr ungenaue und schlampige Sichtweise von Gnade zu korrigieren, wie sie heutzutage unter so vielen Fundamentalisten oder Evangelikalen verbreitet ist; eine Sichtweise, die aus der Gnade fast schon einen Freibrief macht, umso leben zu können, wie man will. Das ist weitab von dem, was die Bibel lehrt.

 

Wir vertrauen darauf, dass der Heilige Geist uns allen, jede einzelne dieser Warnungen real und ganz persönlich vor Augen führt. Wir vertrauen darauf, dass keiner an diesen Lehrbeitrag mit der Haltung herangeht: „Das betrifft mich eigentlich jetzt nicht und wird mich wohl auch nie betreffen.“ Wenn man so denkt, ist man schon in Gefahr.


Quellen und weiterführendes Material

Dieser Lehrartikel basiert auf einer Lehrbotschaft von Derek Prince und beinhaltet einige Ergänzungen und Anmerkungen von uns.

 

Gottes Segen Euch allen!

 

1. Thessalonicher 5,23

"Er selbst aber, der Gott des Friedens, heilige euch völlig; und vollständig möge euer Geist und Seele und Leib untadelig bewahrt werden bei der Ankunft unseres Herrn Jesus Christus!"

 

Amen