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Jesus - Das Bild, Ebenbild, Abbild des unsichtbaren Gottes (des Vaters) Kolosser 1,15

Im Brief an die Kolosser lesen wir, dass Jesus das Bild des unsichtbaren Gottes ist. Was bedeutet das genau? Eine genauere Betrachtung der Schriftstelle bringt Aufschluss.

 

Kolosser 1,15a ELB

"Er ist das Bild des unsichtbaren Gottes..."

 

Kolosser 1,15a LÜ1984

"Er ist das Ebenbild des unsichtbaren Gottes..."

 

Kolosser 1,15a SCHL2000

"Dieser ist das Ebenbild des unsichtbaren Gottes..."

 

Kolosser 1,15a NeÜ

"Er, Christus, ist das Abbild des unsichtbaren Gottes..."

 

Jesus ist das Bild, Ebenbild, Abbild des unsichtbaren Gottes und die Sichtbarwerdung der Person des Vaters. Christus ist die exakte Darstellung Gottes, der vollkommene Ausdruck Gottes in menschlicher Gestalt. Der Sohn ist der "Exeget" (Auslegung/Erläuterung) des Vaters und manifestiert in Seiner Person das Wesen des unsichtbaren Vaters (vgl. Joh 6,46 "Nicht dass jemand den Vater gesehen hat, außer dem, der von Gott ist, dieser hat den Vater gesehen").

Interlinearübersetzung zu Kolosser 1,15
Interlinearübersetzung zu Kolosser 1,15

Das Wort "Bild" was hier in Kolosser 1,15a verwendet wird heißt im griechischen Grundtext eikṓn / εἰκών.

 

Eikṓn (von eíkō "sei wie"; gleich sein), bezeichnet:

  • eine spiegelähnliche Darstellung, die sich auf die anschließende Ähnlichkeit bezieht
  • eine plastische Darstellung
  • ein Bild z. B. eines Menschen aus Gold, Silber oder einem anderen Material
  • das auf einer Münze eingeprägte Brustbild eines Herrschers
  • ein Bild das genau seine Quelle reflektiert (was es direkt entspricht)

Zum Beispiel ist Christus das Bild (eikṓn, oberster Ausdruck) der Gottheit (vgl. 2Kor 4,4; Joh 12,45; 14,9; Hebr 1,3; Phil 2,5-6).

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2. Korinther 4,4
"den Ungläubigen, bei denen der Gott dieser Welt den Sinn verblendet hat, damit sie den Lichtglanz des Evangeliums von der Herrlichkeit des Christus, der Gottes Bild ist, nicht sehen"

Johannes 12,45
"und wer mich sieht, sieht den, der mich gesandt hat"

Johannes 14,9
"Jesus spricht zu ihm: So lange Zeit bin ich bei euch, und du hast mich nicht erkannt, Philippus? Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen. Und wie sagst du: Zeige uns den Vater?"

Hebräer 1,3
"er, der Ausstrahlung seiner Herrlichkeit und ABDRUCK SEINES WESENS ist und alle Dinge durch das Wort seiner Macht trägt, hat sich, nachdem er die Reinigung von den Sünden bewirkt hat, zur Rechten der Majestät in der Höhe gesetzt"

Philipper 2,5-6
"5 Habt diese Gesinnung in euch, die auch in Christus Jesus war, 6 der in Gestalt Gottes war und es nicht für einen Raub hielt, GOTT GLEICH ZU SEIN"

"Eikṓn" nimmt einen Prototypen an, dem es nicht nur gleicht, sondern von dem es gezeichnet wird. "Eikṓn" ist dann mehr als ein "Schatten"; Vielmehr ist es eine Replikation.

 

Eikṓn ist eine der stärksten Aussagen über die Natur Christi, die in der Bibel zu finden ist. Jesus ist Gott nicht nur ähnlich, sondern er ist Gott (Johannes 10,30.38; 12,45; 14,1-11). Als das sichtbare Bild des unsichtbaren Gottes ist Jesus die exakte Darstellung Gottes. Er spiegelt Gott nicht nur wider, sondern Er offenbart uns Gott (Johannes 1,18; 14,9). Da er über alles erhaben ist, hat er höchste Priorität und Autorität. Er kam vom Himmel, nicht aus dem Staub der Erde (1. Korinther 15,47), und er ist Herr über alle (Römer 9,5; 10,11-13; Offenbarung 1,5; 17,14). Er ist vollkommen heilig (Hebräer 7,26-28; 1. Petrus 1,19; 2,22; 1. Johannes 3,5) und hat die Macht, die Welt zu richten (Römer 2,16; 2. Korinther 5,10; 2. Timotheus 4,1). Somit ist Christus über alle Schöpfung erhaben, auch über die Welt der Geister. Wie die gläubigen Kolosser müssen und dürfen auch wir an die Gottheit von Jesus Christus (an die Tatsache, dass Er Gott ist) glauben, sonst ist unser christlicher Glaube hohl, fehlgeleitet und bedeutungslos. Dies ist eine zentrale Wahrheit des Christentums.

 

Manchmal wird eikṓn als Synonym zu homoíōma / ὁμοίωμα, Gleichheit, Ähnlichkeit, verwendet und beide können sich auf die irdischen Abbilder und Gleichnisse von den ursprünglichen Dingen im Himmel beziehen. Trotzdem gibt es einen Unterschied: eikṓn, Bild, verlangt immer einen Vorgänger oder Vorläufer, dem es nicht nur gleicht, sondern den es abbildet. So ist das Bild des Tieres in Off 13,14f ein eikṓn; und noch wichtiger: das Kind kann "empsychos eikṓn", beseeltes Bild, seiner Eltern genannt werden.

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Homoíōma
ist das Ergebnis einer Abbildung, die Gleichheit oder das Gleichnis (Röm 1,23; 5,14; 6,5; 8,3; Phil 2,7; Off 9,7). Homoíōsis (ὁμοίωσις) (3524) ist der Vorgang oder die Handlung, bei dem oder der eine Gleichheit oder eine Ähnlichkeit hergestellt wird, oder das Ergebnis (Jak 3,9). Obwohl nun Homoíōma und Homoíōsis Gleichheit oder Ähnlichkeit beinhalten, folgt daraus nicht unbedingt, dass der Träger dieser Gleichheit von dem herkommt oder zu dem in Beziehung steht, dem er gleicht. Zwei Männer können sich gleichen, ohne miteinander verwandt zu sein. Der Sohn ist jedoch die Homoíōma, Gleichheit, von Gott in Bezug darauf, dass beide Gott sind, aber er ist auch eikṓn, Bild, Gottes, was sein Verhältnis als Sohn zum Vater anzeigt (2Kor 4,4; Kol 1,15). Bei eikṓn, Bild, ist die Homoíōsis, Angleichung, Ähnlichkeit, inbegriffen, aber bei der Homoíōsis ist nicht immer der ursprüngliche Gegenstand wichtig oder besteht nicht immer eine Beziehung zu ihm. Beide Wörter können aber auch als Synonym verwendet werden (vgl. 1Kor 11,7 mit Jak 3,9). Es gibt noch zwei andere griech. Worte, die ähnl. sind wie eikṓn und Homoíōma, nämlich charaktér (χαρακτήρ) (5293), Charakter, Wesen, Prägung, und apaúgasma (ἀπαύγασμα) (540), Abglanz, Glanz (beide nur in Hebr 1,3). Charaktér bezeichnet das geprägte Bild, wie es mit dem Original oder Prägestempel übereinstimmt. Bedenkt man diese Vorstellung der starken Ahnlichkeit, kann mimésis, Nachahmung, Kopie, ebenso als Synonym von charaktér gelten wie eikṓn, Bild, oder auch apeikōnisma, Abbild. Auf der anderen Seite bedeutet apaúgasma nicht nur Abglanz, sondern auch das Strahlen, der Glanz. Außerdem benutzt Hebr 1,3 Charaktér, nicht charagma (χάραγμα) (5292), Zeichen, Stempel, weil letzteres mit engerem Sinn gebraucht wurde und selten die besonderen Merkmale einer Person oder eines Volkes bezeichnete, sondern vorwiegend das pass. An-sich-Tragen beinhaltet (Off 13,16f).

Quellen:

  • Elberfelder Studienbibel mit Sprachschlüssel und Handkonkordanz S.1925-1926
  • NLB-Studienbibel (Begegnung fürs Leben) Kommentar S.2066

 

Gottes Segen Euch allen!

 

1. Thessalonicher 5,23

"Er selbst aber, der Gott des Friedens, heilige euch völlig; und vollständig möge euer Geist und Seele und Leib untadelig bewahrt werden bei der Ankunft unseres Herrn Jesus Christus!"

 

Amen

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