Die Passionswoche Jesu – Vom Einzug bis zur Auferstehung

Zeitraum, Ablauf und die Bedeutung der letzten Tage Jesu


Jesaja 53,5

Doch er wurde um unserer Übertretungen willen durchbohrt, wegen unserer Missetaten zerschlagen; die Strafe lag auf ihm, damit wir Frieden hätten, und durch seine Wunden sind wir geheilt worden.“

 

Matthäus 12,40

Denn gleichwie Jona drei Tage und drei Nächte im Bauch des Riesenfisches war, so wird der Sohn des Menschen drei Tage und drei Nächte im Schoß der Erde sein.

 

1. Korinther 15,3-4

Denn ich habe euch zuallererst das überliefert, was ich auch empfangen habe, nämlich dass Christus für unsere Sünden gestorben ist nach den Schriften, und dass er begraben worden ist und dass er auferstanden ist am dritten Tag nach den Schriften.


Dieser Beitrag zeichnet die Passionswoche Jesu Schritt für Schritt nach und beleuchtet dabei ihren zeitlichen Ablauf, ihren biblischen Zusammenhang und ihre geistliche Bedeutung. So wird sichtbar, wie sich vom Einzug in Jerusalem bis zur Auferstehung alles in vollkommener Präzision erfüllt hat.

 

Grundlagen zum Verständnis

In Matthäus 12,40 kündigt der Herr Jesus an, dass er wie Jona „drei Tage und drei Nächte im Schoß der Erde sein wird“ (vgl. Jona 2,1). Um den Zeitraum von Kreuzigung, Begräbnis und Auferstehung – und besonders die scheinbaren zeitlichen Diskrepanzen in den Evangelien – richtig zu verstehen, müssen wir uns zwingend mit dem jüdischen Zeit- und Kulturverständnis befassen. Die Evangelien wurden von Juden für ein Umfeld geschrieben, das mit dieser Terminologie bestens vertraut war. Wer Gottes Wort hier exakt verstehen will, muss wissen, wann ein Tag beginnt (1Mo 1,5), was der Rüsttag ist (Mk 15,42; Joh 19,31; Lk 23,54; Mt 27,62) und wie die damalige Rechtsprechung Zeiträume berechnete (Est 4,16; 5,1).

 

Der jüdische oder biblische Tag

Anders als in unserer heutigen bürgerlichen Zeitrechnung, in der ein neuer Tag mitten in der Nacht um Mitternacht beginnt, startet der jüdische/biblische Tag (hebr. jom) am Abend (vgl. 1Mo 1,5). Ein neuer Tag beginnt demnach exakt nach Sonnenuntergang, sobald drei Sterne am Nachthimmel sichtbar werden. Der Tag dauert somit von Abend zu Abend, in etwa von 18:00 Uhr bis 18:00 Uhr (1Mo 1,5.8.13.19.23.31; 2Mo 12,18; 3Mo 23,32). Schon auf der ersten Seite der Heiligen Schrift stößt man auf diese Besonderheit: „Und es wurde Abend, und es wurde Morgen: ein Tag“ (1Mo 1,5). Wir müssen wissen und verstehen, dass nach jüdischer/biblischer Zeitrechnung der Tag mit dem Sonnenuntergang beginnt (vgl. 1Mo 28,11) und endet, wenn die Sonnenhitze nachlässt und der Mensch aufatmen kann. Der erste Abend leitet den ersten Tag ein. Somit ergibt sich, dass jeder Tag auch einen Vorabend (hebr. erev) hat.

 

Zudem unterscheiden sich die antiken Stundenzählungen, was scheinbare Widersprüche in den Evangelien sofort auflöst. Die jüdische Zeitrechnung zählt die hellen Tagesstunden ab Sonnenaufgang (ca. 6:00 Uhr). Die „dritte Stunde“ entspricht hier also exakt 9:00 Uhr morgens. Die römische (bürgerliche) Zeitrechnung zählte hingegen wie wir heute ab Mitternacht. Wenn Johannes also berichtet, Jesus stand zur „sechsten Stunde“ vor Pilatus (vgl. Joh 19,14), kann damit 6:00 Uhr morgens gemeint sein (römische Zählung), während Markus festhält, dass Jesus zur „dritten Stunde“ (vgl. Mk 15,25) (9:00 Uhr morgens, jüdische Zählung) gekreuzigt wurde. Es gibt hier keinen Widerspruch, sondern höchste Präzision.

 

Eine der wichtigsten Regeln für das Verständnis der Passionswoche ist jedoch die jüdische Inklusivzählung. Nach jüdischer Denkweise gilt die eiserne Regel, dass ein angebrochener Teil eines Tages rechtlich für den gesamten Tag zählt (vgl. 1Mo 42,17-18; Est 4,16; 5,1). Sogar die erste oder die letzte Stunde eines Tages wird vollumfänglich als ein ganzer Tag gewertet.

 

Biblische und Römische Zeitangaben

1. Die jüdische/biblische Zeitrechnung

Der biblische Abend (und damit der neue Kalendertag) beginnt um ca. 18:00 Uhr.

Der helle Tag (Morgen) beginnt um ca. 06:00 Uhr (Sonnenaufgang).

Man rechnet die hellen Tagesstunden ab Sonnenaufgang:

• 3. Stunde = 09:00 Uhr (Kreuzigung Jesu)

• 6. Stunde = 12:00 Uhr (Beginn der Finsternis)

• 9. Stunde = 15:00 Uhr (Tod Jesu)

• 12. Stunde = 18:00 Uhr

 

2. Die römische (bürgerliche) Zeitrechnung

Die Römer zählten die Stunden der Nacht und des Tages, genau wie wir heute, bereits ab Mitternacht.

Johannes nutzt die römische (bürgerliche) Zeitrechnung. Wenn er also berichtet, dass Jesus zur „sechsten Stunde“ vor dem Römer Pilatus stand (Joh 19,14), ist damit nach römischer Zählung 06:00 Uhr morgens gemeint.

 

Der Zeitpunkt des Todes Jesu (biblisch und außerbiblisch)

Die Frage, an welchem Tag der Messias starb, kann nur beantwortet werden, wenn man die jüdische Zeitrechnung kennt. Die meisten, die sie nicht verstehen, kommen zu falschen Schlussfolgerungen, nämlich dass die Kreuzigung am Dienstag, Mittwoch oder Donnerstag stattfand. Die Evangelien geben jedoch eindeutig an, dass Jesus an einem Freitag starb und vor Sonnenuntergang in das Grab gelegt wurde (vgl. Lk 23,53-54). Der Ausdruck Sabbat muss hier nicht auf einen anderen Wochentag uminterpretiert werden. Obwohl es jüdische Festtage gibt, die ebenfalls als Sabbat bezeichnet werden und auf andere Wochentage fallen können, fiel der erste Festtag in jenem Jahr exakt auf den wöchentlichen Sabbat, also auf die Zeitspanne von Freitagabend bis Samstagabend. Genau deshalb nennt Johannes diesen speziellen Tag einen „großen“ Sabbat (Joh 19,31). Das Wort Gottes betont dies immer wieder. Johannes 19,31, Markus 15,42, Lukas 23,54 und Matthäus 27,62 verdeutlichen, dass Jesus am Rüsttag (Freitag) starb. Dass dies gegen 15 Uhr (um die 9. Stunde) geschah, bezeugen Verse wie Matthäus 27,46-50 (vgl. auch Mk 15,34; Lk 23,44). Dann wurde Er vor Sonnenuntergang in das Grab gelegt (vgl. Mt 27,57-60), bevor der Sabbat begann. Nach jüdischer Zeitrechnung war das, bevor die drei Sterne am Nachthimmel erschienen und den neuen Tag einläuteten.

 

Außer den Evangelien überliefern ebenfalls spätere antike jüdische Aufzeichnungen wie der Talmud, dass der Tag, an dem der Messias starb, ein Freitag war. Außerdem spiegeln sie wider, dass Er während des Passahfestes hingerichtet wurde. Ein Zitat aus dem babylonischen Talmud (Sanhedrin 43a) lautet: „Am Vorabend des Passah wurde Jeshu aufgehängt. Vierzig Tage lang, bevor die Hinrichtung stattfand, ging ein Herold herum und rief, ‚Er wird bald gesteinigt werden, weil er Zauberei praktiziert und Israel zum Abfall verführt hat. Jeder, der etwas zu seinen Gunsten sagen kann, soll hervortreten und für ihn bitten.‘ Weil aber nichts zu seinen Gunsten vorgebracht wurde, wurde er am Vorabend des Passah aufgehängt! .... Ein florentinisches Manuskript fügt hinzu: ‚und am Vorabend des Sabbat.‘!“.

 

Dieses talmudische Zitat bezieht sich auf die Gerichtsverhandlung und Hinrichtung Jesu, und das florentinische Manuskript wiederholt, dass Er am Vorabend des Sabbats hingerichtet wurde. Der Vorabend des Sabbats ist immer der Freitag, also der Rüsttag und der Vortag des Festes zur Vorbereitung (Joh 19,14). Zudem erwähnt der Text zweimal, dass die Vorkommnisse am Passah stattfanden. Das machte den Sabbat zu einem Hohen Sabbat, oder wie Johannes es ausdrückte: „der Tag jenes Sabbats war groß“ (Joh 19,31), weil der erste Tag des Passahfests im Jahr der Kreuzigung auch auf einen wöchentlichen Sabbat fiel, was es zu einem hohen oder großen Fest machte (2Mo 12,16; 3Mo 23,7). Das talmudische Zitat behauptet, dass die genaue Anklage gegen Jesus Zauberei war. Indem Er Zauberei praktizierte, verführte Er Israel und entfremdete das Volk seinem Gott. Dieses spiegelt wider, was geschah, als Jesus offiziell mit der Begründung abgelehnt wurde, dämonisiert zu sein (vgl. Mt 12,24). Der Abschnitt aus dem Talmud spiegelt somit wider, was auch aus den Evangelien klar geworden ist: Die religiösen Leiter bestritten nie, dass Jesus wirkliche Wunder vollbracht hat (vgl. Joh 11,47).

 

Doch die wirklich wichtige Aussage dieses Zitates ist, dass Jesus am Tag vor dem Sabbat starb, also am Freitag, und zwar während des Passahfestes. Zu lehren, dass Sein Tod an einem Dienstag, Mittwoch oder Donnerstag geschah, verletzt die klaren Aussagen der Evangelien und auch anderer historischer Dokumente.

 

Wie aber löst sich das Rätsel der „drei Tage und drei Nächte“ (Mt 12,40), wenn Jesus physisch nur etwa 36 Stunden im Grab lag? Die Antwort liefert die bereits erwähnte Inklusivzählung:

 

• Tag 1 (Freitag): Jesus wurde am Freitag vor Sonnenuntergang begraben. Diese wenigen Stunden zählen als der erste volle Tag.

• Tag 2 (Samstag): Er lag den gesamten Sabbat im Grab – der zweite Tag.

• Tag 3 (Sonntag): In den frühen Stunden des ersten Wochentags befand er sich noch im Grab. Auch dieser angebrochene Tag zählt vollumfänglich als der dritte Tag.

 

Dass diese rhetorische Sprachfigur im Judentum vollkommen gängig und absolut biblisch ist, beweist das Alte Testament eindrücklich: Im Buch Esther rief die Königin das Volk dazu auf, „drei Tage und drei Nächte“ zu fasten. Dennoch ging sie nicht erst nach 72 Stunden, sondern bereits „am dritten Tag“ zum König und brach das Fasten (Est 4,16; 5,1). Nach jüdischem Verständnis liegt hier also absolut kein Widerspruch vor – die klassische „christliche“ Chronologie mit Karfreitag und Auferstehung am Sonntag ist fehlerfrei und korrekt.

 

Das Passah und die Kreuzigung Jesu

Das Passahfest erinnert an die gewaltige Befreiung des Volkes Israel aus Ägypten (vgl. 2Mo 12,1-28) und ist ein zentrales Fest im biblischen Kalender. In den Tagen der Kreuzigung laufen alle alttestamentlichen Verordnungen auf ihren Höhepunkt zu, denn Jesus Christus erfüllt als das wahre Lamm Gottes (vgl. Joh 1,29; 1Kor 5,7) exakt die prophetischen Bilder dieses Festes. Um die Ereignisse auf Golgatha richtig einzuordnen, ist es wichtig, die genauen Abläufe des Festes zur Zeit Jesu zu betrachten. Dabei stellt sich oft eine bedeutende Frage:

 

Wurde das Passahlamm im Tempel geschlachtet, bevor Jesus gekreuzigt wurde?

Beim Lesen der Evangelien stehen wir vor einem scheinbaren chronologischen Rätsel: Jesus feiert am Donnerstagabend mit seinen Jüngern das familiäre Passahmahl bzw. den Sederabend (vgl. Mk 14,12-17; Lk 22,14-15). Wie konnte Er das Passah essen, bevor Er am Karfreitag als das eigentliche Passahlamm starb? Hat Er das mosaische Gesetz gebrochen? Das sei ferne!

 

Die Antwort liegt in der jüdischen Zeitrechnung, die wir gerade betrachtet haben. Der biblische Tag beginnt immer bei Sonnenuntergang (vgl. 1Mo 1,5; 3Mo 23,32). Mit dem Sonnenuntergang am Donnerstagabend begann offiziell der neue Tag und damit der Tag des Passahfestes! Jesus aß das Sedermahl also völlig ordnungsgemäß und gesetzeskonform zu Beginn dieses neuen jüdischen/biblischen Kalendertages.

 

Da dieser Festtag nun bis zum nächsten Sonnenuntergang andauerte, war der Freitag tagsüber (der Tag der Kreuzigung) kalendarisch immer noch exakt derselbe jüdische/biblische Tag. Jesus aß folglich am Beginn des Tages (Donnerstagabend) das Passah und starb wenige Stunden später am selben jüdischen/biblischen Kalendertag (Freitagnachmittag) als das wahre, endgültige Passahlamm für die Sünden der Welt. Dieses tiefe Verständnis löst den scheinbaren Widerspruch der Evangelien mühelos und vollkommen harmonisch auf.

 

Die Erfüllung des Passah-Opfers

Dass Jesus ausgerechnet an diesem Passah-Freitag starb, ist kein historischer Zufall, sondern die punktgenaue Erfüllung der alttestamentlichen Schattenbilder (vgl. Kol 2,17; Hebr 10,1). Während die Priesterschaft im Tempelbezirk die zeremoniellen Festopfer (Chagigah) darbrachte und aufgrund unterschiedlicher Kalender im damaligen Judentum (siehe Exkurs am Ende) an diesem Nachmittag immer noch unzählige Passahlämmer geschlachtet wurden, hing der Sohn Gottes als das wahre, makellose Lamm am Kreuz (vgl. 1Petr 1,18-19), um die Sünde der Menschheit hinwegzunehmen (vgl. Joh 1,29). Sein Tod am Kreuz erfüllte das alttestamentliche Passahfest ein für alle Mal, da der Preis für die Schuld nun vollständig und ewig gültig bezahlt war (vgl. Hebr 9,12; 10,14). Das Blut der unzähligen Lämmer, das über die Jahrhunderte in Israel vergossen wurde, war nur eine Vorschattung auf diesen einen Karfreitag, an dem Gott selbst das perfekte Opferlamm stellte (vgl. 1Joh 4,10; Röm 3,25).

 

Lies auch unseren Beitrag: Wie Jesus das Passahfest erfüllt hat

 

Die Passionswoche Jesu – Vom Einzug bis zur Auferstehung

Die Ereignisse der Passionswoche sind von gewaltiger heilsgeschichtlicher Bedeutung. Dies erkennen wir schon allein an der Tatsache, dass etwas mehr als 32 Prozent des gesamten Textes der Evangelien sich ausschließlich mit dieser einen Woche im Leben des Erlösers beschäftigen. In diesen wenigen Tagen erfüllt sich Gottes Wort zur Rettung der Menschen in seiner ganzen Fülle.

 

Überblick und Einordnung der Woche

Wenige Tage vor der Kreuzigung ritt der Herr Jesus auf einem Esel vom Ölberg her nach Jerusalem ein und wurde von der Volksmenge als Messiaskönig gefeiert (vgl. Sach 9,9; Mt 21,1-11; Mk 11,1-11; Lk 19,28-40; Joh 12,12-19). Dieses Ereignis fand nicht zufällig statt, sondern an einem exakt von Gott bestimmten Datum. Es war genau der Tag am Ende der in Daniel 9,25 geweissagten 69 Jahrwochen. Eine solche Jahrwoche dauert sieben Jahre, bestehend aus biblischen Jahren von 360 Tagen. Rechnet man dies um, so fand der Einzug exakt am 173.880sten Tag nach dem Erlass zum Wiederaufbau Jerusalems durch den persischen König Artaxerxes statt (vgl. Neh 2,1-8). Genau an diesem Tag trat der Herr Jesus als der verheißene Fürst auf. Dieser Tag war für Jerusalem von so überaus großer Bedeutung, dass Jesus weinte, als er sich der Stadt näherte, weil sie die Zeit ihrer Heimsuchung nicht erkannte (Lk 19,41-44).

 

Die Passionswoche im Zeitablauf (Tag für Tag)

Das genaue zeitliche Gerüst für die nun folgenden Tage der Passionswoche liefert uns in erster Linie das Markusevangelium. Allein im Text von Markus werden die auf den Einzug folgenden Ereignisse so detailliert mit Zeitangaben geschildert, dass man sie präzise den einzelnen Wochentagen zuordnen kann. Markus notiert feine Zeitmarker wie den folgenden Tag (Mk 11,12) oder den frühen Morgen (Mk 11,20) und benennt genau die verbleibenden Tage bis zum Passah (Mk 14,1). Ebenso markiert er den Rüsttag, den Sabbat und den frühen ersten Wochentag (Mk 15,42; 16,1-2), wodurch sich eine lückenlose Chronologie vom Einzug bis zum Auferstehungssonntag ergibt.

 

Sonntag – Einzug in Jerusalem (Palmsonntag)

Am Palmsonntag ritt der Herr Jesus auf einem Esel in die Stadt Jerusalem ein und wurde von der Volksmenge als König gefeiert (vgl. Mt 21,1-11; Mk 11,1-11; Lk 19,28-44; Joh 12,12-19). Nach den alttestamentlichen Anweisungen (2Mo 12,3-6) musste exakt im Vorfeld dieses Festes jede Familie in Israel ein makelloses Passahlamm auswählen und in Verwahrung nehmen. Der Einzug der unzähligen Passahlämmer in die Häuser der Familien hatte somit seine vollkommene und prophetische Entsprechung in dem Einzug Jesu, der als das wahre Passahlamm Gottes (vgl. Joh 1,29) in die Tempelstadt Jerusalem einzog.

 

Wie aus den historischen Aufzeichnungen des babylonischen Talmuds hervorgeht, sang der levitische Chor im Tempel an jedem ersten Wochentag den Psalm 24 in Verbindung mit dem täglichen Morgenbrandopfer. Genau zu dem Zeitpunkt, als der Herr Jesus durch die Tore der Stadt und in den Tempelbezirk einzog, erklang der Gesang der Leviten, dass die ewigen Pforten sich heben sollen, damit der König der Herrlichkeit einzieht (vgl. Ps 24,7-10).

 

Zudem entspricht dieser erste Wochentag in seiner geistlichen Bedeutung dem ersten Schöpfungstag. Im ersten Buch Mose befiehlt Gott, dass das Licht aus der Finsternis leuchten soll (1Mo 1,3). An diesem Palmsonntag kam der Herr Jesus vom Ölberg im Osten in die mit Finsternis bedeckte Stadt Jerusalem hinein und brachte als das wahre Licht der Welt (vgl. Joh 8,12) den hellen Schein in die Dunkelheit. Antike Quellen belegen passend dazu, dass an diesem Wochentag begleitend zu den Opfern im Tempel genau dieser Textabschnitt über den ersten Schöpfungstag aus dem ersten Buch Mose verlesen wurde.

 

Montag – Tempelreinigung

Am folgenden Tag kehrte der Herr Jesus in den Tempel zurück (vgl. Mk 11,12.15). Das Wort Gottes berichtet, wie er nach der Verfluchung des unfruchtbaren Feigenbaumes (vgl. Mk 11,13-14) direkt in das Heiligtum eintrat und die zweite Tempelreinigung durchführte (Mt 21,12-17; Mk 11,15-18). Er trieb in göttlicher Vollmacht alle hinaus, die dort kauften und verkauften, und stieß die Tische der Wechsler sowie die Stühle der Taubenverkäufer um.

 

An diesem zweiten Tag der Woche sang der Chor im Tempel vorschriftsmäßig den Psalm 48, welcher die königliche und richterliche Autorität Gottes in Jerusalem und auf dem Tempelberg preist. Der Gesang über den Berg Zion als die Stadt des großen Königs (vgl. Ps 48,3) passte vollkommen zu dem Geschehen, als Jesus in seiner höchsten Autorität den Tempel reinigte und erklärte, dass sein Haus ein Bethaus für alle Völker sein soll (vgl. Jes 56,7; Mk 11,17).

 

Dieser Tag korrespondiert geistlich tiefgehend mit dem zweiten Schöpfungstag. Wie Gott am zweiten Tag der Schöpfung eine Scheidung zwischen den Wassern oberhalb und unterhalb der Ausdehnung vornahm (1Mo 1,6-8), so schied der Herr Jesus an diesem Montag in seinem Haus absolut kompromisslos und machtvoll zwischen dem Heiligen und dem Unheiligen.

 

Dienstag – Die Prüfung des Lammes

An diesem dritten Tag der Woche wurde das wahre Passahlamm Gottes intensiv geprüft. Bevor ein Passahlamm geopfert werden durfte, musste es auf absolute Makellosigkeit untersucht werden. Die Tempelreinigung hatte den Hohen Rat herausgefordert. Nun kam es zu einer feierlichen Konfrontation im Tempel. Jesus wurde nacheinander von den Hohenpriestern und Ältesten, den Pharisäern, den Jüngern der Pharisäer zusammen mit den Herodianern sowie den Sadduzäern mit hinterlistigen Fragen geprüft.

 

Sie stellten die Frage nach der Steuer, bei der die Pharisäer ihn in seiner Rede fangen wollten (Mt 22,15-22). Als dies misslang, versuchten es die Sadduzäer mit der Frage nach der Totenauferstehung, welche Jesus ebenfalls zum Schweigen brachte (Mt 22,23-33). Schließlich fragten sie nach dem größten Gebot (Mt 22,34-40). Jesus beantwortete alle Fragen in vollkommener göttlicher Weisheit und stellte im Gegenzug die Frage, ob der Messias ein gewöhnlicher Mensch sei (Mt 22,41-46; Mk 12,35-37; Lk 20,41-44). Das Wort Gottes fasst das Ergebnis dieser Prüfung in Matthäus 22,46 zusammen, wo es heißt, dass niemand ihm ein Wort antworten konnte und niemand mehr wagte, ihn weiter zu befragen. Er war völlig sündlos und makellos (Joh 8,46).

 

Der Herr Jesus ergriff daraufhin die Offensive und hielt harte Gerichtsreden. Er erzählte das Gleichnis von den zwei ungleichen Söhnen (Mt 21,28-32), das Gleichnis von den Weingärtnern (Mt 21,33-46; Mk 12,1-12; Lk 20,9-19) und das Gleichnis vom Hochzeitsmahl (Mt 22,1-14). Er sprach eine Warnung vor heuchlerischer Thora Gelehrsamkeit aus und rief acht Weherufe im Tempel aus (Mt 23,1-39). Am Abend verließ er den Tempel und hielt auf dem Ölberg seine bekannte Endzeitrede über die zukünftigen Ereignisse (Mt 24 bis 25; Mk 13; Lk 21).

 

Ausgerechnet an diesem Tag sang der levitische Chor im Tempel anlässlich des täglichen Morgenbrandopfers den Psalm 82 (Ps 82,1-8). Dieser Psalm handelt von ungerechten Richtern in Israel. Der Text passte exakt zu den geistlichen Führern, die den gerechten Richter Jesus ungerecht beurteilten. Zudem entspricht dieser Tag dem dritten Schöpfungstag, an dem Gott viel Frucht wachsen ließ (1Mo 1,9-13). Der Dienstag war der Tag der reichsten Verkündigung und Lehre in der gesamten Passionswoche.

 

Mittwoch – Vorbereitung und Verrat

Am vierten Tag der Woche beschloss der Hohe Rat (Sanhedrin) endgültig das Komplott, den Herrn Jesus mit List zu ergreifen und heimlich zu töten (Mt 26,1-5; Mk 14,1-2; Lk 22,1-2). Judas Iskariot ging zu den Hohenpriestern und vereinbarte den Verrat seines Meisters für 30 Silberstücke (Mt 26,14-16; Mk 14,10-11; Lk 22,3-6).

 

Während sich in Jerusalem diese dunklen Pläne zusammenbrauten, berichtet das Wort Gottes von einer tief berührenden Begebenheit abseits in Bethanien. Dort hielt sich der Herr Jesus auf und wurde von Maria im Hinblick auf Sein herannahendes Begräbnis mit kostbarem Öl gesalbt (Mt 26,6-13; Mk 14,3-9; Joh 12,1-8).

 

Im Tempel sangen die Leviten an diesem Mittwoch passend zu dem Verrat den Psalm 94. In diesem Psalm wird beklagt, dass sich die Feinde gegen die Seele des Gerechten zusammenrotten und unschuldiges Blut verurteilen (Ps 94,21). Dies beschreibt prophetisch genau das dunkle Geschehen im Hohen Rat.

 

Geistlich korrespondiert dieser Tag mit dem vierten Schöpfungstag, an dem Gott die Himmelslichter leuchten ließ (1Mo 1,14-19). Inmitten der zunehmenden Finsternis des Verrats leuchteten Menschen wie Maria von Bethanien als Lichtträger auf, weil sie den Erlöser liebten und seine wahre Bedeutung erkannten.

 

Donnerstag – Vorbereitung, Sedermahl und Verhaftung

Am fünften Tag der Woche musste nach den alttestamentlichen Anweisungen (vgl. 2Mo 12,6) das Passahopfer geschlachtet werden. Dies geschah am Nachmittag in der Zeit zwischen 15 und 17 Uhr. Der Herr Jesus erteilte seinen Jüngern Petrus und Johannes den Auftrag, das Passah für sie zuzubereiten (Lk 22,7-13). Sie gingen in den Tempel, ließen dort das Lamm schlachten und brachten es anschließend in den vorgesehenen Obersaal, um das Festmahl vorzubereiten (Mt 26,17-19; Mk 14,12-16). In dieser Zeit wurden Hunderttausende von Lämmern im Tempel geschlachtet, deren Blut in das Kidrontal abfloss. Dies war ein gewaltiges Zeugnis, das auf Jesus Christus hinwies, der als das wahre und makellose Lamm Gottes sein kostbares Blut zur Erlösung gab (1Petr 1,18-19).

 

Mit dem Sonnenuntergang am Donnerstagabend begann offiziell der neue jüdische/biblische Tag und damit das Passahfest. Jesus feierte mit Seinen Jüngern völlig legal das familiäre Passahmahl (den Sederabend) im vorbereiteten Obersaal (vgl. Mt 26,20; Lk 22,14-15). Dort wusch Er den Jüngern die Füße (Joh 13,1-17), entlarvte Judas als Verräter (Joh 13,21-30), hielt erste Abschiedsreden (Joh 14) und setzte das Abendmahl des neuen Bundes ein (Lk 22,19-20; 1Kor 11,23-25). Spät am Abend gingen sie hinaus. Auf dem nächtlichen Weg zum Ölberg vollendete Jesus Seine tiefen Abschiedsreden (Joh 15–16) und sprach das hohepriesterliche Gebet (Joh 17). Im Garten Gethsemane durchlebte Er schließlich Todesängste im Gebet (Mt 26,36-46; Lk 22,39-46).

 

Spät am Abend gingen sie hinaus in den Garten Gethsemane am Ölberg. Dort durchlebte Jesus Todesängste im Gebet (Mt 26,36-46; Lk 22,39-46). Noch vor Mitternacht tauchte Judas mit einer großen Schar aus römischen Soldaten, Tempelpolizei und Knechten der Hohenpriester auf (Joh 18,2-3). Als Jesus auf ihre Frage hin mit göttlicher Autorität „Ich bin es“ (griechisch: ego eimi) antwortete, stürzte die gesamte Truppe zu Boden (Joh 18,4-6). Danach ließ Er Sich völlig freiwillig festnehmen (Joh 18,8-12), woraufhin alle Jünger flohen (Mt 26,56; Mk 14,50).

 

An diesem Tag sang der Tempelchor passend zu den Ereignissen den Psalm 81, der das Passahfest und den Auszug aus Ägypten besingt (vgl. Ps 81,4-6). Geistlich entspricht dieser Tag dem fünften Schöpfungstag, an dem Gott die lebendigen Seelen im Meer schuf (1Mo 1,20-23).

 

Freitag – Der Kreuzigungstag im Detail

Der Karfreitag, der Tag der Kreuzigung Jesu Christi, ist der wohl bedeutendste Tag der Heilsgeschichte. Nachdem die Passionswoche im Überblick und in ihrer ganzen geistlichen Tiefe betrachtet wurde, ist es überaus wichtig, den Zeitraum von Donnerstagabend bis zum späten Freitagnachmittag noch einmal wie unter einer Lupe im Detail zu betrachten. Nach biblischer und jüdischer Zeitrechnung bilden diese Stunden zusammen den einen entscheidenden Rüsttag vor dem Sabbat (vgl. Mk 15,42; Joh 19,31). In diesen knapp 24 Stunden verdichten sich die Ereignisse auf dramatische Weise. Von dem vertrauten letzten Passahmahl im Obersaal über den schweren Gebetskampf im Garten Gethsemane und die ungerechten Verhöre vor den jüdischen und heidnischen Herrschern bis hin zum vollbrachten Erlösungswerk am Kreuz auf Golgatha offenbart sich hier Gottes unendliche Liebe zu den Menschen (vgl. Joh 3,16; Röm 5,8). Der nun folgende Ablauf veranschaulicht detailliert, wie sich das Leiden und Sterben des Messias Schritt für Schritt an diesem einen Tag vollzog.

 

Chronologischer Ablauf des Kreuzigungstages:

Um den Ablauf des Kreuzigungstages in seiner ganzen Dramatik und Präzision zu begreifen, müssen wir uns an die jüdische/biblische Zeitrechnung erinnern: Der neue Tag beginnt bei Sonnenuntergang (vgl. 3Mo 23,32). Alles, was sich ab dem Betreten des Obergemachs ereignete – das Passahmahl, der Garten Gethsemane, die Verhöre in der Nacht und die Kreuzigung am Freitagmorgen –, fand im selben jüdischen/biblischen Kalendertag statt, den die Bibel als den „Rüsttag“ bezeichnet (Joh 19,14.31).

 

• Ab Sonnenuntergang (Im Obergemach)

Am Abend begab sich Jesus in die Oberstadt Jerusalems (den biblischen Berg Zion). Dort feierte Er gemeinsam mit Seinen Jüngern in einem Obergemach gesetzeskonform das Passahmahl (Mt 26,20; Mk 14,17; Lk 22,14-15). In diesen heiligen Stunden wusch Er den Jüngern die Füße (Joh 13,1-17), kündigte den Verrat des Judas an (Mt 26,21-25; Joh 13,21-30) und setzte den Neuen Bund im Abendmahl ein (Lk 22,19-20; 1Kor 11,23-25).

 

• Späte Abend- und Nachtstunden (ca. 22 bis 1 Uhr – Gethsemane und Verhaftung)

Nach dem Mahl verließ Jesus die Stadt in Richtung der Westseite des Ölbergs und betrat den Garten Gethsemane (Mt 26,30.36; Joh 18,1). Dort durchlebte Er in tiefster Seelenqual Seinen Gebetskampf (Mt 26,37-44; Lk 22,39-44). Noch vor Mitternacht traf Judas mit einer bewaffneten Schar ein (Mt 26,47; Joh 18,2-3). Jesus wurde festgenommen und anschließend gebunden zurück in die Stadt geführt, wo sich in der Oberstadt die Residenzen der Hohenpriester befanden (Mt 26,50.57; Joh 18,12; Lk 22,54).

 

• In den Nachtstunden (Der jüdische Justizskandal)

In der Dunkelheit der Nacht durchlief Jesus einen beispiellosen Scheinprozess. Er erduldete zunächst Verhöre vor dem Ex-Hohenpriester Hannas (Joh 18,12-14.19-24) und anschließend vor dem amtierenden Hohenpriester Kajaphas (Mt 26,57-68; Mk 14,53-65). Der Hohe Rat (Sanhedrin) brach in dieser Nacht etliche seiner eigenen strikten Gesetzesvorschriften (darunter das strikte Verbot von Nachtverhandlungen). Letztlich verurteilte Kajaphas Ihn aufgrund der Anklage auf Blasphemie (Gotteslästerung) zum Tode (Mt 26,65-66; Mk 14,63-64). Parallel dazu verleugnete Ihn Petrus dreimal (Mt 26,69-75; Lk 22,54-62; Joh 18,15-27).

 

• Ca. 5 bis 7 Uhr (Die römisch-bürgerlichen Prozesse) Da die Juden keine Todesurteile vollstrecken durften, wurde Jesus am frühen Morgen gebunden an Pontius Pilatus übergeben (vgl. Mt 27,1-2). Als Judas sah, dass Er damit endgültig verurteilt war, brachte er voller Reue das Blutgeld zurück und beging Selbstmord (vgl. Mt 27,3-10; Apg 1,18-19). Vor Pilatus kam es zur ersten heidnischen Prozessphase, gefolgt von einer Überstellung an Herodes Antipas, vor dem Jesus schweigend stand (Lk 23,6-12).

 

• Danach (Verurteilung durch Pilatus und Übergabe) Um 6 Uhr (nach römischer Zählung) kam es zur erneuten und finalen Verhandlung vor Pilatus. Hier fand der folgenschwere Tausch statt: Die Menge forderte die Freilassung des Rebellen Barabbas und die Kreuzigung Jesu (vgl. Lk 23,18-21; Joh 18,39-19,16). Pilatus überantwortete Jesus dem Tod. Er ließ Ihn grausam auspeitschen, von den Soldaten mit der Dornenkrone verspotten und übergab Ihn zur Kreuzigung.

 

• 9 Uhr bis 12 Uhr (Der Weg nach Golgatha und die Kreuzigung)

Anschließend begann Sein langsamer, qualvoller Gang über jenen Weg, der heute als Via Dolorosa bekannt ist. Eine große Menge an Passah-Pilgern, die zu Zehntausenden nach Jerusalem geströmt waren, sowie wehklagende Frauen folgten Ihm (vgl. Lk 23,27). Das Ziel war Golgatha, ein Ort direkt außerhalb der damaligen zweiten Stadtmauer, der einen denkbar schrecklichen Ruf hatte und von manchen Historikern als die städtische Müllkippe Jerusalems identifiziert wird (vgl. Joh 19,17; Hebr 13,12).

 

Um exakt 9 Uhr morgens (der dritten Stunde) wurde Er ans Kreuz genagelt – zeitgleich mit den Priestern im Tempel, die das tägliche Morgenopfer (Tamid) darbrachten (vgl. Mk 15,25). Pilatus ließ die Tafel mit der Inschrift (INRI) über Ihm anbringen (vgl. Mt 27,37; Joh 19,19). Neben Ihm hingen zwei Verbrecher (vgl. Mt 27,38; Lk 23,32). Einer dieser Anderen erkannte in seinen letzten Augenblicken das Heil und empfing durch Gnade den kürzesten Weg zum ewigen Leben – der ultimative Beweis, dass wahres und erfolgreiches Leben allein in Jesus zu finden ist (vgl. Lk 23,39-43).

 

• 12 Uhr bis 15 Uhr (Die Finsternis und der Zorn Gottes)

Ab der sechsten Stunde fiel eine übernatürliche, absolute Finsternis über das gesamte Land (vgl. Mt 27,45; Lk 23,44). In diesen drei Stunden des Schweigens lud Gott, der Vater, die gesamte Sündenschuld der Menschheit auf Sein vollkommenes Lamm (vgl. Jes 53,6; 1Petr 2,24). Jesus Christus ertrug die absolute Trennung von Gott (vgl. Mt 27,46).

 

• 15 Uhr (Jesu Tod und das „Tetelestai“)

Gegen 15 Uhr (der neunten Stunde) stieß Jesus Seinen letzten, triumphierenden Ruf aus: „Tetelestai!“ (vgl. Joh 19,30). Dieses Wort aus der antiken Geschäftssprache bedeutet: „Es ist vollbracht!“ oder juristisch exakt: „Vollständig bezahlt!“. Die Schuld der Welt war getilgt (vgl. Kol 2,14). Er gab Seinen Geist auf (vgl. Lk 23,46). In diesen Nachmittagsstunden, während im Tempel weiterhin Opferhandlungen stattfanden und im damaligen Judentum parallel Passahlämmer geschlachtet wurden, starb der Herr Jesus als das wahre, makellose Passahlamm, das die Sünde der Welt hinwegnimmt. In diesem Augenblick zerriss der mächtige Vorhang im Tempel, und die Erde erbebte (vgl. Mt 27,51; Mk 15,38).

 

• Vor Sonnenuntergang (Abnahme und Begräbnis)

Da der neue Tag (der Fest-Sabbat) mit dem Sonnenuntergang unmittelbar bevorstand, drängte die Zeit (vgl. Joh 19,31). Die römischen Soldaten brachen den Mitgekreuzigten die Beine, um deren Tod zu beschleunigen, stellten bei Jesus jedoch fest, dass Er bereits tot war (vgl. Joh 19,32-33). Ein Lanzenstich in Seine Seite bestätigte dies (vgl. Joh 19,34). Josef von Arimathia und Nikodemus nahmen den Leib ab und legten Ihn hastig in ein nahegelegenes, neues Felsengrab, bevor die drei Sterne am Abendhimmel den Beginn des Sabbats anzeigten (vgl. Mt 27,57-60; Joh 19,38-42).

 

Die geistliche Tiefe dieses Rüsttages: Nach jüdischer Überlieferung sang der Levitenchor im Tempel passend zu den Opfern den Psalm 93, der von Gottes Heiligkeit spricht, während draußen der Heilige Gottes hingerichtet wurde. Zudem entspricht dieser Tag exakt dem sechsten Schöpfungstag. An genau dem Tag, an dem der erste Mensch (Adam) das Leben empfing, gab der letzte Adam (Christus) Sein Leben am Kreuz für uns hin.

 

Samstag – Ruhe im Grab (Fest-Schabbat)

An diesem siebten Tag ruhte der Herr Jesus vollumfänglich im Felsengrab (vgl. Lk 23,56). Es ist der einzige volle Kalendertag der Passionswoche, den der Messias ganz im Grab verbrachte. Die Hohenpriester und Pharisäer erinnerten sich jedoch an Jesu Prophezeiungen, dass Er auferstehen würde, und hatten Angst vor einem Betrug der Jünger. Pilatus genehmigte ihnen daher, das Grab mit einem offiziellen römischen Siegel verschließen zu lassen und römische Wachen davor aufzustellen (Mt 27,62-66).

 

Während die geistlichen Führer in Jerusalem diesen Hohen Sabbat begingen, sang der levitische Chor im Tempel den Psalm 92, den Sabbatpsalm. Dieser Psalm besingt das vollbrachte Werk Gottes, woran der siebte Schöpfungstag erinnert, an dem Gott von all seinen Werken ruhte (1Mo 2,1-3). Genau an diesem Tag ruhte der Herr Jesus nach seinem mit den Worten „Es ist vollbracht“ (Joh 19,30) beendeten Erlösungswerk am Kreuz. Obwohl er scheinbar besiegt im Grab lag, bezeugt der Psalm prophetisch, dass er der unerschütterliche Fels ist, an dem kein Unrecht ist (Ps 92,16).

 

Sonntag – Auferstehung (Fest der Erstlingsfrüchte)

Am ersten Tag der neuen Woche ist der Herr Jesus siegreich aus den Toten auferstanden. Sehr früh am Morgen, bevor die Sonne aufging, kam es zu einem erneuten Erdbeben. Ein Engel des HERRN stieg herab, wälzte den schweren Stein weg und brach das römische Siegel, woraufhin die Wachen wie tot zu Boden fielen (Mt 28,2-4). Sehr früh am Morgen fanden die Frauen das Grab leer vor (Mt 28,1-10; Mk 16,1-8; Lk 24,1-11; Joh 20,1).

 

Der Auferstandene erschien zuerst Maria Magdalena am Grab (Mk 16,9; Joh 20,11-18) – was ein gewaltiger Beweis für die historische Echtheit des biblischen Berichts ist, da Frauen damals vor Gericht nicht als gültige Zeugen galten. Dann erschien Er den anderen Frauen (Mt 28,9-10), später Petrus (Lk 24,34; 1Kor 15,5), am Nachmittag den Jüngern auf dem Weg nach Emmaus (Mk 16,12-13; Lk 24,13-35) und schließlich am Abend trat Er durch die verschlossenen Türen siegreich in die Mitte Seiner Apostel im Obersaal ein (Joh 20,19-23).

 

Dieser Tag war das Fest der Erstlingsfrüchte (Reschit/Bikkurim), an dem im Tempel vorschriftsmäßig die erste Gerstengarbe der neuen Ernte Gott dargebracht wurde (3Mo 23,11). Als der wahre Erstling des neuen Lebens stand Jesus an exakt diesem Tag aus dem Grab auf. Der Herr Jesus ist als dieser „Erstling der Entschlafenen“ aus dem Grab hervorgegangen (1Kor 15,20-23).

 

Die Herrlichkeit dieses Tages spiegelte sich auch im Tempeldienst wider: Es erklang wieder der Gesang von Psalm 24, der den Einzug des „Königs der Herrlichkeit“ bejubelt (Ps 24,7-10). Geistlich korrespondiert dieser Ostersonntag mit dem ersten Schöpfungstag, an dem Gott das Licht aus der Finsternis hervorbrechen ließ (1Mo 1,1-5). Der Herr Jesus machte den Tod zunichte und brachte das unvergängliche Leben ans Licht (2Tim 1,10).

 

Die geistliche Tiefe der Passionswoche

Wenn wir die Ereignisse der Passionswoche betrachten, wird deutlich, dass sich hier nicht einfach nur eine zeitliche Abfolge historischer Begebenheiten vollzieht. Vielmehr offenbarte Gott in diesen letzten Tagen des Erlösers auf der Erde eine unermessliche geistliche Tiefe. Jeder Schritt des Messias erfüllte die prophetischen Schattenbilder des Alten Testaments in vollkommener Präzision (vgl. Kol 2,17; Hebr 10,1).

 

Die Prüfung Jesu als makelloses Lamm

Nach den Anweisungen in Gottes Wort musste das Passahlamm vor seiner Opferung auf seine absolute Makellosigkeit geprüft werden (2Mo 12,5). Genau dies erlebte der Herr Jesus in den Tagen vor seiner Kreuzigung: Im Tempel traten nacheinander die verschiedensten religiösen Gruppierungen an ihn heran, um ihn mit listigen Fragen zu fangen (Mt 22,15-46; Mk 12,13-37). Doch Er beantwortete jede Frage in vollkommener Weisheit und offenbarte sich als völlig fehlerlos und sündlos (Joh 8,46; Hebr 4,15; 1Petr 1,19). In all den nachfolgenden ungerechten Prüfungen, Scheinprozessen und Misshandlungen erfüllte Er das prophetische Bild aus Jesaja 53 auf vollkommene Weise: Er ließ sich wie ein Lamm, das stumm ist vor seinen Scherern, zur Schlachtung führen und trug stellvertretend die Sünde der Vielen (Jes 53,7.12; vgl. 1Petr 2,22-24).

 

Die Tempelpsalmen im Verlauf der Woche

Aus den historischen Aufzeichnungen des Judentums wissen wir genau, welcher Psalm an welchem Wochentag in Verbindung mit dem täglichen Brandopfer im Tempel von den Leviten gesungen wurde

. An jedem einzelnen Tag der Passionswoche erklang im Tempel ein spezifischer Psalm, der in erstaunlicher Präzision zu den zeitgleichen Ereignissen im Leben Jesu passte:

 

• Am Sonntag (Einzug): Der Chor sang unter instrumentaler Begleitung den Psalm 24, der den Einzug des „Königs der Herrlichkeit“ beschreibt (Ps 24,7-10).

• Am Montag (Tempelreinigung): Es wurde der Psalm 48 gesungen, welcher die königliche und richterliche Autorität Gottes auf dem Tempelberg preist (Ps 48,2-3), exakt passend zu Jesu machtvollem Auftreten im Haus Gottes (vgl. Mt 21,12-13).

• Am Dienstag (Weherufe und Prüfung): Es erklang der Psalm 82, der von ungerechten Richtern in Israel handelt (Ps 82,1-2), die den gerechten Richter ungerecht beurteilten.

• Am Mittwoch (Das Komplott): Die Leviten sangen den Psalm 94, in dem beklagt wird, dass Feinde sich gegen die Seele des Gerechten zusammenrotten und unschuldiges Blut verurteilen (Ps 94,21).

• Am Donnerstag (Sederabend): Es wurde der Psalm 81 vorgetragen, der das Passahfest und den Auszug aus Ägypten besingt (Ps 81,4-6).

• Am Freitag (Kreuzigung): Es erklang der Psalm 93, der davon spricht, dass Gottes Haus Heiligkeit geziemt (Ps 93,5), während zur gleichen Zeit draußen vor dem Tor der Heilige Gottes hingerichtet wurde (vgl. Hebr 13,12).

• Am Samstag (Ruhe im Grab): Man sang den Psalm 92, einen Sabbatpsalm, der die Freude über das vollbrachte Werk Gottes ausdrückt (Ps 92,5-6; vgl. 1Mo 2,1-3).

• Am Auferstehungssonntag: Schließlich erklang erneut der Psalm 24 (Ps 24,7-10), als der Herr Jesus als der siegreiche König der Herrlichkeit auferstand (vgl. 1Kor 15,20).

 

Die Parallelen zur Schöpfungswoche

Die Ereignisse der Passionswoche weisen zudem eine tiefe, geistliche Parallele zur biblischen Schöpfungswoche auf, deren Texte an den jeweiligen Wochentagen parallel zu den Opfern verlesen wurden:

• Am 1. Tag (Sonntag): Gott befahl das Licht aus der Finsternis (1Mo 1,1-5). Jesus kam als das wahre Licht der Welt (Joh 8,12) in die verfinsterte Stadt Jerusalem.

• Am 2. Tag (Montag): Gott schied die Wasser (1Mo 1,6-8). Jesus schied bei der Tempelreinigung absolut kompromisslos zwischen dem Heiligen und dem Unheiligen (vgl. Mt 21,12-13; Mk 11,15-17).

• Am 3. Tag (Dienstag): Gott ließ viel Frucht wachsen (1Mo 1,9-13). Es war der Tag der reichsten Lehre Jesu, der viel geistliche Frucht brachte.

• Am 4. Tag (Mittwoch): Gott ließ die Himmelslichter leuchten (1Mo 1,14-19). In der Dunkelheit des herannahenden Verrats leuchteten Gläubige wie Maria von Bethanien durch ihre Liebe als Lichtträger auf (vgl. Mk 14,3-9; Joh 12,1-8).

• Am 6. Tag (Freitag): Der erste Mensch (Adam) bekam als Krone der Schöpfung das Leben (1Mo 1,26-31). An genau diesem Tag gab der letzte Adam (Christus) Sein Leben am Kreuz hin, um uns das ewige Leben zu bringen (1Kor 15,45; vgl. Röm 5,14-19).

• Am 7. Tag (Sabbat): Gott ruhte von all Seinen Werken (1Mo 2,1-3). Der Herr Jesus ruhte nach Seinem Ausruf „Tetelestai – Es ist vollbracht“ (Joh 19,30) vollumfänglich von Seinem Erlösungswerk im Felsengrab.

• Am 8. Tag / 1. Tag (Auferstehungssonntag): Der Herr Jesus machte den Tod zunichte (2Tim 1,10) und brachte wie am ersten Schöpfungstag das unverwesliche Licht und das neue Leben hervor.

 

Der prophetische Tausch: Jeschua/Jesus vs. Jeschua/Jesus Barabbas

Eine der tiefsten geistlichen Offenbarungen des Karfreitags geschah vor dem Richterstuhl des Pilatus (auf dem Steinpflaster Gabbata) (Joh 19,13). Als Pilatus der Menge anbot, einen Gefangenen freizulassen, forderten die Ankläger die Freilassung von Barabbas (Mt 27,15-21; Mk 15,6-11). Barabbas war ein verurteilter Rebell und Aufrührer gegen Rom (Mk 15,7; Lk 23,18-19); er war exakt dessen schuldig, wofür der unschuldige Herr Jesus angeklagt und hingerichtet wurde. Die Wucht dieses Moments wird vollends sichtbar, wenn man außerbiblische, säkulare historische Quellen betrachtet: Der vollständige Name dieses inhaftierten Rebellen lautete Jeschua/Jesus Barabbas. Der hebräische Name „Barabbas“ (Bar-Abbas) bedeutet wörtlich übersetzt „Sohn des Vaters“.

 

Was für eine gewaltige und paradoxe Szenerie: Vor dem Richterstuhl standen zwei Männer. Der eine war ein schuldiger Rebell namens „Jeschua/Jesus, der Sohn des Vaters“. Der andere war der völlig unschuldige, wahre Sohn des himmlischen Vaters: Jeschua/Jesus, der Messias (vgl. Mt 27,54; Joh 1,49). Der schuldige Namensvetter ging frei aus, und der unschuldige, wahre Sohn Gottes nahm seinen Platz ein und ging für ihn ans Kreuz (vgl. Jes 53,4-6). Dies ist das ultimative Bild unserer Erlösung: Der Schuldige darf in die Freiheit gehen, weil der Sündlose die Strafe trägt (2Kor 5,21; 1Petr 3,18).

 

Der Preis eines toten Sklaven (Die 30 Silberlinge)

Ein weiteres gewaltiges prophetisches Detail verbirgt sich hinter dem Verrat durch Judas. Judas Iskariot erhielt von der Hohenpriester-Familie exakt 30 Silberstücke für seine Auslieferung (Mt 26,14-15; vgl. Lk 22,3-6). Dieser Betrag war alles andere als ein Zufall.

 

Nach dem Gesetz des Mose (2Mo 21) waren 30 Silberlinge exakt die Entschädigungssumme, die gezahlt werden musste, wenn beispielsweise ein Ochse den Sklaven eines Nachbarn tötete (2Mo 21,32). Dreißig Silberlinge war im Judentum also der feststehende und allseits bekannte Preis für einen toten Sklaven. Mit exakt diesem Betrag drückte die geistliche Obrigkeit ihre tiefste Verachtung aus: Jesus war für sie nicht mehr wert als ein toter Sklave.

 

Damit erfüllten sie blind die messianische Prophetie aus Sacharja 11, in der Gott die geistlichen Führer aufforderte, Ihm den Lohn zu geben, den Er ihnen wert sei – und sie wogen exakt 30 Silberstücke ab, den Preis eines getöteten Sklaven (Sach 11,12-13; vgl. Mt 27,9-10).

 

Da Judas das Geld direkt von den Priestern erhielt, stammte dieser Betrag zudem mit größter Wahrscheinlichkeit aus dem Tempelschatz. Der Hauptzweck dieses Schatzes war es, die Opfertiere für den Tempeldienst zu kaufen. Ohne es zu wissen, kaufte die feindlich gesinnte Priesterschaft also mit diesem Sklavengeld aus der Tempelkasse genau jenes vollkommene Passahlamm ein, das die Sünde der Welt auf ewig hinwegnehmen würde (vgl. Joh 1,29; 1Petr 1,18-19).

 

Die Ereignisse der Passionswoche sind durchdrungen von alttestamentlicher Prophetie. Wer noch tiefer in diese faszinierenden Zusammenhänge eintauchen möchte, findet im Zusammenhang dieses Beitrags eine separate PDF-Übersicht zum Download, in der rund 40 alttestamentliche Voraussagen zur Passion Jesu und ihre exakten neutestamentlichen Erfüllungen gegenübergestellt sind.

 

Das Evangelium läuft weiter

Nach seiner Auferstehung kehrte der Herr Jesus nicht einfach in den Himmel zurück und überließ seine Jünger sich selbst. Er blieb weitere 40 Tage auf der Erde, um sie zu lehren, sie in der Schrift zu unterweisen und sie auf ihren gewaltigen Auftrag vorzubereiten. Die von Furcht gelähmten Jünger, die sich hinter verschlossenen Türen versteckt hatten, wurden durch die reale Begegnung mit dem Auferstandenen komplett verwandelt. Exakt 50 Tage nach seiner Auferstehung – am jüdischen Wochenfest (Schawuot / Pfingsten) – goss Er wie verheißen den Heiligen Geist aus. An diesem Tag endete die alttestamentliche Omer-Zählung, und die erste Gemeinde wurde geboren. Aus den verängstigten Jüngern wurden mutige Zeugen, die das Evangelium von Jerusalem aus bis an die Enden der Erde trugen.

 

Die Erscheinungen des Auferstandenen – Zeugnisse und Chronologie

Die Berichte über die Auferstehung Jesu Christi bilden das Fundament des christlichen Glaubens und werden in den vier Evangelien sowie durch den Apostel Paulus mit unterschiedlichen Schwerpunkten bezeugt. Die Bibel berichtet von zahlreichen Begegnungen mit dem auferstandenen Messias, die beweisen, dass Er leibhaftig und nicht nur geistlich auferstanden ist. Die folgende Auflistung führt diese Zeugnisse in einer wahrscheinlichen chronologischen Abfolge zusammen, um ein umfassendes Bild der Begegnungen mit dem Auferstandenen zu vermitteln.

 

1. Zeugen: Maria Magdalena

Ort: Jerusalem (nahe dem Grab)

Zeitpunkt: Sonntag (Auferstehungstag), früh morgens

Bibelstellen: Markus 16,9-11; Johannes 20,11-18

(Hinweis: Dass Jesus zuerst einer Frau erschien, die damals vor Gericht nicht als gültige Zeugin galt, ist ein gewaltiger Beweis für die historische Echtheit des Berichts, da man dies bei einer Erfindung niemals so konstruiert hätte.)

 

2. Zeugen: Die anderen Frauen (Maria, die Mutter des Jakobus, Salome, Johanna)

Ort: Jerusalem (auf dem Weg vom Grab weg)

Zeitpunkt: Sonntag, früh morgens

Bibelstellen: Matthäus 28,9-10; Lukas 24,1-10

 

3. Zeugen: Petrus (Kephas)

Ort: Jerusalem

Zeitpunkt: Sonntag

Bibelstellen: Lukas 24,34; 1. Korinther 15,5

 

4. Zeugen: Die zwei Jünger auf dem Weg nach Emmaus (einer namens Kleopas)

Ort: Weg nach Emmaus / Emmaus

Zeitpunkt: Sonntag, später Nachmittag/Abend

Bibelstellen: Markus 16,12-13; Lukas 24,13-35

 

5. Zeugen: Die Jünger (ohne Thomas; ca. 10 anwesend)

Ort: Jerusalem (hinter verschlossenen Türen)

Zeitpunkt: Sonntagabend

Bibelstellen: Markus 16,14; Lukas 24,36-43; Johannes 20,19-25

 

6. Zeugen: Die Jünger (mit Thomas; 11 anwesend)

Ort: Jerusalem

Zeitpunkt: Acht Tage später (nach jüdischer Zählung der darauffolgende Sonntag)

Bibelstellen: Johannes 20,26-31

 

7. Zeugen: Sieben Jünger (Petrus, Thomas, Nathanael, die Söhne des Zebedäus und zwei weitere)

Ort: Galiläa (am See von Tiberias / See Genezareth)

Zeitpunkt: Unbekannt (zwischen dem 8. und 40. Tag)

Bibelstellen: Johannes 21,1-25

(Hinweis: Hier schenkte Jesus ihnen nicht nur das Wunder des reichen Fischfangs, sondern stellte auch Petrus nach dessen Verleugnung seelsorgerlich wieder in seinen Hirtendienst her.)

 

8. Zeugen: Mehr als 500 Brüder gleichzeitig

Ort: Galiläa (wahrscheinlich der Berg, den Jesus bezeichnet hatte)

Zeitpunkt: Unbekannt

Bibelstellen: 1. Korinther 15,6

 

9. Zeugen: Jakobus (der Bruder des Herrn)

Ort: Wahrscheinlich Jerusalem

Zeitpunkt: Unbekannt

Bibelstellen: 1. Korinther 15,7

 

10. Zeugen: Die elf Jünger (Missionsbefehl)

Ort: Galiläa (auf dem Berg)

Zeitpunkt: Unbekannt

Bibelstellen: Matthäus 28,16-20; Markus 16,15-18

 

11. Zeugen: Die elf Jünger (Himmelfahrt)

Ort: Ölberg bei Bethanien (nahe Jerusalem)

Zeitpunkt: 40 Tage nach der Auferstehung

Bibelstellen: Lukas 24,44-53; Apostelgeschichte 1,3-12

 

12. Zeugen: Saulus (Paulus)

Ort: Auf dem Weg nach Damaskus

Zeitpunkt: Nach der Himmelfahrt Jesu

Bibelstellen: 1. Korinther 15,8; Apostelgeschichte 9,3-6; 22,6-11; 26,13-18

(Hinweis: Jesus erschien ihm in einem Licht vom Himmel, das heller als die Sonne war, und sprach persönlich zu ihm)

 

13. Zeugen: Paulus (in einer Tempel-Vision)

Ort: Jerusalem, im Tempel

Zeitpunkt: Später, nach seiner Bekehrung

Bibelstellen: Apostelgeschichte 22,17-21

(Hinweis: Paulus geriet im Tempel in eine Verzückung, sah den Herrn Jesus und empfing von Ihm den direkten Auftrag, zu den Heiden zu gehen)

 

FAQ – Scheinbare Widersprüche in der Passionswoche aufgelöst

Beim vergleichenden Lesen der vier Evangelien stoßen Kritiker immer wieder auf vermeintliche Diskrepanzen. Bei genauerer Betrachtung der historischen und literarischen Hintergründe erweisen sich diese jedoch nicht als Widersprüche, sondern als sich perfekt ergänzende Details verschiedener Augenzeugen.

 

Wann fand die Salbung in Bethanien statt?

• Das Problem: Johannes datiert die Salbung Jesu durch Maria auf „sechs Tage vor dem Passah“ (Joh 12,1). Matthäus und Markus erwähnen sie jedoch anscheinend erst zwei Tage vor dem Fest, direkt vor dem Verrat durch Judas (Mt 26,2-13; Mk 14,1-9).

• Die Lösung: Johannes ist der Einzige, der das Ereignis streng chronologisch datiert (am Vorabend des Palmsonntags). Markus und Matthäus ordnen ihre Berichte oft sachlich statt streng chronologisch. Sie nutzen die Salbungsgeschichte als einen „eingeschobenen Rückblick“, um einen harten Kontrast zu erzeugen: Die verschwenderische Liebe und Hingabe der Maria wird direkt der Habsucht und dem eiskalten Verrat des Judas gegenübergestellt.

 

Wie starb Judas Iskariot wirklich?

• Das Problem: Nach Matthäus 27,5 erhängte sich Judas. Nach Apostelgeschichte 1,18 stürzte er kopfüber auf einen Acker, brach entzwei und seine Gedärme traten heraus.

• Die Lösung: Dies sind keine unvereinbaren Berichte, sondern zwei Phasen desselben Ereignisses. Judas erhängte sich (vermutlich an einem Baum über einem Abhang auf genau dem Acker, der mit seinem Blutgeld gekauft wurde). Später riss entweder der Strick, oder beim Abnehmen des Leichnams kam es zu dem in der Apostelgeschichte beschriebenen Sturz des toten Körpers. 

 

Widersprechen sich die Berichte über die Verleugnung des Petrus?

• Das Problem: Die Evangelisten nennen teils unterschiedliche Personen, die Petrus erkannten (Mägde, Torhüterin, Umstehende), und weichen beim Hahnenschrei ab (Markus spricht von einem zweimaligen Hahnenschrei, die anderen von einem einfachen).

• Die Lösung: Die Verleugnungen fanden im gemeinsamen Hof der miteinander verwandten Hohenpriester Annas und Kajaphas statt. Es handelte sich um ein absolut tumultartiges Geschehen am Lagerfeuer, bei dem Petrus teils von mehreren Personen gleichzeitig oder kurz hintereinander bedrängt wurde. Jeder Evangelist hält einen anderen wahren Aspekt (einen anderen Zwischenruf) dieser unübersichtlichen Szene fest. Beim Hahnenschrei ist Markus lediglich der genaueste: Jesus prophezeite, dass der Hahn nicht zweimal krähen würde, bevor Petrus ihn verleugnet. Die anderen Evangelisten fassen dies allgemein zusammen mit der Bedeutung, dass die Verleugnung abgeschlossen sein würde, bevor das morgendliche Hahnengeschrei einsetzt.

 

Was stand exakt auf der Kreuzestafel (INRI)?

• Das Problem: Jeder Evangelist gibt den Text der Inschrift leicht verändert wieder.

• Die Lösung: Es liegt kein Widerspruch vor, sondern unterschiedliche Vollständigkeit. Johannes zitiert den vollständigen, amtlichen Wortlaut: „Jesus der Nazarener, der König der Juden“. Die Synoptiker (Matthäus, Markus, Lukas) beschränken sich auf die Kernaussage und den eigentlichen Anklagegrund: „Der König der Juden“. Zudem war die Tafel in drei Sprachen (Hebräisch/Aramäisch, Latein und Griechisch) verfasst, was leichte Übersetzungsnuancen erklärt.

 

Haben beide Schächer am Kreuz gelästert oder nur einer?

• Das Problem: Matthäus und Markus berichten, dass beide mitgekreuzigten Verbrecher Jesus verhöhnten. Lukas berichtet, dass sich einer der beiden bekehrte und Jesus ihn ins Paradies einlud.

• Die Lösung: Jesus hing insgesamt sechs Stunden am Kreuz. In der ersten Phase lästerten tatsächlich beide Schächer, wie es Matthäus und Markus korrekt festhalten. Im weiteren Verlauf der Stunden, angesichts des Verhaltens und der Worte Jesu am Kreuz, ließ einer der beiden von seiner Lästerung ab, zeigte Reue und bekehrte sich – ein wunderbares Detail der Gnade, das uns durch Lukas überliefert wurde.

 

Wie viele Frauen und Engel waren am leeren Grab?

• Das Problem: Johannes nennt nur Maria Magdalena, Matthäus nennt zwei Frauen, Markus drei und Lukas mindestens fünf. Bei Matthäus und Markus ist von einem Engel die Rede, bei Lukas und Johannes von zwei Engeln.

• Die Lösung: Kein einziger Evangelist behauptet, dass ausschließlich die von ihm genannten Personen dort waren. Jeder setzt andere Schwerpunkte. Johannes fokussiert sich in seiner Erzählung komplett auf das sehr persönliche Erlebnis der Maria Magdalena. Die Unterschiede bei den Engeln (einer vs. zwei) erklären sich leicht: Einer der beiden Engel fungierte offensichtlich als Wortführer, weshalb Matthäus und Markus sich auf ihn konzentrieren, während Lukas und Johannes die exakte Anzahl der Anwesenden nennen.

 

Der Datierung-Exkurs (Die zwei gängigsten Modelle zur Nisan-Datierung)

Wer die Evangelien aufmerksam liest, stellt fest, dass die Bibel die Ereignisse der Passionswoche fast ausschließlich mit Wochentagen (z.B. „erster Tag der Woche“) oder relativen Festbegriffen („Rüsttag“, „Sabbat“) datiert, jedoch keine exakten kalendarischen Datumsangaben wie „am 14. Nisan“ oder „am 15. Nisan“ macht. Da der jüdische Kalender zudem eine besondere Komplexität aufweist, gibt es unter bibeltreuen Auslegern zwei faszinierende lehrmäßige Erklärungsmodelle, wie die beschriebenen Wochentage in den Kalender einzuordnen sind. Beide Modelle sind prophetisch tiefgründig und bestätigen ausnahmslos die klassische Abfolge: Kreuzigung am Freitag sowie Auferstehung am Sonntag.

 

Modell 1: Die 15./17. Nisan-Auslegung (Der jüdische Tageswechsel)

Dieses Modell ordnet den Rüsttag/Karfreitag dem 15. Nisan zu.

 

Die lehrmäßige Lösung: Nach dem Gesetz Mose wird das Passahlamm am Nachmittag des 14. Nisan geschlachtet und in der darauf folgenden Nacht gegessen. Da der jüdische/biblische Tag bei Sonnenuntergang beginnt, ist diese Nacht offiziell bereits der Beginn des 15. Nisan. Jesus aß also am Donnerstag nach Sonnenuntergang (Beginn des 15. Nisan) völlig gesetzeskonform das Passahmahl. Da dieser Tag bis zum nächsten Sonnenuntergang andauerte, starb Er am Freitagnachmittag an ein und demselben Kalendertag – dem 15. Nisan – als das wahre Opferlamm am Kreuz.

 

Das prophetische Highlight (Die Arche Noah): Wenn der Freitag der 15. Nisan ist, dann ist der Auferstehungssonntag zwingend der 17. Nisan. Dies offenbart eine gewaltige Prophetie: Laut 1. Mose 8 landete die Arche Noah nach der Sintflut exakt am 17. Tag des 7. Monats auf dem Berg Ararat (dieser Monat wurde später durch Gott zum 1. Monat „Nisan“ umbenannt). Exakt an dem Datum, an dem die Menschheit in Noah aus dem Todesgericht gerettet wurde und neues Leben auf einer gereinigten Erde begann, stand Jesus Christus als Retter des neuen Lebens aus dem Grab auf!

 

Modell 2: Die 14./16. Nisan-Auslegung (Die Drei-Kalender-Theorie)

Dieses Modell datiert den Rüsttag/Karfreitag auf den 14. Nisan.

 

Die lehrmäßige Lösung: Wenn Freitag erst der 14. Nisan war, wie konnte Jesus dann bereits am Donnerstag gesetzeskonform das Passah essen? Dieses Modell löst den Konflikt durch die historischen Kalenderstreitigkeiten im damaligen Judentum. Pharisäer, Sadduzäer und Essener nutzten unterschiedliche Kalender und feierten das Passah an drei aufeinanderfolgenden Tagen. Jesus feierte das Sedermahl am Donnerstag völlig gesetzeskonform nach dem Kalender der Pharisäer. Für die regierenden Sadduzäer, die den Tempeldienst leiteten, war der darauf folgende Freitag jedoch erst der „Rüsttag“ vor ihrem Passah. Diese Aufteilung war der Tempelobrigkeit sogar recht, um die Schlachtung von über 250.000 Lämmern logistisch zu entzerren.

 

Das prophetische Highlight (Die Erstlingsfrüchte): Wenn der Freitag der 14. Nisan ist, fällt der Auferstehungssonntag exakt auf den 16. Nisan. Dieses Datum ist im jüdischen/biblischen Festkalender das Fest der Erstlingsfrüchte (Reschit/Bikkurim). Genau an diesem Tag wurde im Tempel die erste Gerstengarbe der neuen Ernte vor Gott dargebracht. Es ist ein unfassbar starkes Bild, dass Jesus Christus laut diesem Modell an exakt dem Tag auferstand, an dem der Erstling geopfert wurde, denn Paulus nennt Ihn in 1. Korinther 15 wörtlich den wahren „Erstling der Entschlafenen“.

 

Schlussgedanke: Egal, welchem dieser beiden Modelle man den Vorzug gibt; beide verherrlichen das vollkommene und minutiös geplante Erlösungswerk Gottes. Jeder Schritt Jesu ans Kreuz und aus dem Grab heraus war die punktgenaue Erfüllung der göttlichen Heilsgeschichte.

 

Lies auch unseren Beitrag: Hosianna – Israels Ruf nach Rettung und die verborgene Prophetie hinter Jesu Einzug


Weiterführende Materialien:

Für eine noch tiefere Auseinandersetzung finden sich hier drei ergänzende PDF-Übersichten zur Passionswoche – mit detaillierter Chronologie, dem Ablauf des Kreuzigungstages und den alttestamentlichen Prophetien samt ihrer Erfüllung.

 

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Chronologie der Passionswoche Jesu.pdf
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Chronologie des Kreuzigungstages Jesu.pd
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Gottes Segen Euch allen!

 

1. Thessalonicher 5,23

„Er selbst aber, der Gott des Friedens, heilige euch völlig; und vollständig möge euer Geist und Seele und Leib untadelig bewahrt werden bei der Ankunft unseres Herrn Jesus Christus!“

 

Amen und Amen