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Scheol

 

Der Begriff Scheol (hebr. שְׁאוֹל) kommt 65mal im Alten Testament vor und ist die hebräische Bezeichnung für das Jenseits im Sinne der Unterwelt oder das Totenreich. Es ist der alttestamentliche Begriff (daher nur im AT zu finden) für den zeitbegrenzten Ort, an dem die Seelen/Geister der Menschen im Tode (körperloser Zustand), ob Gläubige oder Ungläubige, abstiegen und vorübergehend verwahrt wurden.

 

Scheol entspricht dem griechischen Wort "Hades", das nur im Neuen Testament verwendet wird und ist nicht unterschieden nach dem Aufenthaltsort gläubiger oder ungläubiger Menschen. Ebenfalls übersetzt die Septuaginta, die Übersetzung der hebräisch-aramäischen Bibel im altgriechischen Koine, das hebräische Wort Scheol mit dem griechischen Begriff Hades.

 

Der Beweis für die Übereinstimmung zwischen Scheol und Hades befindet sich in Apg 2,25-28, wo Ps 16,8-11 zitiert und Scheol mit Hades übersetzt wird (David redet in seinem Loblied über Christus, und in der Apostelgeschichte wird er von Petrus in seiner Pfingstpredigt zitiert). Somit sind Scheol und Hades ein und dasselbe.

 

Der Scheol oder Hades hat zwei Hauptabteilungen. Die erste Abteilung gehörte den Gläubigen/Gerechten; sie wurde "Abrahams Schoß" genannt. Früher lag auch das Paradies in Abrahams Schoß auf der gerechten Seite des Scheol/Hades. Von 1. Mose 1 bis zur Himmelfahrt Christi befand sich das Paradies dort. Die zweite Abteilung war den Ungläubigen/Ungerechten bestimmt, und sie enthielt zwei Arten von Geschöpfen: Menschen und Engel. Was die Menschen anging, war ihnen der eigentliche Hades zugewiesen das, was wir "Hölle" nennen und die Bibel als "Abaddon" oder die "Grube" bezeichnet. Doch auf der ungerechten Seite des Scheol/Hades gibt es auch noch einen Ort für gefallene Engel. Für sie gibt es zwei Unterabteilungen: Erstens den "Abgrund", eine temporäre Haftanstalt für gefallene Engel; zweitens den "Tartarus", wo dauerhaft jene besonderen Engel aufbewahrt werden, die durch ihre Fremdheirat aus 1. Mose 6 gesündigt haben.

 

Unmittelbar nach dem physischen Tod werden wir, also unsere(r) Seele/Geist bei vollem Bewusstsein entweder "im Himmel/Paradies" (die Gläubigen in der unmittelbaren Gegenwart des Herrn), oder im Hades sein (die Ungläubigen verbleiben im Hades und werden zum Gericht auferstehen). Nach dieser Auferstehung und dem endgültigen Gericht am "Großen Weißen Thron" werden alle Ungläubigen in den Feuer- & Schwefelsee geworfen.

Gerechte in der unmittelbaren Gegenwart des Herrn

2. Korinther 5,8 sagt: "wir sind aber guten Mutes und möchten lieber 'ausheimisch' vom Leib und 'einheimisch' beim Herrn sein"

 

Mit anderen Worten: Seit der Auferstehung Jesu kommt der immaterielle Teil des Menschen, die Geist/Seele des Erlösten/Gläubigen, wiedergeborenen Christen bei Eintritt des physischen Todes nicht in den Scheol bzw. Hades. Vielmehr ist man "einheimisch beim Herrn", dessen Wohnstätte der Himmel ist (vgl. Apg 7,55), was bedeutet, dass man in der unmittelbaren Gegenwart des Herrn ist. Der Leib wird beerdigt. Der materielle Teil (Leib) wird der Erde zurückgegeben, von der er genommen war, und durch den Prozess der Verwesung wird er schließlich selbst wieder zu Erde. Selbst wenn keine richtige Beerdigung stattfindet, ist der Körper des Menschen nach seinem Tod dennoch einem natürlichen Prozess des Zerfalls und der Verwesung unterworfen, die ihn schließlich wieder in seine ursprünglichen Elemente auflöst, auch bei einer Feuerbestattung. Es ist immer nur der LEIB des Menschen, der nach dem Tod in seine ursprünglichen Elemente zerfällt, und es ist auch immer nur der LEIB, der durch die Auferstehung aus den gleichen Bestandteilen neu erstehen wird.

 

Anmerkung:

Es bleibt anzumerken, dass der Scheol/Hades noch nicht das Ende ist, denn eines Tages wird der Hades in den Feuer- & Schwefelsee geworfen, aber das ist noch nicht geschehen (vgl. Offb 20,10.14). Der Feuer- & Schwefelsee existiert ewig und die Anwesenden werden Tag und Nacht gepeinigt von Ewigkeit zu Ewigkeit! Es gibt eine Vielzahl von Stellen, wo Jesus davor warnt, z.B.: Matthäus 25,41.46.

Es gibt 65 Bibelstellen, die den Scheol erwähnen. Da es sich bei dem Wort Scheol um einen hebräischen Begriff handelt, befinden sich alle Stellen im Alten Testament.
 
Hinweis: Luther übersetzen Scheol mit "Grube". Schlachter, Zürcher und die Neue evangelistische Übersetzung übersetzen Scheol mit Totenreich. Die Einheitsübersetzung und Menge mit Unterwelt.

 

Bibelstellen:

1. Mose 37,35: "Denn trauernd werde ich zu meinem Sohn hinabfahren in den Scheol!"

 

1. Mose 42,38: "... so würdet ihr mein graues Haar mit Kummer hinabbringen in den Scheol."

 

1. Mose 44,29: "... so werdet ihr mein graues Haar mit Unglück hinabbringen in den Scheol."

 

1. Mose 44,31: "... und deine Knechte werden das graue Haar deines Knechtes, unseres Vaters, mit Kummer hinabbringen in den Scheol."

 

4. Mose 16,30: "... und [wenn] sie lebendig in den Scheol hinabfahren..."

 

4. Mose 16,33: "Und sie fuhren lebendig in den Scheol hinab."

 

5. Mose 32,22: "Denn ein Feuer ist entbrannt in meinem Zorn und wird brennen bis in den untersten Scheol."

 

1. Samuel 2,6: "Er führt in den Scheol hinab und führt herauf."

 

2. Samuel 22,6: "Die Fesseln des Scheols umringten mich."

 

1. Könige 2,6: "... und lass sein graues Haar nicht in Frieden in den Scheol hinabfahren."

 

1. Könige 2,9: "... und lass sein graues Haar mit Blut in den Scheol hinabfahren."

 

Hiob 7,9: ,,So steigt, wer in den Scheol hinabfährt, nicht wieder herauf."

 

Hiob 11,8: "Tiefer als der Scheol..."

 

Hiob 14,13: "O dass du mich im Scheol verstecktest..." 

 

Hiob 17,13: "Wenn ich hoffe, so ist der Scheol mein Haus, in der Finsternis bette ich mein Lager."

 

Hiob 17,16: "Sie fährt hinab zu den Riegeln des Scheols, wenn wir miteinander im Staub Ruhe haben."

 

Hiob 21,13: "In einem Augenblick sinken sie in den Scheol hinab."

 

Hiob 24,19: "Dürre und Hitze raffen Schneewasser weg; so der Scheol die, die gesündigt haben."

 

Hiob 26,6: "Der Scheol ist nackt vor [Gott]."

 

Psalm 6,6: "Im Scheol, wer wird dich preisen?"

 

Psalm 9,18: "Mögen zum Scheol sich wenden die Gottlosen."

 

Psalm 16,10: "Denn meine Seele wirst du dem Scheol nicht überlassen."

 

Psalm 18,6: "Die Fesseln des Scheols umringten mich, die Fallstricke des Todes ereilten mich."

 

Psalm 30,4: "HERR! Du hast meine Seele aus dem Scheol heraufgeführt."

 

Psalm 31,18: "Lass beschämt werden die Gottlosen, lass sie schweigen im Scheol!"

 

Psalm 49,15: "Man legt sie in den Scheol wie Schafe..."

Psalm 49,15: "... und ihre Gestalt wird der Scheol verzehren."

 

Psalm 49,16: "Gott aber wird meine Seele erlösen von der Gewalt des Scheols."

 

Psalm 55,16: "Lebendig mögen sie hinabfahren in den Scheol..."

 

Psalm 86,13: "Du hast meine Seele aus dem untersten Scheol errettet."

 

Psalm 88,4: "Denn satt ist meine Seele von Leiden, und mein Leben ist nahe am Scheol."

 

Psalm 89,49: "Welcher Mann lebt und wird den Tod nicht sehen, wird seine Seele befreien von der Gewalt des Scheols?"

 

Psalm 116,3: "Mich umfingen die Fesseln des Todes, und die Bedrängnisse des Scheols erreichten mich."

 

Psalm 139,8: "Bettete ich mich im Scheol: Siehe, du bist da."

 

Psalm 141,7: "Wie einer die Erde schneidet und spaltet, so sind unsere Gebeine hingestreut am Rand des Scheols."

 

Sprüche 1,12: "Wir wollen sie lebendig verschlingen wie der Scheol..."

 

Sprüche 5,5: "Ihre Füße steigen hinab zum Tod am Scheol haften ihre Schritte."

 

Sprüche 7,27: "Ihr Haus sind Wege zum Scheol die hinabfuhren zu den Kammern des Todes"

 

Sprüche 9,18: "Und er weiß nicht, dass dort die Schatten sind, in den Tiefen des Scheols ihre Geladenen."

 

Sprüche 15,11: "Scheol und Abgrund sind vor [Jahwe]." 

 

Sprüche 15,24: "Der Weg des Lebens geht für den Einsichtigen aufwärts, damit er dem Scheol unten entgehe."

 

Sprüche 23,14: "Du errettest seine Seele vom Scheol."

 

Sprüche 27,20: "Scheol und Abgrund sind unersättlich" 

 

Sprüche 30,16: "...der Scheol..."

 

Prediger 9,10: "Es gibt weder Tun noch Überlegung noch Kenntnis noch Weisheit im Scheol, wohin du gehst."

 

Hohelied 8,6: "Denn die Liebe ist gewaltsam wie der Tod, hart wie der Scheol ihr Eifer."

 

Jesaja 5,14: "Darum sperrt der Scheol seinen Schlund weit auf..."

 

Jesaja 14,9: "Der Scheol unten ist deinetwegen in Bewegung"

 

Jesaja 14,11: "In den Scheol hinabgestürzt ist deine Pracht"

 

Jesaja 14,15: "Doch in den Scheol wirst du hinabgestürzt."

 

Jesaja 28,15: "[Ein] Vertrag mit dem Scheol..." 

 

Jesaja 28,18: "Euer Vertrag mit dem Scheol..."

 

Jesaja 38,10: "In der Ruhe meiner Tage soll ich hingehen zu den Pforten des Scheols."

 

Jesaja 38,18: ,,Denn nicht der Scheol preist dich."

 

Jesaja 57,9: "[Du] erniedrigtest dich bis zum Scheol."

 

Hesekiel 31,15: "An dem Tag, als er in den Scheol hinabfuhr..."

 

Hesekiel 31,16: "Als ich ihn in den Scheol hinabfahren ließ..."

 

Hesekiel 31,17: "Auch sie fuhren mit ihm in den Scheol hinab..."

 

Hesekiel 32,21: "Aus der Mitte des Scheols reden von ihm die Mächtigen der Helden mit seinen Helfern."

 

Hesekiel 32,27: "Die in den Scheol hinabfuhren mit ihren Kriegswaffen..."

 

Hosea 13,14; "Von der Gewalt des Scheols werde ich sie erlösen..."

 

Hosea 13,14: "Wo ist, o Scheol, dein Verderben?"

 

Amos 9,2: "Wenn sie in den Scheol einbrechen"

 

Jona 2,3: "Ich schrie aus dem Schoß des Scheols, du hörtest meine Stimme."

 

Habakkuk 2,5: "Er, der seinen Schlund weit aufsperrt wie der Scheol..."

 

Aus den 65 Stellen, die den Scheol erwähnen, können wir sechs Ableitungen ziehen:

 

1. Sowohl die Gerechten als auch die Ungerechten erwarteten in der Zeit vor der Auferstehung Jesu, nach ihrem Tod in den Scheol zu kommen (vgl. Ps 89,49). Die Erwartungen der Gerechten sehen wir an Abschnitten wie 1. Mose 37,35; 42,38; 44,29.31; Hiob 14,13; Psalm 16,10; Jona 2,3. Dass die Ungerechten ebenfalls in den Scheol hinabfuhren, zeigen beispielsweise 4. Mose 16,30.33; Hiob 24,19; Psalm 9,18; 49,15; Hesekiel 32,21.

 

2. Obwohl Gerechte und Ungerechte gleichermaßen erwarteten, nach dem Tod in den Scheol zu gelangen, war dieser Ort für Ungläubige schlimmer als für die Glaubenden. Das sehen wir an Hiob 24,19Psalm 9,1849,15.

 

3. Im Text wird auch "der unterste Scheol" erwähnt. Das weist auf die Tatsache hin, dass es im Scheol verschiedene "Stockwerke" oder "Abteilungen" gibt. Als Beispiele sind 5. Mose 32,22 und Psalm 86,13 anzuführen.

 

4. Die Richtung in den Scheol ist gleichbedeutend mit "abwärts, hinab". Niemand ist jemals hinaufgestiegen, um in den Scheol zu gelangen; immer hieß es "hinab in den Scheol". Beispiele: 1. Mose 37,3542,3844,29.31; 4. Mose 16,30.31; 1. Samuel 2,6; 1. Könige 2,6.9; Hiob 7,9; 11,8; 17,16; 21,13; Psalm 30,4; Sprüche 5,5; 7,27; 15,24; Jesaja 5,14; 14,9; Hesekiel 32,21; Amos 9,2.

 

5. Der Scheol war immer ein Ort des vollen Bewusstseins; wer sich im Scheol befand, war ganz und gar nicht ohnmächtig. Beispiele sind Jesaja 14,9-20 und Jona 2,3.

 

6. Der Scheol ist der Rechtsprechung Gottes keineswegs entzogen. Jeder dort ist unter Gottes Herrschaft. Das sehen wir an Hiob 26,6; Psalm 139,8; 5. Mose 32,22.


Gottes Segen Euch allen!

1. Thessalonicher 5,23
"Er selbst aber, der Gott des Friedens, heilige euch völlig; und  vollständig möge euer Geist und Seele und Leib untadelig bewahrt werden bei der Ankunft unseres Herrn Jesus Christus!"

Amen