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Der Spross

Jesaja 11,1

"Und ein Spross wird hervorgehen aus dem Stumpf Isais, und ein Schössling aus seinen Wurzeln wird Frucht bringen"

 

Hebräer 7,14

"Denn es ist offenbar, dass unser Herr aus Juda entsprossen ist, von welchem Stamm Mose nichts in Bezug auf Priester geredet hat"

 

Offenbarung 5,5

"... Siehe, es hat überwunden der Löwe aus dem Stamm Juda, die Wurzel Davids, um das Buch und seine sieben Siegel zu öffnen"


Der "Spross" ist ein messianischer Titel für Jesus Christus, wodurch Sein Königtum betont wird. Als "Spross" aus der Wurzel "Isais", dem Vater Davids (Jes 11,1; 1Sam 16,10-13), ist Jesus Christus seiner menschlichen Herkunft nach ein Nachkomme Davids, gemäß der Verheißung Gottes über den Messias (1Chr 17,11-14; Röm 1,3).

 

Ausgehend von der Zusage Gottes, dass immer ein Nachkomme Davids der König von Israel sein sollte (2Sam 7,11-16), entstand seit den Propheten des Alten Testaments die Auffassung, dass der erwartete Retter für das Volk Israel ein Nachkomme Davids sein soll.

 

In Jesaja 11 ist von Gottes Gericht über die Könige aus der Nachkommenschaft Davids die Rede, nach dem die David-Dynastie einem gefällten Baum gleichen wird (Jes 6,13). Alles, was aus dem Hause Davids übriggeblieben ist, ist ein "Stumpf". Die privilegierten Söhne Davids werden mit Assyrien verglichen, einem niedergehauenen Baum (Jes 10,33f). Trotz des Gerichtes über Juda und das Haus Davids wird der Herr einen neuen König aus der Wurzel Davids hervorkommen lassen (Mt 1,1).

 

Als der "Spross Davids" ist Christus der Nachkomme Davids, der sich aus der Erniedrigung, in die das Geschlecht Davids gefallen war, zu Macht und Herrlichkeit erhoben hat.

 

Damit verbunden ist aber die Verheißung, dass Gott aus dem Wurzelstock einen neuen Trieb, einen "Spross" hervorgehen lassen wird; einen Herrscher, der sich durch Gerechtigkeit und Ehrfurcht vor Gott auszeichnet.

 

Jesaja 6,13

"Und ist noch ein Zehntel darin, so wird es wieder dem Niederbrennen verfallen wie die Terebinthe und wie die Eiche, an denen beim Fällen ein Stumpf bleibt - ein heiliger Same ist sein Stumpf"

 

Dieser Herrscher wird der Retter Israels sein, der Messias. Diese Verheißung wird durch Jesus Christus vollständig erfüllt. Wie der große König der Anfangszeit – David –so stammt auch der König der Endzeit – der Messias Jesus – aus der Familie des Isais.


Die Juden zur Zeit Jesu bezeichneten mit dem Titel "Messias" den erwarteten gerechten König aus dem Geschlecht Davids, der sein Volk von aller Ungerechtigkeit und Unterdrückung durch fremde Völker befreien und es wieder zu einer politischen Großmacht machen wird (Jes 9,5-6). Je länger die Zeit ging, um so weniger wurde der Messias als Politiker und Krieger und um so mehr als prophetischer Regent verstanden (Sach 9,9-10 und Jes 11,1-5).

 

Jesaja 53,2

"Er wuchs auf vor ihm wie ein Schössling, wie ein Wurzelspross aus dürrem Erdreich. Er hatte keine Gestalt und keine Pracht; wir sahen ihn, aber sein Anblick gefiel uns nicht"

 

Israel war wie ein trockener Boden. Als Jesus kam herrschte geistliche Dürre und Not. Gleichzeitig war Jesus "ein Wurzelspross aus dürrem Erdreich". Er kam in einer Phase lang andauernder geistlicher Armut als Gottes Botschafter nach Israel. Immerhin hatte Israel seit fast dreihundert Jahren keine prophetische Offenbarung mehr bekommen. Dann brach erst Johannes der Täufer das prophetische Schweigen und dann Jesus selbst. Beide proklamierten, dass das Reich Gottes nahe sei.

 

Die Titel "Spross" oder "Wurzel Davids" haben eine tiefe Bedeutung. Um sie zu verstehen, müssen wir uns vergegenwärtigen, was David für sein Volk bedeutete.

 

Was König David für sein Volk bedeutete

David war der beliebteste und bedeutendste König Israels. Als solcher wurde er gesalbt; er war ein gesalbter König des Herrn. David wurde als Held betrachtet und war vom Volk geschätzt. Er hatte bereits als junger Kommandant mehr Ruhm als der König Saul selbst. Er war derjenige, der Israel von allen seinen Feinden befreit hat, so dass das Volk in Sicherheit leben konnte. Er hat auch Jerusalem als Hauptstadt gewählt und hat die Idee gehabt, einen Tempel für Gott zu bauen. Trotz seiner Schattenseiten, die in der Bibel nicht verschwiegen werden (z.B. der Ehebruch mit Batseba in 2Sam 1112), galt David als der Herrscher, den Gott sich erwählt hatte (1Sam 16,1-13); ihm schenkte Gott Gelingen bei seinem Tun. Außerdem war David ein Mann nach dem Herzen Gottes (Apg 13,22).

 

Davids Leben erinnert uns auch schattenhaft an das Leben unseres Herrn:

 

• David war demütig und hatte einen starken Glauben;

• sein Sieg über Goliat symbolisiert den Sieg Jesu über den Satan;

• David wurde früh als König Israels gesalbt, hat aber lange warten müssen, bevor er als König über dem ganzen Volk anerkannt wurde;

• David ist der verworfene, aber von Gott gesalbte König - wie Jesus

 

Gott hatte David versprochen, dass ein gerechter König aus seiner Nachkommenschaft später herrschen würde. Salomo war nur ein Schatten davon und als das Königtum in Israel ein Ende fand, weil die Stadt Jerusalem zerstört und der letzte König Zedekia nach Babylon verschleppt wurde, hatte David keine Nachkommen mehr auf dem Thron.

 

Gott verspricht aber durch den Propheten Jesaja, dass nach langer Zeit ein Nachkomme Davids wieder auf dem Thron sitzen wird. Dieser König wird "Spross des Herrn" oder "Spross Davids" genannt:

 

Jesaja 4,2

"An jenem Tag wird der Spross des HERRN zur Zierde und zur Herrlichkeit sein und die Frucht des Landes zum Stolz und zum Schmuck für die Entkommenen Israels"

 

Abstammung und Herkunft des Messias (KLICK)

Sein Stammbaum
Bis ca. 70 n.Chr. war es, zumindest im Normalfall, jedem gebürtigen Juden möglich, seinen Stammbaum genau zurückzuverfolgen. In 1. Chronik 9,1 ist besagt, dass ganz Israel in Geschlechtsregistern verzeichnet war. Der Besitz eines Geschlechtsregisters war von persönlichem Interesse, da jeder, der nicht auf diese Weise seine Abstammung nachweisen konnte, nicht als Israelit anerkannt wurde, was mit Benachteiligungen verbunden war (vgl. Esr 2,59-62; Neh 7,61-65). Wenn in Israel jemand eine öffentliche Stellung einnahm und dadurch auch bekannt wurde, so war es selbstverständlich, dass sein Geschlechtsregister, oder wenigstens gewisse bekannte Vorfahren daraus, publik gemacht wurden. Hätte aber jemand, dessen Geschlechtsregister nicht absolut einwandfrei war, eine öffentliche Stellung bekleiden wollen, so wäre er sofort als inkompetent abgetan worden. Diese Vorbemerkungen sind sehr wichtig im Zusammenhang mit dem Titel "Spross".

Die Geschlechtsregister in den Evangelien Matthäus und Lukas
In Matthäus 1 ist das Geschlechtsregister Josephs, des irdischen Vaters Jesu, und in Lukas 3 das der Maria, der Mutter Jesu, überliefert. Letzteres ist für die weiteren Ausführungen von größter Bedeutung (Lk 3,23-38)

Verheißungen Gottes an Abraham, Isaak und Jakob
Gott verhieß Abraham mehrere Male, dass der Messias von ihm abstammen würde. In 1. Mose 22,18 heißt es z.B.: "… und in deinem Samen (deinem Nachkommen) werden gesegnet werden alle Nationen". Dieser Nachkomme ist der Messias (Gal 3,16). Außerdem verhieß Gott mehrmals, dass der Messias von Isaak abstammen werde. In 1. Mose 26,4 z.B. spricht Gott zu Isaak: "… und in deinem Samen werden gesegnet werden alle Nationen der Erde." Jakob, der später den Namen Israel erhielt, wurde die Verheißung gegeben, dass der Messias sein Nachkomme sein werde: "… und in deinem Samen sollen gesegnet werden alle Geschlechter der Erde" (1Mo 28,14). Damit war klar offenbart, dass der Messias ein Israelit sein würde. Aber aus welchem der 12 Stämme Israels sollte er denn kommen?

Der Messias sollte aus dem Stamm Juda kommen
Jakob verkündigte seinen zwölf Söhnen, was in der Zukunft mit ihren Nachkommen geschehen würde. Zu seinem Sohn Juda sagte er: "Nicht weichen wird das Zepter von Juda, noch ein Gesetzgeber zwischen seinen Füßen hinweg, bis dass Schilo (der Frieden Schaffende, der Ruhe Bringende) kommt, und ihm werden die Völker gehorchen" (1Mo 49,10). Der Messias sollte ein Nachkomme Judas sein, und nicht etwa von Ruben, Simeon, Levi, Sebulon, Issaschar, Dan, Gad, Asser, Naphtali, Joseph oder Benjamin abstammen. 1. Chronik 5,2 (ca. 530 v.Chr.) spricht dieselbe Tatsache mit anderen Worten aus: "Denn Juda hatte die Oberhand unter seinen Brüdern, und der Fürst kommt aus ihm." Das Wort für Fürst (hebr. nagid) ist an dieser Stelle übrigens dasselbe wie in Daniel 9,25. Aus welcher Familie in Juda aber sollte der Messias kommen?

Der Messias sollte aus der Familie Isais stammen
Der Prophet Jesaja gab Antwort auf die oben genannte Frage in Kapitel 11,1: "Und ein Spross wird hervorgehen aus dem Stumpf Isais, und ein Schössling aus seinen Wurzeln wird Frucht bringen." Jesaja sagte also voraus, dass der Messias aus der Familie Isais, des Bethlehemiters, kommen würde. Isai hatte allerdings acht Söhne (1Sam 16). Welcher von diesen sollte der Vorfahre des Messias sein?

Der Messias sollte ein Nachkomme Davids sein
An mehreren Stellen im Alten Testament wird gesagt, dass der Messias ein Sohn Davids, des Sohnes Isais, sein sollte. Jeremia verkündigte um 600 v.Chr.: "Siehe, Tage kommen, spricht der Ewige, da ich dem David einen gerechten Spross erwecken werde, und er wird … Recht und Gerechtigkeit üben im Land" (Jer 23,5; vgl. Jer 33,15). In Psalm 132,11 steht geschrieben: "Der Ewige hat dem David geschworen in Wahrheit, er wird nicht davon abweichen: Von der Frucht deines Leibes will ich auf deinen Thron setzen." Gott hatte sich David gegenüber mit einem Eid verpflichtet, dass der Messias ein direkter Nachkomme von ihm sein würde (vgl. auch Ps 89,35-36).

Die Bestätigung durch das Geschlechtsregister Marias
Alle oben genannten Personen findet man im Geschlechtsregister Marias, der Mutter Jesu. Damit wird bestätigt, dass sich auch diese Prophezeiungen in dem historischen Jesus von Nazareth erfüllt haben. Im jüdischen Volk wurde seine Abstammung allgemein bekannt gemacht, daher nannte man ihn "Sohn Davids" (vgl. Lk 18,38.39; Mt 21,9.15.27; siehe auch 15,22). Hätte dies alles nicht der Tatsache entsprochen, so hätten die damaligen Führer des Judentums dies als Argument gegen den Messias-Anspruch Jesu anführen können. Eine so leicht überprüfbare Tatsache ließ sich aber weder absprechen noch in Frage stellen.

Der Historiker Lukas
Da das Geschlechtsregister Jesu von Lukas überliefert worden ist, sei noch darauf hingewiesen, dass die Archäologie Lukas als überaus genauen, präzisen und glaubwürdigen Historiker bestätigen konnte. Der berühmte Archäologe William Ramsay kam nach jahrelangen Forschungsarbeiten zum Urteil, dass die Geschichtsdarstellung bei Lukas, was ihre Vertrauenswürdigkeit anbetrifft, unübertroffen sei. Andere Forscher haben die Arbeit Ramsays weitergeführt. Ihre Ergebnisse zeigen deutlich: Die Geschichtsschreibung von Lukas ist bis in kleinste Details hinein absolut zuverlässig. Da das Lukasevangelium derart zuverlässig und glaubwürdig ist, sind es auch die anderen drei Evangelien des Neuen Testaments, da sie mit Lukas übereinstimmen. Deshalb werden sie von Lukas historisch bestätigt.

Der Geburtsort des Messias - Prophezeiung durch den Propheten Micha
Micha, der Moraschtiter, wirkte als Prophet (vgl. Mi 1,1). Er musste den Geburtsort des Messias bekannt geben. In Kapitel 5,1 spricht Gott: "Und du, Bethlehem-Ephrata, zu klein, um unter den Tausenden von Juda zu sein, aus dir wird mir hervorkommen, der Herrscher über Israel sein soll; und seine Ausgänge sind von der Urzeit, von den Tagen der Ewigkeit her." Im Land Israel gab es zwei Ortschaften mit dem Namen Bethlehem: eines in Galiläa (vgl. Jos 19,15.16) und eines in Judäa. Letzteres wurde zur Unterscheidung Bethlehem-Ephrata genannt. Der Messias sollte in diesem Dorf, das etwas mehr als zehn Kilometer südlich von Jerusalem liegt und zur Zeit Jesu wohl weniger als 1000 Einwohner zählte, geboren werden. Der Prophet Micha gab dies mit eindeutiger Klarheit und Gewissheit viele Jahrhunderte vor der Erfüllung bekannt.

Bestätigung durch das Neue Testament
Im Neuen Testament wird bestätigt, dass Jesus in Bethlehem-Ephrata geboren wurde. Matthäus 2,1 sagt: "Als aber Jesus zu Bethlehem in Judäa geboren war, in den Tagen Herodes’, des Königs …" Lukas bestätigte dieses Faktum ebenfalls im 2. Kapitel seines Evangeliums. Man denke in diesem Zusammenhang nochmals an das, was unter dem Abschnitt "Der Historiker Lukas" zur Glaubwürdigkeit der Evangelien ausgeführt wurde!

Micha 5,1 wurde schon immer gut verstanden
Als der Edomiter Herodes der Große erfuhr, dass ein neuer König geboren worden sei, versammelte er alle führenden Priester und Schriftgelehrten und erfragte von ihnen den Geburtsort des Messias. Diese sagten ihm: "Zu Bethlehem in Judäa; denn also steht durch den Propheten geschrieben" (Mt 2,5). Nicht allein die Gelehrten waren sich über diesen Punkt im Klaren, denn Johannes berichtete von gewöhnlichen Leuten aus dem Volk, die sagten: "Der Christus (hebr. Messias) kommt doch nicht aus Galiläa? Hat nicht die Schrift gesagt: aus dem Samen Davids und aus Bethlehem, dem Dorf, wo David war, kommt der Christus?" (Joh 7,41-42). Ein weiterer Hinweis darauf, dass Micha 5,1 gut verstanden wurde, liefert die Septuaginta, in der diese Stelle so gut wiedergegeben wurde, dass man daraus schließen kann, dass der Übersetzer begriff, was er im Griechischen wiedergab.

Jesus, der Nazaräer
Jesus wird im Neuen Testament 18mal "Nazaräer" bzw. "Nazarener" genannt. Dieser Name kommt vom hebräischen Wort "nezer", das so viel wie "Schössling", "Spross" oder "Zweig" bedeutet. In der Öffentlichkeit war Jesus allgemein unter dem Namen "Jesus, der Nazaräer" bekannt. Selbst von seinen größten Gegnern wurde er so genannt (Joh 18,5.7). Dadurch wurde erfüllt, was die Propheten verkündigt hatten, nämlich, dass der Messias "Schössling" bzw. "Spross" genannt werden sollte.

Matthäus macht uns nun zum vierten Mal in diesem Kapitel darauf aufmerksam, dass sich eine Prophezeiung erfüllte. Obwohl er keinen der "Propheten" namentlich erwähnt, hatten sie nach seinen Worten vorhergesagt, dass der Messias "Nazoräer genannt werden" wird. Kein Vers des Alten Testaments sagt das direkt. Viele Gelehrte schlagen vor, dass Matthäus sich hierbei auf Jesaja 11,1 bezieht: "Und ein Spross wird hervorgehen aus dem Stumpf Isais, und ein Schössling aus seinen Wurzeln wird Frucht bringen." Das hebräische Wort, das mit "Spross" übersetzt wird, lautet "nezer", obwohl der dadurch geschaffene Zusammenhang nicht unmittelbar einleuchtet. Eine wahrscheinlichere Deutung besteht darin, dass mit "Nazoräer" jemand gemeint ist, der aus Nazareth stammt, einer Stadt, die von der übrigen Bevölkerung verachtet wurde. Nathanael drückt das durch die damals sprichwörtliche Frage aus: "Kann aus Nazareth etwas Gutes kommen?" (Joh 1,46). Der Spott, mit dem diese "unbedeutende" Stadt bedacht wurde, traf auch ihre Einwohner. Wenn es deshalb in Vers 23 heißt: "Er wird Nazoräer genannt werden", heißt das, dass er verachtet werden würde. Auch wenn wir keine Prophezeiung finden können, der zufolge Jesus Nazoräer genannt werden würde, so gibt es doch eine, die von ihm sagt, dass er "verachtet und von den Menschen verlassen" werden würde (Jes 53,3).

Die Aussagen der Propheten Sacharja, Jeremia und Jesaja
Der Prophet Sacharja verkündete über den Messias Folgendes: "So spricht der Ewige der Heerscharen …: Siehe, ein Mann, sein Name ist Spross" (Sach 6,12). "… denn siehe, ich will meinen Knecht, Spross genannt, kommen lassen" (Sach 3,8). Jeremia verkündete etwa achtzig Jahre vor Sacharja: "Siehe, Tage kommen, spricht der Ewige, da ich dem David einen gerechten Spross erwecken werde; und er wird … Recht und Gerechtigkeit üben im Land" (Jer 23,5). Auch der Prophet Jesaja nannte den Messias so: "An jenem Tag wird der Spross des Ewigen zur Zierde und zur Herrlichkeit sein" (Jes 4,2).

Ein hebräisches Wortspiel
Obwohl in den genannten Stellen im Hebräischen das Wort "zemach" (Schössling, Spross oder Zweig) gebraucht wird, war es jedem schriftbewanderten Juden möglich, als er von "Jesus, dem Nazaräer" hörte, den Namen "Nazaräer" sofort mit dem in den genannten Stellen erwähnten Wort "zemach" in Verbindung zu bringen. Die Namensbedeutungen spielen in der Bibel eine große Rolle! Es gibt im Alten Testament noch weitere Hinweise auf den "Nazaräer". In Jesaja 11,1 heißt es z.B.: "Und ein Spross wird hervorgehen aus dem Stumpf Isais, und ein Schössling aus seinen Wurzeln wird Frucht bringen." Das an dieser Stelle im Urtext verwendete Wort für "Schössling" heißt "nezer". Dabei handelt es sich um die Wortwurzel in dem Namen "Nazaräer"!

Eine berechtigte Frage
Man muss sich jetzt aber zu Recht fragen, weshalb Jesus eigentlich nie "Jesus, der Bethlehemiter", sondern lediglich "Jesus, der Nazaräer" genannt wurde, obschon er ja in Bethlehem geboren worden ist. Folgende Hinweise sollen diesen Sachverhalt klären: Als der schreckliche und grausame König Herodes der Große den Kindermord anordnete (Mt 2), flüchteten Joseph und Maria mit dem Kind von Bethlehem nach Ägypten. Nach dem Tod von Herodes kehrten sie wieder zurück und wollten sich in Bethlehem niederlassen. Als aber Joseph hörte, dass Archelaus, der grausamste der Söhne Herodes’ des Großen, Herrscher über Judäa geworden war, fürchtete er sich, dorthin zu ziehen. Dies hatte seinen guten Grund: Eigentlich hätte Herodes Antipas, der Bruder von Archelaus, diesen Platz bekommen sollen, doch Herodes der Große hatte in einem Wutanfall kurz vor seinem Tod das Testament geändert und Archelaus an die Stelle von Herodes Antipas gesetzt. Deshalb kamen Joseph und Maria mit dem Kind in die Gegend von Galiläa und blieben in Nazareth. Dort lebte Jesus anschließend etwa 28 Jahre. Aus diesem Grund wurde er "Jesus, der Nazaräer" genannt. Es ist erstaunlich, wie die politischen Umstände an der Erfüllung dieser Messias-Weissagung beteiligt waren (Ps 79,10). Auch heutzutage wird Jesus gerade von Kritikern sehr oft als "Jesus von Nazareth" bezeichnet, sodass die Prophezeiung, dass der Messias "Nazaräer" genannt werden sollte, noch stets selbst von seinen Gegnern bestätigt wird.

Der HERR unsere Gerechtigkeit

Der Titel "Spross" steht in unmittelbarem Zusammenhang mit "Gerechtigkeit. Der sechste Bündnisname Gottes lautet: "JAHWE Zidkenu - Der HERR unsere Gerechtigkeit". Man findet ihn in einer der zahlreichen Wiederherstellungsverheißungen, die die Propheten Israel gaben und bei denen sich alles um den Messias dreht.

 

Jeremia 23,5-6

"5 Siehe, Tage kommen, spricht der HERR, da werde ich dem David einen gerechten Spross erwecken. Der wird als König regieren und verständig handeln und Recht und Gerechtigkeit im Land üben. 6 In seinen Tagen wird Juda gerettet werden und Israel in Sicherheit wohnen. Und dies wird sein Name sein, mit dem man ihn nennen wird: "Der HERR, unsere Gerechtigkeit"

 

Wo es Wiederherstellung gibt, wird auch die Gerechtigkeit neu aufgerichtet, ja ohne Gerechtigkeit wären andere Formen von Wiederherstellung letztlich unmöglich oder wertlos. Gott wird die Gerechtigkeit in seinem Volk wiederaufrichten, aber die Gerechtigkeit, die er wiederherzustellen verheißen hat, ist in einer Person begründet. Unsere Gerechtigkeit beruht nicht auf einem System aus Gesetzesverordnungen oder einer Religion, sondern auf eine Person – und diese Person ist der "gerechte Spross", der Messias.

 

Philipper 3,8-9

"8 ja wirklich, ich halte auch alles für Verlust um der unübertrefflichen Größe der Erkenntnis Christi Jesu, meines Herrn, willen, um dessentwillen ich alles eingebüßt habe und es für Dreck halte, damit ich Christus gewinne 9 und in ihm gefunden werde - indem ich nicht meine Gerechtigkeit habe, die aus dem Gesetz ist, sondern die durch den Glauben an Christus, die Gerechtigkeit aus Gott aufgrund des Glaubens"

 

Der Bündnisname "Der Herr, unsere Gerechtigkeit" (Jer 23,6) verweist – wie all die anderen Bündnisnamen im Alten Testament – letztendlich auf Jesus und das Kreuz. Dort fand der Tausch statt. Dort wurde die Möglichkeit geschaffen, dass er unsere Gerechtigkeit werden konnte. Nachdem er für die Sünden all derer Sühne geleistet hatte, denen es nicht gelungen war, das Gesetz zu halten, wurde er uns als unsere Gerechtigkeit angeboten.

 

2. Korinther 5,21

"Den, der Sünde nicht kannte [Jesus], hat er [Gott] für uns zur Sünde gemacht, damit wir Gottes Gerechtigkeit würden in ihm"

 

Sacharja 9,9

"Juble laut, Tochter Zion, jauchze, Tochter Jerusalem! Siehe, dein König kommt zu dir: Gerecht und siegreich ist er, demütig und auf einem Esel reitend, und zwar auf einem Fohlen, einem Jungen der Eselin"

 

Hebräer 1,8-9

"8 von dem Sohn aber: "Dein Thron, Gott, ist von Ewigkeit zu Ewigkeit, und das Zepter der Aufrichtigkeit ist Zepter deines Reiches; 9 du [Jesus] hast Gerechtigkeit geliebt und Gesetzlosigkeit gehasst; darum hat dich, Gott, dein Gott gesalbt mit Freudenöl vor deinen Gefährten"

 

Der Spross - König der Gerechtigkeit und des Friedens

Der Titel "Spross" betont das Königtum des Herrn Jesus Christus. Er ist der "Spross", die Wurzel Davids und der Erbe des Throns, der Träger der Verheißungen an David (2Sam 7; Lk 1,31-33).

 

Wie David ein Königtum des Friedens begründete, so wird der neue und größere David (Hes 34,23-25; Sach 12,7-12) trotz des Vergleichs mit einem zarten Spross (Jes 53,2) ein unvergleichlich größeres Königreich errichten.

 

Jesus Christus ist der Eine, der größer ist als König David und der schließlich die Verheißung des Bundes mit David erfüllen wird, indem Er im tausendjährigen Reich auf dem Thron Davids sitzt und herrscht. So wie König David ein König der Gerechtigkeit war (2Sam 8,15; 1Chr 18,14), so ist der Spross aus der Wurzel Davids ein König der Gerechtigkeit und des Friedens.

 

Hebräer 7,1-2

"1 Denn dieser Melchisedek, König von Salem, Priester Gottes, des Höchsten, - der Abraham entgegenging und ihn segnete, als er von der Niederwerfung der Könige zurückkehrte 2 dem auch Abraham den Zehnten von allem zuteilte - heißt übersetzt zunächst König der Gerechtigkeit, dann aber auch König von Salem, das ist König des Friedens"

 

Hebräer 7,3 sagt: "ohne Vater, ohne Mutter, ohne Geschlechtsregister, hat er weder Anfang der Tage noch Ende des Lebens, er gleicht dem Sohn Gottes und bleibt Priester für immer."

 

Der Name "Melchisedek" (Melchi für König, und Zedek für Gerechtigkeit), bedeutet "König der Gerechtigkeit". 

 

"König von Salem" bedeutet "König des Friedens". "Salem" ist dasselbe wie "Schalom" und bedeutet Frieden. Dieses Wort taucht auch in "Jerusalem" wieder auf und heißt daher "Stadt des Friedens".

 

Es ist wirklich schwierig zu sehen, wie jemand anderer als Jesus Christus selbst für die Beschreibung von Melchisedek in Frage kommen könnte. Kein irdischer König "bleibt Priester in Ewigkeit" und kein menschliches Wesen ist "ohne Vater und Mutter".

 

Der HERR der Herrlichkeit - König und Priester

In Kapitel 7 des Hebräerbriefes wird beschrieben, dass das Hohepriestertum Jesu über das levitische Priestertum erhaben ist. In der Ordnung Melchisedeks vereinen sich Königtum und Priestertum.

 

Ein levitischer Priester konnte niemals König werden und auf einem Thron sitzen. Doch Christus wird in sich die Ämter eines Priesters und eines Königs vereinen und erfüllte durch seinen Dienst beide Rollen, als König (Joh 12,13-15; 1Tim 6,13-16) und als Priester (Hebr 4,14; Hebr 7).

 

1. Mose 14,18

"Und Melchisedek, König von Salem, brachte Brot und Wein heraus; und er war Priester Gottes, des Höchsten"

 

Der messianische "Spross" wird herrlich geschmückt sein und bezieht sich auf Christus als den Träger der Herrlichkeit Gottes (vgl. Jes 4,2; Joh 1,14). Christus wird als Priester (Hebr 4,15; 5,6; 7,11-21) sitzen und herrschen auf seinem Thron (Jes 9,6; Jer 23,5; Mi 4,3.7; Zef 3,15; Sach 14,9).

 

Psalm 24,7-10

"7 Erhebt, ihr Tore, eure Häupter, und erhebt euch, ihr ewigen Pforten, dass der König der Herrlichkeit einziehe! 8 Wer ist dieser König der Herrlichkeit? Der HERR, stark und mächtig! Der HERR, mächtig im Kampf! 9 Erhebt, ihr Tore, eure Häupter, und erhebt euch, ihr ewigen Pforten, dass der König der Herrlichkeit einziehe! 10 Wer ist er, dieser König der Herrlichkeit? Der HERR der Heerscharen, er ist der König der Herrlichkeit!"

 

1. Korinther 2,7-8

"7 sondern wir reden Gottes Weisheit in einem Geheimnis, die verborgene, die Gott vorherbestimmt hat, vor den Zeitaltern, zu unserer Herrlichkeit. 8 Keiner von den Fürsten dieses Zeitalters hat sie erkannt - denn wenn sie sie erkannt hätten, so würden sie wohl den HERRN DER HERRLICHKEIT nicht gekreuzigt haben"

 

Jakobus 2,1

"Meine Brüder, habt den Glauben Jesu Christi, unseres HERRN DER HERRLICHKEIT, ohne Ansehen der Person!"

 

Dies alles zeigt die Vorbereitung im Alten Testament für die Wahrheit, dass Christus unser Hohepriester (Hebr 4,14; 7,24; 9,11) und unser König ist (Mt 22,41-46; Hebr 1,8).

 

Seine Ruhestätte ist voller Herrlichkeit. Nachdem Jesus Seine irdische Aufgabe und Seinen Dienst hier beendet hatte, kehrte Er zu Seinem Platz in der Herrlichkeit beim Vater zurück. Seither ist Er zu einem "Banner" für alle Menschen in der ganzen Welt geworden, die zu Ihm schauen. Viele haben sich zu Ihm versammelt, Ihn als ihren Herrn und Erlöser angenommen und sind Seine Jünger geworden.


Quellen:

  • Derek Prince - Das Wesen Gottes entdecken
  • Derek Prince - Jesus - Das letzte Wort Gottes
  • Derek Prince - Biblische Prophetie und der Nahe Osten
  • christozentrisch.net/2009/12/25/der-spross-davids/
  • die-bibel.de/lightbox/basisbibel/sachwort/sachwort/anzeigen/details/wurzel-isai/
  • Roger Liebi - Der verheißene Erlöser - Eine messianische Prophetie
  • David H. Stern - Kommentar zum Jüdischen Neuen Testament
  • bibelkommentare.de
  • Ulrich Laepple - Biblisches Wörterbuch
  • Henry Gariepy - 100x Jesus Christus - Die Namen Jesu Christi im Alten und Neuen Testament
  • John A. Witmer - Immanuel - Wahrer Mensch und wahrer Gott
  • Dieter Boddenberg - Einzigartig - Unvergleichlich - Namen und Titel Jesu Christi
  • eigene Anmerkungen

 

Gottes Segen Euch allen!

 

1. Thessalonicher 5,23

"Er selbst aber, der Gott des Friedens, heilige euch völlig; und  vollständig möge euer Geist und Seele und Leib untadelig bewahrt werden bei der Ankunft unseres Herrn Jesus Christus!"

 

Amen