Matthäus 18,18
„18 Wahrlich, ich sage euch: Was ihr auf Erden binden werdet, das wird im Himmel gebunden sein, und was ihr auf Erden lösen werdet, das wird im Himmel gelöst sein.“
Mit „binden und lösen“ meint Jesus die Vollmacht seiner Jünger und seiner Gemeinde, auf der Grundlage seines Wortes geistlich verbindliche Entscheidungen zu treffen und im Gebet in seiner Autorität zu handeln. Diese Vollmacht bedeutet nicht, dass Menschen den Himmel nach eigenem Willen steuern, sondern dass sie auf der Erde aussprechen und anwenden, was vor Gott gilt. Der Zusammenhang von Matthäus 18 zeigt besonders Gemeindeordnung, Zurechtweisung, Vergebung, Gebet und geistliche Übereinstimmung. Alles steht unter Christus, seinem Wort und der Leitung des Heiligen Geistes.
Die biblische Grundlage
Die zentrale Stelle steht in Matthäus 18,18: „Wahrlich, ich sage euch: Was ihr auf Erden binden werdet, das wird im Himmel gebunden sein, und was ihr auf Erden lösen werdet, das wird im Himmel gelöst sein“.
Eine ähnliche Aussage finden wir in Matthäus 16,19, wo Jesus zu Petrus von den „Schlüsseln des Reiches der Himmel“ spricht. In Matthäus 18 richtet Jesus diese Aussage jedoch im Zusammenhang an seine Jünger und verbindet sie mit dem Umgang der Gemeinde mit Sünde, Zurechtweisung und geistlicher Verantwortung. Direkt danach spricht Jesus vom gemeinsamen Gebet: „Wenn zwei von euch auf Erden übereinkommen über irgendeine Sache, für die sie bitten wollen, so soll sie ihnen zuteilwerden von meinem Vater im Himmel“ (Mt 18,19).
„Binden“ und „lösen“ meint deshalb nicht eine magische Formel, sondern geistliche Autorität unter der Herrschaft Jesu. Die Gemeinde darf nicht nach menschlicher Willkür entscheiden, sondern muss auf der Grundlage von Gottes Wort handeln. Wenn sie in Gehorsam gegenüber Christus handelt, stimmt ihr Handeln auf der Erde mit dem überein, was im Himmel gilt.
Einordnung in den biblischen Zusammenhang
In Matthäus 18 spricht Jesus zu seinen Jüngern über Demut, Ärgernis, verlorene Schafe, den Umgang mit einem sündigenden Bruder und die Verantwortung der Gemeinde. Die Aussage über das Binden und Lösen steht also nicht isoliert da. Sie steht in einem Abschnitt, in dem es um geistliche Ordnung, Wiederherstellung, Zurechtweisung und Gemeinschaft geht.
Wenn ein Bruder sündigt, soll er zuerst persönlich angesprochen werden. Hört er nicht, sollen ein oder zwei Zeugen hinzugezogen werden. Hört er auch dann nicht, soll die Gemeinde einbezogen werden (Mt 18,15-17). Erst danach folgt die Aussage über Binden und Lösen. Das zeigt: Jesus gibt seiner Gemeinde Autorität, aber diese Autorität ist an geistliche Ordnung gebunden. Sie soll nicht vorschnell, hart oder eigenmächtig handeln, sondern mit dem Ziel, den Bruder zu gewinnen.
Gleichzeitig hat diese Vollmacht auch eine Gebetsdimension. Jesus verbindet das Binden und Lösen direkt mit dem übereinstimmenden Gebet und mit seiner Gegenwart: „Denn wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich in ihrer Mitte“ (Mt 18,20). Entscheidend ist nicht die Anzahl der Menschen, sondern dass sie in seinem Namen, in seinem Sinn und unter seiner Autorität zusammenkommen.
Im weiteren biblischen Zusammenhang sehen wir außerdem, dass Christus über alle Mächte der Finsternis steht. Er hat am Kreuz die feindlichen Mächte entwaffnet und öffentlich zur Schau gestellt (Kol 2,15). Darum darf die Gemeinde Jesu nicht passiv vor der Finsternis zurückweichen. Sie steht unter der Autorität des auferstandenen Herrn. Doch auch hier gilt: Geistliche Autorität ist keine eigenmächtige Machtausübung. Sie gründet nicht in Lautstärke, Formeln oder menschlichem Druck, sondern im vollbrachten Werk Jesu, im Wort Gottes, im Glauben, in Reinheit und in der Unterordnung unter Christus.
Matthäus 12,29 zeigt ergänzend, dass Jesus vom „Binden des Starken“ spricht. Dort geht es darum, dass das Reich Gottes stärker ist als die Macht Satans. Diese Stelle kann helfen, den geistlichen Kampf zu verstehen. Trotzdem darf Matthäus 18,18 nicht nur auf Dämonenbindung reduziert werden. Der unmittelbare Zusammenhang spricht zuerst von Gemeindeordnung, Sünde, Vergebung, Gebet und der Autorität der Gemeinde unter Christus.
Häufiges Missverständnis
Ein häufiges Missverständnis lautet: „Binden und lösen bedeutet, dass Christen alles aussprechen können und der Himmel es dann ausführen muss.“ Das ist nicht biblisch. Der Himmel bestätigt nicht menschliche Eigenmächtigkeit, sondern Gottes Willen.
Jesus gibt seiner Gemeinde echte Autorität, aber keine Unabhängigkeit von ihm. Wer bindet und löst, muss selbst unter der Autorität Christi stehen. Darum gehören Gehorsam, Übereinstimmung mit dem Wort Gottes, intakte Beziehungen, Demut und geistliche Nüchternheit zusammen. Wo Christen aus Stolz, Bitterkeit, Kontrolle oder geistlicher Überheblichkeit handeln, vertreten sie nicht automatisch den Himmel.
Ein zweites Missverständnis ist, „Binden und Lösen“ nur als geistliche Kampfformel gegen Dämonen zu verstehen. Geistlicher Kampf ist real, und Christus hat seiner Gemeinde Autorität gegeben. Aber Matthäus 18 spricht zuerst von der geistlichen Verantwortung der Gemeinde im Umgang mit Sünde, Wiederherstellung und gemeinsamer Entscheidung vor Gott. Wer diesen Zusammenhang überspringt, macht aus einem ernsten Wort Jesu leicht eine Technik.
Die Bedeutung für uns
Für Christen bedeutet diese Aussage zuerst: Wir sind nicht ohne Autorität. Jesus hat seiner Gemeinde Verantwortung gegeben. Sie darf beten, entscheiden, zurechtweisen, vergeben, wiederherstellen und geistlich handeln, aber immer in seinem Namen und nach seinem Wort.
Das fordert uns heraus, geistliche Autorität nicht passiv zu vernachlässigen, aber auch nicht fleischlich zu missbrauchen. Die Gemeinde Jesu soll nicht bloß reagieren, sondern im Glauben handeln. Zugleich muss sie wissen, dass echte Autorität nur dort gesund ausgeübt wird, wo Menschen Christus untergeordnet sind. Wer in Jesu Namen handelt, muss auch nach Jesu Wesen handeln: in Wahrheit, Liebe, Heiligkeit, Demut und geistlicher Klarheit.
Gerade im Gebet ist diese Wahrheit wichtig. Gott ruft seine Gemeinde nicht nur zum Bitten, sondern auch zum verantwortlichen Handeln in Übereinstimmung mit seinem Willen. Wo Gläubige miteinander im Frieden stehen, sich unter Gottes Wort beugen und im Namen Jesu beten, dürfen sie mit seiner Gegenwart und seinem Eingreifen rechnen.
Kurz zusammengefasst
„Binden und lösen“ bedeutet geistliche Autorität unter der Herrschaft Jesu. Die Gemeinde darf auf der Grundlage von Gottes Wort handeln und beten, aber nicht eigenmächtig, sondern in Übereinstimmung mit dem Willen Gottes.
Weiterführende Bibelstellen
Mt 16,19; 18,15-20; 12,28-29; Joh 20,21-23; Apg 1,8; 16,18; 2Kor 10,3-5; Eph 1,20-23; 6,10-18; Kol 2,13-15; Jak 4,7; 1Petr 5,8-9; 1Joh 3,8
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Gottes Segen Euch allen!
1. Thessalonicher 5,23
„Er selbst aber, der Gott des Friedens, heilige euch völlig; und vollständig möge euer Geist und Seele und Leib untadelig bewahrt werden bei der Ankunft unseres Herrn Jesus Christus!“
Amen und Amen
