1. Johannes 2,27
„Und ihr – die Salbung, die ihr von ihm empfangen habt, bleibt in euch, und ihr bedürft nicht, dass euch jemand belehrt; sondern wie euch seine Salbung über alles belehrt, so ist es wahr und keine Lüge, und wie sie euch belehrt hat, so werdet ihr in ihm bleiben.“
Die Salbung des Heiligen Geistes ist Gottes Akt der Aussonderung, Heiligung und Bevollmächtigung für seinen Willen. Im Neuen Testament haben alle wiedergeborenen Gläubigen eine bleibende Salbung vom Heiligen Geist, durch die sie zu Christus gehören, in der Wahrheit bleiben und geistlich unterscheiden können. Davon zu unterscheiden sind besondere Ausrüstungen, Gaben und Kraftwirkungen des Heiligen Geistes für bestimmte Dienste und Aufgaben. Salbung ist weder bloß ein Gefühl noch eine religiöse Technik, sondern das persönliche Wirken des Heiligen Geistes.
Die biblische Grundlage
Im Alten Testament wurden Menschen und Gegenstände mit Öl gesalbt, wenn sie für Gott ausgesondert und seinem Dienst geweiht wurden. Aaron und seine Söhne wurden gesalbt, damit sie Gott als Priester dienten (2Mo 30,30). Auch Könige wurden gesalbt. Als Samuel David salbte, kam der Geist des HERRN von diesem Tag an über ihn (1Sam 16,13). Ebenso konnten Propheten für ihren Auftrag gesalbt werden, und auch die Stiftshütte sowie ihre Geräte wurden durch Salbung für Gott geheiligt (1Kön 19,16; 2Mo 40,9-10).
Das Öl war dabei nicht selbst die Kraftquelle. Es war ein sichtbares Zeichen dafür, dass Gott jemanden oder etwas für sich beanspruchte und für einen bestimmten Zweck aussonderte. Die eigentliche Bevollmächtigung kam von Gott.
Die zentrale Erfüllung dieses biblischen Bildes finden wir in Jesus Christus. „Christus“ bedeutet „der Gesalbte“. Jesus las in der Synagoge aus Jesaja vor: „Der Geist des Herrn ist auf mir, weil er mich gesalbt hat, den Armen frohe Botschaft zu verkünden“ (Lk 4,18). Anschließend erklärte er: „Heute ist diese Schrift erfüllt vor euren Ohren!“ (Lk 4,21).
Apostelgeschichte 10,38 fasst die Salbung Jesu zusammen: Gott hatte Jesus von Nazareth „mit Heiligem Geist und Kraft gesalbt“. Seine Salbung war die Bevollmächtigung durch den Heiligen Geist für seinen öffentlichen Dienst. Er verkündigte das Reich Gottes, heilte Kranke, befreite Gebundene und tat den Willen des Vaters in der Kraft des Geistes.
Auch die Gläubigen werden im Neuen Testament als gesalbt bezeichnet. Johannes schreibt: „Und ihr habt die Salbung von dem Heiligen und wisst alles“ (1Joh 2,20). Diese Salbung bleibt in den Gläubigen und lehrt sie, in Christus zu bleiben (1Joh 2,27). Paulus erklärt ebenfalls, dass Gott die Gläubigen in Christus befestigt, gesalbt, versiegelt und ihnen den Geist als Unterpfand gegeben hat (2Kor 1,21-22).
Einordnung in den biblischen Zusammenhang
Die Salbung des Heiligen Geistes muss in mehreren biblischen Zusammenhängen verstanden werden. Im Alten Testament war die Salbung mit Öl ein sichtbarer Akt der Absonderung und Einsetzung. Priester, Könige und Propheten wurden für eine bestimmte Aufgabe geweiht. Bei David wurde deutlich, dass die äußere Salbung mit dem Wirken des Geistes Gottes verbunden war.
In Jesus Christus erreicht die Salbung ihre volle Bedeutung. Er ist der verheißene Messias und Gesalbte Gottes. Seine Salbung war keine bloße Zeremonie. Der Heilige Geist kam bei seiner Taufe sichtbar auf ihn herab, und danach begann Jesus seinen öffentlichen Dienst in der Kraft des Geistes (Lk 3,21-22; 4,14). Obwohl Jesus der Sohn Gottes ist, führte er seinen Dienst nicht aus menschlicher Kraft, sondern in vollkommener Abhängigkeit vom Vater und vom Heiligen Geist.
Bei den Gläubigen spricht das Neue Testament zunächst von einer bleibenden Salbung. Wer zu Christus gehört, hat den Heiligen Geist empfangen. Diese Salbung ist eng mit der Zugehörigkeit zu Christus, der Versiegelung durch den Geist und dem Bleiben in der Wahrheit verbunden (2Kor 1,21-22; 1Joh 2,20.27). Johannes schreibt im Zusammenhang mit falscher Lehre und Verführung. Wenn er sagt, dass die Salbung die Gläubigen lehrt, meint er nicht, dass Christen keine Lehrer oder keine biblische Unterweisung mehr brauchen. Das Neue Testament kennt ausdrücklich Lehrer in der Gemeinde. Gemeint ist, dass der Heilige Geist den Gläubigen befähigt, die Wahrheit über Christus zu erkennen, Irrlehre zu prüfen und im Sohn zu bleiben.
Von dieser bleibenden Salbung sind besondere Bevollmächtigungen für bestimmte Aufgaben zu unterscheiden. Der Heilige Geist teilt Gaben aus, „wie er will“ (1Kor 12,11). Er kann Menschen für Verkündigung, Lehre, Leitung, Heilung, Prophetie, Evangelisation und andere Dienste ausrüsten. Diese Befähigungen sind nicht Eigentum des Menschen. Sie bleiben Gaben Gottes und stehen unter der Leitung des Heiligen Geistes.
Auch die fortlaufende Erfüllung mit dem Heiligen Geist ist von der bleibenden Salbung zu unterscheiden. Die Gläubigen haben die Salbung vom Heiligen Geist, werden aber zugleich aufgefordert, beständig mit dem Geist erfüllt zu werden (Eph 5,18). Die bleibende Salbung beschreibt die Zugehörigkeit zu Christus und das Innewohnen des Geistes. Die fortlaufende Erfüllung beschreibt, dass der Heilige Geist Denken, Reden, Charakter und Dienst immer stärker bestimmen soll.
Häufiges Missverständnis
Ein häufiges Missverständnis besteht darin, Salbung als besondere Atmosphäre, körperliches Gefühl oder geistliche Energie zu verstehen. Gefühle können das Wirken des Heiligen Geistes begleiten, aber sie sind nicht die Salbung selbst. Der Heilige Geist ist keine unpersönliche Kraft, die ein Mensch einsetzen oder kontrollieren könnte. Er ist eine göttliche Person, die nach Gottes Willen handelt.
Ein weiteres Missverständnis lautet, nur besonders begabte Prediger, Propheten oder Leiter seien gesalbt. Das Neue Testament sagt jedoch, dass alle Gläubigen eine Salbung von dem Heiligen haben (1Joh 2,20.27). Es gibt unterschiedliche Gaben, Aufgaben und Bevollmächtigungen, aber die grundlegende Salbung durch den Heiligen Geist gehört allen, die in Christus sind.
Ebenso falsch ist die Vorstellung, eine starke Begabung oder ein sichtbarer Dienst beweise automatisch geistliche Reife. Salbung ist kein Statussymbol und keine Rechtfertigung für Stolz, Unordnung oder fehlende Rechenschaft. Das Wirken des Heiligen Geistes führt zu Christus, stimmt mit dem Wort Gottes überein und bringt Demut, Wahrheit, Liebe, Gehorsam und Dienstbereitschaft hervor.
Auch die Salbung mit Öl nach Jakobus 5,14 darf nicht magisch verstanden werden. Das Öl besitzt keine eigene Heilkraft. Es ist ein sichtbares Zeichen des Gehorsams und der Hingabe an Gott. Die Ältesten beten im Namen des Herrn, und die Hilfe kommt von Gott.
Die Bedeutung für uns
Für Christen bedeutet die Salbung zuerst, dass sie Gott gehören. Wer in Christus ist, ist durch den Heiligen Geist versiegelt und für Gott ausgesondert. Daraus folgt eine Verantwortung: Das eigene Leben soll nicht mehr von Selbstbestimmung, Stolz oder menschlicher Kraft geprägt sein, sondern vom Heiligen Geist.
Salbung zeigt sich deshalb nicht hauptsächlich darin, wie eindrucksvoll ein Mensch wirkt. Entscheidend ist, ob sein Leben Jesus verherrlicht, dem Wort Gottes gehorcht und anderen dient. Echte Salbung macht nicht den Menschen groß, sondern weist auf Christus hin.
Christen dürfen zugleich um die fortlaufende Erfüllung und Bevollmächtigung durch den Heiligen Geist bitten. Es geht dabei nicht darum, eine grundlegende Salbung zu suchen, als hätte Gott seinen Geist noch nicht gegeben. Es geht darum, sich Gott bewusst zur Verfügung zu stellen, damit der Heilige Geist das Leben, die Gaben und den Dienst wirksam gebrauchen kann.
Ein schlichtes Gebet kann lauten:
„HERR, ich stelle mich dir zur Verfügung. Erfülle mich mit deinem Heiligen Geist. Reinige meine Motive, mache mich gehorsam und schenke mir die Kraft für das, wozu du mich berufen hast. Gebrauche mein Leben zur Ehre Jesu Christi. Amen.“
Dabei bleibt der Mensch Diener und wird niemals Besitzer der Kraft Gottes. Der Heilige Geist teilt aus, wie er will. Wer in seiner Salbung leben möchte, soll in Hingabe, Gehorsam, Demut und bewusster Gemeinschaft mit Gott wachsen.
Kurz zusammengefasst
Die Salbung des Heiligen Geistes ist Gottes Absonderung, Heiligung und Bevollmächtigung für sein Werk. Alle Gläubigen haben eine bleibende Salbung vom Heiligen Geist; besondere Gaben und Kraftwirkungen werden darüber hinaus nach dem Willen des Geistes für konkrete Aufgaben gegeben.
Weiterführende Bibelstellen
2Mo 29,36; 30,22-30; 40,9-10; 1Sam 10,1; 16,13; 1Kön 19,16; Jes 61,1-3; Sach 4,6; Lk 3,21-22; 4,14; 4,18-21; Apg 1,8; 10,38; 1Kor 12,4-11; 2Kor 1,21-22; Eph 1,13-14; 5,18; Jak 5,14-16; 1Joh 2,20; 2,26-27
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Gottes Segen Euch allen!
1. Thessalonicher 5,23
„Er selbst aber, der Gott des Friedens, heilige euch völlig; und vollständig möge euer Geist und Seele und Leib untadelig bewahrt werden bei der Ankunft unseres Herrn Jesus Christus!“
Amen und Amen
