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Was ist Gesetz und Gnade

 

Johannes 1,17

Denn das Gesetz wurde durch Mose gegeben; die Gnade und die Wahrheit ist durch Jesus Christus geworden.


Inhalt

■ Das Gesetz Moses ist ein ganzes, vollständiges System

■ Jede Person unter dem Gesetz ist verpflichtet, die Gesetzesordnung in ihrer Gesamtheit einzuhalten

■ Das Gesetz war nur für Israel

■ Christen stehen nicht unter dem Gesetz des Mose

■ Christus hat die Schuldschrift ausgelöscht

■ Das Gesetz ist nicht für die Gerechten gemacht

■ Gottes Kinder stehen nicht unter dem Gesetz

■ Gottes Gesetz ist auf Liebe gegründet


Im vorherigen Beitrag "Glauben und Werke" kamen wir zu folgendem Schluss: Nach dem Neuen Testament wird die Errettung allein durch den Glauben empfangen – den Glauben an das vollbrachte Sühneopfer Christi – ohne irgendwelche menschlichen Werke. Aber dieser Glaube führt danach immer zu entsprechenden Werken – zu Handlungen, die dem bekundeten Glauben entsprechen. Ein Glaube, der diese entsprechenden Werke nicht hervorbringt, ist ein bloßes leeres Bekenntnis – ein toter Glaube –, der nicht in der Lage ist, eine wirkliche Erfahrung des Heils zu bringen.

 

Das Gesetz Moses ist ein ganzes, vollständiges System

Wie ist die Beziehung zwischen dem Glauben an Christus und den Anforderungen des mosaischen Gesetzes?

 

Diese Schlussfolgerung führt uns natürlich zu einer weiteren Frage. Nach welchen Werken sollten wir im Leben eines jeden bekennenden Christen Ausschau halten? Genauer gesagt, wie ist die Beziehung zwischen dem Glauben an Christus und den Anforderungen des mosaischen Gesetzes?

 

Die Antwort des Neuen Testaments ist klar und konsequent: Sobald eine Person Christus zur Errettung vertraut hat, hängt ihre Gerechtigkeit nicht mehr von der Einhaltung des mosaischen Gesetzes ab, weder ganz noch teilweise.

Dies ist ein Thema, welches unter Christen für viel Verwirrung sorgt. Um die Verwirrung zu klären, müssen wir zunächst einige grundlegende Tatsachen über das Gesetz erkennen.

 

Die erste große Tatsache ist, dass das Gesetz vollständig, ein für alle Mal, durch Mose gegeben wurde. „Denn das Gesetz wurde durch Mose gegeben; die Gnade und die Wahrheit ist durch Jesus Christus geworden.“ (Joh 1,17)

 

Beachte die Formulierung „das Gesetz wurde durch Mose gegeben“. Nicht „einige Gesetze“ oder „ein Teil des Gesetzes“, sondern das Gesetz – das ganze Gesetz, vollständig und in einem einzigen System – wurde zu einem bestimmten Zeitpunkt in der Geschichte und durch die menschliche Vermittlung eines einzigen Mannes gegeben, und dieser Mann war Mose. Überall in der Schrift, wenn nicht ein spezieller bedeutender Satz hinzugefügt wird, um die Bedeutung zu modifizieren oder zu verändern, bezeichnet der Ausdruck „das Gesetz“ das vollständige System des Gesetzes, das von Gott durch Mose gegeben wurde. Eine Bestätigung dafür findet sich im Römerbrief. „Denn schon vor dem Gesetz war die Sünde in der Welt; wo aber kein Gesetz ist, da wird die Sünde nicht in Rechnung gestellt. Dennoch herrschte der Tod von Adam bis Mose auch über die, welche nicht mit einer gleichartigen Übertretung gesündigt hatten wie Adam, der ein Vorbild dessen ist, der kommen sollte.“ (Röm 5,13-14).

 

Beachte die beiden Sätze, die eine bestimmte Zeitspanne angeben: „bis zum Gesetz“ und „von Adam bis Mose“. Als Gott Adam erschuf und ihn in den Garten setzte, gab er ihm nicht ein komplettes System von Gesetzen, sondern ein einziges verneinendes Gebot. „Von der Frucht des Baumes, der in der Mitte des Gartens ist..: Esst nicht“ (1Mo 3,3). Als Adam dieses Gebot übertrat, kam die Sünde in das Menschengeschlecht und kam über Adam und alle seine Nachkommen von da an. Der Beweis dafür, dass die Sünde von der Zeit Adams an über alle Menschen kam, ist die Tatsache, dass alle Menschen dem Tod unterworfen wurden, was die Folge der Sünde ist.

 

Vor der Zeit Mose und den Ereignissen, die in den Büchern Mose beschrieben werden, gab es kein göttliches Gesetzessystem, das der menschlichen Rasse gegeben wurde. Außerdem wurde nach dem Ende dieser Periode diesem Gesetzessystem nichts mehr hinzugefügt. Dass das Gesetz auf diese Weise ein für alle Mal und vollständig gegeben wurde, wird durch die Worte des Mose deutlich gemacht.

 

Und nun, Israel, höre auf die Satzungen und auf die Rechtsbestimmungen, die ich euch zu tun lehre, damit ihr lebt und hineinkommt und das Land in Besitz nehmt, das euch der HERR, der Gott eurer Väter, gibt. Ihr sollt nichts hinzufügen zu dem Wort, das ich euch gebiete, und sollt auch nichts davon wegnehmen, damit ihr die Gebote des HERRN, eures Gottes, haltet, die ich euch gebiete.“ (5Mo 4,1-2).

 

Diese Worte zeigen, dass das System des Gesetzes, das Gott Israel durch Mose gab, vollständig und endgültig war. Danach sollte ihm nichts mehr hinzugefügt und nichts mehr weggenommen werden.

 

Jede Person unter dem Gesetz ist verpflichtet, die Gesetzesordnung in ihrer Gesamtheit einzuhalten

Bisher haben wir in unserer Studie über Gesetz und Gnade eine von drei grundlegenden Fakten herausgearbeitet. Wir haben gesehen, dass das Gesetz Israel als ein vollständiges System von Gott durch Mose gegeben wurde.

 

Das führt uns natürlich zu der nächsten großen Gegebenheit, die in Bezug auf das Halten des Gesetzes klar festgestellt werden muss:

 

Das bringt uns automatisch zu der nächsten wichtigen Tatsache, die in Bezug auf das Halten des Gesetzes klar festgestellt werden muss: Jeder, der unter das Gesetz kommt, ist verpflichtet, das GANZE Gesetz zu halten, und zwar ZU JEDER ZEIT. Es kann keine Rede davon sein, dass man bestimmte Teile des Gesetzes beachtet und andere außer acht lässt. Genauso wenig lässt es sich vertreten, dass man das Gesetz einmal hält und ein andermal wieder nicht. Jeder Mensch – wir betonen es noch einmal –, der unter das Gesetz kommt, ist bedingungslos verpflichtet, DAS GANZE GESETZ ZU JEDER ZEIT zu halten. Jakobus macht das ganz deutlich:

 

Jakobus 2,10-11

Denn wer das ganze Gesetz hält, sich aber in einem verfehlt, der ist in allem schuldig geworden. Denn der, welcher gesagt hat: »Du sollst nicht ehebrechen!«, hat auch gesagt: »Du sollst nicht töten!« Wenn du nun zwar nicht die Ehe brichst, aber tötest, so bist du ein Übertreter des Gesetzes geworden.

 

Das ist sowohl klar als auch logisch. Eine Person kann nicht sagen: „Ich halte bestimmte Teile des Gesetzes für wichtig, also werde ich diese einhalten; aber ich halte bestimmte andere Teile des Gesetzes für unwichtig, also werde ich diese nicht einhalten.“ Jeder Mensch, der unter dem Gesetz steht, muss zu jeder Zeit alle Anforderungen des Gesetzes erfüllen. Wenn er nur einen Teil bricht, hat er das ganze Gesetz gebrochen.

 

Das Gesetz ist ein einziges, vollständiges System, das nicht in einzelne Teile aufgeteilt werden kann, die angewendet werden, und andere, die nicht angewendet werden. Als Mittel zur Gerechtigkeit muss das ganze Gesetz als ein einziges System akzeptiert und angewendet werden, vollständig und ganz, sonst ist es von keinerlei Nutzen oder Gültigkeit. „Denn alle, die aus Werken des Gesetzes sind, die sind unter dem Fluch; denn es steht geschrieben: »Verflucht ist jeder, der nicht bleibt in allem, was im Buch des Gesetzes geschrieben steht, um es zu tun«.“ (Gal 3,10)

 

Beachte die Formulierung „bleibt in allem“. Das bedeutet, dass eine Person, die unter dem Gesetz steht, das ganze Gesetz ZU JEDER ZEIT einhalten muss. Eine Person, die zu irgendeiner Zeit irgendeinen Punkt des Gesetzes bricht, hat das ganze Gesetz übertreten und ist damit unter den göttlichen Fluch gekommen, der über alle Übertreter des Gesetzes ausgesprochen wurde.

 

Das Gesetz war nur für Israel

Nun kommen wir zum dritten wichtigen Punkt, der im Zusammenhang mit dem Gesetz erkannt werden muss, und hier geht es um eine echte historische Tatsache: Das von Mose gegebene Gesetzesystem wurde von Gott nur für einen kleinen Teil der menschlichen Rasse verordnet, und das war das Volk Israel nach seiner Befreiung aus der Knechtschaft Ägyptens.

 

Nirgendwo in der Bibel finden wir einen Hinweis darauf, dass es je Gottes Plan gewesen wäre, dass die Heiden – sei es ein ganzes Volk oder der einzelne Mensch – das Gesetz Mose beachten sollten, egal ob als Ganzes oder zum Teil. Die einzige Ausnahme dazu findet sich im Fall einiger einzelner Heiden, die sich freiwillig entschieden, sich Israel anzuschließen und sich damit allen rechtlichen und religiösen Verpflichtungen zu unterwerfen, die Gott Israel auferlegt hatte. Solche heidnischen Konvertiten zum Judentum werden im Neuen Testament “Proselyten“ genannt. Abgesehen von ihnen wurden die Verpflichtungen des Gesetzes von Gott niemals einem Heiden auferlegt.

 

So können wir kurz die drei wichtigen Fakten zusammenfassen, die wir erkennen müssen, bevor wir die Beziehung des christlichen Gläubigen zum Gesetz des Mose studieren:

 

1. Das Gesetz wurde ein für allemal, als ein einziges, vollständiges System, durch Mose gegeben; danach konnte ihm nichts mehr hinzugefügt oder weggenommen werden.

 

2. Das Gesetz muss immer in seiner Gesamtheit als ein einziges, vollständiges System betrachtet werden; einen Punkt des Gesetzes zu brechen, bedeutet, das ganze Gesetz zu brechen.

 

3. In der Menschheitsgeschichte wurde dieses Gesetzesystem von Gott niemals für Heiden, sondern nur für Israel bestimmt.

 

Christen stehen nicht unter dem Gesetz des Mose

Nachdem wir diese drei Tatsachen als Grundlage festgelegt haben, wollen wir im Detail untersuchen, was das Neue Testament über die Beziehung zwischen dem christlichen Gläubigen und dem Gesetz des Mose lehrt. Diese Frage wird in vielen verschiedenen Abschnitten des Neuen Testaments angesprochen, und in jedem Abschnitt wird dieselbe klare, eindeutige Wahrheit gelehrt. Die Gerechtigkeit des christlichen Gläubigen hängt nicht von der Einhaltung irgendeines Teils des Gesetzes ab. Schauen wir uns eine Reihe von Stellen im Neuen Testament an, die das deutlich machen. 

 

Zuallererst ist Römer 6,14 an die christlichen Gläubigen gerichtet:

Denn die Sünde wird nicht herrschen über euch, weil ihr nicht unter dem Gesetz seid, sondern unter der Gnade.

 

Dieser Vers offenbart zwei wichtige Wahrheiten:

 

Erstens: Gläubige an Christus stehen nicht unter dem Gesetz, sondern unter der Gnade. Das sind zwei Dinge, die sich gegenseitig ausschließen: Eine Person, die unter der Gnade steht, ist nicht unter dem Gesetz. Kein Mensch kann gleichzeitig unter dem Gesetz und der Gnade stehen.

 

Zweitens: Der eigentliche Grund, warum die Sünde keine Herrschaft über die Gläubigen hat, ist, dass sie nicht unter dem Gesetz stehen. Solange ein Mensch unter dem Gesetz steht, ist er auch unter der Herrschaft der Sünde. Um der Herrschaft der Sünde zu entkommen, muss eine Person von dem Gesetz befreit werden.

 

Der Stachel des Todes aber ist die Sünde, die Kraft der Sünde aber ist das Gesetz.“ (1Kor 15,56)

 

Das Gesetz stärkt tatsächlich die Herrschaft der Sünde über diejenigen, die unter dem Gesetz stehen. Je mehr sie sich bemühen, das Gesetz zu halten, desto bewusster wird ihnen die Macht der Sünde in ihrem Inneren, welche die Herrschaft über sie ausübt, sogar gegen ihren eigenen Willen, und jeden Versuch vereitelt, nach dem Gesetz zu leben. Der einzige Ausweg aus dieser Herrschaft der Sünde ist, aus dem Gesetz herauszukommen und unter die Gnade zu kommen.

 

Denn als wir im Fleisch waren, da wirkten in unseren Gliedern die Leidenschaften der Sünden, die durch das Gesetz sind, um dem Tod Frucht zu bringen. Jetzt aber sind wir vom Gesetz frei geworden, da wir dem gestorben sind, worin wir festgehalten wurden, sodass wir im neuen Wesen des Geistes dienen und nicht im alten Wesen des Buchstabens.“ (Röm 7, 5-6)

 

Hier sagt Paulus, dass diejenigen, die unter dem Gesetz sind, in ihrer fleischlichen Natur den Leidenschaften der Sünde unterworfen sind, die sie veranlassen, Frucht zum Tode zu bringen; dass wir aber als gläubige Christen „… vom Gesetz frei geworden...“ sind, dass wir Gott dienen sollen, nicht nach den Buchstaben (oder Worten) des Gesetzes, sondern in der Neuheit des geistlichen Lebens, das wir durch den Glauben an Christus empfangen.

 

Wiederum in Römer 10,4 sagt Paulus:

Denn Christus ist das Ende des Gesetzes zur Gerechtigkeit für jeden, der glaubt.

 

Sobald eine Person ihren Glauben zur Errettung in Christus legt, ist dies das Ende des Gesetzes für diese Person als Mittel zur Erlangung der Gerechtigkeit. Hier ist Paulus sehr präzise in dem, was er sagt. Er sagt nicht, dass es ein Ende des Gesetzes als Teil des Wortes Gottes gibt. Im Gegenteil, Gottes Wort „währt ewig“. Es gibt ein Ende des Gesetzes für den Gläubigen als Mittel, um Gerechtigkeit zu erlangen. Die Gerechtigkeit des Gläubigen kommt nicht mehr aus dem Halten des Gesetzes, weder ganz noch teilweise, sondern allein aus dem Glauben an Christus.

 

Christus hat die Schuldschrift ausgelöscht

Paulus stellt fest, dass das Gesetz als Mittel zur Gerechtigkeit mit dem Sühnetod Christi am Kreuz zu einem Ende gekommen ist:

 

Er hat auch euch, die ihr tot wart in den Übertretungen und dem unbeschnittenen Zustand eures Fleisches, mit ihm lebendig gemacht, indem er euch alle Übertretungen vergab; und er hat die gegen uns gerichtete Schuldschrift (Schuldschein = das Gesetz vgl. 2Mo 31,18) ausgelöscht, die durch Satzungen (Satzungen = Anforderungen des Gesetzes 613 Gebote vgl. Eph 2,15) uns entgegenstand, und hat sie aus dem Weg geschafft, indem er sie ans Kreuz heftete.“ (Kol 2,13-14).

 

Hier sagt Paulus, dass Gott durch den Tod Christi „die gegen uns gerichtete Schuldschrift ausgelöscht“ und „sie aus dem Weg geschafft“ hat. Paulus spricht hier nicht von der Auslöschung der Sünden, sondern von der Auslöschung der Vorschriften. Dieses Wort könnte besser mit „Verordnungen“ übersetzt werden.

 

Diese Verordnungen sind die Verordnungen des Gesetzes, die zwischen Gott und denen standen, die sie übertreten hatten, und deshalb mussten sie aus dem Weg geräumt werden, bevor Gott ihnen Barmherzigkeit und Vergebung schenken konnte. Das Wort Verordnungen bezeichnet hier das gesamte System des Gesetzes, das Gott durch Mose verordnet hatte, einschließlich jenes besonderen Teils des Gesetzes, den wir gewöhnlich die „Zehn Gebote“ nennen.

 

Dass dieses „Auslöschen“ die Zehn Gebote einschließt, wird von Paulus später im selben Kapitel bestätigt.

So richte euch nun niemand wegen Speise oder Trank oder betreffs eines Festes oder Neumondes oder Sabbats ...“ (Kol 2,16).

 

Das Wort „so“ am Anfang dieses Verses weist auf einen direkten Zusammenhang mit dem hin, was zwei Verse zuvor gesagt wurde, nämlich die Auslöschung der Vorschriften des Gesetzes durch den Tod von Christus.

 

Auch die Erwähnung des „Sabbat“ am Ende des Verses deutet darauf hin, dass die religiöse Beachtung des Sabbattages zu den Verordnungen gehörte, die ausgelöscht worden waren. Dennoch ist das Gebot, den Sabbattag zu halten, das vierte der Zehn Gebote. Das deutet darauf hin, dass die Zehn Gebote unter der Gesamtheit der Verordnungen des Gesetzes enthalten sind, die durch den Tod Christi ausgelöscht und aus dem Weg geräumt wurden.

 

Das Gesetz ist nicht für die Gerechten gemacht

Wir haben gesehen, dass die religiöse Einhaltung des Sabbattages zu den Verordnungen gehörte, die ausgelöscht worden waren. Das bestätigt, was wir festgestellt haben: Das Gesetz, einschließlich der Zehn Gebote, ist ein einziges, vollständiges System. Als ein Mittel, um Gerechtigkeit zu erlangen, wurde es als ein einziges, vollständiges System durch Mose eingeführt; und als ein einziges, vollständiges System wurde es durch Christus weggetan:

 

Denn Er [Christus] ist unser Friede, der aus beiden eins gemacht und die Scheidewand des Zaunes abgebrochen hat, indem er in seinem Fleisch die Feindschaft, das Gesetz der Gebote in Satzungen, hinwegtat, um die zwei in sich selbst zu einem neuen Menschen zu schaffen und Frieden zu stiften.“ (Eph 2,14-15)

 

Paulus sagt uns hier, dass Christus durch Seinen Sühnetod am Kreuz „das Gesetz der Gebote“ aufgehoben (d.h. unwirksam gemacht) hat; Er hat dadurch die große Grenze des mosaischen Gesetzes, die Juden und Heiden trennte, weggenommen und es Juden und Heiden gleichermaßen ermöglicht, durch den Glauben an Christus sowohl mit Gott als auch miteinander versöhnt zu werden.

 

Die Formulierung „das Gesetz der Gebote“ weist so deutlich wie möglich darauf hin, dass das gesamte Gesetz des Mose, einschließlich der Zehn Gebote, durch den Tod Christi am Kreuz als Mittel zur Gerechtigkeit wirkungslos geworden ist.

 

Im Timotheusbrief erörtert Paulus erneut das Verhältnis des christlichen Gläubigen zum Gesetz und kommt zu demselben Schluss:

 

1. Timotheus 1,8-10

Wir wissen aber, dass das Gesetz gut ist, wenn man es gesetzmäßig anwendet und berücksichtigt, dass einem Gerechten kein Gesetz auferlegt ist, sondern Gesetzlosen und Widerspenstigen, Gottlosen und Sündern, Unheiligen und Gemeinen, solchen, die Vater und Mutter misshandeln, Menschen töten, Unzüchtigen, Knabenschändern, Menschenräubern, Lügnern, Meineidigen und was sonst der gesunden Lehre widerspricht.

 

Hier definiert Paulus zwei Klassen von Personen: Auf der einen Seite gibt es den gerechten Menschen; auf der anderen Seite gibt es diejenigen, die sich der verschiedenen Sünden schuldig gemacht haben, die Paulus in seiner Liste aufzählt. Eine Person, die sich dieser Sünden schuldig gemacht hat, ist kein wahrer, gläubiger Christ; eine solche Person ist nicht durch den Glauben an Christus von der Sünde gerettet worden.

 

Eine Person, die Christus zur Errettung vertraut, ist nicht mehr schuldig an solchen Sünden; sie ist gerechtfertigt worden, sie ist gerecht gemacht worden – nicht mit ihrer eigenen Gerechtigkeit, sondern mit der Gerechtigkeit Gottes, die durch den Glauben an Jesus Christus allen zuteil geworden und auf allen ist, die glauben.

Paulus bekräftigt, dass das Gesetz für einen solchen Gerechten nicht gemacht ist; er steht nicht mehr unter der Herrschaft des Gesetzes.

 

Gottes Kinder stehen nicht unter dem Gesetz

In Römer 8 Vers 14, sagt Paulus folgendes:

Denn alle, die durch den Geist Gottes geleitet werden, die sind Söhne Gottes.

 

Die wahren, gläubigen Söhne Gottes sind diejenigen, die von Gottes Geist geleitet werden – das ist es, was sie als Söhne Gottes auszeichnet. Über solche Menschen sagt Paulus: „Wenn ihr aber vom Geist geleitet werdet, so seid ihr nicht unter dem Gesetz.“ (Gal 5,18)

 

Das, was die wahren, gläubigen Söhne Gottes auszeichnet – die Leitung durch Gottes Geist – bedeutet also auch, dass solche Menschen nicht unter dem Gesetz stehen.

 

Kurz gesagt: Der Beweis dafür, dass Sie ein wahres Kind Gottes durch den Glauben an Christus sind, ist, dass Sie vom Geist Gottes geleitet werden. Wenn Sie wiederum durch den Geist Gottes geleitet werden, sind Sie nicht unter dem Gesetz. Deshalb können Sie nicht gleichzeitig ein Kind Gottes und unter dem Gesetz sein.

 

Gottes Kinder sind nicht unter dem Gesetz. Wir können diesen Gegensatz zwischen dem Gesetz und dem Geist durch das Beispiel veranschaulichen, dass man versucht, den Weg zu einem bestimmten Ort mit zwei verschiedenen Mitteln zu finden: Das eine Mittel ist, eine Landkarte zu benutzen; das andere Mittel ist, einem persönlichen Reiseleiter zu folgen. Das Gesetz entspricht der Landkarte, der Heilige Geist entspricht einem Reiseleiter.

 

Unter dem Gesetz wird dem Menschen eine vollkommen genaue und detaillierte Karte gegeben, und ihm wird gesagt, dass, wenn er jedes Detail der Karte fehlerfrei befolgt, sie ihn auf dem Weg von der Erde zum Himmel führen wird. Keinem Menschen ist es jedoch jemals gelungen, der Karte fehlerfrei zu folgen. Das heißt, kein Mensch hat jemals den Weg von der Erde in den Himmel durch die fehlerfreie Einhaltung des Gesetzes geschafft.

 

Unter der Gnade bekennt sich ein Mensch zu Christus als Retter, und danach sendet Christus den Heiligen Geist zu diesem Menschen, um sein persönlicher Reiseführer zu sein. Der Heilige Geist, der vom Himmel gekommen ist, kennt den Weg dorthin bereits und braucht keine Landkarte. Der Gläubige an Christus, der vom Heiligen Geist geführt wird, braucht nur diesem persönlichen Wegweiser zu folgen, um den Himmel zu erreichen. Er muss sich nicht auf die Landkarte verlassen, die das Gesetz darstellt. Ein solcher Gläubiger kann sich einer Sache absolut sicher sein: Der Heilige Geist wird ihn niemals dazu verleiten, etwas zu tun, was Seiner eigenen heiligen Natur widerspricht.

 

Deshalb lehrt das Neue Testament, dass diejenigen, die unter der Gnade stehen, von Gottes Geist geleitet werden und nicht vom Gesetz abhängig sind.

 

Daraus schließen wir, dass Gott eigentlich nie von den Menschen erwartet hat, dass sie wahre Gerechtigkeit durch die Einhaltung des Gesetzes erreichen, weder ganz noch teilweise. Diese Schlussfolgerung wirft eine sehr interessante Frage auf: Wenn Gott nie erwartet hat, dass die Menschen durch die Einhaltung des Gesetzes Gerechtigkeit erlangen, warum wurde den Menschen dann jemals das Gesetz gegeben? 

 

Dieser Frage gehen wir im Beitrag "Der Zweck des Gesetzes" nach.

 

Gottes Gesetz ist auf Liebe gegründet

Jesus zeigt in Matthäus 5,17 seine Haltung gegenüber dem Gesetz. Jesus stellt nicht etwa ein „Gegengesetz“ zum mosaischen Gesetz und zu den Propheten auf, sondern demonstrierte, wie die wirkliche Erfüllung des Gesetzes aussah. Nämlich wie? Liebe! Liebe ist die Erfüllung des Gesetzes! Gottes Gesetze haben sich im Laufe der Menschheitsgeschichte nie verändert. Gottes Forderungen sind stets dieselben: Gott lieben und den Nächsten Lieben!

 

Matthäus 22,34-40 (Die Frage nach dem größten Gebot)

34 Als aber die Pharisäer hörten, dass er die Sadduzäer zum Schweigen gebracht hatte, versammelten sie sich miteinander. 35 Und es fragte einer von ihnen, ein Gesetzesgelehrter, und versuchte ihn und sprach: 36 Lehrer, welches ist das größte Gebot im Gesetz? 37 Er aber sprach zu ihm: "Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit deinem ganzen Herzen und mit deiner ganzen Seele und mit deinem ganzen Verstand." 38 Dies ist das größte und erste Gebot. 39 Das zweite aber ist ihm gleich: "Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst." 40 An diesen zwei Geboten hängt das ganze Gesetz und die Propheten.“

 

An diesen zwei Geboten hängt das ganze Gesetz und die Propheten. Also das gesamte Alte Testament.

 

Gottes Gesetz ist auf Liebe gegründet.

 

Römer 13,8-10 (Die Liebe als Erfüllung des Gesetzes)

8 Seid niemand irgendetwas schuldig, als nur einander zu lieben! Denn wer den anderen liebt, hat das Gesetz erfüllt. 9 Denn das: "Du sollst nicht ehebrechen, du sollst nicht töten, du sollst nicht stehlen, du sollst nicht begehren", und wenn es ein anderes Gebot gibt, ist in diesem Wort zusammengefasst: "Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst." 10 Die Liebe tut dem Nächsten nichts Böses. Die Erfüllung des Gesetzes ist also die Liebe.

 

Römer 8,4

damit die Rechtsforderung des Gesetzes (das ist Liebe) erfüllt wird in uns, die wir nicht nach dem Fleisch, sondern nach dem Geist wandeln

 

Liebe ist die Erfüllung des Gesetzes!

 

1. Timotheus 1,5-7

5 Das Endziel der Weisung (des Gebotes) aber ist Liebe aus reinem Herzen und gutem Gewissen und ungeheucheltem Glauben. 6 Davon sind einige abgeirrt und haben sich leerem Geschwätz zugewandt. 7 Sie wollen Gesetzeslehrer sein und verstehen nichts, weder was sie sagen noch was sie fest behaupten

 

Galater 5,14

Denn das ganze Gesetz ist in einem Wort erfüllt, in dem: "Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst."“

 

Johannes 13,34-35 (Das neue Gebot: Liebe)

34 Ein neues Gebot gebe ich euch, dass ihr einander liebt, damit, wie ich euch geliebt habe, auch ihr einander liebt. 35 Daran werden alle erkennen, dass ihr meine Jünger seid, wenn ihr Liebe untereinander habt.

 

Jakobus 2,8

Wenn ihr wirklich das königliche Gesetz "Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst" nach der Schrift erfüllt, so tut ihr recht.


Quellen und weiterführendes Material

  • Derek Prince - Fundamente des christlichen Glaubens
  • IBL - geistlich-fit Programm
  • eigene Anmerkungen

Dieser Lehrartikel basiert auf einer Lehrbotschaft von Derek Prince und beinhaltet einige Ergänzungen und Anmerkungen von uns.

 

Gottes Segen Euch allen!

 

1. Thessalonicher 5,23

"Er selbst aber, der Gott des Friedens, heilige euch völlig; und vollständig möge euer Geist und Seele und Leib untadelig bewahrt werden bei der Ankunft unseres Herrn Jesus Christus!"

 

Amen