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Pessach Scheni - das zweite Pessach

Pessach Scheni, "zweites Pessach", auch "kleines Pessach" (Pessach katan) genannt, wird am 14. Ijjar gefeiert und dauert nur einen Tag.


Laut Bibel (4Mo 9,9-14) wird den Juden, die nicht in der Lage waren, am 14. Nissan ihr Pessach-Lamm zu opfern, die Möglichkeit gewährt, dies einen Monat später, am 14. Ijjar, nachzuholen.

Damals konnten manche Gläubige das Fest im Monat Nissan nicht feiern, da sie sich im Zustand der rituellen Unreinheit befanden (weil sie in Berührung mit einem Toten gekommen waren), andere, weil sie sich in zu großer Entfernung vom Heiligtum aufhielten, um rechtzeitig zum Fest dort zu sein.

In beiden Fällen war es ihnen nicht möglich, das Pessach-Lamm zum vorgeschriebenen Zeitpunkt zu opfern, und darum kamen sie ihrer Pflicht an Pessach Scheni (zweites Pessach) nach.

Zwar gelten die meisten Einschränkungen des ersten Pessachs auch für Pessach Scheni, und jeder, der Pessach Scheni feiert, muss nach der Mischna (Pessachim 9,3) auch Matzen essen, doch braucht er nicht vorher den Chamez (alles Gegorene) aus seinem Haus zu entfernen.

Manche Juden feiern Pessach Scheni heute so, dass sie immer am 14. Ijjar zur Erinnerung an den Auszug aus Ägypten Matzen essen.


Chametz wird jede Speise genannt, die Weizen, Gerste, Roggen, Hafer oder Dinkel gemischt mit Wasser enthält und länger als 18 Minuten gebacken wurde (und somit "aufgegangen" ist). Dazu gehören beispielsweise Kuchen, Kekse, Nudeln, Cerealien, Bier usw. Mazzot, ungesäuertes Brot, besteht aus denselben Getreidesorten, wird aber ohne Treibmittel und weniger als 18 Minuten gebacken.

Jüdischer Hintergrund
Pessach ist der einzige Feiertag, der nachgefeiert werden darf. Denn es handelt sich ja schließlich um die Befreiung aus der persönlichen Sklaverei.
Die Tora nennt zwei Gründe, die das Versäumen des Wiedererlebens des Exodus entschuldigen und eine zweite Chance bieten. Der erste wird als "Tame lanefesch", "unrein in seiner Seele", beschrieben, eine Seele, die verwirrt und kraftlos ist. So ein Mensch hat seinen Blick zwar schon auf das Gelobte Land gerichtet, er hatte aber noch nicht genug Mut, das Rote Meer zu spalten und sich durch die leblose Wüste auf den Weg zu seinen Träumen zu machen.
Der Gott der Heilung fordert jedoch eine solche Seele noch einmal auf. Die wichtigste Lehre von Pessach ist, dass eine getroffene Entscheidung sofort praktisch umgesetzt werden sollte. Die Rabbiner erklären, dass wenn die Israeliten auf das gebackene Brot gewartet hätten, sie Ägypten nie verlassen hätten. Die zweite Möglichkeit ist da, muss aber genutzt werden.

Als zweiten Grund nennt die Tora jemanden, der auf dem weiten Weg ist. Der Weg zum Judentum ist nicht immer leicht und gerade. Menschen kommen aus verschiedenen Hintergründen und Lebensumständen. Viele haben das Judentum und den Weg zu Gott erst später im Leben gefunden. Die Botschaft der Tora ist eindeutig: Auch die Menschen, die auf dem vom Judentum weit entfernten Lebensweg wandern, sind eingeladen, das Schicksal des Volkes Israel zu teilen und an dem persönlichen Exodus teilzunehmen. Auch wenn eine Chance schon verpasst wurde, macht uns die Tora Hoffnung, dass es eine zweite gibt.


Gottes Segen Euch allen!

1. Thessalonicher 5,23
"Er selbst aber, der Gott des Friedens, heilige euch völlig; und  vollständig möge euer Geist und Seele und Leib untadelig bewahrt werden bei der Ankunft unseres Herrn Jesus Christus!"

Amen