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Der Zeitraum der Kreuzigung und Auferstehung Jesu

 

Matthäus 12,40

"Denn gleichwie Jona drei Tage und drei Nächte im Bauch des Riesenfisches war, so wird der Sohn des Menschen drei Tage und drei Nächte im Schoß der Erde sein"


Um den Zeitraum von Kreuzigung, Begräbnis und Auferstehung des Messias korrekt zu verstehen, ist ein richtiges Verständnis der jüdischen Zeitrechnung wichtig, da die Evangelien von Juden geschrieben wurden, welche mit der jüdischen Zeitrechnung vertraut waren. Außerdem müssen hierzu zwei spezifische Fragen geklärt werden:

 

  • Die erste Frage betrifft den Tag, an welchem Jesus starb
  • Die zweite Frage betrifft die Zeit, die Jesus im Grab verbrachte

 

■ Der Tag Seines Todes

Die Frage, an welchem Tag der Messias starb, kann nur beantwortet werden, wenn man die jüdische Zeitrechnung kennt. Die meisten, die sie nicht verstehen, kommen zu falschen Schlussfolgerungen, nämlich dass die Kreuzigung am Dienstag, Mittwoch oder Donnerstag stattfand. Die Evangelien geben jedoch eindeutig an, dass Jesus an einem Freitag starb und vor Sonnenuntergang in das Grab gelegt wurde.

 

Der Ausdruck „Schabbat“ muss nicht uminterpretiert werden. Er bedeutet immer die Zeitspanne von Freitagabend bis Samstagabend. Die Bibel betont dies immer wieder. Johannes 19,31, Markus 15,42, Lukas 23,54 und Matthäus 27,62 verdeutlichen, dass Jesus gegen 15 Uhr (um die 9. Stunde) am Freitagnachmittag starb. Dann wurde Er vor Sonnenuntergang in das Grab gelegt, bevor der Schabbat begann. Nach jüdischer Zeitrechnung war das, bevor die drei Sterne am Nachthimmel erschienen und den neuen Tag einläuteten.

 

● EXKURS: Der jüdische/biblische Tag

Der jüdische Tag (Jom) ist zugleich der biblische Tag und beginnt bei Sonnenuntergang, wenn drei Sterne am Himmel sichtbar werden. Schon wer die erste Seite der Bibel aufschlägt‚ stößt auf diese Besonderheit der biblischen Zeitrechnung: "Und Gott nannte das Licht Tag, und die Finsternis nannte er Nacht. Und es wurde Abend, und es wurde Morgen: ein Tag." 1. Mose 1,5). Wir müssen wissen und verstehen, dass nach biblischer Zeitrechnung der Tag mit dem Sonnenuntergang beginnt und endet, wenn die Sonnenhitze nachlässt und der Mensch aufatmen kann. Der erste Abend leitet den ersten Tag ein. Somit ergibt sich, dass jeder Tag auch einen "Vor-Abend" (hebr. ערב "Erev") hat.

 

Der biblische Tag dauert also von Abend zu Abend, der Tag beginnt mit dem Sonnenuntergang und endet mit dem nächsten Sonnenuntergang, also in etwa von 18:00 Uhr bis 18:00 Uhr (1Mo 1,5.8.13.19.23.31). Er ist in zwei 12-Stunden-Abschnitte unterteilt. Der Abend geht von 18:00 Uhr bis 06:00 Uhr, der Morgen von 06:00 Uhr bis 18:00 Uhr. Jeder Zeitabschnitt von 12 Stunden ist in zwei kleinere Abschnitte (à 6 Stunden) eingeteilt. Von 06:00 Uhr bis 12:00 Uhr wird der Morgen gerechnet. Von Mittag 12:00 Uhr bis 18:00 Uhr ist der Abendteil des Tages. Der Ausdruck "zwischen den Abenden" (2Mo 12,6)‚ bezieht sich auf den Teil des Tages zwischen 12:00 Uhr und 18:00 Uhr.

Diesem Zeitverständnis ist es zu verdanken, dass alle biblischen Feste am Abend beginnen. Da der biblische Tag bei Sonnenuntergang beginnt, ist daran zu denken, dass ein Feiertag tatsächlich in der Nacht vor dem Tag beginnt, der in einem jüdischen Kalender aufgeführt ist. Jom ha-Scho’a (Holocaust-Gedenktag) findet beispielsweise am 27. Nissan statt, der nach Sonnenuntergang am Vortag beginnt. So wird Jom ha-Scho’a sowohl am Donnerstag, dem 5. (nach Sonnenuntergang) als auch am Freitag, dem 6. (bei Tageslicht) beobachtet.

So erstreckt sich ein bestimmter jüdischer Feiertag nach unserem gregorianischen Kalender über zwei Tage. Die meisten jüdischen Kalender geben die vergangene Nacht nicht als Teil des Feiertags an. Die Einhaltung eines Feiertags beginnt also bei Sonnenuntergang am Tag vor dessen Eintragung im Kalender.

 

Biblische Zeitangaben

Der biblische Abend beginnt um 18:00 Uhr

Der biblische Morgen beginnt um 06:00 Uhr.

 

Man rechnet biblisch die Stunden ab Sonnenaufgang

• 3. Stunde (09:00 Uhr)

• 6. Stunde (12:00 Uhr)

• 9. Stunde (15:00 Uhr)

• 11. Stunde (17:00 Uhr)

 

● Außerbiblische Belege für den Zeitpunkt des Todes Jesu

Außer den Evangelien bestätigen antike jüdische Aufzeichnungen wie der Talmud, dass der Tag, an dem der Messias starb, ein Freitag war. Außerdem bestätigen sie, dass Er während des Passahfestes hingerichtet wurde:

 

Zitat: Babylonischer Talmud; Sanhedrin 43a:

 

"Am Vorabend des Passah wurde Jeshu aufgehängt. Vierzig Tage lang, bevor die Hinrichtung stattfand, ging ein Herold herum und rief, „Er wird bald gesteinigt werden, weil er Zauberei praktiziert und Israel zum Abfall verführt hat. Jeder, der etwas zu seinen Gunsten sagen kann, soll hervortreten und für ihn bitten.“ Weil aber nichts zu seinen Gunsten vorgebracht wurde, wurde er am Vorabend des Passah aufgehängt! .... Ein florentinisches Manuskript fügt hinzu: „und am Vorabend des Sabbat.“!"

 

Dieses talmudische Zitat bezieht sich auf die Gerichtsverhandlung und Hinrichtung Jesu, und das florentinische Manuskript wiederholt, dass Er am Vorabend des Schabbats hingerichtet wurde. Der Vorabend des Schabbats ist immer der Freitag (Rüsttag; Vortag des Festes zur Vorbereitung Joh 19,14). Zudem erwähnt der Text zweimal, dass die Vorkommnisse am Passah stattfanden. Das machte den Schabbat zu einem Hohen Schabbat, oder wie Johannes es ausdrückte: „der Tag jenes Schabbats war groß“ (Joh 19,31), weil der erste Tag des Passahfests im Jahr der Kreuzigung auch auf einen wöchentlichen Schabbat fiel, was es zu einem "hohen" oder "großen" Fest machte (2Mo 12,16; 3Mo 23,7). Das talmudische Zitat behauptet, dass die genaue Anklage gegen Jesus Zauberei war. Indem Er Zauberei praktizierte, verführte Er Israel und entfremdete das Volk seinem Gott. Dieses spiegelt wider, was geschah, als Jesus offiziell mit der Begründung abgelehnt wurde, dämonisiert zu sein (Mt 12). Der Abschnitt aus dem Talmud bestätigt, was auch aus den Evangelien klar geworden ist: Die religiösen Leiter bestritten nie, dass Jesus wirkliche Wunder vollbracht hat.

 

Doch die wirklich wichtige Aussage dieses Zitates ist, dass Jesus am Tag vor dem Schabbat starb, also am Freitag, und zwar während des Passahfestes. Zu lehren, dass Sein Tod an einem Dienstag, Mittwoch oder Donnerstag geschah, verletzt die klaren Aussagen der Evangelien und auch anderer historischer Dokumente.

 

■ Die drei Tage im Grab

Die zweite Frage betrifft die Zeit, die Jesus im Grab verbrachte. Viele glauben, dass sich der Ausdruck „drei Tage und drei Nächte“ auf drei komplette 24-Stunden-Perioden bezieht. So behauptet man, dass die Kreuzigung früher in der Woche geschehen ist und dass der Leichnam Jesu ganze 72 Stunden im Grab lag. Wäre Jesus jedoch drei volle Tage im Grab gewesen und im Moment, als der dritte 24-Stunden Tag zu Ende ging, auferweckt worden, wäre dies der vierte Tag gewesen. Ferner traf Er die zwei Jünger auf dem Weg nach Emmaus am Sonntagnachmittag, und laut der Evangelien waren da schon viele Stunden seit der Auferstehung vergangen (Lk 24,13-32; Mk 16,12-13). Weil sie den Messias nicht erkannten, erzählten die Jünger Jesus die Ereignisse der Gefangennahme, Gerichtsverhandlung und Kreuzigung. Dann erwähnten sie die ersten Berichte der Auferstehung und wiesen darauf hin, dass es der dritte Tag war, seitdem dies geschehen ist (Lk 24,21). Der einzige Weg, dass Sonntagnachmittag der dritte Tag sein konnte, ist, wenn die Kreuzigung am Freitag stattfand.

 

Zur Verteidigung derjenigen, welche die Evangelien in dieser Beziehung falsch verstehen, muss man zugeben, dass die Aussagen Jesu widersprüchlich erscheinen mögen. Zum Beispiel prophezeite Er manchmal, dass die Auferstehung AM dritten Tag geschehen würde (Mt 16,21; 17,23; 20,19; 27,64; Lk 9,22; 18,33; 24,7.21.46; Apg 10,40; 1Kor 15,4). An anderer Stelle sagte Er, dass sie NACH drei Tagen geschehen würde (Mt 26,61; 27,40; Mk 8,31; 9,31; 10,34; 14,58, 15,29; Joh 2,19-20). Dann sagte Er wieder, Er würde drei Tage und drei Nächte im Grab sein (Mt 12,39-40).

 

Diese Aussagen kann man leicht in Übereinstimmung miteinander bringen, wenn man den jüdischen Zusammenhang beachtet. Das mosaische Gesetz bestimmte, dass jedes neue Jahr am ersten des Monats Nissan begann. Nach jüdischer Zeitrechnung zählte jeder Teil des vorigen Jahres und jeder Teil des neuen Jahres als ein volles Jahr, ob es sich nun um einzelne Tage, wenige Monate oder das komplette Jahr handelte. Wenn zum Beispiel ein König am letzten Tag eines Jahres den Thron bestieg, wurde das so verstanden, als habe er das ganze Jahr geherrscht. Einen Tag später begann das neue Jahr, aber in den Berichten würde es heißen, dass dies das zweite Jahr seiner Herrschaft war. Der zweite Tag seiner Herrschaft würde also bereits als das zweite Jahr seiner Herrschaft aufgefasst werden, weil eben jeder Bruchteil eines Jahres offiziell als das ganze Jahr verstanden wurde.

 

Was nun den 24-stündigen Tag betrifft, gilt dasselbe. Sogar die allererste Stunde eines Tages zählt als ein ganzer Tag. Ebenso zählt die allerletzte Stunde eines Tages als der ganze Tag. Jesus wurde Freitag vor Sonnenuntergang begraben. Also zählt Freitag als der erste der drei Tage, die Er im Grab war. Dann lag Er am Samstag volle 24 Stunden in seinem Grab. In den frühen Stunden des Sonntags war Er laut der Evangelien immer noch begraben, und so zählt der Sonntag wieder als voller Tag. Er lag einen ganzen Tag und zwei teilweise Tage begraben. Nach jüdischer Zeitrechnung bedeutet das drei komplette Tage, und so lösen sich scheinbar widersprüchliche Aussagen Jesu wie von alleine auf: Als Er sagte, dass Er am dritten Tage auferstehen werde, bezog Er sich auf den Sonntag. Obgleich Er in den frühen Stunden dieses dritten Tages noch im Grab lag, wurde Er später an demselben Tag auferweckt, also wurde Er AM dritten Tag auferweckt. Die Auferstehung sollte außerdem nach drei Tagen stattfinden. Auch hier spielt es wieder eine Rolle, dass ein Teil des Tages als ganzer Tag gerechnet wurde. Weil Jesus einen Teil des Sonntags im Grab war, zählte das für den ganzen Sonntag. Deshalb wurde Jesus von einem jüdischen Standpunkt aus betrachtet nicht nur am dritten Tag auferweckt, Er wurde auch NACH drei Tagen auferweckt. Schließlich ist auch der jüdische Ausdruck „drei Tage und drei Nächte“ zutreffend, denn er ist eine rhetorische Sprachfigur, die sich auf jede Zeitperiode bezieht, die drei Tage berührt; in den Schriften wird sie mehrfach verwandt (1Mo 42,17-18; 1Sam 12-13; 1Kö 20,29, hier ist von sieben Tagen die Rede; 2Chr 10,5.12; Esther 4,16 im Vergleich zu 5,1).

 

Alles dies soll sagen, dass die Evangelien von Juden geschrieben wurden, die mit der jüdischen Zeitrechnung vertraut waren. In Übereinstimmung mit ihrem Bezugsrahmen und ihrer Terminologie wurde Jesus am Freitag vor Sonnenuntergang beerdigt, bevor der Schabbat begann. Er wurde irgendwann nach dem Schabbat auferweckt, was heißt, dass Er am Sonntag, dem ersten Wochentag, auferstanden ist. Aus jüdischer Perspektive war der Schabbat schon beendet, und der erste Tag der Woche, der Sonntag, hatte am Samstagabend bei Sonnenuntergang angefangen.


Quellen:

  • Arnold Fruchtenbaum: Jeschua - Das Leben des Messias
  • eigene Anmerkungen

 

Gottes Segen Euch allen!

 

 1. Thessalonicher 5,23

"Er selbst aber, der Gott des Friedens, heilige euch völlig; und vollständig möge euer Geist und Seele und Leib untadelig bewahrt werden bei der Ankunft unseres Herrn Jesus Christus!"

 

Amen und Amen