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Jom ha-Scho’a – Gedenktag für die Opfer der Scho’a und den jüdischen Widerstand

Zefanja 1,15

Ein Tag des Grimms ist dieser Tag, ein Tag der Not und der Bedrängnis, ein Tag des Verwüstens und der Verwüstung, ein Tag der Finsternis und der Dunkelheit, ein Tag des Gewölks und des Wolkendunkels

 

Psalm 115,9

Israel, vertraue auf den HERRN! Er ist ihre Hilfe und ihr Schild


Jom ha-Scho’a ist einerseits der nationale israelische Gedenktag für die Opfer der Scho’a, die im Holocaust von den deutschen Nationalsozialisten und ihren Verbündeten ermordet wurden, sowie andererseits ein Tag des Gedenkens für den Widerstand und das Heldentum der jüdischen Untergrundkämpfer (Märtyrer).

 

Das überwältigende Thema, ist die Wichtigkeit, sich an die Opfer der Katastrophe der Scho’a zu erinnern und sicherzustellen, dass eine solche Tragödie nie wieder passiert.

 

NAME

• Jom ha-Scho’a (hebr. יום השואה) = Tag der Katastrophe

 

• Jom ha-Zikaron laScho’a weLaGwura (hebr. יום הזיכרון לשואה ולגבורה) = Tag des Gedenkens an Holocaust und Heldentum (auch Gedenktag der Holocaust-Märtyrer- und Helden)

 

Der Tag sollte zuerst Jom ha-Scho’a Umered Hagetaot, Tag des Holocaust- und Ghettoaufstands heißen.

 

Was ist der Unterschied zwischen den Begriffen „Holocaust“ und „Scho’a“?

Holocaust“ ist der englische bzw. griechische Begriff und stammt vom griechischen Wort „holocauston" ab, was „Brandopfer" (wörtlich übersetzt „ganz verbrannt") bedeutet. Der Begriff findet über 200mal Verwendung in der Septuaginta, der griechischen Bibelübersetzung des Alten Testaments.

 

Das Symbol des Brand- oder Sühneopfers macht den Begriff „Holocaust“ jedoch insofern zwiespältig, weil die Massenvernichtung keine religiöse oder kultische Handlung war, sondern ein systematisch geplanter und durchgeführter Mord. Das Wort „Holocaust“ stellt für viele jüdische Überlebende wegen des ursprünglich christlichen Hintergrundes ein Problem dar, weshalb von Juden meist der Begriff „Scho’a“ verwendet wird.

 

Scho’a“ ist der hebräische Begriff für den von Nazideutschland im Zweiten Weltkrieg verübten Völkermord und bedeutet „Katastrophe“, „Unheil“, „vollständige Zerstörung“ oder „Verwüstung“. Seine biblischen Wurzeln finden sich sowohl im Buch Zefanja 1,15 als auch im Buch Hiob 30,3. Aufgrund der problematischen Bedeutung des Begriffs „Holocaust“ für jüdische Überlebende, begann man gegen Ende der 1970er Jahre, das Wort „Holocaust“ durch das Wort „Scho’a“ zu ersetzen.

 

Im englischsprachigen Raum ist „Holocaust“ der gebräuchlichere Begriff, während sich in Kontinentaleuropa der Begriff „Scho’a“ stärker durchgesetzt hat.

 

WANN

27. Nissan

 

Der Gedenktag beginnt bei Sonnenuntergang und endet bei Einbruch der Dunkelheit.

 

Wir müssen daran denken, dass der Tag bei den Juden (und auch in der Bibel) mit Sonnenuntergang beginnt. Der Tag dauert also von Sonnenuntergang bis Sonnenuntergang. Die erste Nacht leitet den ersten Tag ein.

 

Wenn der 27. Nissan auf einen Freitag oder Sonntag fällt, wird Jom ha-Scho’a einen Tag verschoben, um Konflikte mit dem Schabbat (Freitagabend-Samstagabend) zu vermeiden. Der hebräische Kalender ist so festgelegt, dass der 27. Nissan niemals auf den Schabbat selbst fällt.

 

Jom ha-Scho’a wird während der Tage der Omer-Zählung begangen, welche Tage der Trauer für das jüdische Volk sind.

 

Das Datum liegt genau eine Woche vor dem Gedenktag an die für den Staat Israel gefallenen Soldaten (Jom ha-Zikaron - 4. Ijjar) und acht Tage vor dem israelischen Unabhängigkeitstag (Jom ha-Atzmaut - 5. Ijjar).

 

URSPRÜNGE

Der erste Holocaust-Gedenktag in Israel fand nach einer Entscheidung des Oberrabbinats von Israel am 28. Dezember 1949 statt, dass am 10. Tebet eine jährliche Gedenkfeier stattfinden sollte.

 

Am 12. April 1951 verabschiedete die Knesset eine Resolution, die den 27. Nissan im jüdischen Kalender für den Holocaust-Gedenktag festlegte, nachdem auch der 10. Tebet, der 14. Nissan (Passah), der Tag, an dem der Aufstand im Warschauer Ghetto begann (19. April 1943) und der Tag, an dem der Zweite Weltkrieg begann (1. September) als Datum für den Holocaust-Gedenktag in Betracht gezogen wurden.

 

Am 3. Mai 1951 fand die erste offiziell organisierte Veranstaltung zum Holocaust-Gedenktag in Israel statt.

 

Am 8. April 1959 führte die Knesset den Holocaust-Gedenktag offiziell mit der Verabschiedung des Gesetzes ein, mit dem Ziel, einen jährlichen Gedenktag für die Katastrophe abzuhalten, welche die Nazis und ihre Verbündeten über das jüdische Volk gebracht haben, sowie die Heldentaten und den jüdischen Aufstand zu feiern.

 

Das Gesetz wurde vom ersten israelischen Premierminister David Ben Gurion und dem zweiten israelischen Staatspräsidenten Yitzhak Ben Zwi unterzeichnet. Es legte fest, dass an diesem Tag im ganzen Land eine zweiminütige Schweigeminute eingelegt wird, alle Arbeiten zum Stillstand kommen, Gedenkveranstaltungen in öffentlichen Einrichtungen und Bildungseinrichtungen abgehalten werden, die Flaggen auf Halbmast wehen und im Radio und in Unterhaltungseinrichtungen Sendungen zu diesem Tag gezeigt werden.

 

Große Teile der ultra-orthodoxen Juden haben diesen Tag nie akzeptiert und gedenken der Opfer des Holocaust am 10. Tebet durch das Kaddisch-Sagen (ein Trauergebet).

 

ZEREMONIE

Jom ha-Scho’a ist ein feierlicher Gedenktag. Im ganzen Land Israel werden Vergnügungsstätten geschlossen und Gedenkzeremonien abgehalten. Die zentralen Zeremonien finden in Yad Vashem in Jerusalem statt und werden live übertragen. Yad Vashem ist die bedeutendste „Gedenkstätte der Märtyrer und Helden des Staates Israel der Scho’a“, die an die nationalsozialistische Judenvernichtung erinnert und sie wissenschaftlich dokumentiert.

 

An der Eröffnungszeremonie auf dem Warschauer Ghettoplatz in Yad Vashem nehmen bei Sonnenuntergang am Vorabend der Staatspräsident und der Premierminister des Staates Israel, Überlebende mit ihren Familien sowie geladene Gäste aus dem In- und Ausland teil.

 

Zum Beginn der feierlichen Zeremonie wird die Staatsflagge auf Halbmast gesenkt. Der Staatspräsident und der Premierminister halten beide Reden und Holocaust-Überlebende oder deren Nachfahren entzünden sechs Fackeln, die symbolisch für die sechs Millionen jüdischen Opfer der Scho’a stehen. Außerdem rezitieren Oberrabbiner Gebete.

 

Am folgenden Morgen heulen im gesamten Land um zehn Uhr für zwei Minuten die Sirenen. Währenddessen kommt das Leben in ganz Israel zum Stillstand. In den Straßen bleiben Passanten stehen, Autofahrer halten ihren Wagen am Straßenrand an, um im Stillen den Opfern des Holocaust die Ehre zu erweisen.

 

Stillstand während der Schweigeminuten auch auf der Autobahn in Israel

Danach findet eine Kranzniederlegung unter Teilnahme des israelischen Präsidenten, Premierministers, Sprechers der Knesset, des Präsidenten des Obersten Gerichtshofs, Vertretern von Überlebenden- und Kämpferorganisationen und Delegationen aus dem ganzen Land zu Füßen der sechs Fackeln auf dem Warschauer Ghettoplatz in Yad Vashem statt.

 

Um die Mittagszeit steht die Verlesung einer Namensliste von Holocaust-Opfern im Mittelpunkt. In einer Veranstaltung mit dem Titel „Jeder Mensch hat einen Namen“ werden in der „Halle der Erinnerung“ und in der Knesset die Namen von Opfern der Scho’a verlesen. Auf dem dunklen Boden der Halle der Erinnerung sind Namen von Konzentrations- und Vernichtungslagern eingraviert, auf die Besucher zum Gedenken weiße Rosen legen.

 

Zum Abend hin findet eine Zeremonie für Jugendbewegungen in Anwesenheit des israelischen Bildungsministers und in Zusammenarbeit mit der Jugend- und Sozialverwaltung des Bildungsministeriums statt.

 

Die Gedenkfeiern an diesem Tag reichen von Synagogengottesdiensten bis hin zu Mahnwachen und Bildungsprogrammen.

 

Die Fernseh- und Radioprogramme übertragen live die zentrale Gedenkveranstaltung in Yad Vashem und widmen während des ganzen Tages ihre Sendungen dem Thema der Scho’a.

 

Am Jom ha-Scho’a führen Tausende meist jugendlicher Juden, insbesondere Studenten, einen Gedenkmarsch vom KZ Auschwitz zum KZ Auschwitz-Birkenau durch. Dies wird mittlerweile als „Marsch der Lebenden“, in Bezug auf die Todesmärsche von KZ-Häftlingen, bezeichnet.


Wir erinnern!  🕯️🕯️🕯️🕯️🕯️🕯️ Am Israel Chai – עם ישראל חי – Das Volk Israel lebt!

 

Quellen:

  • aboutholocaust.org/de/facts/was-ist-der-unterschied-zwischen-holocaust-und-shoah
  • yadvashem.org/de/holocaust/lexicon.html
  • yadvashem.org/yv/en/remembrance-day/overview.asp
  • embassies.gov.il/berlin/AboutIsrael/Feiertage/Pages/Holocaust-Gedenktag.aspx
  • m.knesset.gov.il/en/about/pages/shoah.aspx
  • eigene Anmerkungen

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Gottes Segen Euch allen!

 

1. Thessalonicher 5,23

„Er selbst aber, der Gott des Friedens, heilige euch völlig; und vollständig möge euer Geist und Seele und Leib untadelig bewahrt werden bei der Ankunft unseres Herrn Jesus Christus!“

 

Amen und Amen