Das Passahfest (Pessach)


2. Mose 12,2-3

2 Dieser Monat soll euch der Anfang der Monate sein, er soll für euch der erste Monat des Jahres sein. 3 Redet zu der ganzen Gemeinde Israels und sprecht: Am zehnten Tag dieses Monats nehme sich jeder Hausvater ein Lamm, ein Lamm für jedes Haus

 

3. Mose 23,4-5

4 Dies sind die Feste des HERRN, heilige Versammlungen, die ihr ausrufen sollt zu ihrer bestimmten Zeit: 5 Im ersten Monat, am Vierzehnten des Monats, zwischen den zwei Abenden, ist Passah dem HERRN

 

Johannes 8,36

Wenn der Sohn Gottes euch frei macht, dann seid ihr wirklich frei

 

1. Korinther 5,7-8

„... Denn auch unser Passahlamm, Christus, ist geschlachtet. Darum lasst uns das Fest feiern ...“


Das Passahfest ist das erste Fest in Gottes Festzyklus. Es bildet die Grundlage für die nachfolgenden sechs Feste.

 

Historisch gesehen gedenkt das Volk Gottes am Passahfest an seine Befreiung aus der Sklaverei in Ägypten, aus dem Tod in die Freiheit und in das Leben mit ihrem Gott.

 

Prophetisch gesehen ist Ägypten ein Bild für diese Welt und ihr System. Der Pharao, der Herrscher Ägyptens, ist ein Typus für Satan. Die Menschen in Gefangenschaft sind in Sünde und somit diejenigen, die nach dem weltlichen System leben.

 

Menschen, die an Jesus als ihren Messias glauben, danken Gott nicht nur für die Erlösung aus der Sklaverei in Ägypten, sondern auch an die Befreiung aus Sünde und Tod – aus der Sklaverei des Satans – durch die Erlösung Jesu Christi, dem wahren Passahlamm.


Das Passahfest vermittelt auch in der heutigen Zeit eine kraftvolle Botschaft. Dieses Fest bildet den primären Hintergrund, um die Ereignisse im Obersaal, die Symbolik des Abendmahls und die Bedeutung des Todes des Messias zu verstehen.

 

Name

Das Passahfest ist das in beiden Testamenten am häufigsten erwähnte Fest von allen. Im Alten Testament wird es über 50-Mal erwähnt, im Neuen Testament 27-Mal. Dies weist zweifellos auf seine große Bedeutung hin. Es ist vermutlich das älteste, kontinuierlich begangene Fest der Menschheit, für das es zwei hauptsächliche Namen gibt:

 

Passah (hebr. Pessach = פסח)

Der hebräische Begriff für „Passah“ ist „Pessach“ was „vorüberschreiten, vorübergehen, vorüberziehen, überspringen oder etwas unberührt lassen“ bedeutet.

 

Chag ha-Pessach (hebr. חג הפסח)

„Chag“ ist die hebräische Bezeichnung für „Fest“. So bedeutet „Chag ha-Pessach“ ganz einfach „Passahfest“.

 

Der griechische Name in der Septuaginta und im Neuen Testament lautet „pás-cha“ (πάσχα).

 

 

Der Name des Festes geht zurück auf das Motiv des Verderbers. In 2. Mose 12 lesen wir, dass die Israeliten ein Lamm schlachten und mit dessen Blut die beiden Türpfosten und die Oberschwelle eines jeden ihrer Häuser mit einem Büschel Ysop bestreichen sollten. Als in jener Nacht der Verderber durch das Land Ägypten zog und dabei an ein israelitisches Haus kam, sah er das Blut an der Tür und schritt vorüber. Wenn er aber an ein ägyptisches Haus kam und dort kein Blut an Türpfosten und Oberschwelle sah, dann schritt er nicht vorüber, sondern ging hinein und schlug in jeder ägyptischen Familie den erstgeborenen Sohn. So geht der Name des Festes auf das „Vorüberziehen“ des Verderbers zurück.

 

Seman Cherutenu

Der zweite Name des Festes lautet „Seman Cherutenu“ und bedeutet „Zeit unserer Befreiung“. Der Name stellt besonders das Resultat des ersten Passahfestes heraus, die Befreiung Israels aus der Knechtschaft in Ägypten.

 

Andere Namen

Das Passahfest wird auch bezeichnet als:

„Fest der Freiheit“ (Chag ha-Cherut)

„Fest des Frühlings“ (Chag ha-Aviv)

„Fest des Überschreitens“ (Chag ha-Pessach)

 

Wann

März/April (14. Nissan/Abib)

 

Das Passahfest wird jährlich am 14. Nissan am Abend gefeiert, was den eigentlichen Passahtag markiert.


In 3. Mose 23,5 heißt es:

Im ersten Monat, am Vierzehnten des Monats, zwischen den zwei Abenden, ist Passah dem HERRN


Die Bezeichnung „zwischen den zwei Abenden“ meint, die Zeit beim Untergang der Sonne (vgl. 5Mo 16,6), genau genommen die Zeit zwischen dem Untergang der Sonne und dem Einbrechen der Dunkelheit (Abenddämmerung), was in Israel manchmal weniger als eine halbe Stunde dauert.


Nach jüdischer Zeitrechnung beginnt der Tag um 18:00 Uhr abends und endet um 18:00 Uhr am nächsten Abend. Der Tag beginnt also am Abend und endet am Abend. Mit den Festen ist es genauso. Es beginnt abends und endet am nächsten Abend. Die Passahnacht geht also dem Passahtag voran. Die Passah-Zeremonie (Sederabend) beginnt um ca. 18:00 Uhr abends (bei Sonnenuntergang) und dauert mehrere Stunden, meist bis nach Mitternacht.

 

2024/5784: Sonnenuntergang, Mo. 22. April – Abenddämmerung Di. 23. April (14. Nissan)

2025/5785: Sonnenuntergang, Sa. 12. April – Abenddämmerung So. 13. April (14. Nissan)

2026/5786: Sonnenuntergang, Mi. 01. April – Abenddämmerung Do. 01. April (14. Nissan)

2027/5787: Sonnenuntergang, Mi. 21. April – Abenddämmerung Do. 22. April (14. Nissan)

2028/5788: Sonnenuntergang, Mo. 10. April – Abenddämmerung Di. 11. April (14. Nissan)

 

Hinweis: Vor dem babylonischen Exil hieß der Monat Abib.

 

• 14. Nissan/Abib: Passahfest (auch Erew Passah genannt): Sederabend (abends Sedermahl), der gleichzeitig auch Höhepunkt des Festes ist. Der Seder findet nach Einbruch der Dunkelheit in der ersten Nacht des Passahfestes statt (und in der zweiten Nacht, wenn man außerhalb Israels lebt);

• 15.–21. Nissan/Abib: Fest der ungesäuerten Brote (Chag ha-Mazzot)

• 16. Nissan/Abib: Fest der Erstlingsfrüchte (Chag ha-Bikkurim)

 

Das Passahfest ist das erste Fest des HERRN im biblischen Festkalender – im Zeitzyklus der Erlösung – und das erste der drei großen Pilgerfeste, der sogenannten „Schalosch Regalim“ (Passahfest, Wochenfest (Pfingsten) und Laubhüttenfest). Das Fest fällt gemäß der Einsetzung des HERRN (3Mo 23,5) in den Frühlingsmonat Nissan/Abib, was den Monaten März/April im gregorianischen Kalender entspricht.


Der Schabbat vor dem Passahfest (Pessach) trägt den Namen Schabbat ha-Gadol (Großer Schabbat). Dieser steht bereits gänzlich im Zeichen des herannahenden Festes. Es ist der Schabbat, an dem die letzten Details bezüglich der Einhaltung des Passahfestes besprochen und gelehrt werden. Daher war es nicht ungewöhnlich, dass die Lehre am Schabbat ha-Gadol lang wurde, und einige haben sogar scherzhaft bemerkt, dass der Grund, warum er „groß“ genannt wird, sich auf die Länge der Predigt des Rabbiners bezieht. Der Begriff „groß“ spiegelt jedoch die Bedeutung des bevorstehenden Feiertags für das jüdische Volk wider.


Unmittelbar nach dem Passahfest folgt das Fest der ungesäuerten Brote (Chag ha-Mazzot), das sieben Tage andauert. Beide Feste sind unmittelbar miteinander verbunden und heutzutage sind beide Feste praktisch miteinander verschmolzen. Während das Passahfest an das Vorüberschreiten des Verderbers, durch das Blut des Lammes und somit an die Befreiung Israels aus der Gefangenschaft in Ägypten erinnert, besinnt sich das Fest der ungesäuerten Brote an den raschen Auszug der Israeliten aus Ägypten. Die gesamte Festzeit, also das Passahfest und das Fest der ungesäuerten Brote, wird zusammengefasst oft „Passah“ oder „Pessach“ bzw. „Passah- oder Pessachfest“ genannt, oder wechselseitig mit einem dieser beiden Namen bezeichnet (vgl. Lk 22,1.7).

 

Der Gebrauch beider Ausdrücke ist dadurch erklärlich, dass das im Gesetz gebotene Passahfest am 14. Nissan/Abib (4Mo 28,16-17) sich von dem Fest der ungesäuerten Brote unterscheidet, das vom 15. bis zum 21. Nissan/Abib dauert. Weil schon am 14. Nissan/Abib der ganze Sauerteig aus den Häusern entfernt sein musste (2Mo 12,15), wurde im Volksmund der Name Passah oder Pessach auf das ganze siebentägige Fest der ungesäuerten Brote übertragen (vgl. 5Mo 16,1ff; 2Chr 35,9.18). Da das Fest der ungesäuerten Brote (ein siebentägiges Fest) gleich am Tag nach Passah (einem eintägigen Fest) beginnt, werden die beiden Feste oftmals als eine Einheit betrachtet und als die „acht Tage des Passahs“ bezeichnet. In der Zeit des zweiten Tempels (in der Zeit Jesu) nannte man sie auch allgemein die acht Tage des Festes der ungesäuerten Brote (Lk 22,1.7).


Warum wird Passah (das Fest der ungesäuerten Brote) in Israel sieben Tage und in anderen Ländern acht Tage lang gefeiert? Nachdem die Juden 70 n. Chr. Israel verlassen und ins Exil mussten, lebten sie über die Welt verstreut in verschiedenen Ländern. Es wurde den Feierlichkeiten ein Tag hinzugefügt, um sicherzustellen, dass alle Juden zur gleichen Zeit das Fest abhielten. Heute feiern viele in der Diaspora lebende Juden acht Tage lang Passah (das Fest der ungesäuerten Brote), in Israel sieben Tage.


Die Einhaltung des Passahfestes war so bedeutend, dass Gott denen, die es nicht am 14. Nissan feiern konnten, großzügig einen zweiten Termin gewährte. So konnten all jene, die zu diesem Zeitpunkt durch das Berühren eines Leichnams unrein oder auf einer weiten Reise waren, das Passah dreißig Tage später feiern, also am vierzehnten Tag des zweiten Monats (4Mo 9,1-14; vgl. 2Chr 30,2.15). Keines der anderen von Gott festgelegten Feste verfügte über eine solche Möglichkeit des Aufschubes.

 

Bibelstellen

Altes Testament

2Mo 12,1-51: Das erste Passahfest in Ägypten mit den Besonderheiten dieser ersten Beobachtung;

2Mo 34,25: Nichts sollte vom Lamm übrigbleiben, die Reste sollten verbrannt werden;

3Mo 23,5-8: Passahfest und Fest der ungesäuerten Brote;

4Mo 9,1-14: Die alljährlichen Festvorschriften nach dem Auszug, das Passah am Sinai;

4Mo 28,16: Das Kalenderdatum, der 14. Nissan. Als Ersatz für solche, die nicht erscheinen konnten, galt der 14. Tag des 2. Monats;

5Mo 16,1-2;4-7: Weitere Details des Passahlammopfers;

Jos 5,10-12: Das erste Passahfest in Gilgal im verheißenen Land;

2Kön 23,21-23; 2Chr 35,1-19: Die Wiedereinsetzung durch König Josia;

2Chr 30,1-22: Die Wiedereinsetzung durch König Hiskia.

Esr 6,19-22: Die Wiedereinsetzung des Passahs nach der babylonischen Gefangenschaft;

Hes 45,21: Die Beobachtung des Passahs im Tausendjährigen Reich;

 

Neues Testament

Joh 2,13-15: Das Passahfest nach der Taufe des Herrn, die erste Tempelreinigung;

Mt 26,1-35; Mk 14,1-26; Lk 22,1-30; Joh 13,17-26: Das letzte Passahfest, der Tisch des Herrn;

Lk 22,1.7: Das Passahmahl

Apg 20,6

1Kor 5,7-8: Jesus, das Passahlamm

Hebr 11,28: Das Passahfest in Ägypten war eine Tat des Glaubens von Mose

 

Hintergrund

In Johannes 1,29 und Vers 36 stellt Johannes der Täufer dem jüdischen Volk den Herrn Jesus zweimal als das Lamm Gottes vor. Warum hat er keinen anderen Namen ausgesucht, etwa Messias oder Sohn Davids? Die Ursache liegt in der Geschichte Israels.

 

• Historischer Kontext – Die Nacht der Verschonung und Errettung

Das erste Fest, das die Israeliten feiern sollte, war das Passahfest, das Fest, das an die Erlösung aus der Knechtschaft in Ägypten erinnerte. Was war damals geschehen? Ein Blick zurück nach Ägypten.

 

Das Passahfest ist untrennbar mit dem Auszug aus der Sklaverei verbunden. Die zentrale Bedeutung, die dieses Fest besitzt, wird bereits durch die Aussagen Moses gegenüber dem König von Ägypten, dem Pharao deutlich. In seiner ersten Begegnung mit dem Herrscher Ägyptens sagte Mose:

 

So spricht der HERR, der Gott Israels: Lass mein Volk ziehen damit sie mir in der Wüste ein Fest feiern!“ – 2. Mose 5,1

 

Die Erlösung Israels aus der Sklaverei in Ägypten stand unmittelbar bevor. Bereits 430 Jahre hatte es als fremdes Volk in Ägypten gelebt. Zuerst wurden sie vom Pharao willkommen geheißen und es erging ihnen gut. Joseph, einer der zwölf Söhne Jakobs war der oberste Führer geworden, direkt nach dem Pharao. Aber die Zeit verging und so kamen Pharaonen, die Angst um ihre Macht hatten und dadurch Angst vor dem Volk Israel, welches sich rasch vermehrte und innerhalb von 430 Jahren von 70 Menschen (1Mo 46,27) auf über zwei Millionen anwuchs. Sie wurden Sklaven, brutal unterdrückt und ausgebeutet. Da gedachten sie wieder an ihren Gott und schrien zu ihm. Gott erhörte sie und berief Mose, das Volk aus Ägypten herauszuführen. Er ging zum Pharao, doch dieser wollte das Volk nicht ziehen lassen. Daraufhin zeigte Gott dem Pharao seine Macht in zehn Plagen (2Mo 7–11). So schickte Gott erst neun Plagen, die nicht die Israeliten befielen, sondern nur die Ägypter. Inmitten jeder Plage stimmte der Pharao dem Auszug der Israeliten zu, nahm aber nach der Plage sein Wort wieder zurück. Dann kam die zehnte und letzte Plage. Sie bestand darin, dass alle Erstgeburt in Ägypten um Mitternacht sterben sollte, vom ersten Sohn des Pharaos an, bis zum ersten Sohn der Magd und alle Erstgeburt des Viehs.

 

Um vor dieser schrecklichen zehnten Plage errettet zu werden, die ohne Ausnahme für jedermann in Ägypten galt, offenbarte Gott Mose einen detaillierten „Rettungsplan“ für das Volk Israel. Nur das genaue Befolgen dieses Rettungsplans brachte Schutz vor der bevorstehenden letzten Plage und hatte zwei Bestandteile:

 

Der erste Bestandteil hing mit dem Töten eines einjährigen, makellosen, männlichen Schaf- oder Ziegenlammes zusammen. Das Lamm musste am 10. Nissan/Abib ausgesondert werden. Vom 10. bis zum 14. Tag musste man prüfen, ob das Tier wirklich makel- und fehlerlos war und wurde in dieser Zeit in Verwahrung gehalten. Wenn dies zutraf, wurde es am Abend des 14. Tages zwischen Sonnenuntergang und Einbruch der Dunkelheit für das Passahmahl der Familie geschlachtet. Sofern eine Familie zu klein war, um das Lamm ganz verzehren zu können, sollte sie sich mit der benachbarten Hausgemeinschaft zum Mahl zusammenschließen (2Mo 12,4; 3Mo 23,5; 4Mo 9,3.5.11).

 

Das Blut des frisch geschlachteten Lammes musste mit einem Büschel Ysop an die senkrechten Türpfosten und den oberen, waagerechten Querbalken der israelitischen Häuser gestrichen werden. Danach durfte niemand mehr vor die Tür gehen bis zum Morgen (2Mo 12,7.22).

 

Der zweite Bestandteil war das Passahmahl selbst (2Mo 12,8). Es bestand aus dem Lamm und zwei weiteren Elementen, dem ungesäuerten Brot und den bitteren Kräutern.

 

Die Lämmer wurden in den Häusern zum Essen vorbereitet und mussten unzerteilt, mit Kopf, Schenkeln und inneren Teilen, am Stück im Feuer gebraten werden; es durften die Tiere weder gekocht (2Mo 12,46; 5Mo 16,7) noch die Knochen zerbrochen werden. Alle Reste der Mahlzeit mussten verbrannt werden und die feiernden Israeliten sollte reisefertig sein (2Mo 12,8-11).

 

Während die Israeliten das Passahmahl in Eile verzehrten, sollten sie an ihren Lenden gegürtet sein, Schuhe an ihren Füßen sowie den Stab in der Hand haben (2Mo 12,11).

 

Im Laufe der Nacht ließ Gott alle Erstgeburt der Menschen und des Viehs in Ägypten töten. Israel blieb nur wegen des Blutes des Passahlammes, das anstelle der Erstgeborenen gestorben war, vom Verderber verschont (2Mo 12,29-30). Blut gilt als Sitz des Lebens (5Mo 12,23). Nur wenn der Verderber das Blut dort sah, war das Haus geschützt und er ging vorüber. Daher hat dieses Fest auch seinen Namen, denn Passah bzw. auf Hebräisch „Pessach“ bedeutet „vorübergehen“.

 

Hinweis: Das erste Passahfest wurde in Ägypten gefeiert. Zu diesem ersten – und eigentlichen – Passahfest gab es noch keine Priester, noch kein Heiligtum (Tempel), noch keine Opfer und noch nicht einmal das Gesetz.


Als das Volk aus Ägypten zog, war das Passah noch kein Fest. Das Volk war nicht versammelt, sondern sie aßen das Passahlamm in den Häusern. Auch aßen sie es in Eile und mit Furcht, weil sie in dieser Nacht Ägypten fluchtartig verlassen mussten.


Das erste Passahfest gab es nur ein einziges Mal, als Gott sein Volk aus Ägypten befreite. Gott gebot, das Passahfest als eine ewige Erinnerung zu feiern (2Mo 12,14). Alle weiteren jährlichen Passahfeiern waren bzw. sind „lediglich“ eine Erinnerung an das ursprüngliche, einmalige Passahfest der Befreiung. Genauso ist auch die Errettung eines Menschen eine einmalige Sache. Auf genau dieselbe Weise wurde der Körper des Messias nur ein einziges Mal durchbohrt und sein Blut nur einmal am Kreuz von Golgatha für die Sünden der Welt vergossen. Das Abendmahl des HERRN (das Herrenmahl) ist das wiederholte Gedenken an dieses außergewöhnliche Ereignis.

 

Man muss hier zwischen dem Passahlamm für die Familien und dem Passahlamm für das Opfer später im Tempel unterscheiden. 

 

Das Passahlamm für die Familien und den Sederabend oder für das Sedermahl wurde von jeder Familie in der ersten Nacht des Passahfestes – dem Abend des 14 Nissan/Abib – geschlachtet und gegessen. Jüdische Familien essen ihr Sedermahl in der ersten Nacht des Passahs, wie es Jesus mit seinen Jüngern tat. In 2. Mose 34,25 sagt das Gesetz, dass kein Rest übrigbleiben darf, um am folgenden Tag gegessen zu werden. Das ganze Lamm musste entweder an diesem Abend gegessen oder am nächsten Tag verbrannt werden. 

 

Anders als bei den anderen Opfern des Jahres, nahmen an diesen Vorbereitungen zum Opfer die Israeliten des normalen Volkes im Heiligtum (Tempel) selbst teil. Zur Zeit des Tempels war es üblich, dass jede Gruppe wegen des großen Andranges ein oder zwei „Abgeordnete“ zum Tempel aussandte, die das Lamm als Passahopfer der Familie darbrachten. Auch Jesus sandte seine zwei Jünger Petrus und Johannes aus, um das Passah vorzubereiten (Lk 22,7-8).

 

Am nächsten Morgen, um 9 Uhr, schlachtete die Priesterschaft im Tempel ein weiteres, besonderes Opferlamm, auf dem Brandopferaltar, das sogenannte Passahopfer „Chagigah“ und aßen es. Nur die Priesterschaft konnte von diesem Opfer essen.

 

Wir müssen daran denken, dass der Tag bei den Juden mit Sonnenuntergang beginnt. Der jüdische oder biblische Tag dauert von Sonnenuntergang bis Sonnenuntergang. Die erste Nacht leitet den ersten Tag ein.

 

Am ersten Abend – also zu Anfang des Passahfestes (am Abend des 14. Nissan/Abib) – wurde das Passahlamm in der Familie verzehrt. Am ersten Tag des Passahfestes – nämlich am Morgen nach diesem ersten Abend (15. Nissan/Abib; erster Tag der ungesäuerten Brote) um 9 Uhr – wurde das Passahopfer, das „Chagigah“, im Tempel dargebracht.

 

Um 9 Uhr morgens – oder um die dritte Stunde – wurde Jesus gekreuzigt (Mk 15,24-25). Die Zeit ist signifikant, weil die Priester am ersten Tag des Passahfestes genau um diese Uhrzeit das besondere Passahopfer darbrachten. Während dieses Opferlamm auf dem Tempelberg geschlachtet wurde, wurde das Lamm Gottes ans Kreuz genagelt und auf Golgatha geopfert.

 

Jüdische Traditionen

Heutzutage wird das Passahfest von mehr Juden gefeiert als die anderen Feste. Es stärkt und festigt den Zusammenhalt jüdischer Kultur und Gemeinschaft.

 

Die Juden feiern das Passahfest heute so, als wären sie selbst in der ersten Passahnacht in Ägypten dabei gewesen.

 

Die Vorbereitungen zu Passah beginnen lange vor dem eigentlichen Fest, wenn Haushalte und Geschäfte beginnen, nach den Vorschriften der Tora (2Mo 12,15-20) jegliches Chametz (Gesäuertes, Sauerteig) aus den Häusern und Räumlichkeiten zu entfernen. Der Tag vor dem Fest ist letzten vorbereitenden Maßnahmen gewidmet, darunter die beiden zeremoniellen Bräuche „Bedikat Chametz“ und „Bi'ur Chametz“, der Entfernung und Vernichtung aller für das Fest unzulässigen Lebensmittel.

 

Lese hierzu unseren Beitrag: Bedikat Chametz – Die Suche nach Sauerteig

 

Hinweis: „Chametz“ ist „Sauerteig“ und bezeichnet Gesäuertes im Sinne der in der Tora (5 Bücher Mose) genannten, an Passah verbotenen Speisen. Mit „Chametz“ wird jede Speise bezeichnet, die eine der fünf Getreidearten Weizen, Gerste, Roggen, Hafer oder Dinkel gemischt mit Wasser und Treibmitteln (wie Hefe) enthält und welche länger als 18 Minuten Zeit hatte zu fermentieren (Gärung) und somit „aufzugehen“. Hierzu zählen Brot, Cerealien, Kuchen, Kekse, Pizza, Pasta Bier und einige andere Dinge.

 

Im Gegensatz zu Chametz steht das ungesäuerte Brot, das Matzen (hebr. Mazzot). Es wird ebenfalls aus Mehl und Wasser hergestellt, aber vor dem Aufgehen in weniger als 18 Minuten gebacken.

 

Backtriebmittel wie Hefe oder Backpulver sind nicht selbst Chametz. Es sind vielmehr die fermentierten Getreidekörner. So kann Hefe zur Weinherstellung verwendet werden. In ähnlicher Weise kann Backpulver in Passah-Backwaren aus Matzenmehl verwendet werden. Da das in diesen Lebensmitteln verwendete Matzenmehl bereits gebacken ist, fermentiert das Getreide nicht.

 

 

Brot und Wein

Beim Passahmahl gibt es zwei grundlegende Elemente. Das eine ist das ungesäuerte Brot, das andere der Wein.

 

 

Das ungesäuerte Brot

Brot ist geopfertes Leben und Ertrag der Mühsal aller Arbeit: „Im Schweiße deines Angesichts sollst du dein Brot essen!“ (1Mo 3,19).

 

Während des Passahfestes wird der Segen über das Brot gesprochen:

„Baruch ata Adonai, Elohenu Melech ha’Olam, Hamozi lechem min haarez“ (Gesegnet seist Du, Gott, unser Gott, König des Universums, der das Brot aus der Erde hervorbringt).

 

Das ungesäuerte Brot muss drei Bedingungen erfüllen, um für das Passahfest tauglich zu sein:

 

1. Es muss ungesäuert sein;

Sauerteig ist in der Bibel ein Symbol für Sünde, und Gott duldet in einem jüdischen Haus nicht einmal das Symbol für die Sünde. Der Leib Christi war ungesäuert, denn Er war sündlos. Hätte Jesus nur eine einzige Sünde begangen, so hätte Ihn dies zum Passahopfer untauglich gemacht. Aber Jesus war der einzige Jude, den es je gab, der das mosaische Gesetz vollkommen gehalten hatte. Mit Seinem „ungesäuerten” Leib war Er für das Sündopfer qualifiziert.

 

2. Das Brot muss gestreift sein;

Auch der Leib Christi war durch die Peitschenhiebe bei der Geißelung durch die Römer gestreift. In Jesaja 53,5 lesen wir über die Streifen: „Durch Seine Wunden [Anm. d. Übers.: wörtl. Striemen, Einschnitte] sind wir geheilt.“

 

3. Es muss durchstochen sein;

Wenn man es gegen das Licht hält, so muss das Licht hindurch scheinen können. Auch der Leib Christi war von den Nägeln in seinen Händen und Füßen und durch den Speer in seiner Seite durchstochen. In Sacharja 12,10 lesen wir über das Durchstechen Folgendes: „... Und sie werden mich ansehen, den sie durchbohrt haben...“ Das ungesäuerte, gestreifte und durchstochene Passahbrot ist ein einzigartiges Bild für den Leib Christi.

 

Während des Passah- oder Sedermahls wird mit dem ungesäuerten Brot eine besondere Zeremonie eingehalten.

 

 

Der Wein

 

Das andere, für die Juden wichtige Grundelement ist der Wein. Wein ist ein Zeichen der Freude: „Der Wein erfreut des Menschen Herz“ (Ps 104,15).

 

Während des Passahfestes wird der Segen über den Wein gesprochen:

Baruch ata Adonai, Elohenu Melech ha’Olam, borej pri hagafen“ (Gesegnet seist Du, Gott, unser Gott, König des Universums, Schöpfer der Frucht des Weinstocks).

 

Jeder Teilnehmer trinkt an einem bestimmten Punkt des Passah- oder Sedermahls vier Kelche Wein. Der erste Kelch ist für das Kiddusch, der zweite für Maggid, der dritte für Birkat ha-Mazon und der vierte für das Hallel. Jeder Kelch hat seine eigene Bezeichnung und ist voller Symbolgehalt.

 

 

Die vier Kelche Wein + Der Kelch des Elia

(1Mo 40,11-13; 2Mo 6,6-7; LK 22,20)

 

Wein ist ein Symbol der Freude. Das rabbinische Gesetz schreibt vor, dass während des Seder vier Kelche Wein getrunken werden müssen. Gemäß dem rabbinischen Gesetz muss es ein Rotwein sein. Die vier Kelche symbolisieren die viermalige Verheißung der Befreiung durch den HERRN, die „vier Phasen der Erlösung“ gemäß Gottes Beauftragung an Mose (2Mo 6,6-7).

 

2. Mose 6,6-7

6 Darum sage den Kindern Israels: Ich bin der HERR, und ich will euch aus den Lasten Ägyptens HERAUSFÜHREN (1. Kelch) und will euch aus ihrer Knechtschaft ERRETTEN (2. Kelch) und will euch ERLÖSEN (3. Kelch) durch einen ausgestreckten Arm und durch große Gerichte. 7 Und ich will euch als mein Volk ANNEHMEN (4. Kelch) und will euer Gott sein; und ihr sollt erkennen, dass ich, der HERR, euer Gott bin, der euch aus den Lasten Ägyptens herausführt

 

1. Der Kelch der HEILIGUNG (manchmal auch Kelch des Segens oder der Danksagung; Koss Rischon)

HERAUSGEFÜHRT aus Ägypten;

 

2. Der Kelch der ERRETTUNG bzw. des GERICHTS (manchmal auch Kelch der Plagen; Koss Scheni)

ERRETTUNG aus der Macht des Pharaos;

 

3. Der Kelch der ERLÖSUNG (Koss Schlischi)

ERLÖST und frei, um ins verheißene Land einzuziehen;

Für die Juden ist er ein Symbol der leiblichen Erlösung, die ihre Vorfahren in Ägypten durch das Blut des Passahlammes erlebt haben. Für die Christen ist er ein Symbol für die geistige Erlösung von der Sklaverei der Sünde durch das Blut des einziggeborenen Sohnes Gottes.

 

4. Der Kelch des LOBPREISES (manchmal auch der Kelch der WIEDERHERSTELLUNG; Koss Revi’i)

ANGENOMMEN und Einzug ins verheißene Land.

 

Für jeden der vier von Gott in dieser Verheißung verwendeten Ausdrücke trinkt man je einen der Weinkelche (vgl. Hes 34,13).

 

Da die Tradition, während des Passah- oder Sedermahls vier Kelche Wein zu trinken, während der Zeit des Zweiten Tempels eingeführt wurde, werden die vier Kelche auch als Hinweis auf die Befreiung von den vier Großreichen, die Israel unterdrückten, verstanden: den Ägyptern, den Babyloniern, den Griechen und den Römern.

 

Es gibt bei der Passahzeremonie noch einen fünften Kelch.

 

5. Der Kelch des Elia (Koss Elijahu) 

Dieser Kelch ein extra Becher Wein, gefüllt in der Hoffnung, dass der Prophet Elia kommt und die Ankunft des Messias verkündigt. Die rabbinische Tradition besagt, dass der Messas am Passahfest kommen wird, der Zeit der Errettung, um die endgültige Erlösung von der Zerstreuung zu bringen. Maleachi 3,23 zufolge muss aber zuerst Elia kommen. Dieser Kelch symbolisiert den Kelch des Abendmahls und weist auf Jesus Christus hin. Er bleibt in der Regel unberührt und ist ein Zeichen des Wartens auf das Erscheinen des Messias. Juden verbinden mit dem Passahfest interessanterweise bis heute das Warten auf den Messias. Elia wird kommen und dem Messias den Weg bereiten. Gleichzeitig wird Elia zu einem Synonym für den kommenden Messias. So ist jede einzelne Passahfeier mit dem Thema der messianischen Erwartung verbunden.

 

 

Brot und Wein als Zeichen des Segens︎

In der Abrahamsgeschichte begegnet uns Melchisedek, der Priester Gottes, des Höchsten, der Himmel und Erde geschaffen hat (1Mo 14,1-24). Der Begriff „Melchisedek“ ist zusammengesetzt aus „Melech“ und „Zedek“ und bedeutet „König der Gerechtigkeit“ oder „König der Gerechten“. Er wird auch „König von Salem“ genannt. Im Hebräerbrief wird „Salem“ mit Frieden (Schalom) übersetzt, also „König des Friedens“. Melchisedek segnet Abraham und überreicht ihm Brot und Wein als Zeichen des Segens, der ihm bei seiner Berufung verheißen wurde: „Ich will dich segnen und du sollst ein Segen sein“ (1Mo 12,2). Da dieser Segen auch für Abrahams Nachkommen gelten soll, wurden Brot und Wein zu unverzichtbaren Segenszeichen bei jedem Schabbat und den großen Festen Israels.

 

 

Der Ablauf des Sederabends

Der Sederabend leitet das Passahfest ein und ist zugleich Höhepunkt des Festes. Der Begriff „Seder“ bedeutet „Anordnung“ bzw. „Ordnung“ und wird auch als Kurzbezeichnung für den Sederabend verwendet.

 

Einige Jahrhunderte vor Christus begann sich eine gewisse traditionelle Form der Sederform herauszubilden. Der Seder schreibt den traditionellen Ablauf der aus der Bibel vorzulesenden Abschnitte, der Gebete, der symbolischen Speisen und der Lieder innerhalb des Passahdienstes vor. Der prinzipielle Ablauf des Passahseder blieb bis heute so erhalten, wie er vor 2.000 Jahren war, obgleich der Dienst im Mittelalter mit vielen Liedern und Traditionen bereichert wurde.

 

Der Sederabend hat somit eine festgelegte Reinfolge. Hierzu gehört die Lesung der Passah-Haggadah. Der Begriff „Haggadah“ bedeutet „Erzählung“. Hierbei handelt es sich um ein Buch oder Heft mit einer ausführlichen Wiedererzählung der Knechtschaft sowie des Auszugs aus Ägypten, samt Festvorschriften für den Sederabend.

 

Der Sederabend ist das wichtigste Familienfest. Doch auch die alleinlebende Witwe aus dem Nachbarhaus, auch der einsame Mann von gegenüber, der keine Angehörigen hat, und auch der Fremdling, der im Lande weilt und sich zu Israel halten will, werden dazu geladen. In dieser Nacht darf kein Jude allein sein und allein feiern. Denn Passah ist das Fest der Verschonung Israels, also des ganzen Volkes und kann nur im „Wir“ der Gemeinschaft begangen werden: „WIR waren Knechte Pharaos in Ägypten ... aber der Herr befreite UNS ... und nun sind WIR auf dem Wege von Ägypten bis in die Zeit des messianischen Heils. Es ist UNSER Weg.“

 

Der Sederabend besteht aus drei Teilen. Der erste Teil ist vergangenheitsorientiert auf die Geschichte Israels, auf die großen Taten Gottes für sein Volk Israel, wobei im Vordergrund die Befreiung aus Ägypten steht. Der zweite Teil wird das Sedermahl sein, von der Hausfrau sorgfältig vorbereitet. Der dritte Teil gilt der Hoffnung Israels, seiner Zukunft, der Zeit der endgültigen Erlösung und des Heils, dem Ziel des jüdischen Glaubens und seiner Geschichte.

 

Der Seder selbst basiert auf dem biblischen Vers, der den Juden befiehlt, die Geschichte des Auszugs aus Ägypten nachzuerzählen: „Und du sollst [das] deinem Sohn an jenem Tag erklären und sagen: Es ist um deswillen, was der HERR an mir getan hat, als ich aus Ägypten zog“ – 2. Mose 13,8

 

Der traditionelle jüdische Seder beinhaltet ein gemächliches Essen mit vielen Elementen. Während es einen großen Wert in der Einhaltung der Tradition gibt, ist der Ablauf des Sederabends nicht immer einheitlich und variiert in Einzelheiten. Hier ein möglicher Ablauf in 14 Schritten (bzw. 15, wenn man die Zeremonie des Kerzenanzündens zu Beginn der Feier mitzählt):

 

 

Nerot – Das Anzünden der Jom Tov (Feiertags)-Kerzen

Vor Beginn eines jeden Schabbats oder jüdischen Feiertags ist es Tradition, dass die Frauen des Haushalts (oder jede Einzelperson) zwei Kerzen zu Ehren der Heiligkeit des Tages anzünden.

 

Die Kerzen für das Passahfest werden von der (ältesten) Frau des Hauses spätestens 18 Minuten vor Sonnenuntergang am 14. Nissan (d.h. Erew Pessach) angezündet. Nachdem sie die Kerzen angezündet hat, streicht sie dreimal mit den Händen über die Flammen (als ob sie den Feiertag begrüßen würde) und bedeckt ihre Augen mit den Händen (damit sie die brennenden Kerzen nicht sehen kann) und singt (oder sagt/rezitiert): 

 

„Baruch atah Adonai, eloheinu melech ha-olam, asher kid'shanu b'mitzvotav v'tzivanu l'hadlik ner shel (shabbat v'shel) yom tov“

 

„Gesegnet seist Du, Herr, unser Gott, König des Universums, der uns mit seinen Geboten geheiligt und uns befohlen hat, die (Schabbat Lichter und) Jom Tov (Feiertags)-Lichter anzuzünden“

 

Hinweis: Fällt Passah (Pessach) auf den Schabbat, fügt man vor der Endung „schabbat v'shel“ ein.

 

 

1. Kadesch (קדש)

(Rezitation von Kiddusch; Gebet der Heiligung und der erste Kelch Wein; Koss Rischon, der Kelch der Heiligung)

 

Der Seder beginnt. Man durchlebt nun aufs Neue die wirklichen Ereignisse beim Auszug aus Ägypten. 

 

Beim traditionellen Seder ruft der Hausherr oder Sederleiter aus: „Kadesch!“ und es werden die Kelche (auch Becher genannt) mit Wein gefüllt. Der Leiter erhebt den Kelch und bittet alle Anwesenden aufzustehen. Nun wird der traditionelle Segen über den Wein rezitiert:

 

„Baruch atah Adonai eloheinu melech ha-olam, borei peri hagafen“

 

„Gesegnet seist Du, Herr, unser Gott, König des Universums, Schöpfer der Frucht des Weinstocks“

 

Als nächstes liest der Leiter die folgenden Worte aus der Passah-Haggadah vor:

 

„Baruch atah Adonai eloheinu melech ha-olam, asher bachar banu mikol am veromemanu mikol lashon, v'kideshanu b'mitzvotav. Vatiten lanu Adonai eloheinu b'ahavah mo'adim I'simchah, chaggim uzemanim l'sason,; et yom chag hamatzot hazeh, z'man cheruteinu, mikra kodesh, zikher litziat mitzrayim Ki vanu vacharta v'otanu kidashta mikol ha'amim, umod'adei kodshekha b'simchah uvesason hinchaltanu, Baruch atah Adonai, m'kadesh Yisrael v'hazemanim“

 

„Gesegnet seist Du, Herr, unser Gott, König des Universums, der uns aus allen Völkern erwählt und uns aus allen Nationen erhöht und uns mit seinen Geboten geheiligt hat. Und du hast uns, Herr, unser Gott, mit Liebe bestimmte Zeiten zur Freude gegeben, Feste und Zeiten der Freude, den Tag dieses Festes des Mazzot, die Zeit unserer Freiheit, eine heilige Versammlung, ein Gedenken an den Auszug aus Ägypten. Denn du hast uns aus allen Völkern erwählt und geheiligt, und die Feste deines Heiligtums in Freude und Jubel hast du uns zum Erbe gegeben. Gesegnet seist Du, Adonai, der Israel und die Jahreszeiten heiligt“

 

 

Der Schehechejanu-Segen

Nach dem Kiddusch-Segen für den ersten Kelch wird der Schehechejanu-Segen rezitiert:

 

„Baruch atah Adonai eloheinu melech ha-olam, she-hecheyanu ve'ki-yemanu ve'higianu lazeman hazeh“

 

„Gesegnet seist Du, Herr, unser Gott, König des Universums, der Du uns hast leben lassen, uns erhalten hast und uns hast diese Zeit erreichen lassen“

 

Nach dem Schehechejanu-Segen trinken alle den ersten Kelch Wein, während man sich nach links lehnt oder zurücklehnt. Für diesen Schritt des Seders werden Kissen benötigt.

 

Hinweis: Findet Passah (Pessach) am Schabbat statt, werden dem Kadesch zusätzliche Worte hinzugefügt. In einem guten Siddur findet man weitere Informationen.

 

 

2. Urchatz (ורחץ)

(Waschung der Hände)

 

Der zweite Punkt des Pessach-Seders beginnt und besteht darin, sich die Hände zu waschen, bevor man den Karpas isst. Dies ist ein symbolischer Akt der Reinigung vor dem Sedermahl. Zu beachten ist, dass der Segensspruch zum Händewaschen (hebr. Netilat Jadajim) an dieser Stelle absichtlich nicht gesprochen wird.

 

Der Talmud fragt: „Warum waschen wir uns an dieser Stelle des Seders die Hände?“ Und antwortet, dass dies eine unerwartete Aktivität ist, welche die Kinder dazu veranlasst, Fragen zu stellen. Tatsächlich ist ein Großteil des Passahfestes auf Kinder ausgerichtet, denn es steht geschrieben: „In jeder Generation muss sich jeder Mensch so fühlen, als wäre er persönlich aus Ägypten gezogen, wie es in der Tora heißt: Du sollst deinem Kind an diesem Tag sagen: Als ich Ägypten verließ, hat Adonai Wunder für mich getan“.

 

 

Ablauf zum Händewaschen

Der Sederleiter ruft „Urchatz!“, und dann beginnen alle Anwesenden mit der Zeremonie des Händewaschens. Manchmal wächst sich auch nur der Leiter die Hände.

 

Man füllt ein Gefäß mit Wasser und gießt es dreimal über die rechte Hand, dann dreimal über die linke Hand. Es ist üblich, dass die Kinder den Gästen das Handtuch überreichen, während jeder das Ritual durchführt.

 

Es ist wahrscheinlich, dass Jesus seinen Jüngern an dieser Stelle des frühen Seders, den er mit ihnen hielt, die Füße gewaschen hat (vgl. Joh 13,4-12).

 

 

3. Karpas (כרפס)

(Vorspeise; Petersilie & Salzwasser)

 

Der dritte Punkt des Passah-Seders ist der Verzehr des Karpas, eines Gemüses (oft Petersilie, Sellerie oder Rettich), das in Salzwasser oder Essig getaucht wird.

 

Es gibt verschiedene Erklärungen für das Karpas-Ritual, darunter die Idee, dass es ein Mittel ist, um die Kinder am Seder neugierig zu machen, oder dass es ein Luxus des freien Menschen ist, eine Vorspeise vor einem ausgefallenen Mahl zu essen. Das Gemüse symbolisiert die bescheidene Herkunft des jüdischen Volkes und die „zermürbende Arbeit“, die das Volk Israel in Ägypten ertrug. Das Salzwasser symbolisiert die Tränen der Angst und Verzweiflung, die infolge der Sklaverei vergossen wurden. Petersilie wird oft zu diesem Zweck verwendet, denn wenn man das Salzwasser abschüttelt, ähnelt es den Tränen.

 

Der Sederleiter ruft „Karpas!“, und alle Anwesenden sprechen den folgenden Segensspruch (Segen für die Früchte der Erde; Gemüse), bevor sie ihr Gemüse in Salzwasser tauchen und essen:

 

„Baruch atah Adonai eloheinu melech ha-olam, borei p'ri ha'adamah“

 

„Gesegnet seist Du, Herr, unser Gott, König des Universums, der die Frucht der Erde erschafft“

 

Der Leiter nimmt etwas Petersilie (Karpas), tunkt sie in Salzwasser und isst davon. Danach reicht er sie reihum.

 

Zu beachten ist, dass man während des Seders zweimal eintaucht – das zweite Mal taucht man das Maror in das Charosset – als symbolischen Akt der Freiheit. Daher lautet eine der „Vier Fragen“, die gestellt werden: „Warum tauchen wir zweimal ein?“

 

Die Petersilie steht auch für den Ysop, mit dem das Blut des Passahlammes an die Türpfosten und den Türsturz oder Oberschwelle des Hauses gestrichen wurde. 

 

Heute streichen Christen das Blut an die Türpfosten ihrer Herzen, indem sie ihr Vertrauen in das Werk Jesu (Jeschua) als das Passahlamm setzen.

 

 

4. Jachatz (יחץ)

(Brechen/teilen des Mazzot und Verstecken des Afikomans)

 

Jachatz ist der vierte Schritt des Passah-Seders. In der Mitte der Festtafel liegt ein meist weißer Beutel (Passah- oder Mazzottasche) mit drei Fächern, der an einer Seite offen ist. In jedes Fach wird vor dem Seder ein Mazzot gelegt, so dass die drei Stücke Brot jeweils durch ein Tuch voneinander getrennt sind. 

 

Der Leiter zeigt das Brot allen Anwesenden und sagt:

 

„Das ist das „lechem oni“ – das „Brot der Bedrängnis od. der Armut“ –, das unsere Vorväter im Land Ägypten gegessen haben. Wer in Not ist, komme und feiere Passah. Dieses Jahr sind wir hier – im nächsten Jahr im Land Israel. Dieses Jahr sind wir Sklaven – nächstes Jahr freie Menschen“

 

Der Sederleiter nimmt das mittlere Stück, ruft „Jachatz!“ und bricht es in zwei Hälften. Dann nimmt er das größere Stück (Afikoman genannt) und wickelt es sorgfältig in ein Leinentuch. Der Leiter sagt dann den anwesenden Kindern, dass sie ihre Augen schließen sollen. Nun wird das Afikoman irgendwo im Raum versteckt. Meist unter ein Kissen.

 

Im weiteren Verlauf des Seders ermutigen die Eltern die Kinder oft, das versteckte Afikoman zu suchen. Da der Seder ohne das Afikoman nicht enden kann, erhält das Kind eine Belohnung, sobald es das Afikoman gefunden hat (was zum Ende des Seders geschehen soll), und jeder Teilnehmer erhält ein kleines Stück. Dann werden die Weinkelche wieder aufgefüllt und das Tischgebet kann zum Abschluss des Mahls gesprochen werden. Vielleicht besteht der Hintergedanke des „Afikoman-Spiels“ darin, die Kinder während der gesamten Zeremonie aufmerksam zu halten.

 

 

Warum drei Mazzot? Warum Afikoman?

Es gibt einige Spekulationen darüber, warum es beim Seder drei Mazzot gibt. Einige jüdische Gelehrte haben vorgeschlagen, dass sie Abraham, Isaak und Jakob darstellen. Aber warum wird dann die mittlere Mazza (die dann für Isaak steht) in zwei Hälften gebrochen? Ist dies ein Hinweis auf die „Akedah“ (die Bindung Isaaks) durch Abraham? Wenn ja, ist dies eine klare Anspielung auf die Opferung Jesu, denn das erste Vorkommen des Wortes „Liebe“ in der Bibel (ahava; 1Mo 22,2) bezieht sich auf die Liebe eines Vaters zu seinem „einzigen“ Sohn, der auf dem Berg Moria (dem Ort der Kreuzigung Jesu) geopfert wurde. Ein klarer Hinweis auf die Botschaft des Evangeliums (Joh 3,16).

 

Zu bedenken ist, wie die „Akedah“ ein prophetisches Bild des Herrn Jesus als „Lamm Gottes“ (Seh ha-Elohim) liefert, das die Sünden der Welt wegnimmt (Joh 1,29). Sowohl Isaak als auch Jesus wurden auf wundersame Weise geboren; beide waren „eingeborene Söhne“; beide sollten von ihren Vätern auf dem Berg Morija geopfert werden; beide sollten am dritten Tag auferstehen (1Mo 22,5; Hebr 11,17-19); beide nahmen bereitwillig die Mittel zu ihrer Hinrichtung auf sich; und beide zeigen, dass ein Leben für ein anderes geopfert werden kann – der Widder für Isaak und Jesus für die gesamte Menschheit.

 

Eine andere Überlieferung besagt, dass die drei Mazzot das Volk Israel, die Priester bzw. die Leviten darstellen. Aber warum sollten die Priester in diesem Fall als „gebrochen“ dargestellt werden? Ist nicht Jesus der „Hohepriester unseres Bekenntnisses“ (Hebr 3,1), der durch das Vergießen seines Blutes im Allerheiligsten, das ohne Hände gemacht wurde, für die ewige Erlösung gesorgt hat (Hebr 9,1.1-12; 10,11-12.21-23)? Warum sollte die Symbolik des gebrochenen Priesters in den Passah-Seder einbezogen werden? Hat nicht der Prophet Jesaja vorausgesagt, dass der Messias „um unserer Übertretungen willen verwundet“ und „um unserer Missetaten willen gequält“ werden würde und dass „durch seine Striemen wir geheilt werden“ (Jes 53)?

 

Das Afikoman-Ritual ist seit der Zeit des Zweiten Tempels Teil der Passahzeremonie und wäre daher auch zur Zeit Jesu (Jeschuas) Teil des Passahgottesdienstes gewesen. In der Tat ist das griechische Wort „aphikomenos“ ein Partizip, das „er kommt“ bedeutet und daher messianische Untertöne hat.

 

Zu bedenken ist ferner, dass die drei Mazzot, von denen eine zerbrochen ist, ein Bild für die Dreieinigkeit Gottes sind, wobei der Schwerpunkt auf dem mittleren zerbrochenen Stück Mazza liegt, das ein Bild des leidenden Messias Jesus (Jeschua) ist. In Lukas 22,19 nimmt Jesus dieses Brot und bezeichnet es als Seinen Leib: „Und Er nahm das Brot, dankte und brach's und gab‘s ihnen und sprach: Das ist mein Leib, der für euch gegeben wird; das tut zu meinem Gedächtnis“

 

Man bedenke, dass dieses Stück genommen, eingewickelt und sorgfältig versteckt wird, um erst am Ende des Seders von kleinen Kindern entdeckt zu werden. Dies ist ein Sinnbild für den Tod, das Begräbnis und die Auferstehung Jesu/Jeschuas aus den Toten. 

 

Die Evangelien berichten klar, dass man den Leib Jesu, als er vom Kreuz genommen wurde, auch in ein leinenes Tuch wickelte.

 

Erst wenn man an dem Lamm Gottes teilgehabt hat, das für unsere Übertretungen geschlachtet wurde, kann man die Belohnung verstehen und ergreifen, die denen zuteil wird, die nach ihm suchen.

 

Das Kind, dass das versteckte Afikoman findet, ruft laut: „Ich fand es!“ und bekommt daraufhin vom Vater ein Geschenk versprochen. Dieses Geschenk muss spätestens nach fünfzig Tagen, zum Wochenfest/Pfingsten (Schawuot), eingelöst werden. Nach einiger Zeit, beim dritten Kelch Wein, wird der gefundene Afikoman wieder hervorgeholt, aus dem Tuch herausgenommen – was auf die Auferstehung hinweist – und in kleinere Stücke zerbrochen, so dass jeder Teilnehmer ein Stück bekommt und isst, was auf das Abendmahl hinweist.

 

Das versprochene Geschenk ist bekannt als „das Versprechen des Vaters“. Als der Vater den Sohn auferweckte, erhalten genauso diejenigen vom Vater Geschenke, die vertrauensvoll an Jesus glauben. Als Jesus in den Himmel auffuhr, gab Er den Menschen Geschenke (Eph 4,7-8). Diese Geschenke umfassen Gerechtigkeit (Röm 5,17-18), ewiges Leben (Röm 6,23), Gnade (Röm 5,12;14-17), Glauben (Eph 2,8-9) und andere Geistesgaben (1Kor 12,1.4). Weitere Geschenke beinhalten Weisheit, Erkenntnis, Heilung, Wunderwirken, Prophetie, Unterscheidung der Geister, Sprachen, und Auslegung der Sprachen (1Kor 12,8-11), Gaben des Helfens und der Leitung (1Kor 12,28).

 

Vorbereitung auf den zweiten Kelch: Nach dem Jachatz-Ritual wird oft der Wein für den zweiten Kelch des Seders eingegossen

 

 

5. Maggid (מגיד)

(Nacherzählung des Auszuges aus Ägypten; Fragen des jüngsten Kindes und der zweite Kelch Wein; Koss Scheni, der Kelch der Errettung; auch des Gerichts)

 

2. Mose 12,26-27

26 Und wenn eure Kinder zu euch sagen werden: Was habt ihr da für einen Brauch?, 27 sollt ihr sagen: Es ist das Passaopfer des HERRN, der an den Israeliten vorüberging in Ägypten, als er die Ägypter schlug und unsere Häuser errettete. Da neigte sich das Volk und betete an

 

Man kann das Sedermahl erst dann einnehmen, wenn die Geschichte des Passahfestes mit Freude und Dankbarkeit nacherzählt wurde. Im Maggid-Abschnitt des Passah-Seders liest man aus der Haggadah über „Jetziat Mitzraim“ – den Auszug aus Ägypten.

 

Dieser Maggid-Abschnitt des Seders besteht aus den folgenden Abschnitten:

1. Die vier Fragen

2. Wir waren Sklaven

3. Die vier Söhne

4. Die Nacherzählung der Geschichte

5. Der zweite Kelch

 

Beim traditionellen Seder ruft der Hausherr oder Sederleiter aus: „Maggid!“

 

 

Die vier Fragen

Um die Geschichte nachzuerzählen, wird meist das jüngste Kind gebeten, die „Vier Fragen“ über diesen besonderen Abend aufzusagen (oder zu singen). Das Kind rezitiert zunächst die Eingangsfrage nach dem Zweck des Pessach-Seders:

 

„Mah nishtanah ha-lailah hazeh mikol ha-leilot?“

 

„Was unterscheidet diese Nacht von allen anderen Nächten?“

 

Dann fährt das Kind mit den vier Fragen fort:

 

Erste Frage:

„She-b'khol ha-leilot anu okhlin chameytz u-matzah. Ha-lailah hazeh kulo matzah?“

 

„In allen andern Nächten essen wir Gesäuertes und Ungesäuertes – in dieser Nacht nur Ungesäuertes?“

 

Antwort: Mazzot erinnert uns daran, dass die Juden, als sie Ägypten verließen, keine Zeit hatten, ihr Brot zu backen, sondern rohen Teig nahmen und ihn (in der Wüstensonne) zu Keksen backten.

 

Zweite Frage:

„She-b'khol ha-leilot anu okhlin she'ar y'rakot. Ha-lailah hazeh maror?“

 

„In allen andern Nächten essen wir alle Arten von Kräutern – in dieser Nacht nur Bitterkraut?“

 

Antwort: Maror erinnert uns an die bittere und grausame Art und Weise, wie der Pharao das jüdische Volk als Sklaven in Ägypten behandelte.

 

Dritte Frage:

„She-b'khol ha-leilot ein anu matbilin afilu pa'am echat. Ha-lailah hazeh shetei fe'amim?“

 

„In allen andern Nächten müssen wir nicht eintunken, auch nicht ein einziges Mal – in dieser Nacht zwei Mal?“

 

Antwort: Wir tauchen bittere Kräuter in Charosset, um uns an die Bitterkeit unserer Sklaverei zu erinnern. Die gehackten Äpfel und Nüsse sehen aus wie Lehm, aus dem die Ziegel für die Gebäude des Pharaos gemacht wurden. Wir haben Petersilie in Salzwasser getan, um uns an die Tränen unserer Gefangenschaft zu erinnern.

 

Vierte Frage:

„She-b'khol ha-leilot anu okh'lin bein yosh'vin u'vein misubin Ha-lailah hazeh kulanu mesubin?“

 

„In allen andern Nächten essen wir sitzend oder angelehnt — in dieser Nacht alle angelehnt?“

 

Antwort: Wir stützen uns auf unsere Kissen, um uns daran zu erinnern, dass wir jetzt frei sind und nicht mehr als Sklaven leben.

 

Eines der Hauptziele des Passahfestes ist es, die nachfolgende Generation in die Geschichte des eigenen Volkes einzuführen und bezüglich der Erlösung zu lehren. Gott gebot‚ die Vorkommnisse des Auszuges aus Ägypten den Kindern einzuschärfen (2Mo 12,26; 13,8.14; 5Mo 4,9-10; 6,6-8.20; Ps 78,5).

 

 

Wir waren Sklaven: Die Antwort: Avadim Hajinu

Der Sederleiter und alle Anwesenden antworten mit dem Avadim Hajinu, einer Kombination aus 5. Mose 6,21 und 5. Mose 4,34:

 

„Avadim hayinu le-pharaoh b'mitzraim. vai-yotzieinu Adonai Eloheinu misham b'yad chazakah uvizeroah netuyah“

 

„Wir waren Sklaven des Pharaos in Ägypten. Aber der Herr, unser Gott, hat uns durch einen mächtigen und ausgestreckten Arm von dort herausgeführt“

 

 

B'Chol dor vador – Das Passah (Pessach) zu seinem eigenen Fest machen

Jüdische Gelehrte lehren: B'Chol dor vador – in jeder Generation sollte sich der Einzelne so betrachten, als ob er (persönlich) Ägypten verlassen hätte. Es reicht nicht aus, sich abstrakt an die Befreiung des jüdischen Volkes im alten Ägypten zu erinnern, sondern jeder Jude ist dafür verantwortlich, das Passahfest persönlich als eine Zeit des Gedenkens an seine eigene persönliche Befreiung aus der Knechtschaft des Pharao zu betrachten. Deshalb wird der Sederleiter jeden auffordern, das Folgende gemeinsam zu rezitieren:

 

„V'ilu lo hotzi, hakadosh barukh hu, et-avoteinu mi-mitzraim, harei anu u'vaneinu uv'nei vaneinu, m'shubadim hayinu le-pharaoh b'mitzraim“

 

„Hätte der Heilige, gepriesen sei Er, unsere Vorfahren nicht aus Ägypten herausgeholt, dann wären wir, unsere Kinder und die Kinder unserer Kinder noch immer in Ägypten versklavt an Pharao“

 

„Baruch Ha-Makom, baruch hu! Baruch she-natan Torah le-'amo Yisrael! Baruch hu!“

 

„Gesegnet im Allgegenwärtigen, gesegnet sei Er! Gesegnet sei Er, der Seinem Volk Israel die Tora gab, gesegnet sei Er!“

 

Man muss sich daran erinnern, dass die Erlösung, die durch „Seh Elohim ha-Gadol“ – das „große Lamm Gottes“ – erlangt wurde, nicht etwas Abstraktes ist, sondern etwas sehr Persönliches, und wenn es nicht seine persönliche Liebe und sein persönliches Opfer für uns gäbe, wären Juden noch immer dem „größeren Pharao“ (Satan) versklavt, dem Gott dieser Welt, der die Augen derer blendet, die nicht glauben (vgl. 2Kor 4,4).

 

 

Das Gleichnis von den vier Söhnen

Die Geschichte von den vier Söhnen wird auch beim Pessach-Seder gelesen. Jeder der vier Söhne symbolisiert einen anderen Typus von Juden und seine Beziehung zur Tora:

 

„Keneged arba'ah vanim dib'rah torah Echad chakham; v'echad rasha', v'echad tam, v'echad she'eino yodea lish'ol“

 

„Die Tora spricht von vier Arten von Söhnen: einer ist weise, einer ist böse, einer ist primitiv, und einer weiß nicht, was er fragen soll“

 

1. Der weise Sohn (chakham) erkundigt sich, warum die Juden die Passah-Bräuche praktizieren. Der Sederleiter bezeichnet diesen Sohn als weise, weil er mehr über die Traditionen seines Volkes wissen will. Der Seder ist für ihn!

 

2. Der böse Sohn (rasha) will nichts mit den Passah-Traditionen zu tun haben und fragt, warum das jüdische Volk – außer ihm – die Passah-Bräuche praktiziert. Der Leiter des Seders bezeichnet diesen Sohn als böse, weil er meint, dass die Passah-Bräuche von anderen Juden befolgt werden sollten, aber nicht von ihm. Er ist ein Heuchler!

 

3. Der primitive Sohn (tam) ist etwas verwirrt über den Passah-Seder und seine Rituale. Der Leiter des Seders ermahnt ihn, dass Gott den Juden während der Zeit ihrer Sklaverei in Ägypten wohlgesonnen war und dass es wichtig ist, sich an Gottes Rettung mit Dankbarkeit zu erinnern.

 

4. Dem Sohn, der nicht genug weiß, um zu fragen (she'eino yodea lisho), wird gemäß dem biblischen Gebot einfach die Passahgeschichte erzählt: „Du sollst deinem Sohn sagen an demselben Tage: Das halte ich um dessentwillen, was mir der HERR getan hat, als ich aus Ägypten zog“ (2Mo 13,8). Leider sind die meisten säkularen Juden heute wie dieser Sohn.

 

Die Geschichte von den vier Söhnen soll den weisen Sohn loben und uns ermutigen, uns an die jüdischen Wurzeln unseres Glaubens zu erinnern. Wir müssen die Tora studieren und die jüdische Lebensweise respektieren, denn wenn wir dies vernachlässigen, haben wir in unserer Verantwortung gegenüber unserem Erbe versagt. Der weise Sohn versteht die Bedeutung seines Erbes und sieht es als Mittel, das Wissen über den HERRN, den Gott Israels, für die Nachwelt zu bewahren.

 

 

Geh und lerne – Die Geschichte der Sklaverei

Die meisten Haggadot beginnen die Geschichte der Sklaverei in Ägypten mit der Lesung von 5. Mose 26,5-8 (aus Paraschat Ki Tisa), die als zusammenfassende Erklärung verwendet wird:

 

„Ein wandernder Hebräer war mein Vater. Und er zog hinab nach Ägypten und blieb dort, wenige an der Zahl, und dort wurde er ein Volk, groß, mächtig und bevölkerungsreich. Und die Ägypter behandelten uns hart und demütigten uns und legten uns schwere Arbeit auf. Da schrien wir zu dem HERRN, dem Gott unserer Väter, und der HERR hörte unsere Stimme und sah unsere Not, unsere Mühsal und unsere Bedrückung. Und der HERR führte uns aus Ägypten mit mächtiger Hand und ausgestrecktem Arm, mit großen Schreckenstaten, mit Zeichen und Wundern.“

 

Der Sederleiter kann dann (je nach der für den Seder gewählten Haggadah) ausführlich auf den Auszug aus Ägypten eingehen, beginnend mit der Geschichte, wie das jüdische Volk in Ägypten zu Sklaven wurde, und ihrer wunderbaren Rettung durch den HERRN, die in der Aufzählung der Zehn Plagen gipfelt:

 

 

Nacherzählung der Geschichte des Auszugs aus Ägypten in der Zusammenfassung:

01. Die Geburt von Mose (2Mo 1,1–2,10)

02. Mose in Midian (2Mo 2,11–4,17)

03. Mose kehrt nach Ägypten zurück (2Mo 4,18–6,12)

04. Die 10 Plagen (2Mo 6,28–11,10)

05. Das Blut des Lammes und das Passahfest des HERRN (2Mo 12,1-30)

06. Der Auszug aus Ägypten (2Mo 12,31–13,16)

07. Die Durchquerung des Meeres (2Mo 13,17–15,21)

08. Vom Meer zum Berg Sinai (2Mo 15,22–18,27)

 

 

Die zehn Plagen – Eser ha-Makot

Zuerst nimmt man drei Tropfen Wein (aus dem zweiten Kelch), schüttet sie auf einen Teller und sagt:

 

„Dam va'eish v'timerot 'ashan“

 

„Blut und Feuer und dichter Rauch...“

 

„Eilu eser makot she-heivi hakadosh baruckh hu al ha-mitzrim b'mitzraim. v'eilu hen:“

 

„Dies sind die zehn Plagen, die der Heilige, gepriesen sei Er, über die Ägypter in Ägypten sandte. Und diese sind:“

 

Wenn die Haggadah gelesen wird, verschüttet man bei der Erwähnung jeder Plage einen Tropfen Wein:

 

01. Dam; Blut (2Mo 7,14-25)

02. Tzefardea; Frösche (2Mo 7,26–8,11)

03. Kinim; Stechmücken (2Mo 8,12-15)

04. Arov; Stechfliegen/Hundsfliegen (2Mo 8,16-28)

05. Dever; Viehpest (2Mo 9,1-7)

06. Schechim; Geschwüre/Furunkel (2Mo 9,8-12)

07. Barad; Hagel, mit Feuer vermischt (2Mo 9,13-35)

08. Arbeh; Heuschrecken (2Mo 10,1-20)

09. Choshekh; Finsternis (2Mo 10,21-29)

10. Makat bechorot; Tod der Erstgeborenen (2Mo 11,1–12,36)

 

Hinweis: Zu diesem Zeitpunkt trinkt man noch nicht den zweiten Kelch Wein.

 

Danach singt man in der Regel einige Strophen des alten hebräischen Liedes „Dajenu“ (es wäre genug für uns gewesen):

 

Der hebräische Text sagt aus, dass es genug gewesen wäre, wenn Er (Gott) die Israeliten nur aus Ägypten herausgebracht hätte. Die zweite Strophe fügt hinzu, dass es genug gewesen wäre, wenn Gott die Israeliten nur den Schabbat gegeben hätte; die dritte, dass es genug gewesen wäre, wenn Gott den Israeliten nur die Tora gegeben hätte. Das Lied geht immer weiter und erzählt, wie der HERR sein Volk Israel gesegnet hat. Hier ist ein Auszug aus dem Lied in der Übersetzung:

 

„Ilu hotzi, hotzianu Hotzianu miMitzrayim“ (2x) Dayenu.

 

Refrain: „Dai, dai, yenu (3x) Dayenu dayenu“

 

„Ilu natan natan lanu Natan lanu et haShabbat“ (2x) Dayenu.

 

Refrain: „Dai, dai, yenu (3x) Dayenu dayenu“

 

„Ilu natan natan lanu Natan lanu et haTorah“ (2x) Dayenu.

 

 

Der zweite Kelch (Errettung/Gericht)

Bevor man den zweiten Kelch (Koss Scheni) zu sich nimm, muss man allen Anwesenden die Bedeutung der drei Hauptelemente des Seders erklären: das Passahlamm (Korban Pessach), die Mazza und der Maror.

 

1. Korban Pessach – Das Passahlamm

Die Opferung des Passahlammes diente ursprünglich dem Gedenken an die Juden, die ihr Vertrauen in den HERRN, den Gott Israels, gesetzt hatten, indem sie das vergossene Blut des Passahlammes an ihre Türpfosten und Oberschwelle strichen. Die Nachfolger von Jesus (Jeschua), dem Messias, glauben, dass er der wahre „Seh ha-Elohim“ ist, das „Lamm Gottes“, das die ewige Erlösung von der Sklaverei bietet – nicht von Ahavah und Ägypten, sondern von Satan und Sünde. Sein Opfer am Kreuz ist das Blut, das den Zorn Gottes wirklich von uns abwendet. Für nicht-messianische Juden steht der Schenkelknochen für das „Korban Pessach“, das im Tempel dargebracht wurde, der nach Jesu (Jeschuas) Ankunft zerstört wurde.

 

Die Haggadah erzählt deutlich, wie das Blut eines Lammes, das an den Türpfosten jedes hebräischen Hauses angebracht wurde, den Todesengel dazu veranlasste, über sie „hinwegzugehen“. Im Gegensatz zum rabbinischen Judentum waren es nicht gute Taten, die Jesaja vor Gott als „schmutzige Lumpen“ bezeichnete (Jes 64,6), sondern nur das Blut des Lammes.

 

Zu diesem Zeitpunkt hebt der Sederleiter den Schenkelknochen vom Sederteller hoch, und alle rezitieren die Worte Johannes des Täufers:

 

„Hinnei seh ha'elohim hanosei et-chatat ha'olam!“

 

„Seht das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt wegnimmt!“

 

Auf dem Sederteller bleibt der Schenkelknochen des Lammes unberührt, weil das Korban Pessach nicht mehr geopfert wird. Aber Gläubige an Jesus (Jeschua) verstehen, dass der Tod des Messias die Notwendigkeit eines Opfers, um für Gott annehmbar zu werden, vollkommen und auf ewig erfüllt hat. Durch das Vergießen seines Blutes erlangt man Vergebung der Sünden, und durch seinen Tod wird das Leben geschenkt.

 

2. Mazza – Das ungesäuerte Brot

Das ungesäuerte Brot erinnert daran, dass die Israeliten auf der Flucht aus Ägypten keine Zeit hatten, ihr Brot zu backen. Für messianische Juden steht das Mazza für die Reinheit des Leibes von Jesus (Jeschua) als Gottes Opfer. Man beachtet die Striemen und Löcher des Brotes der Trübsal und man erinnert sich daran, wie Jesus (Jeschua) sich für die Menschen hingegeben hat.

 

3. Maror – Die bitteren Kräuter

Die bitteren Kräuter erinnern an das Leben in der Sklaverei und daran, wie bitter das Leben der Israeliten war, bevor der HERR sie aus der Knechtschaft befreite. Für messianische Juden steht der Maror für die Bitterkeit des Lebens, bevor man durch den Messias wiedergeboren wurde.

 

Nachdem die wichtigsten Elemente des Passah-Seders besprochen wurden, trinkt man den zweiten Kelch Wein, den Kelch der Errettung und sagt:

 

„Baruch atah Adonai eloheinu melech ha-olam, borei peri hagafen“

 

„Gesegnet seist Du, Herr, unser Gott, König des Universums, Schöpfer der Frucht des Weinstocks“

 

Dieser zweite Kelch erinnert an die liebevolle Errettung durch den HERRN aus der Knechtschaft in Ägypten (und der persönlichen Knechtschaft durch den Bösen, durch Satan, der durch den Pharao repräsentiert wird). Hätte Gott die Israeliten nicht aus der Knechtschaft befreit, dann hätte der Böse das Kommen des Messias Jesus als Retter Israels verhindert. Man dankt Gott von Herzen für seine rettenden Taten und seine glorreiche Macht, während man den zweiten Kelch trinkt.

 

 

6. Rochtzo (רחצה)

(Waschung der Hände und sprechen der Bracha; Durchführung von Netilat Jadajim)

 

Beim traditionellen Seder ruft der Hausherr oder Sederleiter aus: „Rochtzo!“

 

Bevor man mit dem Seder fortfährt, waschen sich alle die Hände und rezitieren den traditionellen Segen:

 

„Baruch atah Adonai eloheinu melech ha-olam, asher kiddeshanu bemitzvotav vetzivanu al netilat yadayim“

 

„Gesegnet seist Du, Herr, unser Gott, König des Universums, der du uns mit deinen Geboten geheiligt und uns befohlen hast, die Hände zu waschen“

 

 

Rituelles Händewaschen

Das Ritual „Netilat Jadajim“ ist eigentlich eine „zeremonielle“ Reinigung. Bevor man dieses Ritual durchführt, sollten die Hände bereits sauber sein! Sobald die Hände sauber sind, füllt man einen Krug oder ein Glas mit glattem Rand mit Wasser und gießt es über die Hände. Einige jüdische Gelehrte geben an, dass man das Wasser dreimal über jede Hand gießen soll – rechts, links, rechts, links, rechts, links. Nach dem „Waschen“ der Hände werden diese zusammengelegt und der Segensspruch wird gesprochen.

 

 

7. Motzi Mazza (מוציא מצה)

(ha-Motzi Segen; Brotsegen)

 

Beim traditionellen Seder ruft der Hausherr oder Sederleiter aus: „Motzi Mazza!“

 

Der Sederleiter nimmt nun die drei Mazzot (mit der zerbrochenen Mazza in der Mitte), hebt sie für alle sichtbar in die Höhe, und alle rezitieren:

 

„Baruch atah Adonai eloheinu melech ha-olam, ha-motzi lechem min ha-aretz“

 

„Gesegnet seist Du, Herr, unser Gott, König des Universums, der Brot aus der Erde hervorbringt“

 

Als nächstes bricht der Sederleiter die untere Mazza in Stücke und gibt jedem am Tisch ein Stück. Dann rezitiert er:

 

„Baruch atah Adonai eloheinu melech ha-olam, asher kideshanu bemitzvotav ve-tsivanu 'al achilat matzah“

 

„Gesegnet seist Du, Herr, unser Gott, König des Universums, der uns mit seinen Geboten geheiligt und uns befohlen hat, Mazza zu essen“

 

Alle essen jetzt das ihnen gegebene Stück Mazza.

 

Hinweis: Dies ist die erste „Kostprobe“ vom Mazza für den Feiertag „Fest der ungesäuerten Brote“ (Chag ha-Mazzot). Chag Sameach!

 

Warum wird das Mazzot so voller Ehrfurcht behandelt? Mazzot verbindet die Israeliten direkt mit seinen Vorvätern. Indem sie Chametz ablehnen, gesäuertes Brot, das auf ihr entflammten Egoismus und Hochmut verweist, und indem sie stattdessen Mazzot annehmen, das Symbol der Selbstlosigkeit und Bescheidenheit, treffen sie die gleiche mutige Wahl wie ihre Vorväter, als sie Ägypten verließen.

 

 

8. Maror (מרור)

(Bittere Kräuter werden mit Charosset gegessen)

 

Beim traditionellen Seder ruft der Hausherr oder Sederleiter aus: „Maror!“

 

Man nimmt etwas Maror (meist Römersalat) und füllt es mit etwas Meerrettich. Andere wiederum tauchen das Maror in das Charosset, um den Effekt zu mildern. Dies erinnert an die Bitterkeit der Sklaverei und die Süße der Befreiung durch Gottes Hand.

 

Der folgende Segensspruch wird von allen rezitiert:

 

„Baruch atah Adonai eloheinu melech ha-olam, asher kideshanu bemitzvotav ve-tsivanu 'al achilat maror“

 

„Gesegnet seist Du, Herr, unser Gott, König des Universums, der uns mit seinen Geboten geheiligt und uns befohlen hat, Maror zu essen“

 

Dann isst man die bitteren Kräuter und erinnert sich an den Kummer, die Verfolgung und das Leid des Lebens in der Knechtschaft der Sünde. Wie der Meerrettich die Tränen in die Augen treibt, so erinnert man sich an das Leid des Volkes Israel.

 

 

9. Korech (כורך)

(Mazza wird mit Chaseret und Charosset gegessen; das Essen des Hillel-Sandwich)

 

Hillel, der Rabbiner, der zur Zeit des Königs Herodes in Jerusalem lebte, erfand das „Hillel-Sandwich“, eine Kombination aus den drei Elementen des biblischen Gebots:

 

2. Mose 12,8

und sollen das Fleisch essen in derselben Nacht, am Feuer gebraten, und ungesäuertes Brot dazu und sollen es mit bitteren Kräutern essen

 

Anstelle des Lammes essen Juden heute jedoch Charosset.

 

Beim traditionellen Seder ruft der Hausherr oder Sederleiter aus: „Korech!“

 

Man nimmt etwas Mazza und bestreicht das eine Ende mit Maror (Meerrettich) und das andere Ende mit Charosset. Dann legt man ein weiteres Stück Mazza drauf, so dass es ein Sandwich ergibt.

 

Wenn man isst, beginnt man mit der bitteren Seite und geht zur süßen Seite über, um sich daran zu erinnern, dass die Sklaverei zwar bitter, die Erlösung aber noch süßer war.

 

Hinweis: Der Schritt des Korech wurde hinzugefügt, um einen Streit unter den Gelehrten zu schlichten. Hillel war der Meinung, dass Mazza und Maror (und Lamm) zusammen gegessen werden sollten, während andere Gelehrte meinten, sie sollten getrennt gegessen werden. Daher hat sich die jüdische Tradition dafür entschieden, beides zu tun: zuerst isst man sie getrennt (der Schritt Motzi Mazza, gefolgt vom Schritt Maror), und dann tut man es wieder zusammen – als Schritt Korech. Streng genommen ist der Korech-Schritt nicht notwendig, da er rabbinischen Ursprungs ist, während das Essen von ungesäuertem Brot und bitteren Kräutern ein biblisches Gebot ist.

 

Damit ist der erste Teil des Seders beendet. Man isst nun zu Abend, das sogenannte Schulchan Orech. Der Seder wird dann nach dem Essen fortgesetzt.

 

 

10. Schulchan Orech (שלחן עורך)

(Das festliche Mahl)

 

Beim traditionellen Seder ruft der Hausherr oder Sederleiter aus: „Schulchan Orech!“

 

Jetzt kann das Festmahl beginnen! Das Jom Tov (Feiertagsessen) ist natürlich koscher und wurde in der Regel liebevoll für den Sederabend zubereitet. Dies ist die Zeit, in der man seine Haggadah ablegt, sich zurücklehnt und eine Mazzenkugelsuppe und andere köstliche Speisen für den Feiertag genießen kann!

 

Es ist ein Brauch (hebr. Minhag), zu Beginn des Passah-Jom-Tov-Essens ein in Salzwasser getauchtes hart gekochtes Ei (Biza) zu essen. Nach jüdischer Tradition soll dies an die Durchquerung des Schilfmeeres erinnern (oder es wird anstelle des Festopfers (Korban Chagigah) gegessen, das in der Nacht vor dem Verzehr des Passahlamms (Korban Pessach) zur Zeit des Tempels dargebracht wurde.

 

Es ist auch üblich, während der Mahlzeit darüber zu sprechen, wie das Korban Pessach zur Zeit des Tempels dargebracht wurde, einschließlich der Art und Weise, wie die Priester (Kohanim) alle Lämmer schlachteten, die am Erew Pessach in den Hof gebracht wurden.

 

Das Blut des Lammes wurde in einer Pfanne aufgefangen und dann von einem Priester zum anderen weitergegeben, bis es den Priester erreichte, der am Altar stand und es auf den unteren Teil des Altars goss. Während dies geschah, sangen die Leviten das Hallel (Lobpreis) zum HERRN.

 

Danach wurde jedem Lamm das Fell abgezogen, das Fleisch gesalzen und ein Teil davon auf dem Altar für den HERRN verbrannt. Schließlich wurde der Rest demjenigen gegeben, der es gebracht hatte und mit nach Hause nahm, um es im Ganzen über einem offenen Feuer zu braten. Die Familie versammelte sich und aß einen Teil des Passahlammes mit Mazza und Maror.

 

Vor dem Verzehr des Passahlammes wurde der folgende Segensspruch gesprochen:

 

„Baruch atah Adonai eloheinu melech ha-olam, asher kideshanu bemitzvotav ve-tsivanu 'al achilat pesach“

 

„Gesegnet seist Du, Herr, unser Gott, König des Universums, der uns mit seinen Geboten geheiligt und uns befohlen hat, das Pessach zu essen“

 

Das Passahopfer wurde vor den Augen aller Anwesenden in die Höhe gehalten, und es wurde die Frage gestellt: „Warum essen wir dieses Passahopfer?“ Alle Anwesenden erzählten die Geschichte des Auszugs aus Ägypten und nahmen auch von der Mazza und dem Maror.

 

Das letzte Passahfest Jesu begann eine Woche vor dem eigentlichen Beginn des Festes (vgl. Joh 12,1-33). Nachdem er seinen Freund Lazarus und seine Schwestern in Bethanien besucht hatte, ging er nach Jerusalem, kurz bevor sich die Stadt mit Pilgern füllte, die das Fest feiern wollten.

 

Am 10. Nissan zog er auf einem Esel reitend in die Stadt ein, um seine Messiasschaft zu verkünden. Das war die Zeit, in der das Passahopfer ausgewählt wurde. Man begrüßte ihn mit dem Ausruf „Baruch haba B'Shem Adonai“ – Gesegnet sei, der kommt im Namen des HERRN (Mk 11,9-10). Vier Tage lang wurde er vor seiner Opferung (Kreuzigung für die Sünden der Welt) untersucht und als das wahre Lamm Gottes (Seh ha-Elohim) ohne Flecken und Makel befunden.

 

Das ursprüngliche Passahfest in Ägypten bewirkte, dass durch das Opfer des Lammes, der Zorn Gottes an denen vorbeiging, die auf die Erlösung durch den HERRN vertrauen. Doch im Falle des Opfers des Messias Jesus (Jeschua), des ewigen Sohnes Gottes, befreit uns diese Erlösung von der grausamen Knechtschaft Satans und bewirkt, dass der ewige Zorn Gottes für immer von uns abfällt. Jesus ist in der Tat das Lamm Gottes, das die Sünden der Welt wegnimmt!

 

 

11. Zafun (צפון)

(aus dem Versteck)

 

„Zafun“ bedeutet „versteckt“ und bezieht sich auf die größere Hälfte der Mazza, die während des Jachatz-Schrittes des Seder gebrochen und versteckt (vergraben) wurde.

 

Hinweis: Zu diesem Zeitpunkt des Seders hat eines der Kinder den versteckten Afikoman gefunden und eine Belohnung erhalten. Der Leiter packt das Afikoman aus und teilt es in kleine Portionen, damit alle Anwesenden daran teilhaben können.

 

Beim traditionellen Seder ruft der Hausherr oder Sederleiter aus: „Zafun!“

 

Man macht sich nun bereit, das Brot des Lebens (lechem ha-chajim) zu essen. Vorher rezitieren alle:

 

„Baruch atah Adonai eloheinu melech ha-olam, ha-motzi lechem min ha-aretz“

 

„Gesegnet seist Du, Herr, unser Gott, König des Universums, der Brot aus der Erde hervorbringt“

 

Jetzt wird das Afikoman von allen Teilnehmern gegessen.

 

Messianische Juden fügen den folgenden zusätzlichen Segen hinzu und danken dem HERRN, dem Gott Israels, dafür, dass er sie mit dem wahren Brot (lechem emet) vom Himmel versorgt hat, seinem geliebten Sohn:

 

„Baruch atah Adonai eloheinu melech ha-olam, ha-motzi lechem emet min ha-shamayim“

 

„Gesegnet seist Du, Herr, unser Gott, König des Universums, der das wahre Brot vom Himmel bringt“

 

Jesus (Jeschua) benutzte das Symbol des Afikoman, um seinen Leib darzustellen, der für die Sünden der Welt gebrochen wurde.

 

Messianische Juden lesen zunächst Matthäus 26,26 und 1. Korinther 11,23-24. Nach der Lesung halten sie in Stille inne.

 

Dann sagt der Sederleiter:

Dieses gebrochene Brot stellt den Leib Jesu (Jeschuas) dar, der für euch am Kreuz gebrochen wurde. Nehmt es und esst, ihr alle, die ihr auf die Rettung des Herrn vertraut...

 

Während des ersten Sederfestes, das Jesus mit seinen Jüngern feierte, brach er das Afikoman und gab jedem Anwesenden ein Stück davon. „Als sie aber aßen, nahm Jesus das Brot, dankte und brach’s und gab’s den Jüngern und sprach: Nehmet, esset; das ist mein Leib“ (Mt 26,26).

 

Jesus hatte seinen Jüngern gesagt „ani hu lechem ha-chayim“ – dass er das Brot des Lebens sei (Joh 6,48).

 

Er hatte ihnen auch gesagt: „Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel gekommen ist. Wer von diesem Brot isst, der wird leben in Ewigkeit. Und das Brot, das ich geben werde, ist mein Fleisch – für das Leben der Welt.“ (Joh 6,51).

 

Betrachten wir das ungesäuerte Brot und seine Reinheit. Sauerteig ist ein Symbol für Sünde, und Jesus (Jeschua) war sündlos. Betrachten wir die Striemen und Löcher in dem Brot. Erinnern wir uns daran, dass Jesus ohne Sünde war, gestriemt von den Peitschenschlägen des Römers und durchbohrt von Nägeln und dem Speer des Soldaten.

 

Das Afikoman erinnert uns an das Sühneopfer Jesu für unsere Sünden, damit wir Frieden mit Gott haben können. Wenn man von der zerbrochenen Mazza isst, erinnert man sich daran, dass Jesus es zuließ, dass sein Körper als Opfer für unsere Sünden zerbrochen wurde, und man dankt Gott dafür, dass er bereit war, das Lamm Gottes zu sein, das kam, um die Sünden der Welt zu tragen.

 

 

12. Berach (ברך)

(Dank nach dem Mahl; das Tischgebet und der dritte Kelch Wein; Koss Schlischi, der Kelch der Erlösung)

 

Beim traditionellen Seder ruft der Hausherr oder Sederleiter aus: „Berach!“

 

Nachdem man das Afikoman gegessen hat, schenkt man den dritten Kelch Wein (den Kelch der Erlösung) ein und dankt dem HERRN für die Gemeinschaft und das gemeinsame Mahl.

 

Zu beachten ist, dass Juden normalerweise nicht vor dem Essen das Tischgebet sprechen (wie viele Christen), sondern erst nach dem Essen; und sie „segnen“ auch nicht das Essen, sondern erkennen an, dass Gott derjenige ist, der für ihren Unterhalt sorgt.

 

Zu diesem Zeitpunkt liest man oft Psalm 126.

 

Das vollständige Tischgebet nach den Mahlzeiten, „Birkat ha-Mazon“ genannt, ist ein recht langes Gebet, das mehrere Segenssprüche enthält (der gesamte Text ist in einer guten Haggadah nachzulesen). Hier eine alternative, kürzere Version, was eigentlich der erste Teil des gesamten Segens ist):

 

„Baruch atah Adonai eloheinu melech ha-olam, hasan et haolam kulo, betuwo, bechen bechessed uwrachamim, hu noten lechem lechol bassar, ki leolam chassdo. Uwtuwo hagadol, tamid lo chassar lanu, weal jechssar lanu mason leolam waed. Baawur schemo hagadol, ki hu (el) san umfarness lakol, umetiw lakol, umechin mason lechol berijotaw ascher bara. Baruch atah Adonai, hasan et hakol“

 

„Gesegnet seist Du, Herr, unser Gott, König des Universums, der die ganze Welt in Seiner Güte ernährt, in Wohlwollen, in Liebe und in Barmherzigkeit. Er ist es, der Speise allem Fleische gibt, denn ewig währt Seine Liebe. Durch Seine große Güte hat uns nichts gefehlt und möge uns nie Nahrung fehlen, für immer und ewig, um Seines großen Namens willen. Denn Er speist und ernährt alles, erweist allen Gutes und bereitet Speise all Seinen Geschöpfen, die Er erschaffen hat. Wie es heißt: Du öffnest Deine Hand und sättigst alle Lebenden nach ihrem Verlangen. Gesegnet seist Du, Ewiger, der alles ernährt. Amen“

 

 

Sehnsucht nach dem Messias

Das folgende Gebet für das baldige Erscheinen des Messias lautet:

 

„Harachaman, hu yanchileinu yom she-kulo tov. Harachaman, hu yezakeinu limot hamashiach ul'chayei ha'olam habah“

 

„Der Barmherzige! Möge Er uns den Tag erben lassen, der vollkommen gut ist. Der Barmherzige! Er möge uns würdig machen für die Tage des Messias und das Leben der kommenden Welt“

 

Auch der folgende Teil wird rezitiert:

 

„Migdol yeshư'ot malko v'oseh chesed limshichu, l'david ulzaro 'ad 'olam. Oseh shalom bimromav, hu ya'aseh shalom aleinu v'ad kol yisrael, vimru amein“

 

„Er ist ein Turm des Heils für Seinen König, und Er tut Güte und Liebe für Seinen Gesalbten, für David und seine Nachkommen für immer. Möge Er, der in seinen Höhen Frieden stiftet, Frieden über uns und über ganz Israel stiften. Amen“

 

 

Der dritte Kelch (Erlösung)

Man macht sich nun bereit, den dritten Kelch zu trinken, den Kelch der Erlösung.

 

Bevor man trinkt, rezitiert man:

 

„Baruch atah Adonai eloheinu melech ha-olam, borei peri hagafen“

 

„Gesegnet seist Du, Herr, unser Gott, König des Universums, Schöpfer der Frucht des Weinstocks“

 

Dann wird der Kelch getrunken.

 

Messianische Juden lesen zunächst Matthäus 26,27-28 und 1. Korinther 11,23-29. Nach der Lesung hält man in Stille inne.

 

Der Sederleiter hält den Kelch hoch und spricht:

 

„Dieser Kelch der Erlösung steht für Gottes Neuen Bund und für das Blut Jesu (Jeschuas), das zur Vergebung unserer Sünden vergossen wurde. Trinkt davon, ihr alle, die ihr auf die große Erlösung des Herrn vertraut.

 

Da das Neue Testament ausdrücklich sagt, dass Jesus (Jeschua) das Brot und den Wein „nach dem Passahmahl“ nahm (Lk 22,20; 1Kor 11,25), ist es klar, dass dieser Kelch, der Kelch der Erlösung, derjenige ist, den er erhob, als er sagte: „Dieser Kelch ist der Neue Bund in meinem Blut, das für euch vergossen wird“ (Mt 26,27-39). Der Kelch der Erlösung erinnert an das vergossene Blut des unschuldigen Lammes, das die Erlösung aus Ägypten brachte, aber er erinnert noch mehr an die größere Erlösung durch das vergossene Blut Jesu (Jeschuas) als Lamm Gottes.

 

Für den Gläubigen an Jesus (Jeschua) symbolisiert dieser Kelch auch die Teilnahme an dem Ehevertrag (Ketubah) des Neuen Bundes, in dem der Bräutigam (Chatan) sein Versprechen gab, indem er einen Kelch Wein mit seiner Braut (Kallah) teilte. Das Passahfest sollte also ursprünglich das Vorbild für die christliche Praxis des Abendmahls sein.

 

Jesus hatte zuvor zu seinen Jüngern gesagt: „Ich bin der Weinstock und ihr seid die Reben“ (Joh 15,5). Wenn man auf ihn als seinen persönlichen Erlöser vertraut, wird man zur „Frucht des Weinstocks“ und zu einem Teil seines Leibes.

 

Nehmen wir uns einen Moment Zeit, um über die Herrlichkeit, Liebe und Güte des HERRN, des Gottes Israels, nachzudenken, und beten dann:

 

„Navah la-Seh hatavư'ach la-kachat 'oz v'osher v'chokhmah v'gevurah v'hod v'hadar uv'rakhah“

 

„Würdig ist das Lamm, das geschlachtet wurde, zu empfangen Kraft und Reichtum und Weisheit und Macht und Ehre und Herrlichkeit und Segen!“ (Offb 5,12)

 

Hinweis: Jesus sagte seinen Jüngern, dass er den vierten Kelch (den Kelch des Lobpreises) nicht trinken würde, versprach aber, dies mit ihnen im kommenden Königreich zu tun (Mt 26,29), nach der großen Trübsal, wenn „ganz Israel gerettet werden wird“. Maranata!

 

 

13. Hallel (הלל)

(Lobpreisung; der vierte Kelch Wein; Koss Revi’i, der Kelch des Lobpreises)

 

Nun beginnt der Abschluss der Passahseder.

 

Beim traditionellen Seder ruft der Hausherr oder Sederleiter aus: „Hallel!“

 

 

Der Kelch des Elia

Nach dem Berach heben einige Familien den zusätzlichen Kelch von Elias' Platz am Tisch und schenken „koso shel Eliyahu HaNavi“, den Kelch des Propheten Elias, ein. Ein Kind wird dann gebeten, die Tür zu öffnen, um Elia am Seder willkommen zu heißen. Dies beruht auf einem Brauch aus der rabbinischen Lesung von Maleachi 3,23, wo es heißt: „Siehe, ich will euch senden den Propheten Elia, ehe der große und schreckliche Tag des HERRN kommt.“

 

Das bekannte Lied „Eliyahu HaNavi“ wird zu dieser Zeit gesungen:

 

„Eliyahu Ha-Navi, Eiliyahu Ha-Tishbi,

Eliyahu, Eiliyahu, Eliyahu Ha-Giladi.

Bimheira veyameinu, yavo Eileinu,

Im Mashiach ben David (2x)“

 

„Elia, der Prophet, Elia, der Tischibiter,

Elia, Elia, Elia der Gileaditer.

Bald wird in unseren Tagen der Messias,

der Sohn Davids, zu uns kommen“

 

 

Der Kelch des Lobpreises

Man kommt nun zum vierten und letzten Kelch Wein des Sederabends. Dieser Kelch steht für die vierte „Ich will“-Aussage aus 2. Mose 6,6-7 – „Ich will euch zu einem Volk machen“. Da Jesus zu seinen Jüngern sagte, dass er den vierten Kelch nicht trinken würde, aber versprach, dies mit ihnen im kommenden Königreich zu tun (Mt 26,29), kann man ihn auch den „Kelch der Wiederherstellung“ nennen, da er erst dann in vollem Umfang genossen werden kann, wenn „ganz Israel gerettet wird“ (Röm 11,26).

 

Man schenkt den vierten Kelch Wein ein und rezitiert Teile des Hallel-Gebets, um den HERRN für seine Güte und Gnade zu preisen:

 

„Yisrael b'takh ba-Adonai, 'ezram u'maginam hu! Beit Aharon bitkhu va'Adonai, 'ezram u'maginam hu! Yirei Adonai bitkhu va'Adonai,'ezram u'maginam hu!“

 

„Israel, vertraue auf den HERRN! Er ist ihre Hilfe und ihr Schild. Haus Aaron, vertraut auf den HERRN! Er ist ihre Hilfe und ihr Schild. Die ihr den HERRN fürchtet, vertraut auf den HERRN! Er ist ihre Hilfe und ihr Schild!“

 

„Hodu la'Adonai ki tov, ki l'olam chasdo!“

 

„Danket dem HERRN, denn er ist gut; denn seine Liebe währt ewig!“

 

„Odekha ki anitani vatehi-li lishuah 'Even ma'asu habonim haitah I'rosh pinah Mei'et Adonai haitah zot hi niflat b'eineiu Zeh-haiyom 'asah Adonai nafilah v'nismechah vo“

 

„Ich danke dir, dass du mir geantwortet hast und meine Rettung geworden bist. Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, ist zum Eckstein geworden. Das ist das Werk des HERRN; es ist wunderbar in unseren Augen. Dies ist der Tag, den der HERR gemacht hat; lasst uns freuen und fröhlich sein“

 

Man erhebt nun seinen Kelch und spricht den Segensspruch:

 

„Baruch atah Adonai eloheinu melech ha-olam, borei peri hagafen“

 

„Gesegnet seist Du, Herr, unser Gott, König des Universums, Schöpfer der Frucht des Weinstocks“

 

Danach trinkt man den Kelch.

 

Nach dem vierten Kelch Wein singen die Juden betend die Psalmen 113 bis 118 sowie Psalm 136, „das große Hallel“.

 

In Psalm 118,22 heißt es: „Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, ist zum Eckstein geworden.“ Jesus selbst zitiert diesen Vers (Mt 21,42), bezieht ihn auf sich selbst, da er, der Verworfene, zum Eckstein geworden ist der letztlich alles trägt. Und er fügt noch den Folgevers an. „Von dem Herrn ist das geschehen und ist ein Wunder vor unseren Augen.“

 

Der Verworfene wird zum tragenden Eckstein. So ist Gott.

 

Messianische Juden sagen meist noch: „Dieser Kelch steht für unsere große Hoffnung, dass der Messias eines Tages wiederkommt, um seine Anhänger zu sich zu holen und die Königreichsverheißungen wiederherzustellen, die er dem Volk Israel gegeben hat. An jenem großen Tag wird ganz Israel gerettet werden, und die Anhänger Jesu werden mit ihm im tausendjährigen Reich Gottes auf Erden regieren. Nachdem wir getrunken haben, lasst uns alle beten:

 

1. Thessalonicher 4,16-17

16 Denn er selbst, der Herr, wird, wenn der Ruf ertönt, wenn die Stimme des Erzengels und die Posaune Gottes erschallen, herabkommen vom Himmel, und die Toten werden in Christus auferstehen zuerst. 17 Danach werden wir, die wir leben und übrig bleiben, zugleich mit ihnen entrückt werden auf den Wolken, dem Herrn entgegen in die Luft. Und so werden wir beim Herrn sein allezeit

 

Jetzt nimmt man sich etwas Zeit, um sich zu freuen, indem man Gott Loblieder singt! Solche Passah-Klassiker wie „Echad Mi Jodea“, „Chad Gadja“, „Adir Hu“ und andere werden am Tisch gesungen. In manchen Familien werden Musik-CDs mit Simchah-Musik abgespielt oder Familienmitglieder spielen auf ihren Instrumenten. Man freut sich über seine Erlösung und lobt den HERRN von Herzen.

 

 

14. Nirza (נרצה)

(Annahme)

 

Die Passah-Seder ist nun beendet.

 

Beim traditionellen Seder ruft der Hausherr oder Sederleiter aus: „Nirza!“

 

Man legt seine Haggadah nieder und alle rufen: 

 

„Leshanah haba'ah bi-yerushalayim!“

 

„Nächstes Jahr in Jerusalem!“

 

Man ist voller Hoffnung, dass man eines Tages die Gemeinschaft mit dem Messias selbst in seinem kommenden Reich genießen wird.

 

Man verbringt den Rest des Abends damit, schöne Sederlieder zu singen und sich an der Gesellschaft der anderen zu erfreuen. Wenn man sich verabschiedet, sagt man zueinander: „Möge der HERR, der Gott Israels, euch segnen, euch behüten und sein Angesicht über euch leuchten lassen. Amen“

 

Das Fest der ungesäuerten Brote steht vor der Tür! Mit dem Passahfest beginnt das Fest der ungesäuerten Brote. Deshalb wird in den acht Tagen kein Sauerteig (Chametz) gegessen.

 

Messianische Bedeutung

Der Begriff „messianisch“ meint „den Messias betreffend“.

 

Das Passahfest erinnert an die Befreiung aus der Knechtschaft in Ägypten, aus dem „eisernen Schmelzofen“ (5Mo 4,20; 1Kön 8,51; Jer 11,4). Obwohl das Passahfest für Israel eine Erinnerung an die Erlösung aus Ägypten darstellt, ist es doch ein Fest für den HERRN.

 

3. Mose 23,4-5

4 Das sind aber die Feste des HERRN, die heiligen Versammlungen, die ihr zu festgesetzten Zeiten einberufen sollt: 5 Im ersten Monat, am vierzehnten [Tag] des Monats, zur Abendzeit, ist das Passah des HERRN

 

Gott will die Erinnerung bei seinem Volk wachhalten, damit sie Ihm danken und sich an Ihn erinnern. So ist es auch heute noch. Beim Abendmahl erinnert man sich zwar dankbar an seine Erlösung vom ewigen Gericht durch den Opfertod Christi, doch das ist nicht der eigentliche Zweck: Nein, man kommt zusammen, um an Ihn, den Messias, zu denken, man tut es zu seinem Gedächtnis.

 

Das Passahfest ist angefüllt mit Hinweisen auf Jesus Christus und seinen Opfertod am Kreuz, auf die Erlösung aus der Sünde und auf die Rettung durch das vergossene Blut. So wie Gott damals das Schlachten des Lammes angeordnet hatte, so hat Er selbst seinen Sohn am Kreuz geopfert, stellvertretend für alle Menschen, die einmal Zuflucht zum Blut des Lammes Gottes nehmen würden.

 

Ägypten ist ein Bild für das alte Leben, das Leben unter der Herrschaft der Sünde und der Verlorenheit, ein Bild für die unheilvolle und gnadenlose Situation der gefallenen und geplagten Kreatur. Der Pharao, als der erbarmungslose Sklaventreiber, steht für den Unterdrücker schlechthin, den Satan. Das Passahlamm ist ein Bild für Jesus, das vollkommene Opferlamm, durch dessen Blut wir gerettet werden. Er trägt nicht nur die Sünden eines einzelnen Menschen, einer einzelnen Familie oder eines einzelnen Volkes, sondern diejenigen der ganzen Welt (1Petr 1,18-19).

 

Die Aufforderung, dem Passahlamm keinen Knochen zu brechen (2Mo 12,46), wird im Neuen Testament aufgegriffen, denn auch Jesus, dem Lamm Gottes, wurden bei der Kreuzigung keine Knochen gebrochen (Joh 19,32-37; Ps 34,21). Das Brechen der Beinknochen der Gekreuzigten bewirkte ein schnelleres herbeiführen des Todes, da die Verurteilten sich nicht mehr aufrichten konnten, um nach Luft zu schnappen und langsam jämmerlich durch Atemnot starben.

 

Das Bestreichen der beiden Türpfosten und die Oberschwelle war ein Hinweis auf die beiden Balken des Kreuzes Jesu. Das Gefäß ist ein Hinweis auf die Ehrerbietung vom Blut des Lammes. Ysop ist ein Zeichen für Demut, da es übersetzt „Zwergkraut“ bedeutet. Nur dem Demütigen gibt der Herr Gnade (vgl. Spr 3,34 i.V.m. 1Petr 5,5; Jak 4,6).


Lies auch unseren Beitrag Das neutestamentliche Ysop


Das Βlut musste im ersten Schritt vergossen und im zweiten Schritt glaubensvoll angewendet werden, damit man errettet wurde. Genauso ist jeder Mensch verloren, der das Blut Jesu nicht für sich selbst zur Rettung in Anspruch nimmt. Das Opfer des Lammes war die Hauptzeremonie in der Stiftshütte und im Tempel zu allen Zeiten gewesen. Jedes kleine Kind in Israel kannte die Geschichte des Lammes. Und jetzt sollte das Volk Gottes das Lamm Gottes kennen lernen. Johannes der Täufer identifizierte den Herrn Jesus als das endgültige Passahlamm der Welt, das Lamm aus Jesaja 53, dass die endgültige Sühnung und Erlösung Israels und der Welt zustande bringen sollte. Er würde am Kreuz an Passah sein sündloses Blut und sein Leben geben. Doch sie erkannten Ihn nicht.

 

Für uns ist es heutzutage ähnlich: Das Vergießen des Blutes auf Golgatha an sich rettet keinen Menschen. Die Rettung liegt in der glaubensvollen Anwendung dieses Opfers für den Sünder persönlich, der gewissermaßen das Blut an die Türpfosten seines Herzens gestrichen hat.

 

Johannes 3,16

Denn so sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab (Vergießen des Blutes), damit jeder, der an Ihn glaubt (Anwendung des Blutes auf den Sünder persönlich), nicht verloren gehe, sondern ewiges Leben habe

 

Wer heute das Evangelium gehört hat, verfügt über die notwendige Information zu seiner persönlichen Errettung. Aber er muss glauben, um in den tatsächlichen Genuss der Errettung zu kommen. Die Errettung ist aus Gnaden mittelst des Glaubens (Eph 2,8; Hebr 11,6).

 

Die tatsächliche Erfüllung des Passahfestes ist somit der Tod des Messias Jesus Christus, des endgültigen Passahlammes Gottes, das die Sünde der Welt hinweg nimmt. Er starb für jüdische und heidnische Gläubige, die seine Person und sein Werk am Kreuz annehmen und somit das Blut des Lammes auf die Türpfosten ihres eigenen Herzens sprengen. Wenn wir geistlich gesprochen, sein Fleisch essen und sein Blut trinken (Joh 6,54), dann haben wir ewiges Leben und kommen nicht ins Gericht. Das Gericht ist an uns vorübergegangen und wir werden auferstehen.

 

 

Was macht das Passah so bedeutend?

Derek Prince, einer der vertrauenswürdigsten Bibellehrer des zwanzigsten Jahrhunderts, sagte einmal, dass die stärkste Glaubensproklamation zur Erlösung folgende ist: „Durch das Blut des Lammes bin ich aus der Hand des Feindes freigekauft!“ Er sagte: „Wenn Sie diese Proklamation im Glauben machen können und das beständig tun, wird etwas geschehen. Sie werden aus der Macht des Feindes befreit!“

 

Das ist die wahre Botschaft des Passahs. Das Passahfest ist eine Glaubensproklamation, dass wir losgekauft sind durch das Blut des Lammes! Etwas geschieht in uns, wenn wir das Passah feiern. Wenn wir zusammenkommen, um Gottes großer Werke der Erlösung zu gedenken und wir verkünden heute die Kraft der Erlösung in unserem Leben, dann hat das IMMER eine Auswirkung. Das Passah ist für Gott sehr wichtig. Aber Satan hasst das Passah. Der Feind hat alles darangesetzt, das Passah zu stehlen. Die gute Botschaft ist: Gott stellt das Passah wieder her. Aber es ist ein Kampf. Der Kampf um das Passah ist der Kampf um das Blut. Satan möchte uns eine blutleere Religion geben, weil eine blutleere Religion keine Kraft besitzt. Die Kraft ist im Blut!

 

Hebräer 10,19

Da wir nun, ihr Brüder, kraft des Blutes Jesu Freimütigkeit haben zum Eingang in das Heiligtum

 

 

Das Sedermahl Jesu und dessen Bedeutung

Das letzte Mahl, das Abendmahl, das Jesus mit den Jüngern hielt, war ein Sedermahl. Es hat sich seit Jesu Lebzeiten in wesentlichen Teilen nicht verändert:

 

Lukas 22,15

Und er sprach zu ihnen: Mit Sehnsucht habe ich mich gesehnt, dieses Passahmahl mit euch zu essen, ehe ich leide

 

Auf der Festtafel zum Sedermahl befinden sich traditionell-jüdisch diverse Lebensmittel mit einer jeweils ganz speziellen Symbolik (siehe unten Speisen & Getränke).

 

Wenn die Juden wirklich die Verbindung zwischen der Passahzeremonie und der Person und dem Werk des Herrn Jesus Christus am Kreuz verstehen, erkennen sie Jesus Christus als ihren Messias. Der Grund liegt darin, dass der Herr selbst sowohl biblische als auch jüdische Elemente in seiner eigenen Feier des Festes miteinander verbunden hat. Er hat sich selbst mit Teilen der Zeremonie identifiziert und dies den Aposteln erklärt. Auch die Autoren des Alten und Neuen Testaments beziehen sich teilweise darauf. Daher gibt es einige Bibelpassagen, die nur auf dem Hintergrund des Passahfestes wirklich verstanden werden können.


In allen biblischen Berichten ist das Lamm wesentlicher Bestandteil des Passahfestes (2Mo 12; 34,25; 5Mo 16,1-7). Es stand im Mittelpunkt des gesamten Geschehens. Ohne Lamm keine Befreiung. Das Lamm war für Passah von so großer Bedeutung, dass der Begriff „Passah“ für das Lamm und für das Fest gleichermaßen verwendet wurde (2Mo 12,21; 5Mo 16,2.6; vgl. Lk 22,7; 1Kor 5,7). Das eine könnte ohne das andere nicht existieren. Das Lamm verkörpert das Fest, ohne Lamm hätte das Fest keinen Sinn.

 

Im alttestamentlichen Rahmen finden wir die messianische Bedeutung in Jesaja 52,13–53,12, wo das Kommen des Messias im Bild eines Lammes dargestellt wird. In Jesaja 53 werden über den Knecht Gottes die gleichen Aussagen gemacht wie über das Passahlamm. In der Kernaussage in diesem Text geht es um den Messias als das endgültige Passahlamm.

 

Das Neue Testament sieht Jesus als die Erfüllung des Passahmotivs. Mit dem Tod des Messias wurde das Passahfest erfüllt. Vier Stellen im Neuen Testament bringen den Messias eindeutig mit dem Passahlamm in Verbindung. In Johannes 1,29.35-36 stellt Johannes der Täufer dem jüdischen Volk Jesus vor und sagt: „29b Siehe, das ist Gottes Lamm, das der Welt Sünde trägt!“

 

Wenn Johannes Jesus mit dem Lamm Gottes gleichsetzt, identifiziert er Ihn mit dem Passahlamm von 2. Mose 12 und dem messianischen Lamm von Jesaja 53. Johannes wies aufgrund von Offenbarung seine Zeitgenossen darauf hin, dass Jesus als das Lamm Gottes, die Sünde der Welt wegnimmt. Jeder Israelit, der die Formulierung „das Lamm Gottes“ hörte, erinnerte sich aufgrund seiner Herkunft, seiner Tradition augenblicklich an die einzigartige und heilige Feier des Passahs. Auch in 1. Petrus 1,18-19 und Offenbarung 5,12 wird der Messias als Lamm dargestellt. Durch Seinen Tod erfüllt Jesus das Passahmotiv vom geschlachteten Lamm. Im Alten Testament erfahren wir, was der Messias sein wird; im Neuen Testament wird uns gesagt, was Jesus war.

 

Jesus wird nicht nur mit dem Lamm selbst identifiziert. Paulus identifiziert Ihn mit dem ganzen Passahfest in 1. Korinther 5,7.

 

 

Nur für Mitglieder

Das Passahlamm durfte nur am Ort des Heiligtums – also zunächst in der Stiftshütte und später im Tempel – geschlachtet und gegessen werden. Hierzu hatten die Männer Israels per Gesetz angeordnet zu erscheinen. Dabei war vorgeschrieben, dass ausschließlich Mitglieder des erwählten Gottesvolkes an diesem Gemeinschaftsmahl teilnehmen durften. Nur durch die Beschneidung konnte man Mitglied in diesem Volk Gottes werden (1Mo 17,12; 2Mo 12,44.48). Es gab keine andere Möglichkeit, dem Bund mit Gott beizutreten. Ohne Beschneidung gab es keine Teilhaberschaft am Volk Gottes.

 

Das gilt auch für den Neuen Bund; hier sind die Mitglieder des Gottesvolkes jedoch nicht an der Vorhaut, sondern inwendig, an ihrem Herzen beschnitten (Röm 2,28-29; Phil 3,3; Kol 2,11; i.V.m. 5Mo 10,16; Jer 4,4; 9,25).

 

 

Jesus – Der Tempel Gottes

Das Blut der zu Zehntausenden geschlachteten Lämmer – hektoIiterweise Blut – das am Brandopferaltar ausgegossen wurde, floss in ein gigantisches unterirdisches Kanalisationssystem unterhalb des Tempelplateaus in Richtung Hinnom-Tal ab. Dazu wurden große Mengen Wasser aus unterirdischen Zisternen in die Kanäle geleitet. Aus der Seite des Tempelplateaus heraus strömte zu Passah eine regelrechte Flut von Blut und Wasser, ein Bild für Jesus, der seinen Leib als den Tempel Gottes bezeichnete (Joh 2,19-21).

 

Johannes 19,34 

sondern einer der Soldaten durchbohrte mit einem Speer seine Seite, und sogleich kam Blut und Wasser heraus

 

 

Jesus – Das Passahlamm aus Bethlehem

Zu Zeiten Jesu kamen nur Lämmer aus Bethlehem als Passahlämmer in Betracht. Also wurde das in Bethlehem geborene Lamm ausgewählt, von Osten (den Ölberg herab) nach Jerusalem gebracht und gelangte durch das Schaftor in die Stadt. Dieses Tor lag im Norden und führte zum Tempel (Joh 5,2). Hier wurden die Schafe hineingebracht, die als Opfer auf dem Brandopferaltar dargebracht wurden. Am zehnten Tag des ersten Monats ging Jesus, das Lamm, geboren in Bethlehem, den Ölberg herab und betrat Jerusalem durch das Schaftor, was als sein „triumphaler Einzug“ bezeichnet wird. Als er einzog, winkten die Menschen mit Palmenzweigen und riefen: „Gesegnet ist, der da kommt im Namen des HERRN! Rette uns, Sohn Davids!“ Durch die Beifallsbekundungen der Menschenmasse wird Jesus als Israels Messias bezeichnet! Die Volksmenge hatte ihr Passahlamm gewählt!

 

 

Eine Nacht des Wachens

Nach dem Sedermahl, etwa ab Mitternacht, verbrachte Jesus die restliche Zeit der Nacht im Gebet im Garten Gethsemane auf dem Ölberg. Diese besondere Nacht gilt im Judentum in Erinnerung an die Nacht des Auszuges aus Ägypten seit jeher als eine Nacht des Wachens:

 

2. Mose 12,42

Eine Nacht des Wachens war dies für den HERRN, damit er sie aus dem Land Ägypten herausführen konnte; das ist diese dem HERRN geweihte Nacht, ein Wachen für alle Söhne Israel in all ihren Generationen

 

Jesus durchkämpfte diese Nacht im Wachen und Beten, im intensiven Gebet für die Errettung der Welt, für die Herausführung der Menschheit aus der Sklaverei der Sünde. Die Jünger aber schliefen (Mt 26,40-44; Mk 14,36-40; Lk 22,39-46).

 

Genau wie Gott damals in dieser Nacht wachte, um sein Volk aus Ägypten herauszuführen, so wachte nun Jesus, um das Volk des Neuen Bundes aus der Sklaverei der Sünde herauszuführen. Das, was Gott im Alten Testament nach dieser Nacht des Wachens im Natürlichen tat, geschah nun, in der Vorbereitung auf den Neuen Bund, im Geistlichen.

 

 

Das Passahfest – auch für Christen?

Warum sollten Heidenchristen das Passahfest feiern?

 

Wir sollten bedenken, dass das Passah ein Fest ist, das von Gott geschaffen wurde. Dieses Fest wurde uns gegeben, um unseren Glauben zu stärken und uns darauf vorzubereiten, in die Fülle Seines Segens einzutreten. 

 

Das Passahfest wurde den Juden im Alten Testament von Gott verordnet, um sie die Wichtigkeit der Erlösung durch das Blut des Messias zu lehren. Es wurde auch von den Christen im Neuen Testament eingehalten, um Gottes Erlösungswerk zu verinnerlichen und sich daran zu erinnern. Die Bibel sagt uns, dass es eine ewige Bestimmung sein soll. Ein Fest für alle Zeiten. Vielen Christen fehlt das Verständnis, dass das Passah genauso ein Fest des Neuen Testaments sowie des Alten Testaments ist. Es zieht sich durch das gesamte Neue Testament. Selbst Jesus und die Apostel haben das Passah gefeiert. Das ursprüngliche letzte Abendmahl unseres Herrn war ein Passah- oder Sedermahl. Die Apostel haben die nichtjüdischen Gemeinden gelehrt, das Passah zu feiern. Im ersten Korintherbrief schrieb Paulus an eine vorwiegend nichtjüdische Gemeinde und sagte: „Denn auch unser Passahlamm, Christus, ist geschlachtet. Darum lasst uns das Fest feiern“ (1Kor 5,7-8). Über Jahrhunderte war das Passah die wichtigste jährliche Feier der urchristlichen Gemeinde.

 

Anhand von Römer 11,11-29 und Epheser 2,11-22 ist ersichtlich, dass wir als Heidenchristen hinzugekommen sind und mit den jüdischen Glaubensgeschwistern eins in Christus sind. 

 

Die Bibel der Christen besteht aus dem Alten und Neuen Testament. Die Wurzeln des Neuen Testaments liegen im Tanach, von uns Altes Testament genannt. Ohne dieses ist ein angemessenes Verständnis des Neuen Bundes (Neues Testament) nicht möglich. Eine messianische Sederfeier kann dies neu und nachhaltig ins Bewusstsein rufen.

 

Christus hat die Trennwand des Gesetzes zwischen Juden und Nichtjuden niedergerissen. Nun haben in Christus auch Nichtjuden Anteil an den Bündnissen, an den Verheißungen und am Bürgerrecht Israels.

 

Die geschichtlichen Entwicklungen ab dem Ende des ersten Jahrhunderts führten dazu, dass die christliche Gemeinde immer mehr ihre jüdischen Wurzeln aufgab. Die Trennung zwischen Juden und Christen bereitete unter anderem den Boden für das unsagbare Leid, das dem jüdischen Volk vom christlichen Abendland zugefügt wurde.

 

Wenn Christen das Passah- oder Sedermahl im Sinne des letzten Abendmahls Jesu feiern, tun sie das in Kontinuität mit den ersten Gläubigen aus dem jüdischen Volk und in Einheit mit den messianischen Juden heute. 

 

Wenn Christen Passah feiern und dabei auch des Opfers Jesu gedenken, bringt man zum Ausdruck, dass der christliche Glaube der Glaube der Väter und daher zutiefst jüdisch im Sinne des biblischen Judentums ist. Christen sind dazu gekommen zu den Gaben und Segnungen, die Gott seinem Volk Israel verheißen hat, wie Paulus schreibt: „Durch Offenbarung ist mir das Geheimnis kundgemacht worden, nämlich dass die Heiden Miterben sind und mit zu seinem Leib gehören und Mitgenossen der Verheißung in Christus Jesus sind durch das Evangelium“ (Eph 3,3.6). „Gehört ihr Christus an, so seid ihr ja Abrahams Kinder und nach der Verheißung Erben“ (Gal 3,29).

 

Bei einem messianischen Sederabend geht es nicht um ein erlebnisorientiertes Nachspielen einer jüdischen Sederfeier oder um eine Enteignung der jüdischen Tradition, sondern um ein Aufgreifen der biblischen Wurzeln, die für das heilsgeschichtliche Verständnis unabdingbar sind.

 

Gerade in der Passionszeit oder während des Passahfestes kann eine messianische Sederfeier unseren Glauben bereichern und unser Verständnis für das jüdische Volk und für die biblischen Wurzeln unseres Glaubens vertiefen. Hierbei kommt in besonderer Weise zum Ausdruck, dass Gott ein Gott der Geschichte ist. So wie er damals in Ägypten sein Volk befreit hat, tut er es auch noch heute durch seinen Sohn Jesus Christus.

 

Das Feiern der biblischen Feste beinhaltet für uns als Gläubige in Jesus Christus kein Zelebrieren aus Gesetzlichkeit, sondern ein Feiern aus dem Blickwinkel der Freiheit und Offenbarungserkenntnis in Jesus Christus. Außerdem stellt das Feiern der biblischen Feste ein sehr gutes Mittel des Gottes Israels gegen religiöse Arroganz und geistlichen Antisemitismus dar.

 

 

Große Veränderungen

Passah ist ein Zeitfenster großer Veränderungen. Wenn wir in den ersten Monat Nissan/Abib eintreten, dem Jahreszyklus der Erlösung des Herrn, sollten wir Veränderung für unser Herz, Verstand, Familie, Finanzen, Städte und Nationen proklamieren. Wir sollten nicht mit den gleichen Erwartungen der vorangegangenen Zeit in den Monat Nissan/Abib übertreten, sondern den Herrn suchen, um neue Möglichkeiten und neuen Zugang zu Gottes Ressourcen eröffnet zu bekommen.

 

Passah ist der Startschuss für ein Leben in den Absichten und der Fülle Gottes. Es ist das Fest des Auszugs aus dem Machtbereich des Feindes, zum Land unserer Verheißung. Es ist das Fest der Bekehrung und besitzt eine Fülle von Hinweisen auf Jesus, seinen Opfertod am Kreuz und die Errettung durch sein vergossenes Blut. Passah ist eine Glaubensproklamation, dass wir losgekauft sind durch das Blut des Lammes.

 

Das Passahfest ist die Woche des Blutes des Lammes!



Die wichtigste Frage

Es besteht keinerlei Zweifel, dass Jesus das Passahlamm ist. Die Bibel belegt dies eindeutig. Auch die Weltgeschichte bezeugt dies. Dennoch bleibt die letzte Passahfrage noch unbeantwortet, und sie ist die wichtigste von allen: „Ist Er dein Passahlamm – hast du dein Vertrauen in den Messias und in Sein Opfer gesetzt, deine einzige Hoffnung, in den Himmel zu gelangen?“ So wie damals jeder Israelit das Blut persönlich an seine Tür streichen musste, genauso muss auch heute jeder Mensch seine Entscheidung bezüglich des Lammes Gottes persönlich treffen. Es gibt keine Erlösung ohne das Lamm.

 

Speisen & Getränke

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Ein traditioneller Seder-Teller mit Anordnung der Speisen im Uhrzeigersinn

Der traditionelle Passah-Seder-Teller oder auch Seder-Platte genannt, ist der zentrale Gegenstand der Festtafel. Der Seder-Teller besteht aus sechs Schalen, gefüllt mit zeremoniellen Speisen, die um eine Schüssel mit Salzwasser herum angeordnet sind und während der Lesung der Haggadah verwendet werden.

 

Obwohl es verschiedene Meinungen darüber gibt, wie diese Speisen auf dem Seder-Teller angeordnet werden sollen, ist es hilfreich, sich vor Augen zu führen, dass er als „visuelle Hilfe“ dienen soll, um die Geschichte der Befreiung aus Ägypten zu erzählen. Eine traditionelle Anordnung könnte wie folgt aussehen:

 

Bei dieser Anordnung fungiert der Teller als eine Art „Uhr“, um eine visuelle Erzählung der grundlegenden Ereignisse des Auszugs aus Ägypten zu schaffen. Diese Speisen sind:

 

 

 

 

 

1. Karpas (כרפס) – Gemüse (Erdfrucht)

(2Mo 12,22; Lk 10,17-19; 2Kor 10,4-5; Offb 12,10-11)

Ein Gemüse, meist Petersilie oder Sellerie, das zu Beginn des Passah-Seders in Salzwasser getaucht und gegessen wird.

 

Karpas symbolisiert das Wachstum und die Fruchtbarkeit des jüdischen Volkes in Ägypten (2Mo 1,7) sowie die „zermürbende Arbeit“, die das Volk Israel in Ägypten ertrug. Das Salzwasser symbolisiert die Tränen der Angst und Verzweiflung, die infolge der Sklaverei vergossen wurden. Petersilie wird oft zu diesem Zweck verwendet, denn wenn man das Salzwasser abschüttelt, ähnelt es den Tränen.

 

Die hebräischen Buchstaben von „Karpas“ können umgetauscht werden, sodass sie das Wort „Perach Samech“ ergeben. „Perach“ bedeutet „zermürbende Arbeit“ und „Samech“ hat den numerischen Zahlenwert 60, beziehend auf die 60 Myriaden (10.000), gleich 600.000, was die Anzahl aller jüdischen Männer über 20 darstellt, die in Ägypten versklavt wurden.

 

 

2. Charosset (חרוסת) – Fruchtmus aus gehackten Äpfeln und Nüssen

(2Mo 5,16.18; Apg 7,34-36; 13,17)

Der Begriff „Charosset“ stammt entweder vom hebräischen Wort „cheres“ ab, was „Lehm“ bedeutet oder von „chasaph“ ab, was „Ton“ meint.

 

Charosset ist eine süße, dunkle Fruchtmus-Paste aus Früchten und Nüssen.

 

Das Charosset hat als einziger Bestandteil der Sedermahlzeit einen süßen Geschmack. Bei den Aschkenasim (mittel-, nord- und osteuropäische Juden) ist es eine Mischung überwiegend aus geriebenen Äpfeln und Nüssen oder Mandeln, die mit süßem roten Wein verdünnt und mit Zimt gewürzt wird. Gelegentlich werden Rosinen verwendet. Das traditionelle Charosset der Sephardim (östliche, nordafrikanisch-vorderasiatische Juden) basiert auf Datteln statt auf Äpfeln.

 

Charosset symbolisiert die Mühsal und Arbeit des jüdischen Volkes in Ägypten (2Mo 1,13-14). Es stellt den Lehm oder Mörtel für die Ziegel dar, mit dem die jüdischen Sklaven die Gebäude in Ägypten bauten, wie im Traktat Pesachim 116a des Talmud erwähnt.

 

Es gibt viele Rezepte für Charosset. Viele enthalten zumindest einige der im Hohelied erwähnten Früchte und Gewürze: Äpfel (Hld 2,3), Feigen (Hld 2,13), Granatäpfel (Hld 4,3), Weintrauben (Hld 2,15), Walnüsse (Hld 6,11), Datteln (Hld 7,7) mit dem Zusatz von Wein (Hld 1,2), Safran (Hld 4,14) und Zimt (Hld 4,14). Der Zusammenhang zwischen den Zutaten des Charosset und dem Hohelied besteht darin, dass das Buch Hohelied zu den sogenannten „fünf Festrollen“ (hebr. Chamesch Megillot), die an bestimmten Festen im Tempel vorgelesen wurden. Hohelied ist die erste Festrolle und dem sogenannten Passahfest (Pessach) zugeordnet.

 

 

3. Maror (מרור) – Bittere Kräuter

Der Begriff „Maror“ kommt vom hebräischen Wort „Marar“ was „bitter sein“ bedeutet.

 

Maror ist ein bitteres Kraut, meist frisch geriebener Meerrettich.

 

Bei der Verwendung von Meerrettich darf laut jüdischer Tradition nur frisch geriebener roher Meerrettich verwendet werden und keine Aromen jeglicher Art hinzugefügt sein. Der gewöhnliche Meerrettich aus dem Glas, ob rot oder weiß etc., ist laut Tradition nicht akzeptabel, obwohl viele Leute ihn verwenden.

 

Maror symbolisiert die Bitterkeit und Härte der Sklaverei, welche die Israeliten ertragen mussten (2Mo 1,13-14).

 

 

Der Unterschied zwischen Maror und Chaseret

Oft herrscht Verwirrung über die „bitteren Kräuter“ auf dem Seder-Teller. Was ist der Unterschied zwischen Maror und Chaseret, und warum enthalten manche Sederteller beides, während andere nur Maror enthalten?

 

Beides, Maror und Chaseret sind „bittere Kräuter“ (beachte den Plural).

 

In 2. Mose 12,8 heißt es:

„... und sollen es mit bitteren Kräutern [hebr. Merorim] essen

 

„Merorim“ ist die Pluralform von „Maror“ das von der hebräischen Wortwurzel „mar“ stammt, was „bitter“ bedeutet.

 

Der traditionelle Seder-Teller hat normalerweise zwei Plätze für Maror (bittere Kräuter), welche die Bitterkeit der Sklaverei darstellen: Einmal „Maror“ und einmal „Chaseret“. Es gib Seder-Teller, die nur einen Platz für Maror enthalten. Auf den Tellern, die keinen Platz für Chaseret enthalten, ist es so, dass die „bitteren Kräuter“ (Maror und Chaseret) auf den Platz für Maror gelegt werden.

 

Die Mischna listet fünf Kräuter auf, die als „Merorim“ verwendet werden können (Pesachim 2:6): Chaseret, Ulschin, Tamcha, Charchavina und Maror. Es gibt einige Diskussionen darüber, wie die hebräischen Wörter der Mischna zu übersetzen sind (Pesachim 39a), aber es ist allgemein anerkannt, dass Römersalat, Meerrettich und Endivien (Eskariol) in der Auflistung enthalten sind. Da die Identität dieser Mischna-Begriffe nicht klar ist, liefert die Gemara weitere Einzelheiten.

 

Der Seder-Teller ist der zentrale Ort für die symbolischen Speisen und es gibt keine Speise auf dem Seder-Teller, die so viel Unsicherheit und Verwirrung hervorruft wie sein einfachstes Element: ein Stück Salat.

 

Es herrscht jedoch meist Verwirrung darüber, wo der Römersalat auf dem Seder-Teller platziert werden soll. Soll er auf die Stelle, die mit „Maror“ oder auf die Stelle, die mit „Chaseret“ bezeichnet ist? Beides ist richtig, denn Römersalat, der in der Mischna als Chaseret bezeichnet wird, ist die von den alten Rabbinern bevorzugte Sorte von Maror (bzw. Merorim; den bitteren Kräutern). Man kann den Salat an die Stelle mit der Aufschrift „Chaseret“ und den Meerrettich an die Stelle mit der Aufschrift „Maror“ legen. Wenn man jedoch modernes Hebräisch spricht, wird man wahrscheinlich das Gegenteil tun und den Meerrettich an die Stelle mit der Aufschrift „Chaseret“ legen, denn das ist es, was das Wort im modernen Hebräisch bedeutet. Dann legt man den Salat an die Stelle, die mit „Maror“ bezeichnet ist.

 

meerrettich in modernem Hebräisch ausgesprochen

 

 

4. Chaseret (חזרת) – Zweites Bitterkraut/Salat

Der Begriff „Chaseret“ stammt von „chasah“ ab, was das moderne hebräische Wort für „Salat“ ist.

 

Chaseret (auch Haseret) ist eine andere Art von Maror und meist Römersalat.

 

Neben Maror (Meerrettich) ist Chaseret die zweite Sorte an bitteren Kräutern, die während der Seder an Passah gegessen werden, was auf das biblische Gebot beruht „ ...mit bitteren Kräutern sollen sie es essen“ (2Mo 12,8).

 

Zu beachten ist, dass sowohl Maror als auch Chaseret als die in 4. Mose 9,11 erwähnten „bitteren Kräuter“ (Plural) betrachtet werden, weshalb die meisten Seder-Teller einen Platz für Chaseret haben.

 

Jüdische Gelehrte sind geteilter Meinung über das Erfordernis des Chaseret, so dass nicht alle Chaseret verwenden.

 

Chaseret wird zusammen mit dem Maror gegessen und gehört ebenso wie das Mazza zum sogenannten „Korech-Sandwich“.

 

Aus Pesachim 39a geht eindeutig hervor, dass Chaseret (Salat) für Maror/Merorim bevorzugt wird. Hier werden mehrere Gründe genannt.

 

Die Verwirrung besteht darin, dass der Begriff „Chaseret“ heutzutage in Israel für „Meerrettich“ verwendet wird. „Chaseret“ bedeutet aber „Salat“ (vgl. Pesachim 39a).

 

Chaseret symbolisiert das Exil, das für die Israeliten in bitterer Sklaverei endete. Römersalat, erscheint auf den ersten Blick nicht bitter, wird es aber nach und nach. Dies soll die Erfahrung der Sklaverei des jüdischen Volkes in Ägypten symbolisieren, die nicht auf einmal begann, sondern allmählich erfolgte und somit immer bitterer wurde.

 

 

5. Seroa (זרוע) – Ungebrochener gebratener Lammkeulenknochen

(2Mo 12,5.8.27.46; Joh 19,36 i.V.m. 4Mo 9,12; Ps 34,21)

Seroa ist traditionell ein ungebrochener und gebratener Unterschenkelknochen eines Schaf- oder Ziegenlammes mit wenig Fleisch.

 

Seroa symbolisiert das Korban Pessach, das geopferte Passahlamm, dessen Blut an die Türpfosten und Oberschwelle gestrichen wurde.

 

Zu beachten ist, dass der übliche Begriff für „Knochen“ im Hebräischen „etsem“ ist, aber die jüdischen Gelehrten bezeichnen das Lamm als „seroa“ – „Arm“ – wie im „ausgestreckten Arm“ (seroa netujah) des HERRN. Der „Arm des HERRN“ zeigt sich in seiner mächtigen Befreiung des jüdischen Volkes.

 

Der ungebrochene Knochen symbolisiert, dass Jesus am Kreuz kein Knochen gebrochen wurde. Zur Zeit Jesu wurde gemäß biblischer Weisung das gesamte Passahlamm gegessen. Nach der Zerstörung des Tempels und dem Ende des Opferdienstes wird von den Juden nur noch ein einzelner ungebrochener Lammknochen verwendet. Es ist ein Zeichen für das Opfer, das man an diesen Tagen gebracht hätte. Aber ist es noch ein ursprüngliches Passahmahl, wenn das Lamm fehlt? Das Lamm fehlt nicht, sondern ist mitten unter den Feiernden – Jesus Christus – Jeschua ha-Maschiach!

 

 

6. Beitzah (ביצה) – Hartgekochtes Ei

Der Begriff „Beitzah“ (auch Besah; Betsah) bedeutet „Ei“.

 

Beitzah ist ein hartgekochtes Ei, dass anschließend traditionell auf dem Herd oder im Ofen ein wenig angebraten wird, während die Schale es noch umschließt.

 

Bei manchen ist es Brauch, das harte, geschälte Ei in eine Schüssel mit salzigem Wasser zu tauchen, bevor es gegessen wird – als Symbol für die Tränen der israelitischen Sklaven in Ägypten.

 

Beitzah symbolisiert das Korban Chagigah, das Festtagsopfer, welches jeder Pilger an den drei Wallfahrtsfesten (Passah, Wochenfest, Laubhüttenfest) im Jerusalemer Tempel darbringen musste. Außerdem ist das Beitzah ein Zeichen der Trauer um den zerstörten Tempel in Jerusalem. Es gilt auch als ein Symbol des Frühlings, der Jahreszeit, in der immer Passah gefeiert wird.

 

 

7. Mej Melach (מי מלח) – Salzwasser

(2Mo 2,23; 13,17–14,31; 22,22)

Der hebräische Begriff für „Salz“ lautet „melach“ und „mej“ meint „Wasser“.

 

Man verwendet das Salzwasser zum Eintauchen des Karpas zu Beginn des Seders und zum Eintauchen des Beitzahs vor Beginn des Sedermahls.

 

Die Schale mit Salzwasser auf dem Seder-Teller symbolisiert zunächst den Schweiß und die Tränen der jüdischen Sklaven und später auch die Teilung des Meeres sowie die Vernichtung der Armee des Pharaos.

 

 

Die Nacherzählung in Verbindung mit dem Seder-Teller

Was das Nacherzählen der Passahgeschichte angeht, so befiehlt die Tora in 2. Mose 13,8

 

Du sollst deinem Sohn sagen (hebr. v'higgadta) an demselben Tage: Das halte ich um dessentwillen, was mir der HERR getan hat, als ich aus Ägypten zog

 

Das Wort „sagen“ im Vers heißt im Hebräischen „v'higgadta“ wovon das Wort „Haggadah“ stammt.

 

Da es verschiedene Möglichkeiten gibt, die Geschichte zu erzählen, verwendet der Passah-Seder verschiedene Methoden, um alle Sinne anzusprechen. Der Seder-Teller spricht unsere Augen an und dient als eine Art „visuelle Geschichte“ der Ereignisse der Befreiung. Die verschiedenen rituellen Handlungen (wie das Eintauchen der Karpas, das Probieren der bitteren Kräuter, das Rezitieren der Segenssprüche, das Singen usw.) sprechen unsere körperlichen Erfahrungen am Seder-Tisch an (Geschmack, Geruch, Bewegungen). Schließlich appelliert die mündliche Nacherzählung der Geschichte (beginnend mit den „vier Fragen“ an unsere Ohren, um die Botschaft der Befreiung zu verstehen.

 

 

Das Korech-Sandwich

Hillel, der Rabbiner, der zur Zeit des Königs Herodes in Jerusalem lebte, erfand das „Hillel-Sandwich“ das sogenannte Korech-Sandwich, eine Kombination aus den drei im biblischen Gebot genannten Elementen:

 

2. Mose 12,8

und sollen das Fleisch essen in derselben Nacht, am Feuer gebraten, und ungesäuertes Brot dazu und sollen es mit bitteren Kräutern essen

 

Manche legen den Maror auf die Matze, andere, wickeln die Matze in Maror ein, wieder andere legen den Maror zwischen die Matze. All diese Methoden sind möglich.

 

Man beginnt mit der bitteren Seite und geht zur süßen Seite über, um sich daran zu erinnern, dass die Sklaverei zwar bitter war, die Erlösung aber noch süßer.

 

Wissenswertes

● Birkat Kohanim – Der Aaronitische Segen

 

Zum Passahfest gehört der Aaronitische Segen, der priesterliche Segen (hebr. Birkat Kohanim) an der Klagemauer.

 

Der Aaronitische Segen ist ein Segenspruch der Tora (4Mo 6,24-26) und lautet:

 

Jewarechecha Adonai wejischmerecha, ja'er Adonai panaw elecha wichuneka, jissa Adonai panaw elecha wejasem lecha schalom

 

Der HERR segne dich und behüte dich; der HERR lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig; der HERR hebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden

 

Im orthodoxen Judentum gilt das Segnen der gottesdienstlichen Gemeinde mit dem Priestersegen als eine geistliche Pflicht (Mizwa), die für Männer aus Priesterfamilien auch nach der Zerstörung des Tempels gültig ist. In manchen Gemeinden im Land Israel findet der Priestersegen beim täglichen Morgen- und Mussafgebet statt, in anderen nur beim Mussafgebet am Schabbat, Neumond (Rosch Chodesch) und Feiertagen. 

 

Seit 1970 wird er zu den Feiertagen am Passahfest (Pessach) und Laubhüttenfest (Sukkot) durch hunderte von Priestern (Kohanim) gesprochen und über Lautsprecher an die Klagemauer übertragen. Der Jerusalemer Rabbi Menachem Mendel Gafner hatte sich an einen Midrasch (Auslegung für einen Bibeltext) erinnert. Dieser betonte die einzigartige Natur des Priestersegens, selbst nach der Zerstörung des Tempels. Daraufhin sorgte er in den letzten Tagen des Abnutzungskrieges mit Ägypten (1967–1970) dafür, dass die Tradition wieder eingeführt wurde.

 

Der aaronitische Segen nimmt ebenfalls eine wichtige Stelle in der häuslichen Sabbatfeier ein, in der er vom Vater über jedes Kind gesprochen wird.

 

Festtagsgrüße (Zusprüche)

• Chag Pessach Sameach (חג פסח שמח)

Auf Hebräisch grüßt man sich mit „Chag Pessach Sameach“, was auf Deutsch „ein fröhliches Passahfest“ bedeutet.

 

• Fröhliches Passah bzw. Happy Passover

Auf Deutsch bzw. Englisch sagt man einfach „Fröhliches Passah“ bzw. „Happy Passover“.


Gottes Segen Euch allen!

 

1. Thessalonicher 5,23

„Er selbst aber, der Gott des Friedens, heilige euch völlig; und vollständig möge euer Geist und Seele und Leib untadelig bewahrt werden bei der Ankunft unseres Herrn Jesus Christus!“

 

Amen