· 

Tischa be-Ab (Trauer- und Fastentag - Gedenktag an Tempelzerstörung)

Klagelieder 5,21

"Bring uns zurück, HERR, zu dir, dass wir umkehren! Erneuere unsere Tage, dass sie werden wie früher!"

 

Psalm 56,3-4

"3 Meine Feinde verfolgen mich, und viele greifen mich ganz offen an. 4 Doch wenn ich Angst habe, vertraue ich dir."

 

Römer 12,15

"Freut euch mit den sich Freuenden, weint mit den Weinenden!"


Tischa be-Ab (hebr. תשעה באב), oder der neunte Tag des hebräischen Monats Ab, ist ein jüdischer Trauer- und Fastentag, der an die vielen Tragödien erinnert, die das jüdische Volk im Laufe der Jahrhunderte ereilt haben. Dieser Tag ist für das jüdische Volk noch beklagenswerter als Jom Kippur, da Tischa be-Ab das Gericht und die Bestrafung Gottes darstellt, welche er tatsächlich vollzogen hat.

 

Im Besonderen trauern und fasten die Juden anlässlich der Zerstörung des Ersten und Zweiten jüdischen Tempels in den Jahren 586 v.Chr. durch die Babylonier und 70 n.Chr. durch die Römer. Es ist gleichzeitig auch der letzte Tag der dreiwöchigen Trauerzeit zwischen dem 17. Tammuz und dem 9. Ab. Im Hebräischen werden diese Tage nach Klagelieder 1,3 auch "Tage inmitten der Bedrängnis" (bein ha-metzarim) genannt: "All ihre Verfolger holten sie ein mitten in der Bedrängnis". Tischa be-Ab ist somit der Tiefpunkt dieser Trauerperiode.

 

 

Wenn der 9. Ab auf einen Schabbat fällt dann verschiebt sich der Trauer- und Fastentag auf den nachfolgenden Tag, um nicht die Freuden des Schabbattages zu stören. Fasten an einem Freitag behindert die Vorbereitung des Schabbats. Die einzige Ausnahme ist Taanit Ester, das Esterfasten, das auf den Donnerstag vorverlegt wird, wenn es sonst auf einen Schabbat fiele. Das entspricht dem Standpunkt von Maimonides, der sagte, das ,"Fasten müsse dem Feiern (Purim) vorausgehen" (Jad, Taanit 5,5).

 

Der Schabbat bleibt nach jüdischer Vorstellung auch in schlimmsten Zeiten ein Vorgeschmack auf den Schalom und das Glück der kommenden Welt. Deshalb darf an einem Schabbat niemals getrauert oder gefastet werden. Nur der Große Versöhnungstag Jom Kippur ist der "Schabbat der Schabbate", wird in der Bibel auf ein Datum festgelegt und muss auch genau zu diesem Datum eingehalten werden. Deshalb wird er als Fasttag auch am Schabbat gehalten.

 

Für den 9. Ab gelten die gleichen Vorschriften wie für den Versöhnungstag Jom Kippur: Es darf weder gegessen noch getrunken werden, man darf sich weder baden noch den Körper einsalben, keine Lederschuhe tragen und keinen Geschlechtsverkehr ausüben.

 

Das Fasten beginnt bereits am Vorabend (von Sonnenuntergang am Vorabend bis Sonnenuntergang des Tages) und dauert 25 Stunden. Am Vorabend des Fastens ist es üblich als letzte Mahlzeit (Trauermahl) ein hartgekochtes Ei das mit Asche bestäubt wurde (als Zeichen der Trauer in Erinnerung an die Asche des Tempels) mit Brot und Wasser zu verzehren.

 

Aus dem Buch der Klagelieder, eine der "fünf Schriftrollen" oder Megillot, wird am Vorabend von Tischa be-Ab gelesen. Im Morgengottesdienst wird aus 5. Mose 4,24–40 und Jeremia 8,13–9 und Jeremia 23 gelesen, Nachmittags dann aus 2. Mose 32,11–14; 34,1–10.

 

Wissenswertes

Es gab am 9. Ab noch weitere Tragödien in denen das jüdische Volk immer wieder heimgesucht wurde, unter anderen:

 

• Im Jahre 135 n.Chr. wurde am 9. Ab im Bar Kochba-Aufstand die letzte jüdische Festung (Betar) von den Römern erobert 

 

• Auf den Tag genau ein Jahr später errichtete der römische Kaiser Hadrian einen heidnischen Tempel (zu Ehren des heidnischen Gottes Jupiter) auf dem Tempelberg, nachdem er Jerusalem in "Aelia Capitolina" umbenannt und Juden den Zugang zur Stadt bei Todesstrafe untersagt hatte. 

 

• während des ersten Kreuzzuges 1096 verübten Kreuzfahrer auf ihrem Weg ins Heilige Land am 9. Ab Pogrome in Speyer und Worms

 

• Im Jahr 1290 wurde die Ausweisung der Juden aus England verfügt, begleitet durch Pogrome und Beschlagnahme von Büchern und Besitz.

 

• Am 9. Ab 1492 begann die Vertreibung der Juden in Spanien und Portugal von der Iberischen Halbinsel.

 

• Am 1. August 1914 trat das Deutsche Reich am 9. Ab in den Ersten Weltkrieg ein, in dessen Verlauf etwa 130.000 jüdische Soldaten fielen, unter ihnen rund 12.000 mit deutscher Staatsangehörigkeit;

 

• am 9. Ab 1942 begannen die Deportationen aus dem Warschauer Ghetto in die Vernichtungslager der Nazis in Polen.

 

• 1994 gab es ein Bombenattentat auf das Gebäude der AMIA (das Jüdische Gemeindezentrum in Buenos Aires, Argentinien), das 86 Menschen tötete und mehr als 300 Verletzte forderte.

 

Aus biblischer Zeit kommt ein weiteres Ereignis hinzu:

 

• es war der 9. Ab als die 10 Spione mit einem negativen, glaubenslosen Bericht aus dem Gelobten Land zurückkehrten und Israel sich weigerte, in das Land vorzurücken, sodass Gott anordnete, dass sie 40 Jahre lang in der Wüste wandern würden (4Mo 13-14).

 

• Auch soll Gott an diesem Tag das Urteil über das israelische Volk nach der Sünde des Goldenen Kalbs gefällt haben.

 

 

Warum wird noch getrauert?

Nach jüdischer Tradition wird gelehrt diese Zeit und die Erinnerung zu schätzen. Es gibt Tage und Zeiten um sich mit den Tragödien zu identifizieren und sich an die Tragödien zu erinnern, die das jüdische Volk als Nation durchgemacht hat. Juden fasten und trauern zusammen. Dies hilft nicht nur, sich an die Vergangenheit zu erinnern und daraus zu lernen, sondern auch denen Trost zu spenden, die immer noch trauern, denn sie sind ein Volk und eine Nation. Juden erinnern sich, denn wenn nicht, vergessen sie.

 

So sollen sich Juden aller "weltlichen Freuden" enthalten, auch die Tora darf nicht studiert werden, da „die Befehle des HERRN das Herz erfreuen“, wie es in Psalm 19,9 heißt.

 

 

Messianische Bedeutung

Aber an Tischa be-Ab geht es um viel mehr als um die Zerstörung eines herrlichen Bauwerks oder die Verwüstung jüdischen Eigentums.

 

Es ist ein Zeitraum von 25 Stunden, in dem wir über die sehr zerbrechliche Natur unserer Existenz als Volk Gottes nachdenken. Da die Herzen vieler Menschen von Hass gegen Gottes Volk erfüllt sind, ist dies ein Tag, an dem man Gott besonders bittet, uns zu stärken und zu unterstützen.

 

Tischa be-Ab ist auch eine Zeit, in der wir herausgefordert sind, unsere Liebe zueinander und insbesondere zum jüdischen Volk zu demonstrieren. Der (zweite) Tempel wurde wegen grundlosen Hasses (unter Juden) zerstört; er kann nur durch grundlose Liebe wiederaufgebaut werden. Grundlose Liebe bedeutet, jeden einzelnen Juden zu lieben, unabhängig davon, wie man sich politisch oder religiös von Ihnen unterscheidet.

 

Bevor der Zweite Tempel zerstört wurde, sprach Jesus die Wichtigkeit der Liebe an:

 

Johannes 13,34

"Ein neues Gebot gebe ich euch, dass ihr einander liebt, damit, wie ich euch geliebt habe, auch ihr einander liebt."

 

Tischa be-Ab kann eine Gelegenheit sein, sich mit den Tragödien zu identifizieren, die das jüdische Volk in der Geschichte getroffen haben. Einige mögen sich fragen, warum? Die Antwort ist, sich mit den Leiden des Volkes Gottes zu identifizieren, so wie es Jesus tat (Mt 23,37-39). Es ist richtig und von hoher Bedeutung, auch in Zeiten der Trauer an der Seite Israels zu stehen: "Freut euch mit den sich Freuenden, weint mit den Weinenden!" (Röm 12,15).


Quellen:

  • jewsforjesus.org
  • israelnetz.com
  • hebrew4christians.com
  • eigene Anmerkungen

 

Gottes Segen Euch allen!

1. Thessalonicher 5,23
"Er selbst aber, der Gott des Friedens, heilige euch völlig; und  vollständig möge euer Geist und Seele und Leib untadelig bewahrt werden bei der Ankunft unseres Herrn Jesus Christus!"

Amen