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Tzomot – Fasttage des jüdischen Jahres

Seit biblischen Zeiten und bis in die Gegenwart spielen Fasttage (tzomot) für das Volk Gottes eine bedeutende Rolle. Im Hebräischen gibt es zwei Wörter, die beide „Fasten“ (Verzicht auf Nahrung) bedeuten: „Tzom“ (צוֹם) und „Ta'anit“ (תַּעֲנִית).

 

Der Unterschied zwischen Tzom & Ta'anit

Der Hauptunterschied zwischen beiden Wörtern besteht darin, dass „Tzom“ ein biblisches Wort ist (es kommt 26-mal in den Propheten (Nevi'im) und in den Schriften (Ketuvim) vor, jedoch nie in der Tora). Hingeben kommt „Ta'anit“ hauptsächlich im rabbinischen Hebräisch vor und erscheint lediglich 1-mal in der Bibel in Esra 9,5).

 

„Tzom“ kann auch direkt mit „schnell“ übersetzt werden und bezieht sich auf die Praxis des Fastens selbst, ohne zwischen verschiedenen Gründen zu unterscheiden. Im modernen Hebräisch wird „Tzom“ für alle Arten von Fasten verwendet, auch für medizinisches Fasten. Das Wort „Ta'anit“ bezeichnet mehr einen rituellen Fasttag, für den spezifischen Zweck der Trauer oder des Flehens zu Gott. „Ta'anit“ ist daher auf den religiösen Bereich beschränkt und kann sich auch auf den Verzicht auf andere Dinge beziehen, wie z.B. auf das Sprechen.

 

Was ist Fasten

Fasten ist der Verzicht auf Nahrung – des Essens und des Trinkens. Fasten ist Selbstverleugnung. Fasten heißt, dass man aus geistlichen Gründen (Selbstverleugnung) freiwillig auf Nahrung verzichtet. Normalerweise heißt das nicht, dass man nichts trinkt, sondern nur, dass man auf feste Speise verzichtet (auch wenn es Fälle in der Bibel gibt, in denen Menschen bis zu vierzig Tage lang weder aßen noch tranken).

 

Fasten kann einen oder mehrere Zwecke haben, z.B.:

 

• Ein Werkzeug zur Umkehr

• Ein Ausdruck der Trauer

• Flehen, wie das Fasten von Ester

• Zur Vorbereitung - vor großen Entscheidungen

 

Mehrfach berichtet das Alte Testament auch vom Fasten als Zeichen der Trauer oder um den Ernst eines Gebetes zu betonen (Esr 8,21). So fastete König David, als einer seiner Söhne todkrank wurde (2Sam 12,15ff).

 

Fasttage des jüdischen Jahres

Im Laufe eines jüdischen Jahres gibt es eine Reihe von Fasttagen, „Tzomot“ genannt. Hierbei unterscheidet man zwischen „große“ Fasttage (Vollfasttage) und „kleine“ Fasttage (kleines Fasten).

 

Es ist üblich, kurz vor Beginn eines großen Fastentag eine Mahlzeit einzunehmen. Einige stehen auch rechtzeitig auf, um zu frühstücken, bevor sie einen kleinen Fastentag beginnen. Schwerkranke oder ernsthaft erkrankte Personen sind jedoch vom Fasten befreit, selbst an großen Fasttagen. Es ist wichtiger, das Leben eines Menschen zu schützen, als einen Fasttag einzuhalten.

 

Von Personen über dem Alter von Bar oder Bat Mizwa wird erwartet, dass sie fasten. Kinder unter 9 Jahren dürfen nicht fasten, da es als gefährlich für ihre Gesundheit und Entwicklung gilt. Kinder zwischen 9 Jahren und Bar oder Bat Mizwa fasten normalerweise einen Teil des Tages, um sich darauf vorzubereiten, wenn sie älter werden und den ganzen Tag fasten werden.

 

Große Fasttage (Vollfasttage)

„Große“ Fasttage (ganztägiges Fasten) werden von Sonnenuntergang bis zum Einbruch der Dunkelheit der folgenden Nacht eingehalten, ein Zeitraum von etwa 25 Stunden. Neben dem Fasten gibt es einige zusätzliche Einschränkungen, die an großen Fasttagen eingehalten werden.

 

Hierzu zählen zwei Fasttage:

Tischa be-Ab

Jom Kippur

 

Hinweis:

Die zwei großen Fasttage beinhalten zusätzlich zum Verbot des Essens und Trinkens vier Einschränkungen: Man darf seinen Körper nicht waschen, keine Lederschuhe tragen, keine Öle oder Parfüms verwenden und keinen Sex haben. Jom Kippur beinhaltet auch alle Einschränkungen des Schabbats. Tischa be-Ab hat Einschränkungen, die denen der einwöchigen Trauerzeit nach einer Beerdigung „Schiwa“ ähneln.

 

Mit Ausnahme von Jom Kippur ist das Fasten am Schabbat niemals gestattet (außer Assara be-Tebet), da das Gebot, den Schabbat zu halten, biblisch verordnet ist und die später rabbinisch eingeführten Fasttage außer Kraft setzt.

 

Kleine Fasttage

Sogenannte kleine Fasttage (halbtägiges Fasten) dauern von der Morgendämmerung bis zum Einbruch der Dunkelheit (Aufgang der ersten Sterne am Abend). Sie haben meist einen geschichtlichen Hintergrund und werden ohne zusätzliche Einschränkungen begangen.

 

Hierzu zählen:

Ta'anit Bechorot

Tzom Tammuz

Tzom Gedalja

• Assara be-Tebet

Ta'anit Ester

 

Hinweis:

Drei der fünf kleinen Fasttage (alle außer dem Fasten von Ester und Ta'anit Bechorot) werden in der Bibel als Fasten in Erinnerung an die Zerstörung des Ersten Tempels erwähnt.

 

Sieben allgemein anerkannten Fasttage

Neben Jom Kippur werden im Talmud (Traktat Rosch Haschana 18b) vier Fasttage (basierend auf Sacharja 8,19) erwähnt, die an die Zerstörung des ersten und zweiten Tempels und die Vertreibung des jüdischen Volkes aus seiner Heimat erinnern (Tischa be-Ab, Tzom Gedalja, Tzom Tammuz & Assara be-Tebet). Darüber hinaus werden in der rabbinischen Literatur zwei weitere Fasttage erwähnt, mit denen es insgesamt sechs Fasttage ergibt und sieben, wenn Jom Kippur eingeschlossen wird.

 

Die folgende Liste zeigt die sieben allgemein anerkannten Fasttage, vom ersten bis zum letzten Fasten des jüdischen Jahres.

 

Ta'anit Bechorot – Das Fasten des Erstgeborenen (14. Nissan) 2Mo 12,29

Ta'anit Bechorot ist ein kleiner Fasttag, welcher nur von erstgeborenen Männern gehalten wird und erinnert an die Errettung der israelitischen Erstgeborenen während der 10. Plage der Erstgeborenen (2 Mo 11,1–12,36).

 

Wann: Am 14. Nissan im Morgengrauen. Wie andere kleine Fasttage beginnt Ta'anit Bechorot im Morgengrauen (erstes Licht) und endet bei Einbruch der Dunkelheit (Aufgang der ersten Sterne am Abend). Wenn Pessach Sonntag beginnt, wird das Fasten auf den 12. Nissan verschoben.

 

Tzom Tammuz – Fasten von Tammuz (17. Tammuz) Jer 52,12ff

Tzom Tammuz ist ein kleiner Fasttag, an dem an den Durchbruch der Jerusalemer Stadtmauer gedacht wird, welcher der Zerstörung des Ersten und Zweiten Tempels vorausging und markiert den Anfang der dreiwöchigen Trauerzeit „Bein ha-Metzarim“ (Tage inmitten der Bedrängnis) zwischen dem 17. Tammuz und 9. Ab.

 

Unter der Herrschaft von Nebukadnezar II. von Babylonien wurden Breschen in die Mauern der Jerusalemer Stadtmauer geschlagen (2Kö 25,2-7), was schließlich zur Zerstörung des Ersten Tempels führte. Bei der Eroberung Jerusalems durch römische Truppen im Jahr 70 n.Chr. unter Titus wurden die Jerusalemer Stadtmauern ebenfalls durchbrochen und Jerusalem geplündert, in Brand gesetzt und zerstört. Nach der Überlieferung wurden beide Tempel am 9. Ab zerstört. In der Bibel wird Tzom Tammuz als das Fasten des 4. Monats bezeichnet (Sach 8,19).

 

Wann: Am 17. Tammuz im Morgengrauen. Wie andere kleine Fasttage beginnt Tzom Tammuz im Morgengrauen (erstes Licht) und endet bei Einbruch der Dunkelheit (Aufgang der ersten Sterne am Abend). Wenn der 17. ein Schabbat ist, wird das Fasten auf den folgenden Tag verschoben.

 

Tischa be-Ab – Der Neunte von Ab (9. Ab) Klgl 5,21

Tischa be-Ab ist ein großer Fasttag und markiert das Ende der dreiwöchigen Trauerzeit „Bein ha-Metzarim“ (Tage inmitten der Bedrängnis). Der Fasttag gilt als der traurigste Tag im jüdischen Kalender, weil er an die großen Tragödien des jüdischen Volkes erinnert, wie etwa die Zerstörung der Tempel und Jerusalems sowie andere große Katastrophen, die das jüdische Volk getroffen haben. In der Bibel wird Tischa be-Ab als das Fasten des 5. Monats bezeichnet (Sach 8,19). Dieses Fasten ist das zweitwichtigste Fasten im Judentum (neben Jom Kippur, dem wichtigsten Fasttag).

 

Viele Leute fasten auch am ersten Tag von Ab, da dies die Yahrtzeit von Aaron dem Hohenpriester ist. Yahrtzeit bedeutet wörtlich „Jahreszeit“ und bezieht sich auf den Jahrestag des Todes eines Verwandten. Es ist interessant, dass von allen großen jüdischen Männern in biblischen Zeiten, deren Tod in der Tora verzeichnet ist, nur einer ausdrücklich mit seiner Yahrtzeit erwähnt wird. In 4. Mose 33,38 erfahren wir, dass Aaron, der erste Hohepriester, Bruder von Moses und Miriam, am 1. Tag des hebräischen Monats Ab verstorben ist.

 

Wann: Am 9. Ab. Wie alle großen Fasttage wird Tischa be-Ab von Sonnenuntergang bis zum Einbruch der Dunkelheit der folgenden Nacht eingehalten, ein Zeitraum von etwa 25 Stunden. Wenn der 9. Ab auf einen Schabbat fällt, wird der Fasttag auf den 10. Ab verschoben.

 

Tzom Gedalja – Fasten Gedaljas (3. Tischri) Jer 41,1ff

Tzom Gedalja ist ein kleiner Fasttag der an die Ermordung Gedalja ben Ahikams (Gedalja Sohn des Ahikams) im Jahr 582/581 v.Chr. erinnert. Sein Tod bedeutete ein vorläufiges Ende der nationalen Hoffnungen und für viele Jahre das Ende der jüdischen Niederlassung in Juda. Zu Lebzeiten wurden die Bemühungen Gedaljas um den Wiederaufbau jüdischen Lebens nicht richtig gewürdigt, nach seinem Tod betrauerte man ihn wie einen Helden und begeht seinen Todestag mit einem Fasttag. In der Bibel wird dies als das Fasten des 7. Monats bezeichnet (Sach 8,19).

 

Wann: Am 3. Tischri. Wie andere kleine Fasttage beginnt Tzom Gedalja im Morgengrauen (erstes Licht) und endet bei Einbruch der Dunkelheit (Aufgang der ersten Sterne am Abend). Wenn der 3. Tischri auf einen Schabbat fällt, wird der Fasttag auf den 4. Tischri verschoben.

 

Jom Kippur – Der Versöhnungstag (10. Tischri) 3Mo 23,26-32

Dies ist der heiligste Tag des jüdischen/biblischen Jahres. Ein Tag, an dem keinerlei Arbeit erlaubt ist. Jom Kippur ist der einzige Fasttag, der in der Bibel zum Zweck der Buße/Umkehr erwähnt wird. Hierbei hat das Fasten einen so hohen Stellenwert, dass Jom Kippur begangen wird, auch wenn der Tag auf einen Schabbat fällt (im Gegensatz zu anderen Fasttagen, die verschoben werden, wenn sie auf den Schabbat fallen).

 

Wann: 10. Tischri. Wie alle großen Fasttage wird Jom Kippur von Sonnenuntergang bis zum Einbruch der Dunkelheit der folgenden Nacht eingehalten, ein Zeitraum von etwa 25 Stunden. Jom Kippur wird nicht verschoben, wenn der 10. Tischri auf einen Schabbat fällt.

 

Assara be-Tebet – Der 10. von Tebet (10. Tebet) Jer 52,4; Sach 7,3.5; Hes 24,2

Assara be-Tebet ein kleiner Fasttag zum Gedenken an den Beginn der Belagerung Jerusalems durch König Nebukadnezar von Babylonien. Er legte einen Ring um Jerusalem, was letztlich zur Zerstörung von Salomos Tempel (des ersten Tempels) und Babyloniens Eroberung des Königreichs Juda und zur Verbannung des jüdischen Volkes führte. 

 

Orthodoxe Juden, die den Holocaust-Gedenktag Jom ha-Scho’a nicht akzeptieren, gedenken am 10. Tebet der Opfer der Schoa, deren Todestag unbekannt ist. An diesem Tag zündet man ein Gedächtnislicht an und spricht das Kaddisch-Gebet, das jüdische Gebet für Verstorbene. In der Bibel wird dies als das Fasten des 10. Monats bezeichnet (Sach 8,19).

 

Wann: 10. Tebet. Wie andere kleine Fasttage beginnt Assara be-Tebet im Morgengrauen (erstes Licht) und endet bei Einbruch der Dunkelheit (Aufgang der ersten Sterne am Abend). Fällt der 10. Tebet auf einen Freitag, wird am gleichen Tag gefastet, man verlegt ihn nicht, denn es heißt: „An ebendiesem Tag...“ (Hes 24,2).

 

Ta'anit Ester – Das Fasten von Ester (13. Adar) Ester 4,16

Der kleine Fasttag wird in Erinnerung an die drei Fasttage Esters vor ihrem schweren Gang zum König Ahasveros (Xerxes I.) begangen, was mit dem Tode bestraft werden konnte. Es war die Antwort auf das Dekret Hamans zur Vernichtung des jüdischen Volkes im persischen Exil. Zu Ehren der Königin Ester, die dieses Fasten angeordnet hatte, trägt es den Namen und erinnert uns an die Wunder und an die Rettungstat Gottes, die den Juden in ganz Persien zuteil wurde.

 

Wann: Am 13. Adar im Morgengrauen. Wie andere kleine Fasttage beginnt Ta'anit Ester im Morgengrauen (erstes Licht) und endet bei Einbruch der Dunkelheit (Aufgang der ersten Sterne am Abend).  Wenn der 13. Adar auf einen Schabbat fällt, wird der Fasttag auf den 11. Adar verschoben.

 

Andere Fasttage

Neben den sieben traditionellen Fasttagen, die in der jüdischen Gemeinde weltweit allgemein anerkannt sind, gibt es einige zusätzliche Fasttage innerhalb der jüdischen Tradition:

 

Ta'anit Tzaddikim – Fasten der Gerechten

Dies sind Fasttage in Erinnerung an eine bedeutende Person, die ein Lebensstil der Treue gegenüber Gott geführt hat.

• Das Fasten von Miriam - 10. Nissan

• Das Fasten von Aaron - 1. Ab

• Das Fasten von Mose - 7. Adar

• Das Fasten von Josua - 26. Nissan

• Das Fasten von Samuel - 28. Ijjar

 

Ta'anit Tzibur (Öffentliches Fasten)

Dies sind Fasten, die von einer bestimmten Gemeinschaft in Erinnerung an eine besondere Befreiung oder den Tod eines verehrten Führers eingeführt wurden.

 

Ta'anit Jachid (Persönliches Fasten)

Dies ist ein privates Fasten, welches aus persönlichen Gründen gehalten wird, etwa für ein Bedürfnis oder eine Bitte.

 

Es gibt auch einen Brauch, dass Braut und Bräutigam am Tag ihrer Hochzeit fasten. Beide fasten vom Morgengrauen bis nach der Trauzeremonie.


Quellen

  • jewsforjesus.org
  • hebrew4christians.com
  • synagoge-karlsruhe.de
  • betemunah.org
  • etz-hayim.com
  • haaretz.com
  • interfaithfamily.com
  • chabad.org
  • myjewishlearning.com
  • eigene Anmerkungen

 

Gottes Segen Euch allen!

 

1. Thessalonicher 5,23

Er selbst aber, der Gott des Friedens, heilige euch völlig; und  vollständig möge euer Geist und Seele und Leib untadelig bewahrt werden bei der Ankunft unseres Herrn Jesus Christus!

 

Amen