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Fastentage des jüdischen Jahres (Tzomot)

Seit biblischen Zeiten und bis in die Gegenwart spielt das Fasten für das Volk Gottes eine bedeutende Rolle. Fasten (Ta'anit/ Tzom) ist der Verzicht auf Nahrung – des Essens und des Trinkens.

 

Neben Jom Kippur wird im Talmud (Traktat Rosch Haschana 18b) von vier Fastentage (basierend auf Sacharja 8,19) gesprochen, die an die Zerstörung des ersten und zweiten Tempels und die Vertreibung des jüdischen Volkes aus seiner Heimat erinnern (Tischa be-Ab, Tzom Gedalja, Tzom Tammuz & Asara be-Tebet). Darüber hinaus werden in der rabbinischen Literatur zwei weitere Fastentage erwähnt, mit denen es insgesamt sechs Fastentage (tzomot) ergibt (sieben, wenn Jom Kippur eingeschlossen ist).

 

Fasten kann einen oder mehrere Zwecke haben, z.B.:

 

• Ein Werkzeug zur Umkehr

• Ein Ausdruck der Trauer

• Flehen, wie das Fasten von Ester

• Zur Vorbereitung - vor großen Entscheidungen

 

Mehrfach berichtet das Alte Testament auch vom Fasten als Zeichen der Trauer oder um den Ernst eines Gebetes zu betonen (Esr 8,21). So fastete König David, als einer seiner Söhne todkrank wurde (2Sam 12,15ff).

 

Fasten ist Selbstverleugnung und bedeutet, dass man aus geistlichen Gründen freiwillig auf Nahrung verzichtet.

 

Man unterscheidet zwischen Voll-Fasten-Tage und Kleinere-Fasten-Tage. Üblicherweise werden an den meisten Fastentagen in den Morgengebeten spezielle Gebete, die Selichot (Buß- und Bittgebete) genannt werden, hinzugefügt.

 

Voll-Fasten-Tage

Ein Voll-Fasten-Tag (ganztägiges Fasten) beginnt mit dem Sonnenuntergang am Vorabend und dauert bis zum Einbruch der Dunkelheit am Abend des nächsten Tages. Hierzu zählen zwei Fastentage:

 

Tischa be-Ab

Jom Kippur

 

Hinweis:

Die zwei vollen Fastentage beinhalten zusätzlich zum Verbot des Essens und Trinkens vier Einschränkungen: Man darf seinen Körper nicht waschen, keine Lederschuhe tragen, keine Öle oder Parfüms verwenden und keinen Sex haben. Jom Kippur beinhaltet auch alle Einschränkungen des Schabbats, und Tischa be-Ab hat Beschränkungen, die denen der einwöchigen Trauerzeit "Schiwa" ähneln.

 

Mit Ausnahme von Jom Kippur ist das Fasten am Schabbat niemals gestattet, da das Gebot, den Schabbat zu halten, biblisch verordnet ist und die später rabbinisch eingeführten Fastentage außer Kraft setzt.

 

Kleinere-Fasten-Tage

Sogenannte Kleinere-Fasten-Tage (halbtägiges Fasten) haben meist einen geschichtlichen Hintergrund, werden ohne zusätzliche Einschränkungen begangen. Sie beginnen in der Morgendämmerung bei Sonnenaufgang und enden bei Anbruch der Dunkelheit, beim Aufgang der ersten Sterne am Abend, am selben Tag. Hierzu zählen:

 

Ta'anit Bechorot

Tzom Tammuz

Tzom Gedalja

• Asara be-Tebet

Ta'anit Ester

 

Hinweis:

Drei der fünf kleinen Fastentage (alle außer dem Fasten von Ester und Ta'anit Bechorot) werden in der Bibel als Fasten in Erinnerung an die Zerstörung des Ersten Tempels erwähnt.

 

Die folgende Liste zeigt die sieben allgemein anerkannten Fastentage, vom ersten bis zum letzten Fasten des jüdischen Jahres:

 

Ta'anit Bechorot - Das Fasten des Erstgeborenen (14. Nissan)

Ein Kleinerer-Fasten-Tag, der nur von erstgeborenen Männern gehalten wird und an die Tatsache erinnert, dass sie in Ägypten vor der Pest der Erstgeborenen gerettet wurden. Es wird am Tag vor Pessach (14. Nissan) begangen.

 

 

Tzom Tammuz - Fasten des 17. von Tammuz (17. Tammuz) Jer 52,12ff

Tzom Tammuz ist ein Kleinerer-Fasten-Tag, an dem des Durchbruchs der Jerusalemer Stadtmauer, welcher der Zerstörung des Ersten und Zweiten Tempels vorausging, gedacht wird und markiert den Anfang der dreiwöchigen Trauerzeit zwischen 17. Tammuz und 9. Ab.

 

Unter der Herrschaft von Nebukadnezar II. von Babylonien wurden Breschen in die Mauern der Jerusalemer Stadtmauer geschlagen (2Kö 25,2-7), was schließlich zur Zerstörung des Ersten Tempels führte. Bei der Eroberung Jerusalems durch römische Truppen im Jahr 70 n.Chr. unter Titus wurden die Jerusalemer Stadtmauern ebenfalls durchbrochen und Jerusalem geplündert, in Brand gesetzt und zerstört. Nach der Überlieferung wurden beide Tempel am 9. Ab zerstört. In der Bibel wird Tzom Tammuz als das Fasten des 4. Monats bezeichnet.

 

Tischa be-Ab - Der Neunte von Ab (9. Ab)

Ein Fastentag, der an die Tragödien des jüdischen Volkes erinnert. In der Bibel wird Tischa be-Ab als das Fasten des 5. Monats bezeichnet. Dieses Fasten ist das zweit wichtigste Fasten im Judentum (neben Jom Kippur, dem wichtigsten Fastentag). Am Vorabend von Tischa be-Ab ist es üblich, ein gekochtes Ei zu essen, das mit Asche bestreut ist.

 

Hinweis: Viele Leute fasten auch am ersten Tag von Ab, da dies die Yahrtzeit von Aaron dem Hohenpriester ist. Yahrtzeit bedeutet wörtlich "Jahreszeit" und bezieht sich auf den Jahrestag des Todes eines Verwandten. Es ist interessant, dass von allen großen jüdischen Männern in biblischen Zeiten, deren Tod in der Tora verzeichnet ist, nur einer ausdrücklich mit seiner Yahrtzeit erwähnt wird. 4. Mose 33,38 sagt uns, dass Aaron, der erste Hohepriester, Bruder von Moses und Miriam, am 1. Tag des hebräischen Monats Ab verstorben ist.

 

Tzom Gedalja - Fasten des Gedaljas (3. Tischri) Jer 41,1ff

Tzom Gedalja ist ein Kleinerer-Fasten-Tag direkt nach Rosch ha-Schana zum Gedenken an die Ermordung des Statthalters von Juda Gedalja ben Ahikam durch irreführende Eiferer. In der Bibel wird dies als das Fasten des 7. Monats bezeichnet.

 

Jom Kippur - Der Versöhnungstag (10. Tischri) 3Mo 23,26-32

Dies ist der heiligste Tag des jüdischen/ biblischen Jahres. Ein Tag, an dem keinerlei Arbeit erlaubt ist. 

 

Hinweis: Jom Kippur ist der einzige Fasttag, der in der Bibel zum Zweck der Teschuwa (Buße/ Umkehr) erwähnt wird. Das Fasten ist so wichtig, dass es erlaubt ist, auch wenn es auf einen Schabbat fällt (im Gegensatz zu anderen Fastentagen, die verschoben werden, wenn sie auf den Schabbat fallen).

 

• Asara be-Tebet - Der 10. von Tebet (10. Tebet) Jer 52,4; Sach 7,3.5

Ein Kleiner-Fasten-Tag zum Gedenken an die Belagerung und den Fall Jerusalems. Im Staat Israel wird an diesem Tag das Kaddisch-Gebet (das jüdische Gebet für Verstorbene) für Menschen rezitiert, deren Todesdatum oder -ort unbekannt ist. In der Bibel wird dies als das Fasten des 10. Monats bezeichnet.

 

Ta'anit Ester - Das Fasten von Ester (13. Adar) Est 4,16

Der Kleinere-Fasten-Tag wird in Erinnerung an die drei Fastentage Esters vor ihrem schweren Gang zum König Ahasveros (Xerxes I.) begangen, was mit dem Tode bestraft werden konnte. Es war die Antwort auf das Dekret Hamans zur Vernichtung des jüdischen Volkes im persischen Exil. Zu Ehren der Königin Ester, die dieses Fasten angeordnet hatte, trägt es den Namen und erinnert uns an die Wunder und an die Rettungstat Gottes, die den Juden in ganz Persien zuteilwurde.

 

Andere Fastentage

Neben den sieben traditionellen Fastentagen, die in der jüdischen Gemeinde weltweit allgemein anerkannt sind, gibt es einige zusätzliche Fastentage innerhalb der jüdischen Tradition:

 

• Ta'anit Tzaddikim - Fasten der Gerechten

Dies sind Fastentage in Erinnerung an eine bedeutende Person, die ein Lebensstil der Treue gegenüber Gott geführt hat.

- Das Fasten von Miriam - 10. Nissan

- Das Fasten von Aaron - 1. Ab

- Das Fasten von Mose - 7. Adar

- Das Fasten von Josua - 26. Nissan

- Das Fasten von Samuel - 28. Ijjar

 

• Ta'anit Tzibur (Öffentliches Fasten)

Dies sind Fasten, die von einer bestimmten Gemeinde in Erinnerung an eine besondere Befreiung oder den Tod eines verehrten Gemeindeleiters eingeführt wurden.

 

• Ta'anit Jachid (Persönliches Fasten)

Dies ist ein privates Fasten, welches aus persönlichen Gründen gehalten wird.

 

Es gibt auch einen Brauch, dass Braut und Bräutigam am Tag ihrer Hochzeit fasten. Beide fasten vom Morgengrauen bis nach der Trauzeremonie.


Quellen:

  • jewsforjesus.org
  • hebrew4christians.com
  • synagoge-karlsruhe.de
  • betemunah.org
  • etz-hayim.com
  • haaretz.com
  • interfaithfamily.com
  • chabad.org
  • myjewishlearning.com
  • eigene Anmerkungen

 

Gottes Segen Euch allen!

 

1. Thessalonicher 5,23

"Er selbst aber, der Gott des Friedens, heilige euch völlig; und  vollständig möge euer Geist und Seele und Leib untadelig bewahrt werden bei der Ankunft unseres Herrn Jesus Christus!"

 

Amen